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Monatsarchiv: Februar 2012

Siris Lieblingszitate, Thráinn Bertelsson

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Siris Lieblingszitate, Thráinn Bertelsson

In seiner Freude, nichts wissen zu müssen, schlug Sokrates einen Flickflack am Strand.

Das fand ich beim Aufräumen von Regalbrett 3 in Thráinn Bertelssons Roman “Bertels Sohn. Ein Leben in Island.“ Es das isländischste aller isländischen Bücher, die ich kenne – ich kenne nur zwei ;-)

Liebe Grüße
Siri BuchFee

Masterchen privat

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Masterchen privat

„Schöne Kunst ist diejenige, die das hohe Ziel hat, die Menschheit zu veredeln, ihr das Schöne, Wahre, Erhabene zu zeigen, ihren Sinn für die Natur zu wecken, das Laster in seiner ganzen Hässlichkeit darzustellen mit einem Worte, den Menschen auf den Punkt zu erheben, für den ihn der Schöpfer bestimmt hat.“      Gottfried Keller

Der Master ist wieder unterwegs. Das ist eine gute Gelegenheit Euch meine Papierkorb-Bilder vom Master zu zeigen, bevor ich den endgültig leere. Oh, hoffentlich sieht Masterchen die nicht, aber der hat zum Glück gerade keine Netzverbindung. Diese Bilder hat er nämlich in einem narzisstischen Anfall zensiert, „bitte löschen!“
Ich frage mich jedoch: Was ist ein interessantes Bild? Auf jeden Fall muss das doch nicht „schön“ sein – oder? Und was macht denn überhaupt ein Bild schön? Und überhaupt, was ist schön?

Masterchen findet sich auf diesen Bildern gar nicht gut getroffen, wir sind da völlig anderer Meinung. “Schön, iiiih, das endet fast immer in starren Klischees”, meint Siri, “so etwas wie die gähnlangweiligen Illustriertenfotos oder schlimmer noch, jene gehübschten 08/15-Fotos der Bilddatenbanken, die bis zur Seelenlosigkeit bearbeitet sind.”

Aber ist Masterchen nicht wie jeder von uns: Er zensiert, was von seinem geschönten Selbstbild abweicht?

SiriFee empfindet das ganz anders: Schön ist das Ungewohnte, die Abweichung vom Erwartungshorizont – zugegeben, zu groß darf sie nicht sein, aber das ist sie doch bei diesen Bildern nicht – oder?

Ich habe Dina gefragt, was ein schönes Bild ausmacht. “Schön ist, was mir auf Anhieb gefällt. Das mögen Stimmungen, ungewöhnliche Kompositionen, Kontraste sein, wobei ein Bild auch “schön” sein kann, einfach weil es schöne Erinnerungen abruft. So wie Tantchens Bilder in “Ferienzeit”.”
Siri meint – ungefragt (ja, meine Schwester ist oft vorlaut) -, dass ”schön” ein Feld-Wald-und-Wiesen-Wort sei, ein inhaltloses Adjektiv wie gut, nett, hübsch und erhaben zum Beispiel. Es sei ein Ausdruck, der bei Denkfaulen beliebt ist, erklärt sie mir, und setzt verschwörerisch grinsend hinzu “eigentlich kann man schön, gut und nett heute nur noch ironisch benutzen.”
Naja, das ist eben meine megakluge Schwester, aber wir “Normalen” wissen doch ganz genau, ob wir ein Bild für schön oder hässlich halten. Erstaunlich ist, dass sich Mengen von klugdenkerischen Philosophen mit einer Definition von Schönheit herumplagten, mit der Hässlichkeit, die doch auch ihren Reiz hat, beschäftigte sich einzig Umberto Eco. In seiner bebilderten “Geschichte der Hässlichkeit” stieß ich auf viele schön hässliche Bilöder. Da seid Ihr platt, nicht?!

Was meint Ihr denn, was ein Bild schön macht?

Liebe Grüße
Eure Selma BilderFee und Gruß von  Siri BuchFee und Dina

Buchtalk: Knut Hamsun

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Buchtalk: Knut Hamsun

Zu Hamsuns 60. Todestag am 19. Februar

“Einen Dank für die einsame Nacht, für die Berge, für das Rauschen der Finsternis und des Meeres, es rauscht durch mein Herz! Einen Dank für mein Leben, für meinen Atemzug, für die Gnade, heute Nacht leben zu dürfen, dafür danke ich von Herzen! Lausche nach Osten und lausche nach Westen, nein, lausche! Es ist der ewige Gott! Diese Stille, die gegen mein Ohr murmelt, ist das siedende Blut der Allnatur, Gott, der die Erde und mich durchwebt.”
Knut Hamsun, Pan

Knut Hamsun. Freundliche Leihgabe von Kirsten H. Rasmussen

Also, Ihr Lieben, heute Nacht war was los bei uns. Da hat doch unser Master völlig troddelig die Bücher Hamsuns zwischen Henrik Ibsen und Sigrid Undset ins Regal gestellt. An Schlaf war nicht zu denken, große Randale auf Regalbrett 3 Nord. Ich sage Euch, dieser störrische Hamsun ist wirklich ein Störenfried, ein grumpy old man, wie wir hier sagen. Ich glaube, Ibsen war ihm zu modern. Bei Ibsen war Nora vom Geist der Befreiung beseelt, während für Hamsun die Frauen unerreichbare, hehre Wesen waren. Naja, vielleicht war es einfach Neid, denn Ibsen war damals sooo viel bekannter als er. Dennoch sollte Ibsen – ich finde das völlig unberechtigt! – nie den Literaturnobelpreis erhalten, den Hamsun als zweiter Norweger im Jahre 1920 zugesprochen bekam – nach Bjørnstjerne Bjørnson, für dessen Bauernerzählungen er schwärmte. In seinem Werk „Mysterien“ bringt Hamsun wie in der mittelalterlichen Dichtung üblich einen Dichterkatalog, bei dem Ibsen zusammen mit Tolstoi und Maupassant schlecht wegkommen, wobei Bjørnson und de Musset sehr gelobt werden. Ja, Hamsun konnte Ibsen partout nicht leiden, was er laut herausposaunte und seine Beliebtheit nicht gerade steigerte. Hamsun war schon ein eigensinniger Querkopf.
Zur dritten norwegischen Nobelpreisträgerin Sigrid Undset verhielt sich Hamsun wie Feuer zu Wasser. Während Hamsun nicht nur auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an von Ossietzky (1935) mit massiver Kritik reagierte und die Einrichtung von Konzentrationslagern rechtfertigte (Ossietzky befand sich im KZ Esterwegen) und 1943 Hitler und Göbbels in Deutschland besuchte, hat Sigrid Undset das besetzte Norwegen als Unterstützerin des norwegischen Widerstands verlassen müssen. Hamsun wurde im besetzten Norwegen als Dichter Nummer eins hoch gelobt, er war neben Karl May einer der Lieblingsschriftsteller von Hitler, der „Segen der Erde“ als Blut-und-Boden-Literatur goutierte. Allerdings sollte sich das nach dem Krieg drastisch ändern. In seinem Eigensinn schrieb Hamsun noch einen Nachruf auf Hitler und dann ging`s bergab mit ihm. Er wurde nach dem Krieg als Landesverräter verhaftet, zu einer ruinösen Geldstrafe verurteilt und eine Zeitlang in die Psychiatrie eingewiesen, worauf er 1949 in „Auf überwachsenen Pfaden“ eingeht und reuelos seine Haltung rechtfertigte. Erst zu Hamsuns 150. Geburtstag 2009 schlossen die Norweger offiziell mit ihm Frieden, indem die Königin die feine Unterscheidung zwischen Hamsun als Autor und als Person machte. Und wir beide Feen müssen zugeben, dass wir in Hamsuns Romanen keine faschistischen Stellen gefunden haben – wirklich nicht! Als Sigrid Undset gleich nach dem Krieg nach Norwegen zurückkehrte, wurde sie hoch gelobt und ausgezeichnet, Hamsuns Werke dagegen wurden von einigen Norwegern vernichtet, wie es Lars Saabye Christensen in seinem Roman „Der Halbbruder“ beschreibt: „Der Autor war während des Krieges ein Lümmel. Deshalb haben wir seine Gesammelte Werke hier im Kaminofen verbrannt.“

„Jetzt hast du dich über Hamsuns politische Einstellung mokiert, aber wo bleibt der Dichter Hamsun?“, kritisiert mich Selma. „Naja, der Hamsun ist einer, der mehr gelobt als gelesen wird“, rechtfertige ich mich, die mit Hamsun ihre Schwierigkeiten hat. Ehrlich gesagt, finde ich Hamsun langweilig. Klar, das weiß ich doch als BuchFee, hat Thomas Mann Hamsun hoch gelobt. Er bezeichnete ihn als den würdigsten Nobelpreisträger und sicher hat dieser norwegische Querkopf moderne Techniken des Romans wie den inneren Monolog und die erlebte Rede vorbereitet, auf ihn konnten Joyce und Proust aufbauen und selbst zeitgenössische norwegische Autoren wie Saabye Christensen und (Masters verehrter) Jan Kjærstad beziehen sich Hamsun, wie auch Ernest Hemingway, Hermann Hesse, H.G. Wells, Henry Miller, Bert Brecht und Robert Musil. Dennoch fand ich Hamsun einschläfernd. Er wird ja wegen seiner Landschaftsbeschreibungen und Naturmystik gelobt, ich fand jedoch außer in „Pan“ und „Die Schwärmer“ nicht viel davon. Nach all der Hamsun-Leserei griff ich abends im gemütlichen Kuschelbettchen zu Georg Engels Roman „Zauberin Circe“. Im Gegensatz zu Hamsun ist sein Zeitgenosse, der Bestsellerautor Engel, heute völlig vergessen, aber wer Naturschwärmereien liebt, der sollte lieber zu Engel als zu Hamsun greifen.

Unser Master sprach ganz verwirrt von „Hamundsen“ als wir gemeinsam die alte Hamsun-Ausgabe auf der Suche nach Naturmystik durchblätterten, als ob Amundsen und Hamsun etwas gemeinsam hätten – oder doch? Wie dem auch sei, naturmystische Schilderungen fanden wir in „Pan“ und „Die Schwärmer“ (dort nur in winzigen Abschnitten), ein Loblied auf die Erde und das bäuerliche Leben in „Segen der Erde“, das Masterchen, Dina und ich als seinen lesenswertesten Roman fanden. Dies war der einzige Roman Hamsuns, bei dem ich wissen wollte, wie er ausgeht. Große Schwierigkeiten hatte ich, „Mysterien“ zu lesen, einen Roman bei dem ich bis heute nicht verstanden habe, warum Hamsun – für mich völlig unmotiviert – ständig zwischen Präteritum und Präsenz wechselt. Oder sollte das an den schlechten Übersetzungen liegen, angesichts derer unsere liebe zweisprachige Dina sich die Haare raufte.
Sicherlich waren Hamsuns psychologische Überlegungen damals acht Jahre vor Freuds Erscheinen der „Traumdeutung“ neu, heute wirken sie jedoch wie abgestanden Altbekanntes. Das Skurrile und Fantastische der Geschichte hätte selbst ich besser verdichten können. Diese überzogene Liebesgeschichte war ja fast so exaltiert wie Goethes Bestseller „Die Leiden des jungen Werther“, der heute nicht ohne Lachkrämpfe zu lesen ist. Dennoch schuf Hamsun mit Nagel, dem wundersamen Exzentriker und Hysteriker in „Mysterien“ einen postmodernen Helden, wie auch in jenem erfolglosen, ja lächerlichen Schreiberling in „Hunger“. Der Versager als Held, das hört sich nach einem Nihilismus á la Nietzsche an, meint Masterchen – oder sollte sich dahinter Hamsuns panische Angst vor dem Alter verbergen?
In „Viktoria“ werden Liebe und Sexualität als Naturmächte, denen der Mensch ausgeliefert ist, überhöht. Und immer schreibt Hamsun gegen die böse Großstadt und den Fortschritt an, auch ein Thema in „Hunger“, der Roman, der seinen Weltruhm begründete, unter anderem deswegen, da er auf den damals üblichen vermittelnden Erzähler verzichtete und eindringlich aus der Ich-Perspektive erzählt. Man kann dieses Buch nicht weglegen oder schmeißt es nach den ersten drei Seiten ins Feuer, schrieb treffend ein Rezensent.
Mich hat es ja fast von meinem Regal geworfen, als ich „August Weltumsegler“ las, die Geschichte eines Spekulanten, die sich fast wie eine Vorausschau der heutigen Finanzkrise liest. Dort unterstrich ich dick: „Der Mensch will höher fliegen, als ihm die Flügel dazu gewachsen sind. Da fällt er herunter.“

„Wenn wir dann eine Zeitlang gewandert sind, dann wandern wir noch eine Weile; wir wandern einen Tag, darauf eine Nacht, und endlich in der Dämmerung des nächsten Tages ist die Stunde gekommen, und wir werden getötet, in Ernst und Güte getötet. Das ist der Roman des Lebens mit dem Tod als letztem Kapitel. Das ist alles so mystisch.“ (Knut Hamsun, Das letzte Kapitel) Hamsun starb vor 60 Jahren auf seinem Gut Nørholm bei Grimstad.

Meine Schwester Selma pocht darauf zu erwähnen, dass es noch heute glühende Hamsun-Fans gibt. Wer sich für “Hamsunika” interessiert, der schaue sich mal diese österreichische Seite an.

Grüße vom Master und meiner Schwester Selma
Eure Siri BuchFee

Siris Lieblingszitate, Jan Kjaerstad

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Siris Lieblingszitate, Jan Kjaerstad

“Ein verständliches Buch ist eine Lüge.”

Dieses Zitat steht auf der letzten Seite von Jan Kjærstads postmodernen Roman “Homo falsus oder Der perfekte Mord“. Ein paar Sätze zuvor schreibt dieser hoch ausgezeichnete norwegische Autor:
“von allem Blendwerk, mit dem das Leben uns droht, dieses das gefährlichste ist: zu glauben, es gebe nur eine Wirklichkeit, und die sei verständlich.”

Alles klar?!

Liebe Grüße
Siri BuchFee

Siris Lieblingszitate, Marcel Proust

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Siris Lieblingszitate, Marcel Proust

In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. Das Werk des Schriftstellers ist dabei lediglich eine Art von optischem Instrument, das der Autor dem Leser reicht, damit er erkennen möge, was er in sich selbst vielleicht sonst nicht hätte erschauen können.

Das fand ich im letzten dieser grauen Bände von Marcel Prousts fiktiver Autobiografie “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, die André Gide als Verlagslektor ablehnte, was er jedoch als seinen größten Fehler bezeichnete, nachdem Prousts Werk von dem deutschen Romanisten Ernst Robert Curtius entdeckt wurde.

Liebe Grüße
Siri BuchFee

Siris Lieblingszitate: Charles Dickens

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Siris Lieblingszitate: Charles Dickens

Am Morgen hörte ich es viele Male im Radio: Heute feiern wir den 200. Geburtstag von Charles Dickens. Happy Birthday!

Jeder Engländer kennt David Copperfield, der in seinem schwierigen Leben ähnliche Stufen durchlief wie sein Autor. Auch Dickens musste bereits mit zwölf Jahren wegen der Verarmung seiner Familie in einer Fabrik arbeiten, weswegen es ihm gelang, dieses Milieu derart genau mit vielen Nebenhandlungen zu beschreiben. Oliver Twist, der im Armenhaus aufwuchs, ist genauso bekannt, aber faszinierender noch ist die Figur des Fagin aus diesem Roman, dieses Bösewichts, der von Dickens wie die meisten seiner Romanpersonen derart genau charakterisiert wurde, dass er zum Bild des Bösen für die Engländer wurde. Die Stärke der Romane von Dickens liegt neben der genauen Milieuschilderung in seinen Romanpersonen, die bis zur kleinsten Nebenfigur treffend und mitreißend beschrieben werden.
Obwohl Dickens als Journalist und Romanautor die haarsträubenden Verhältnisse der Armen im England seiner Zeit anprangert, ist er zugleich – very British – immer auch humorvoll.

Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?

Charles Dickens

Grausig Grau?

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Grausig Grau?

Schwarz und Weiß, eine Totenschau,
Vermischt ein niederträchtig Grau.
Goethe

Was für ein Wetter heute, alles grau in grau. Ideal für mich, Selma BilderFee, den Master zu überreden, mit mir zusammen über diese ungeliebte Farbe zu schreiben. Aber hallo, was heißt hier eigentlich ungeliebt? Gewöhnlich gilt Grau als langweilig und Synonym für Eintönigkeit und trübe Stimmung. So schreiben die meisten, aber ist das nicht ein Klischee? Ich finde Grau toll! Graues Wetter ist gemütlich, am besten vom Kaminzimmer aus betrachtet mit loderndem Feuer und ein paar Kerzen. Schlechtwetterliebhaber wie Master und Dina zieht es hinaus, um tolle Fotos zu machen, vom Meer, Sturm und Regentropfen. Nie erscheint Venedig den Fotografen magischer als im grauen Winternebel (und Graubilder vom Master aus der Arktis könnte ihr auf Dinas Blog bewundern).

*Mein graues Lieblingsbild von Jan Mayen. Grau + Farbe = eine vortreffliche Wirkung!

Seit Goethes „Grau, Freund, grau ist alle Theorie …“ (Faust I) ist Grau in Verruf geraten. Als blutleere, langweilige Farbe wird es abgetan. Wir sprechen von der „grauen Maus“ und verbinden Grau mit Tristesse. Nach antiker Vorstellung sind die Toten graue Geister, die im nebliggrauen Schattenreich der Unterwelt leben. Grau ist dem „Grausen“ und „Grausamen“ verbunden.
Aber ist nicht diese aus Schwarz und Weiß gemischte Farbe ein Ausdruck der Differenzierung? Licht (Weiß) und Finsternis (Schwarz) mischen sich, um einen neuen Farbcharakter (die Grauzone) entstehen zu lassen. Grau sagt: „Es ist doch nicht alles schwarz oder weiß!“ Klare Absage ans Schwarz-Weiß-Denken.
Der Eigenbrötler bei uns zu Hause backt Graubrot, so lecker, und kennt ihr eigentlich Graue Literatur? Wir Buchfeen kennen uns da aus bei der Literatur, die nicht über den Buchhandel vertrieben wird- (meist besonders lesenswerte und wertvolle Sammlerstücke im Gegensatz zum Bestsellerramsch.)

Hach, Siri nervt gerade: Ich soll euch unbedingt fragen, warum es zwar das Morgengrauen aber kein Abendgrauen gibt.

Hvaler, Norwegen

Hvaler, Norwegen, Dinas geliebtes Sommerparadies

Fiel euch auf, den meisten Menschen steht graue Kleidung gut. Grautöne wirken fein und strahlen eine zurückhaltende Eleganz aus. Es sind nicht nur die Männer in grauen Anzügen aus Michael Endes Roman „Momo“, die Grau als Zeichen der Angepasstheit tragen, sondern auch modebewusste Menschen, die graue Schals oder graue Pullover wählen.
Und wie ist es mit den grauen Panthern und den grauen Eminenzen? Diese Grauen sind typisch für die Verbindung von alt mit grau, da Altes staubig ist und weil man mit dem Alter graue Haare bekommt. In Zeiten der Jugendkultur ist Grau out. Die graue Eminenz mag zwar älter sein, aber in dem Ausdruck zeigt sich auch die Macht, die im Hintergrund steht. Grau ist die am wenigsten auffällige Farbe. Es ist zudem Symbol der Armut und Bescheidenheit. Die Grisetten sind schlichte graue Kleider, die arme Frauen bei der Arbeit trugen. Später wurde Grisette zum Ausdruck für die billigsten Prostituierten.

Die berühmte Treppe in der Bauhaus-Universität, Weimar (Henry van de Velde)

Maler im Umkreis von „de Stijl“ und „Bauhaus“ waren überzeugt, dass alle Farben einen Grauanteil aufweisen. Sie zitierten Wilhelm Ostwald, der Grau als wesentliche Farbe erkannte und den Grauton jeder Farbe beobachtete. Da er für die niederländische Künstlergruppe „de Stijl“ zur Kultfigur wurde, brachte das eine Beschäftigung der Avantgarde mit Grau mit sich. Piet Mondrian (berühmtester Stijl-Künstler) schuf um 1918 eine Reihe monochrom grauer Bilder („Raute mit grauer Linie“).
Schönste Grautöne produziert die Schwarz-Weiß-Fotografie, bei der Grauabstufungen den Charme ausmachen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Daguerreotypie (frühe Fotografie) beschäftigten sich kunstinteressierte Kreise mit Grau und bemerkten, wie Grau ebenso differenziert ist wie die bunten Farben

Eisblitz in der Arktis (NO Küste Grönlands)

Pssst … viel mehr graue Eis-Knipsis und graubunte Bilder aus der Arktis gibt es Mitte Februar in Recke zu sehen. Übrigens eine Premiere für Masters Vortrag ”Eine Reise ins Eis”.

Die Heilige Elisabeth. Heller-Altar von Matthias Grünewald

Masterchen meinte, das müssen wir noch für Kunstinteressierte bringen: Grau in Grau zu malen nennt man Grisaille-Technik, man spricht von „der Malerei in Totfarben“. Im Hochmittelalter kam diese Technik auf, als die Zisterzienser begannen, keine Buntheit in ihren Kirchen zu dulden. Das Glas der Fenster, die Wände und Pfeiler wurden in Grautönen gehalten. In Totfarben gemalte Ornamente wirken wie in Stein gehauen. Giotto malte zu Beginn des 14. Jahrhundert die Arena-Kapelle zu Padua mit den sieben Todsünden aus – Grau in Grau. Nach Giotto passt Grau zum Bösen, ebenso scheint auch Picasso bei seinem wohl berühmtesten Bild “Guernica” gedacht zu haben. Die vielleicht bekanntesten Beispiele für Grisaillemalerei sind der Matthias Grünewald-Heller-Altar “Heilige Elisabeth” (um 1508) und “Johannes der Täufer predigend” (1634/5, Preußischer Kulturbesitz) von Rembrandt.
Übrigens, die Mitglieder der Kongregation der Schwestern von der Heiligen Elisabeth werden wegen ihrer grauen Kleidung auch die Grauen Schwesterngenannt.

Anmerkung von Selma: Wer Genaueres über die Wirkungen der Farben hören möchte, der sollte zu Masters Veranstaltungen in Berlin oder Frankfurt/Main im März kommen.

Unbunte Grüße
von Selma Buch- & BilderFee und dem Master

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