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Peeping Tom

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Peeping Tom

Oh, ich bin sooo flatterig, mein neues Projekt,die Vorstellung der Leute in diesem kleinen Dorf am Meer macht mich ganz aufgeregt. Als OberHilfsFee des Masters soll ich nämlich Skurriles für die Personen seines neuen Romans sammeln. – Ich, SiriFee, beginne heute mit dem DorfVoyeur, naja, ehrlich gesagt, voyeuriert hier fast jeder, aber meistens nur Vögel. Peeping Tom spezialisierte sich jedoch auf  anderes. Er ist einer aus der Legende von Lady Godiva, die nackt aus Steuergründen erfolgreich durch Coventry ritt. Das fand ich im Netz. Aber warum ins Netz schauen, wenn unter unseren Fenstern eine Gestalt im Dunkel der Nacht durch die Gärten schleicht, um das zu erspähen, bei denen die Betrachteten sich alleine wähnen?

Die Straße vor unserem Haus, schön oder? Keine Autos, keine dränglende Meute Radfahrer und.... merkt Ihr was..? Die himmlische Stille. Also, Dina kann nicht genug davon hören. Und stellt Euch vor, ein klein wenig weiter, quasi in Eurem Rücken, da liegt die Kirche, in der die Hauptszenen aus Higgins Roman spielen. Wiie, Ihr kennt die Kirche, unsere schöne Kirche, nicht? Und Higgins Roman auch nicht? OMG, das muss ich sofort in meinem Feenbuch notieren. Und mein FotoknipsiNikiFee aufladen.

An der gewundenen Hauptstraße durchs Dorf, ganz in der Nähe der viel fotografierten, gemalten, auf Geschirrtüchern, Bechern und Tellern abgebildeten Mühle, führt in einem viktorianischen Laden Tom ein Antiquariat mit restaurierten Seltenheiten. Oft fliege ich die fünf ausgetretenen Steinstufen zum Antiquariat hoch, wenn ich aus der engen, aber freundlichen Gasse herauskomme, um nach Masters Boot an der Mühle zu sehen.

Die viel bewunderte Mühle beim Antiquariat

Als BuchFee plaudere ich sooo gerne mit Tom über alte Bücher, vornehmlich Werke über Expeditionen in arktische Gefilde, die er im Glasschrank präsentiert. Diese Bücher sind Raritäten, Erstauflagen mit Widmungen für Berühmtheiten. Nicht nur, dass ich diese Schätze ehrfürchtig berühren darf, als BuchFee darf ich sie auch durchblättern, um mich an der Harmonie des Bleisatzes und des feinen Papiers zu erfreuen.
Stellt Euch vor, Tom kam in die Zeitung. Ihr werdet Euch fragen, wie gelangt es einem schüchternen, weißhaarigen Buchhändler, einen großen Artikel in der lokalen Zeitung zu bekommen?

Obwohl wir uns alle zu kennen meinen, uns mit „Nachbar“ betiteln, was ein gewisse Intimität ausdrückt, gibt es Geheimnisse, die in unserem Dorf jedoch nie lange Geheimnisse bleiben, da im scheinbar ewig Gleichbleibenden sich das Außergewöhnliche deutlich abhebt. So setzte sich auch Toms außerordentliche Spezialität von seiner eher biederen Erscheinung deutlich ab, dass ich unwillkürlich an Jekyll und Hyde denken musste.

Ihr glaubt es kaum: Tom kam in die Zeitung, weil er durch ein Fenster guckte.
Genau so hat er es der Polizei erklärt, als er auf seinem Klappstuhl stehend von der Polizei angetroffen wurde.
„Was machen sie da?“, fragte der Polizist, obwohl er es genau wusste, da er wegen dieses Vorfalls gerufen worden war.
Tom als Mann der Literatur antwortete erstaulich präzise: „Ich schaue durch ein Fenster.“

Hinter dem Fenster lag junges Paar, Urlauber, und sie lagen nach verschämten Aussagen nicht nur still nebeneinander, die Hände auf der Bettdecke.

Kurzum, Tom wurde verhaftet. Wow, die erste Verhaftung in Cley seit zwanzig Jahren, das ist schon einen Artikel wert.

Einer der smarten Anwälte mit modischer Brille aus der Millionaire`s Row an der Küstenstraße meinte, es läge gar kein juristisch relevanter Tatbestand vor, denn Tom habe Leute angesehen. Es gäbe keine gesetzliche Vorschrift, die verbiete, durch ein Fenster Leute anzuschauen. Tom muss nur behaupten, dass sie nicht gevögelt haben, zumindest habe er das nicht sehen wollen – wenn die wüssten, was wir als Feen alles sehen …
Auf jeden Fall meint das Dorf, das zu sowas sogleich kollektiv eine Meinung bildet, dass Toms Art der Lustbefriedigung zwar exzentrisch sei, aber doch eigentlich harmlos. Immerhin, behaupteten einige lächelnd, befriedigt Tom unsere exhibitionistische Seite, die mehr oder weniger verborgen in jedem von uns schlummert – selbst bei uns BuchFeen.

Tom sitzt über noch mehr Bücher tief gebeugt in seinem Buchladen am Schaufenster. Er muss das Geld verdienen, um den Urlaubern Kompensation und den Polizeieinsatz zu bezahlen. Gestern unterhielt ich mich mit ihm über des Masters wurmstichige Nansen-Ausgabe, erste englische Auflage, ob er die durch unser Wohnzimmerfenster schon gesehen hat?

Siri, BuchFee und Masters Muse

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk, 2011

Über Klausbernd

Autor (fiction & non-fiction), Diplompsychologe (Spezialist für Symbolik, speziell Traum- und Farbsymbolik)

Eine Antwort »

  1. Wie Ihr Euch denken könnt, ist ein Tante Emma Laden“ der Ort des Klatsches“- Kundenpflege gehört dazu. Somit gab ich Peeping Tom`s Geschichte zum Besten.Einhellige Meinung, kein Wunder, wenn der nur immer zwischen verstaubten Bücher hockt, das der auch mal Lust auf das pralle Leben bekommt,Meine Kunden verwunderte mehr, das nicht das ganze Dorf erschien, als Peeeping Tom den Stuhl erklimmte, aus Angst etwas zu verpassen. Ihr müßt wissen, in meinem Wohnort muß Du nur intensiv in den Himmel starren, sofort gesellen sich, in kürzester Zeit, weitere Himmelsgucker um Dich. Fragen Vorübergehende, was denn so aussergewöhnliches zu sehen sei, hat Jeder eine Erklärung!
    Es scheint eine britische Skurrilität,Gegenstände zu erklimmen, um etwas „zu erhaschen“, denkt doch an Miss Marple im Waschsblumenstrauss. Sie steigt auf einen Pferdewagen, um der Testamentseröffnung lauschen.(geöffnetes Fenster).,
    Die letzten 2 Tage litten wir unter unangenehmen schwülen 34 Grad, für meine Obstsorten Gift!
    Vor allem die sensiblen Kirschen litten.Zu Kirschen habe ich eine amüsante wahre Geschichte. Ein 44jähriger konsumierte reichlich Alkohol. Davon beflügelt ging er mit dem 12 jährigen Nachbarsjungen auf den Balkon, um sich mit dem Kind in Kirschkern-Weitspucken zu messen.Offenbar nahm der Mann zu viel Schwuntg, er verlor das Gleichgewicht u. kippte über die Balkonbrüstung. Er kam auf die Intensivstation. Geschehen Im Juni 2011in „meiner Stadt“.Wer von Euch kann denn von anderen witzigen skurille Tatsachen berichten? Geniesst das wahre Leben, denkt an Peeping Tomas, herzlichst Euer Tantchen.

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