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Sturm

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Sturm

Hier ist was los, kann ich Euch sagen und eigentlich darf gar nichts los sein. Ich, Siri Buchfee, konnte auf Regalbrett 4 mich gar nicht mehr auf mein Buch konzentrieren, so pfeift, rauscht und klappert es. Türen fliegen auf und im Garten ist der Master damit beschäftigt, die Mülltonnen festzubinden. Alles was lose ist, fliegt munter übers Grundstück, so dass wir striktes Flugverbot haben. Selma entkam gerade noch der Wäschespinne unserer Nachbarin, die sich wild drehend voller Buntwäsche aus der Verankerung gerissen hatte und knattert über unseren Garten gen Meer flog. „Gutes Trockenwetter“ bemerkte Dina noch beim Frühstück zu uns, aber der Master traute dem Wetter nicht, da der Luftdruck mächtig gefallen war, wobei der noch mäßige Wind auf Südwest zurückdrehte.

Unser geliebter Feigenbaum im Schönwettersturm

Ihr glaubt es kaum, die Sonne scheint vom Feinsten aus postkartenblauem Himmel bei sommerlichen Temperaturen von 23 Grad. Aber das habe ich schon bemerkt, es beginnt hier oft bei schönstem Wetter plötzlich zu stürmen. Wehe dem, der jetzt auf See ist – nicht jedoch Masters Freund und Lektor Martin Haeusler, der bei jedem Wetter segelt. Mein Windanzeiger zeigt Bf 7 in Böen auffrischend 8, da fliegt Martin wie der Holländer lachend übers Meer.

Der Master kämpft mit dem Wind

Der Master sprach von steifer Brise, die einem die Haare vom Kopf weht, nun nennt er es Sturm. Da soll sich noch einer auskennen. Charles Dickens, das erinnere ich mich, hat als einer der Ersten versucht Windstärken zu bestimmen, aber durchgesetzt hat sich Sir Francis Beauforts Einteilung der Windstärken von 1805 (die Beobachtungen von Dickens berücksichtigt), die sich nach Wellenhöhen auf See und der Bewegungen der Äste der Bäume richtet. Beaufort als Hydrograf der Admiralität sah es so: Bei einer steifen Brise beginnen Bäume zu schwanken, es bilden sich Schaumkronen auf den Wellen. Dann eilt unser Master heraus, um die Gießkannen hereinzuholen, die feengleich dem Luftgeist Ariel folgen wollen. Außerdem muss das B&B-Schild eingeholt werden, das sonst aus seiner Verankerung reißt. Beim Sturm dagegen brechen Äste, es bilden sich Brecher, deren Gischt weit verweht wird. Nun beginnen sich die Gartenmöbel selbstständig machen, sie wollen ihren Standort verlassen.

Also ganz klar: Wir haben Sturm. „Das ist ein Wind, der die Höchstgeschwindigkeit überschreitet, also ein Sturm“, ruft aufgeregt Selma vom Fenster, die voll sauer ist, da sie nicht herausfliegen darf, um Knipsis zu machen. „Auch nicht, wenn ich mich festbinde?“, jammert sie. Sie wirft dem Master lamentierend vor, nicht die Fenster fotogerecht geputzt zu haben.

Da unsere liebe Dina morgen abfliegt, wollen der Master und sie heuten Abend fein im Nachbarort essen gehen. Dina sammelt gerade im Windschatten des Hauses größere Feuersteine, die sie in ihre Jackentasche stecken möchte, um nicht ins Meer verweht zu werden. Sie hat auf See Bf 9 bis 10 erlebt auf einem Segelboot, bis der Hubschrauber der Seenotrettung kam. Uff, wenn das der Master sieht, dass seine Beeteinfassungen lückenhaft geworden sind …
„Ich lege sie gleich zurück, wenn wir zurückkommen“, verspricht sie gleich einem Mädchen.

„Eigentlich ist das mit den Stürmen zu Herbstbeginn gar nicht schlecht. Die Natur wird bereinigt“, meint meine praktische Schwester Selma immer noch auf der Fensterbank hockend, nicht mehr sauer, eher fasziniert. „Schau doch, alles Verblühte und Abgestorbene wird weggeweht, große Gartenreinigung! Aber, oh Schreck, was ist denn da passiert?“ Jetzt sehe ich es auch. Der Sturm brach einen großen Ast von unserem geliebten Feigenbaum ab. Die Feigen werden über den Rasen getrieben, Selma ist ganz traurig.

Der Feigenbaum nach dem Sturm

Eure Siri BuchFee mit flatternden Flügeln

© Klausbernd Vollmar, Cley next the sea 2011

Über Klausbernd

Autor (fiction & non-fiction), Diplompsychologe (Spezialist für Symbolik, speziell Traum- und Farbsymbolik)

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