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Picasso und ich

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Picasso und ich

„Wir wissen alle, daß Kunst nicht Wahrheit ist. Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt, wenigstens die Wahrheit, die wir als Menschen begreifen können. Der Künstler muß wissen, auf welche Art er die anderen von der Wahrhaftigkeit seiner Lügen überzeugen kann.“
Pablo Picasso, dessen  130. Geburtstag wir heute feiern.

Hallohallo, da bin ich wieder, Eure Siri. Wisst Ihr eigentlich, dass ich, Masters Muse und Chronistin, auch seine Kunst- und Farbassistentin bin? Heute am 130. Geburtstag von Pablo Picasso (geb. 25.10.1881), feiere ich als Farbfee den genialen Maler mit ein paar Worten zu seiner blauen und rosa Periode. Das war bevor er abstrakt wurde.

Happy Birthday Picasso!

Schon früh begann Pablo Ruiz Picasso mit dem Malen, ab 1901  hatte er seine sogenannte „blaue Periode“, die 1905 von der „rosa Periode“ abgelöst wurde und bereits 1907 endete. KnipsiSelma bedauert es bisweilen heute noch, es hätte ruhig etwas länger dauern können, sooo schön sind seine Werke aus dieser Zeit!

Der brilliante Künstler wurde in Málaga geboren, wo sein Vater Kunst- und Zeichenlehrer und Aufseher im Stadtmuseum war. Picasso war ein schlechter Schüler, was meine KnipsiFeeSchwester Selma übrigens mit Begeisterung wahrnahm. (Pssss….bei uns zu Hause zählt laut Master nur Bildung, Bildung, – was Selma und Dina manchmal gähnend langweilig finden, die nennen den Master „Kopffüssler“ und machen dann schmunzelig Knipsis von seinen „Thinking feet“ –  vielleicht zeigt Euch Selma die mal.) Jedenfalls  mit 5 Jahren konnte Picasso sich mit Zeichnungen besser ausdrücken als im Schriftlichen.

Er setzte seine Ausbildung in La Coruña und Madrid fort, und mit 18 Jahren führte er ein intensives Leben im künstlerischen Ambiente von Barcelona.
1901 lernte Picasso die Kunstmetropole Paris und damit die Arbeit der Impressionisten kennen, die ihn sehr beeindruckten und ihn zu Bildern von Außenseitern der Gesellschaft, wie Bettlern, Obdachlosen und einsamen Menschen inspirierten. Aus seiner damaligen Ideologie (Anarchismus und gesellschaftliche Unruhe) entwickelte sich seine „Blaue Periode“, denn die Farbe war geradezu ideal, um Schwermut, schlechte Angewohnheiten und Unglück auszudrücken. Da diese zwischen 1901 und 1904 entstandenen Bilder in kühlen bläulich-grünlichen Tönen gehalten sind, nennt man diese melancholische Schaffensphase die „Blaue Periode“.

1904 liess er sich in Paris nieder und begann mit der sogenannten „Rosa Periode“, welche die gleichen Themen wiederspiegelte, auch wenn andere Farben vorherrschend waren, jetzt begannen rosa Töne in Picassos Werken zu dominieren. Picasso zelebrierte geradezu Schönheit. Im Vergleich zur Blauen Periode gab es nur noch wenig Melancholie in seinen Werken, das Blau wich in den Hintergrund. Doch war es im Frühjahr 1907, mit dem Werk „Las chicas de Avinyó“, welches später als „Les demoiselles d´ Avignon“ bekannt worde, als das revolutionäre Manifest des Kubismus begann.

Das nur vorweg zu Picasso, Blau und Rosa, hmmm, da fragte ich mich, warum Mädchen nicht auf Blau, sondern eher auf Rosa stehen und warum männliche Babys in himmelblaue und weibliche in rosa Strampelhöschen gesteckt werden. Wisst Ihr es? Und könnt Ihr Euch vorstellen, Ihr habt gerade einen Jungen zur Welt gebracht und die Hebamme bringt Euch den, fein in Rosa eingewickelt? Rosa, igitt!

Kaum ein Klischee verfolgt uns so hartnäckig wie das der „Mädchen-“ und „Jungenfarben“. Verzweifelte Eltern versuchen, ihr Töchterchen zu einem grünen Kleid zu überreden. Sie aber weigert sich lautstark, auf ihre Lieblingsfarbe Rosa zu verzichten. Die Eltern raufen sich die Haare angesichts dieser Geschmacksverirrung: „Wer hat denn unser Kind auf diesen Kitsch gebracht?“
Zur Beruhigung: Töchterchen kann gar nichts dafür und die Eltern ebenso wenig. Der Grund ist naheliegend und historisch doch so fern: Es sind die rosa Früchte. Das zumindest behaupten Neurowissenschaftler der britischen Universität Newcastle. Sie fanden in Tests mit über 200 Teilnehmern heraus: Die  Lieblingsfarbe der meisten Menschen ist Blau. Darüber hinaus aber haben  Frauen einen Hang zu rötlichen, Männer hingegen zu blauen (genau: blaugrünen) Tönen.
Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler in jenen Urzeiten, als wir als Jäger und Sammler durch die Welt liefen: Denn womit konnten Frauen die eigene Steinzeit-Sippe mehr beeindrucken als mit besonders reifen, rosa Früchten? Die Forscher vermuten außerdem, dass die Vorliebe für eine rötliche, also gesunde Gesichtsfarbe für die Frauen bei der Partnerwahl vorteihaft war, denn sie signalisierte: gesund.

Das bedeutet Entwarnung für alle (verzweifelten) Eltern: Die Vorliebe für Rosa hat gar nichts mit Erziehung oder Vorbildern zu tun! Stattdessen ist die „Mädchenfarbe“ ein Ergebnis der Evolution zumindest laut der Ergebnisse von Newcastle. Übrigens: Dass trotz aller geschlechtsspezifischen Unterschiede Blau die Lieblingsfarbe der meisten Menschen ist, deuten die Wissenschaftler ebenfalls als ein Relikt aus der Vergangenheit: So bedeutet ein klarer, blauer Himmel feines Wetter und gute Wasserquellen schimmerten bläulich.

Ein Portrait der Familie George III. von 1770. Die Söhne sind in Rot oder Blau gekleidet, die Töchter tragen dagegen helle Kleider.

Noch einen Hinweis dazu, den Masterchen eben per Handy beisteuerte: Eine andere, historische Erklärung geht auf Queen Victoria zurück. Bis zu ihrer Zeit trugen männliche Babys meist Rot, da Rot als eine aggressive Farbe und somit männlich angesehen wurde. Auch das Jesuskind ist auf Gemälden meistens rot und selten blau gekleidet. Mädchen trugen Blau, da Blau spätestens seit der Romantik mit dem Gefühl verbunden wird. Ihr erinnert Euch vielleicht an „die blaue Blume der Romantik“ (aus „Heinrich von Ofterdingen“ von Novalis), das Symbol der Sehnsucht.
Zur Zeit von Queen Victoria sah das britische Weltreich seine Macht darin, dass es die Meere beherrschte. Man sang im Brustton der Überzeugung „rule Britannia, Brittania rules the waves …“ (das kennt Ihr aus „The last night of the proms“ nicht wahr). Das brachte die praktisch denkende Victoria dazu, ihr männliches Kleinkind in eine Matrosenuniform zu stecken, bei der Blau verherrschte, um den Jungen auf die Seefahrt (auf dem blauen Meer) vorzubereiten. Und so ergab sich für Mädchen als Farbe Rosa, ein weiß gebrochenes Rot, da man ein reines Rot für Mädchen zu aggressiv empfand – und außerdem galt es als Hurenfarbe. Da das englische Königshaus enorme Vorbildfunktion besaß, bürgerte sich ein, dass  männliche Babys blau und weibliche fürderhin rosa trugen. Sicherlich  half bei der Durchsetzung dieser Farbwahl, auch die viel weiter zurückreichenden Farbvorlieben, die die englischen Neurowissenschaftler erklären.

Picasso hat sich so gesehen von männlich zu weiblich entwickelt, ehe er sich der Abstraktion zuwandte. Dabei ist es ihm gelungen, dass seine rosa Bilder alles andere als kitschig wirken. Er hat, wie wir finden, die Farbe Rosa vom Makel des Kitschigen befreit – oder was meint Ihr?

Masterchen lässt von unterwegs grüßen. Er sitzt gerade im Zug, um nach Süddeutschland zu reisen, wo er Kurse hält und dann geht`s nach Liechtenstein, nee, nicht um Geld zu verstecken, sondern um am 11./12.11. in Balzers einen Farbworkshop zu halten (das findet Ihr auf www.kbvollmar.de). Da geht`s auch um Rot und Blau und all die anderen Farben.

„Jeder möchte die Kunst verstehen. Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen? Warum liebt man die Nacht, die Blumen, alles um uns herum, ohne es durchaus verstehen zu wollen? Aber wenn es um ein Bild geht, denken die Leute, sie müssen es ‚verstehen‘.“

In Deinem Sinne, Happy Birthday Picasso!

Liebe Grüße von Eure Siri
sorry Bilder von Picasso kann ich Euch leider nicht zeigen, da über deren copyright der Picasso-Clan mit Adleraugen wacht

Über Klausbernd

Autor (fiction & non-fiction), Diplompsychologe (Spezialist für Symbolik, speziell Traum- und Farbsymbolik)

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  1. Pobre Pablo,
    er konnte sicherlich gut malen, aber über seine sonstigen Aktivitäten schweigt man lieber, weil sie, sagen wir mal, zwiespältig waren: Er war Kommunist, der für die katholische Kirche Geld gespendet hat, ein Antifaschist, der, wenn es um ein Museum für ihn in Spanien ging, mit dem Franco-Regime kooperiert hat, ein Pazifist, von dem ja die berühmte Friedenstaube stammt, über die er gesagt hat, Tauben seien derart wilde und aggressive Tiere, dass man sie nur in getrennte Käfige sperren kann, und der 1953 ein verherrlichendes Portrait des Kriegstreibers und Massenmörders Stalins gemalt hat, gleichzeitig aber meinte, ein Pazifist zu sein …. seine Frauengeschichten lassen wir jetzt mal aus … dieser seltsame und sympathisch inkonsequente Mensch müsste heute erleben, was seine Erben so treiben:
    „Denn für Geld ist nun mal der Picasso-Clan zuständig, dessen Erbengemeinschaft seit 1989 Claude, Sohn von Pablo und Françoise Gilot, vorsteht. Kein Markenname – nicht einmal Coca-Cola – wird so sorgfältig vermarktet wie das Label Picasso; wann immer die Signatur des Meisters auftaucht, egal ob auf Bildern oder Autos der Marke Citroën, ist sie Gold wert. Mit dem Namen Picasso werden Parfums verkauft, Karrieren erfolgreich gestartet und luxuriöse Existenzen von New York bis Genf finanziert. Über die sechs direkten Erben hinaus lebt eine weitverzweigte Familie aus Ehen und Liebschaften des Malers vom Copyright ….

    Antworten
  2. Lieber Mätes,
    danke, dass Du den widersprüchlichen Menschen Pablo Picasso ansprichst! Er ist doch immer wieder aktuell-interessant, kontrovers, liefert Stoff für dicke Bücher und gute Filme, abgesehen von gefüllte Kassen beim Erben, Betrügern und mehr.
    Ja, was würde er wohl zu den Umgang mit seinem Nachlass sagen, die Frage stellt sich bei vielen Künstlern.
    Lebten und leben nicht viele Künstler auch klar definiert nach dem Verwertungsprinzip? Erledig(t)en sich Lebenspartner und Freunden auf dieser Basis, Max Ernst direkt vor Deiner Tür war in der Hinsicht gnadenlos.
    Alles für die Kunst? Nur, wo wäre die Kunst ohne die charismatischen Narzissten?
    Erfreuen wir uns an die schönen Werke!:-))
    Ein schönes Wochenende und
    beflügelte Grüße nach – wo steckst Du eigentlich, in San Salvador?
    Deine Siri

    Antworten
    • Och, der Max Ernst, nach dem die Schule benannt ist, auf der ich Abitur gemacht habe, war das nicht ein braver? Da habe ich wohl eine Bildungsluecke, aber in seiner Heimatstadt wollte man vor seinem Tod sowieso nichts von ihm wissen. Er wollte Bruehl irgendwas schenken, aber Bruehl wollte das Werk nicht, danach hat er mit denen lange nicht mehr gesprochen …

      Ich bin noch in San Salvador, in einer halben Stunde kommt ein Kleinbus-Taxi und faehrt den europaeischen Teil der Hochzeitsgaeste an den Pazifik-Strand, wo sich dann die einheimische Mehrheit einfinden wird. Wie es so ausseiht aus dem Fenster, wird es ziemlich heiss werden, 30 Grad und total hohe Luftfeuchtigkeit ist nicht so das, worauf mein Koerper programmiert ist …..

      Antworten
      • Lieber Brautvater Mätes,
        Herzlichen Glückwunsch an das Brautpaar und die Brauteltern!

        Hier kommt ein laues Luftchen aus dem Rheinland, Sonne und 21°, all inclusive, mit den aller besten Wünschen von Dina, Siri und Selma.

        P.S. Bestell bitte Charlotte, wir wünschen ihr, möge sie nie wieder so freudig aufgeregt nervös sein wie heute!

      • Das MEMuseum in Brühl bietet unregelmässig eine Führung „Max Ernst und seine Frauen“ an. Empfehlenswert! sagen wir nur.

  3. Darf ich auch was sagen? Als weibliches beflügeltes Wesen, die das narzisstische Verhalten von Oben gut beobachten kann?
    Picasso war ein MMM. (MegaMachoMann) O-Ton:

    „Frauen sind entweder Göttinnen oder Fußabtreter“

    Obgleich er ein Maler des 20. Jahrhunderts war, verhielt er sich seinen Frauen gegenüber eher wie ein Spanier aus dem 19. Jahrhundert. Die Frauen beeinflussten sein Werk, sie waren seine Musen und seine Stützen. Dabei himmelten sie ihn an und blieben aus freien Stücken bei ihm, obwohl er nicht treu sein konnte und sich ihnen gegenüber teilweise unmöglich benahm, siehe O-Ton.
    Von ihnen erwartete er eine uneingeschränkte Hingabe. Er schien nur sich selbst zu lieben, konnte ihnen aber, wenn er wollte, das Gefühl vermitteln, der wichtigste Mensch in seinem Leben zu sein. Bis die Nächste kam. Dann wurde aus der Göttin der Fußabtreter.
    Schönes Wochenende, auch von mir!
    Selma Knipsifee.

    Antworten
    • Der boese Spruch mit den Fussabtretern waere eine Forschungsaufgabe fuer sich. Die deutschen Quelllen sind sich einige, dass er das so gesagt hat, auf Spanisch wird das schon schwieriger, da gibt es verschiedene Fassungen, eine heisst: «Para mí, tan sólo hay dos clases de mujeres: las diosas y los felpudos» (Fuer mich gibt es nur zwei Arten von Frauen: die Goettinnen und die Fussabtreter – was ja ein kleiner Bedeutungsunterschied ist), die zweite Version ist noch was boeser: mujeres … igual diosas, que frazadas para limpiar el piso y máquinas para sufrir (Frauen sind ebenso Goettinnen wie Putzlappen, um den Boden zu wischen und Leidensmaschinen) – dann die dritte Version: Hay dos tipos de mujeros: diosas y porteros (Es gibt zwei Arten von Frauen: Goettinnen und Tuersteher) Ist etwas raetzelhaft, denn „Portero“ kann auch der Hausmeister sein oder der Pfoertner ………….. wahrscheinlich hat er das alles gesagt – oder die von ihm verlassenen Frauen haben es ihm in den Mund gelegt … eine Forschungsaufgabe, wie gesagt ….. oder hat er nicht vielleicht franzoesisch gesprochen?

      Antworten
  4. Lieber kluger Mätes, Du kannst uns gerne adoptieren, echt, so auf Onkelbasis.
    Ja, „Göttinnen oder Fussabtreter“ wäre eine interessante Forschungsaufgabe, in deed.
    Wer möchte nicht eine Göttin sein und wie wird Frau zu Fussabtreter, und wie wäre es mit einem Zwischending. Also, lieber Mätes, ich bin froh, dass ich über diese Dinger fliege und ein klares Bild von mir als Buchfee habe, und am frohesten bin ich gerade, weil Du so kluge Randbemerkungen beisteuerst.
    Ob Portero in diesem Zusammenhang Türöffner bedeutet? Nach Oben, Aussen. Zu Max Ernst würde es passen.
    Siri hat „Ein Leben mit Picasso“ wieder rausgekramt und frischt seine Beziehung zu der jungen Françoise Gilot auf. Sie war, so viel wir wissen, die einzige Frau, die ihn verlassen hat und ihr Buch (übrigens 1a mit Sir Anthony Hopkins verfilmt) erzählt auf eine souveräne Art und Weise von Picasso als eindrucksvolle Person. Wow. Ihre stürmische Beziehung hielt 9 Jahre, in denen Gilot immer versuchte, eine starke Frau zu bleiben, nix Fussmatte! Das Familienglück in dieser Zeit bedeutete ihm sicher mehr als eine künstlerische Periode, das muss BuchFee ihn jetzt zu Gute kommen lassen.

    Hat er jetzt französisch gesprochen oder nicht?

    Antworten
  5. Pingback: Grausig Grau? « kbvollmarblog

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