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Jubiläum der Eismänner

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Roald Amundsen und Fridtjof Nansen

2011 ist Norwegens großes Jahr: Zwei große Männer, Entdecker und Forscher, beide zur Lebzeiten eine Legende, werden gebührend gefeiert. Am 10. Oktober vor 150 Jahren wurde der Polarforscher und Friedensnobelpreisträger Fridtjof Nansen geboren – Happy Birthday nachträglich! (Zusatz von Siri: Er ist das geheime Vorbild unseres Masters, weswegen er von uns den Spitznamen „lille Nansen“, also der kleine Nansen, bekam).
Und heute, am 14.12.2011, jährt sich die Eroberung des Südpols durch Roald Amundsen zum 100. Mal.

Nansen und Amundsen nahmen ihre Polarfahrten in Tromsö ( 69° 39′ Nord, 18° 59′ Ost) auf, wie unser Master.

F. Nansen und R. Amundsen

Zu seiner Zeit kam Nansen dem Nordpol neben Shackleton am nächsten. Legendär ist neben seiner Überquerung des grönländischen Inlandeises seine Überwinterung mit Hjalmar Johanssen auf Franz Josef Land – im einem Schlafsack. Natürlich siezten sich die beiden Gentlemen während der ganzen Zeit, wie es sich gehörte.

Johansen und Nansen winken fröhlich zum Abschied, bevor sie sich auf den Weg zum Nordpol machen

Nansen wurde von den Norwegern nicht zu Unrecht als edel und gut, so etwa wie Goethe in Deutschland, angesehen. Er war ein Vorbild für alle Norweger. Einige Norweger munkeln, er wäre fast König geworden. Immerhin war er der Skilehrer und Freund von Königin Maud, die ihren ältesten Sohn, den so beliebten Olav V. von ihm empfangen habe (er wurde 1903 unweit von uns in Sandringham/Norfolk geboren). Obwohl die Herkunft dieses Sohns fragwürdig ist, halten wir die letzte Annahme für äußerst spekulativ und eher unvorstellbar (wenn auch die Königin ein Auge auf Nansen geworfen hatte) -obwohl Nansen als König der Norweger, das könnten wir uns schon gut vorstellen und nicht nur wir, Nansen erhielt in der Tat vom norwegischen Volk eine Anfrage, ob er nicht König werden wolle. Er lehnte höflich ab.
Habt Ihr schon vom neusten Skandal in Norwegen gehört? Ihr glaubt es kaum. Es wurden Nacktbilder, erstaunlich erotische, veröffentlicht, die Nansen von sich selbst aufnahm, um sie seiner Geliebten zu schicken. Eric Utne, eine Art Enkel (wie Selma meint) von Nansens 30 Jahre jüngeren Geliebten Brenda Ueland veröffentlichte gerade Nansens Briefe und Fotos in seinem Buch „Brenda my darling“. Wir waren köstlich erstaunt, wie erotisch Nansen schreiben konnte, so erotisch, dass Siri auf der Website der Historical Library of Minnesota den Zugang zu diesen Briefen verwehrt bekam, da sie noch keine 18 sei (son Quatsch, Feen sind doch alterslos). Im Gegensatz zu Amundsen schrieb Nansen einen gefälligen literarischen Stil, weswegen Sigmund Freud seinen Kindern statt Märchen aus Nansens „In Nacht und Eis“ vorlas. Nansen war eben ein vielseitiger Mann.
Von Utnes Buch, in dem die Bilder als historische Dokumente betrachtet werden sollen, entkamen sie jedoch ins Netz, ein Skandal? Siri fand die Nacktbilder in der norwegischen Zeitung Aftenposten  und sie sagte mir, auch in Deutsch gäbe es dazu auch einiges im Netz in der FAZ und dem österreichischen Standard z.B. –  Übrigens jene Brenda Ueland, die sich rühmte, viele Liebhaber gehabt zu haben und feministisch engagiert war, schrieb selber. Ich, Siri BuchFee, las selbstverständlich ihren Klassiker über kreatives Schreiben „Die Lust zu schreiben“ – empfehlenswert!

Amundsen war ein Schlitzohr. Das zu behaupten und an dem Ideal zu rütteln, wagte zuerst Tor Bomann-Larsen (der Nansen fast als König sah) in seiner hervorragend recherchierten Amundsen Biografie, in der er Amundsen als rücksichtslosen Narziss, gerissenen Geschäftsmann, der dennoch immer pleite war, und Meister der Selbstvermarktung auf Kosten des norwegischen Staates beschreibt. Er wollte weniger die Welt entdecken, sondern dass die Welt ihn entdeckt. Einer der großen Fehler Amundsens war, keine Kritik ertragen zu können. Das wurde dem obergenannten Johanssen zum Verhängnis. Eine „Probefahrt“ mit Hundeschlitten von Framheim/Ross Eisschelf gen Norden, geriet zum Desaster, aus dem sich Amundsen rettete, ohne schwächeren Expeditionsmitgliedern zu helfen. Johanssen rettete einen Kameraden vorm sicheren Tod und warf Amundsen sein egozentrisches Verhalten öffentlich vor. Darauf degradierte ihn Amundsen, indem er ihn von der Gruppe ausschloss, die den Nordpol erreichen würde, und ihn als „Unmöglicus“ betitelte. Johanssen endete im Suff und beging in Oslo Suicid, was schon damals Amundsen angelastet wurde.
Aber zu einem Jubiläum sollten wir Buchfeen nicht über Amundsen, herziehen. Die große Leistung Amundsens erkennen wir in seinem vorurteilslosen Denken. Im Gegensatz zu seinem Rivalen Scott studierte Amundsen bei den Inuit Hundeschlitten zu fahren und wie man sich sinnvoll kleidet. Als Engländer von Scotts Position lernte man nicht von den Wilden, das war undenkbar und so zog man mit Wolle und Leinen bekleidet wie zu einem Jagdausflug in den Tod.

Dass Amundsen die Welt an der Nase herumgeführt hat, müssen wir noch erwähnen. Er verbreitete nämlich die Nachricht, er wolle zum Nordpol. Nun waren ihm jedoch Peary und Cook zuvorgekommen, die allerdings nur behaupteten, am Nordpol gewesen zu sein, was Amundsen jedoch nicht wusste. Das letzte Feld, auf dem Ehre zu gewinnen war, war der Südpol. Dass er sich dahin wenden würde, sagt er nur seinem Bruder Leon, der ihn aufopfernd managte. Amundsen befürchtete, Nansen hätte ihn für diese Fahrt seine „Fram“ verweigert, auch wollte er Scott nicht zu früh von seinen Plänen unterrichten. Der Schiffbesatzung teilte er das Ziel der Fahrt erst vor Madeira mit und alle waren begeistert. Im Oktober 1910 setzte er sicher auf hoher See die Presse in Kenntnis. Bis dahin hatte Nansen, wie die Weltöffentlichkeit geglaubt, Amundsen fahre gen Norden.

Fram bei der Ankunft in die Antarktis

Okay, diese List lassen wir ihm durchgehen, das tat Nansen auch, mehr noch, er stellte die Eroberung des Südpols durch Amundsen als nationale Heldentat dar, die das junge Norwegen mit Stolz erfüllte und stärker einigte.
Wir bewundern Amundsens Organisationstalent, das sich bis ins Penible erweitern konnte und auf dem seine legendäre Schnelligkeit beruhte. Es ist eine für Lehnstuhlexplorer unvorstellbare Leistung, den Pol auf einer unbekannten Route am 14.12.1911 erreicht zu haben und problemlos zurückgekommen zu sein.

Außerdem bewundern wir Amundsen dafür, alle vier großen Heldentaten der Polargebiete bestanden zu haben: Als Erster betrat er den Südpol und ebenfalls als Erster durchfuhr er die Nordwest-Passage, an der so viele (wie z.B. John Franklin, über den Stan Nadolny den Bestseller „Die Entdeckung der Langsamkeit“ schrieb) scheiterten, er durchfuhr zudem die Nordostpassage und überflog als erster Mensch mit Nobile und dessen Hündchen Titina den Nordpol (im Zeppelin).

Amundsen war ein ungewöhnlicher Mensch, der sich als einsamer Held stilisierte und angab, schon in frühster Kindheit zum Pol gewollt zu haben. Er fühlte sich wie der Übermensch, was sich in seinem irrationalen Streit mit Nobile deutlich zeigte. Und dennoch, als er hört, dass sein „Feind“ Nobile mit seinem Luftschiff Italia in der Arktis havariert ist, rüstet er sich emsig zur Rettung. Einige behaupten, das sei auch nötig gewesen, denn durch den Suizid von Johanssen und seinem uncool geführten Streit mit Nobile war sein Ansehen im Sinken begriffen. Eine Rettung seines „Feindes“ würde seine Ehre wieder herstellen.
Uns Feen fiel eine erstaunliche Koinzidenz auf: Als Amundsen die Rettungsaktion für Nobile gegen viele Schwierigkeiten schnell durchzieht und dabei für immer verschwindet, überquert seine Verlobte Bess Magits den Atlantik auf dem Linienschiff Hellig Olav, um Amudsen, der bis dahin eher bindungsneurotisch reagierte, zu heiraten. Was sollen wir dazu sagen …

Amundsen starb vermutlich um den 18. Juni 1928. Nach einem Flugzeugabsturz bei der Bäreninsel ist er verschollen. Geboren wurde er am 16. Juli 1872 in Dinas Heimatstadt Fredrikstad. Seine Ehre ist wiederhergestellt. Tor Bomann Larsen beendet geradezu poetisch seine Amundsen-Biografie: „Zu Beginn eines neuen Jahrtausends können sich die Wogen um Roald Amundsen endlich glätten, jetzt ist es völlig still, wenn er fällt. Das Meer liegt blank wie ein Spiegel.“

Herzliche Grüße von Siri und Selma

Heute wollen fast zwanzig Expeditionen den Südpol erreichen, der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg wird die letzten zwanzig Kilometer mit einer der norwegischen Expeditionen per Ski fahren.  Selma befürchtet, es gibt gar nicht Platz für alle am Pol.

Über Klausbernd

Autor (fiction & non-fiction), Diplompsychologe (Spezialist für Symbolik, speziell Traum- und Farbsymbolik)

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    Noch etwas habe ich in einem Buch gelesen, dessen Name ich im Moment vergessen habe:
    Nansen hatte eine Affäre mit der Frau von Scott, währernd dieser in der Arktis war:

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  3. Pingback: Where Time Becomes Space | kbvollmarblog

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