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Siris Lieblingszitate, Jan Kjaerstad

Veröffentlicht am
Siris Lieblingszitate, Jan Kjaerstad

„Ein verständliches Buch ist eine Lüge.“

Dieses Zitat steht auf der letzten Seite von Jan Kjærstads postmodernen Roman „Homo falsus oder Der perfekte Mord„. Ein paar Sätze zuvor schreibt dieser hoch ausgezeichnete norwegische Autor:
„von allem Blendwerk, mit dem das Leben uns droht, dieses das gefährlichste ist: zu glauben, es gebe nur eine Wirklichkeit, und die sei verständlich.“

Alles klar?!

Liebe Grüße
Siri BuchFee

Über Klausbernd

Autor (fiction & non-fiction), Diplompsychologe (Spezialist für Symbolik, speziell Traum- und Farbsymbolik)

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  1. Scheint nicht jedem zu gefallen: „Das Buch war leider ein totaler Reinfall; nach fünfzig Seiten habe ich es der Altpapiertonne übergeben. Frust über die vergeudete Zeit bei der Lektüre von seitenlangen Beschreibungen des nächtlichen Lichtermeeres einer skandinavischen Großstadt und das ergebnislose Warten auf den Beginn einer Geschichte haben mich zu dieser Tat getrieben. Ich nahm mehrere Anläufe und kämpfte mich durch riesige – mit postmodernen Adjektive gespickte – Schachtelsätze, was mich der Handlung jedoch keinen Zentimeter näher brachte. Dies führte letztendlich nur dazu, daß ich auch nach wiederholtem Lesen der ersten zwanzig Seiten keine Story entdecken konnte. Die Bemühungen des Autors durch zusammenhanglos aneinandergereihte „Poesie“ eine düstere Stimmung zu erzeugen, blieben bei mir leider ohne Ergebnis. Auch das Auslassen von ganzen Kapiteln half mir nicht weiter; auf Seite neunundvierzig, ähnliches wie auf Seite eins: ein langatmiger (-weiliger) Wortschwall. Das Ganze auf den Punkt gebracht: der Autor hat es für mich nicht auf den Punkt gebracht.“

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  2. Lieber Mätes, also ich muss sagen, dass mir „Homo falsus“ gut gefallen hat. Ich las ihn als letzten aller Romane von Kjaerstad und vielleicht war ich bereits an seinen Stil gewöhnt. Allerdings bin ich ein Leser, der sich mehr am Stil als am Inhalt erfreut – ich vergesse den Inhalt eines Romans sofort, aber an den Stil, an seine Struktur kann ich mich ewig erinnern, weil ich die auch in mein „Buchtagebuch“ – ein Tagebuch über alle Bücher, die ich lese – notiere. Und, doch mal ehrlich, wer kann denn solche platten Action-Romane mit linearer Handlungen wie sie Dan Brown, Ken Follett und Konsorten schreiben, noch ertragen? Ich finde, Kjaerstad ist ein Meister des Stils und gerade in seinen Beschreibungen sehr poetisch – er entgleitet niemals ins Klischee und verblüfft durch Unvorhergesehenes.
    Also diese Rezension vom 10.8.2000 bei Amazon (die du oben kopiert hast) finde ich – wie einige Rezensionen bei Amazon völlig daneben. Wohingegen die Rezension bei Amazon vom 7.9.1999 „Ein postmoderner Thriller“ finde ich weitaus treffender.
    Also „Homo falsus“ kann ich als den postmodernen Thriller nur empfehlen.

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  3. Nach diesen beiden Kommentaren bin ich so richtig neugierig auf das Buch geworden.
    Wo ist der Like-Button für die Kommentare?😉

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  4. Siri und Selma sind freudig aufgegeregt über diese Kommentarbeteiligung, „so was liiiieben wir Buchfeen“, kichern sie auf dem Buchregal. Ich darf ihre Unterhaltung mitschreiben:

    Selma: „Warum verstehen viele das Buch nicht, was meinst du, Schwesterfee, warum haben sie Schwierigkeiten mit „Homo Falsus“?“

    Siri: „Wahrscheinlich, weil der Roman eine Herausforderung an den Leser darstellt. Er wähnt sich in einer Spirale gefangen. Im Kern setzt sich der Roman mit der Macht der Sprache auseinander, die Meta-Fiktion besticht. Durch die spiralförmige Ineinanderkettung verschiedener Wirklichkeiten wird die Frage nach der Wahrhaftigkeit und auch die der Lüge immer wieder gestellt. Gleichzeitig findet eine intensive Auseinandersetzung mit diversen Textgattungen (Lexika, Prosa etc.) und der Intertextualität statt. Das Schwierige für den einen Leser ist zugleich das Attraktive für den anderen Leser. Der Text an sich ist ein Genuss, den man sich nicht entgehen lassen sollte.“

    Selma: „Genau, das finde ich auch. Wer Spaß an Wortspielerein und der Sprache hat und sich die Frage stellt, was ist Fiktion, was ist Wirklichkeit, der findet in „Homo Falsus“ den passenden Text. Es ist ein Text, der sicherlich eine Entdeckung beim ersten Lesen ist, der aber verspricht, bei einem zweiten Lesen nicht nur eine Wieder-Entdeckung, sondern auch eine Neu-Entdckung zu werden. Also, ich ziehe mich jetzt zurück, um das Buch ein zweites Mal zu geniessen. Tschüß!

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  5. Hier sind nochmal Siri und Selma, die Buchfeen,

    also, so ganz geben wir dem Master nicht recht, denn Dan Brown und Ken Follett haben wie viele Trivialautoren (wie übrigens auch Karl May) ein funktionierendes Plotdesign und wissen Spannung zu erzeugen. Da sagen wir beide nix gegen, nee! Aber diese Sprache, einfach schrecklich: aufdringliche, effektheischende Metaphorik und meist nahe der Umgangssprache. Uns fehlen nicht nur die Zwischentöne, sondern besonders auch die feine Poesie der Sprache und das Leise. Ich Siri BuchFee möchte doch betonen, dass ein Roman ein sprachliches Kunstwerk ist, also kommt es auf die Sprache an – das ist doch klar! Alles andere ist Journalisums – und in der Tat kommen ja viele moderne Romanautoren aus dem Journalismus. Kjaerstad hat in „Homo falsus“ einen eigenen sprachreflexorischen Stil geprägt und genau das macht ihn für uns BuchFeen zu einem unserer Lieblingsautoren.
    Es gibt eben zwei Arten von Lesern: Jene, die nix als Unterhaltung wollen und solche wie wir BuchFeen, die sich an der schönen Wendung ergötzen und der anmutigen Beschreibung erfreuen und dann noch solche, wie unser Master, den wir häufig davor bewahren müssen, nicht zu sehr ins Elitäre zu entgleiten, da er sich weitgehend an Form erfreut und den Inhalt gar nicht wahrnimmt – also das Gegenteil zu Mätes, der diesen Amazon-Kommentar abgeschrieben hat.

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    • Nie wäre ich auf die Idee gekommen, mir einen Thriller zu kaufen, aber … ich habe soeben dieses Buch ersteigert. Schrecklich, diese Neugier.

      Den Buchfeen zuzwinkernd — Samtmut

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  6. Liebe Samtmut, diese Neugier kann ich gut verstehen, jeder Buchfreund würde wahrscheinlich so reagieren.
    Ich, Dina, hatte vor Jahren „Illuminati“ von Dan Brown als Urlaubslektüre mit ins Handgepäck. Das Buch las ich synchron mit einer Freundin, wir konnten es nicht aus der Hand legen, so spannend war die Handlung. Atemberaubender Action, die jedoch am Ende so unglaubwürdig, geradezu klamaukartig eskalierte, dass wir uns gefragt haben, ob die Amerikaner immer James Bondlektüre bei einem Thriller erwarten. Ein Thriller hat spannend zu sein, das sagt das Wort „to thrill“ aus, das können Dan Brown und seine Kollegen gut, manchmal sehr gut, da gebe ich den Buchfeen recht. Gut schreiben dagegen weniger, literarisch sind die Texte. enttäuschend, da gebe ich dem Master recht.

    „Homo falsus oder der perfekte Mord“ lautet der genaue Titel. Wann ist ein Mord perfekt? Tantchen weiß das bestimmt, sie ist bei uns die große Krimileserin; wenn es keine Leichen, keine Indizien, keine Spuren gibt. Die Morde geschehen im Roman, im realen Leben verschwinden drei Männer; der perfekte Mord. Mehr wird nicht verraten. Selber lesen!🙂

    Es fällt mir nicht leicht, den Roman zu beschreiben. „Genau das zeichnet den Postmodernen Romanen aus“, flüstert mir Siri zu, „der postmoderne Roman ist immer schwer bis unmöglich, nachzuerzählen.“
    Jetzt meldet sich Selma wieder zu Wort, mit einem lieben Abschiedsgruß „Samtmut möchte doch bitte an dieser Stelle ihre Meinung zu Homo Falsus“ schildern, bitte! Wir warten gespannt“🙂

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  7. Aber hallo, ich bin auch bei „Illuminati“ durch die Seiten gehetzt, obwohl ich „The Holy Blood and the Holy Grail“ gelesen hatte und dies ja nur der Aufguss dieses Sachbuchbestsellers war. Jeder Belesene kannte die Story bereits. Aber, wie gesagt, ich finde den Stil grottenschlecht und sage kühn, dass ich jenes beurteilen kann, da ich den Roman im Original las. Es gibt ja lesen und lesen – bei Dan Brown geht`s um die klassische Krimifrage „who has done it?“. Bei dem, was ich unterhaltsame Literatur nenne, geht`s darum, wie es gemacht ist. Das WIE muss mich fesseln. Letztendlich lesen wir ständig über die gleichen Themen. Als Autor habe ich nicht die Illusion, ein neues Thema anzugehen. Das macht aber nichts, das WIE, also der Stil, lässt ein Buch für mich lesenswert werden. Ich fühle mich der Samtmut verwandt, selten lese ich Krimis, da es mich selten nur interessiert, wer der Täter oder die Täterin ist. Bei „Homo falsus“ ist das gar keine Frage, wenn man so will, ist schon das eine neue Form des Krimis. Das Ringen des Autors mit der Sprache macht den Spannungseffekt aus.
    So elitär wie meine beiden BuchFeen es darstellen, bin ich gar nicht, denn z.Zt. lese ich teils mit Vergnügen, teil wegschlummernd von Anne Holt „Der norwegische Gast“. Da interessiert es mich, wer der Täter ist, was ich 70 Seiten vor Schluss noch nicht weiß. Meine Freude an diesem Buch sind so treffende wie vielschichtige Wendungen wie „… ihre Augen waren so blau wie auf einem Plakat für Nazideutschland“ oder „die Langeweile hatte etwas Geduldiges bekommen“. Solche Formulierungen halten mich am Lesen. Die Frage nach dem Täter wird zweitrangig.
    Versteht Ihr, was ich meine?

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    • Ja, ich denke zu wissen, was Du meinst. Solche Formulierungen sind wie Perlen, die innehalten lassen; und ich möchte Anlaß zum innehalten und genießen bekommen. Außerdem fühle ich mich dann oft inspiriert. Und was ist Lesen ohne damit einhergehende Inspiration? Bei aller Spannung dann doch auch langweilig. Irgendwie schal.

      Formulierungen … Sicherlich sind sie auch Geschmacksfrage; von manchen hörte ich schon, dass etwas wie „das Ringen mit der Sprache“ als eitel empfunden wird. Aber bitte, so viel Eitelkeit sollte doch sein?

      Naja, ich habe in den letzten Jahren viel zu wenig gelesen, kann also eigentlich gar nicht mitreden.😉

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  8. Liebe Samtmut, huch schnell noch ein paar Worte, bevor wir mit dem Master zu seinem nächsten Vortrag weiterfahrfen: Für uns Buchfeen ist ein Roman toll, wenn er uns zum Verweilen bei schönen Wendungen verführt, die uns unsere Wirklichkeit aus einer neuen Perspektive sehen lassen. Es ist die Entschleunigung, die für uns den Genuss ausmacht. Die Action und ständige Spannung in einem Text zerstört den Lesegenuss, meinen wir. Es ist da gar keine Zeit zur Inspiration.
    Einen schönen Tag wünschen dir die lustigen BuchFeen, die ganz traurig sind, da sie bis März nur noch wenig schreiben können, da wir den Master auf seiner Reise durch Holland und nach Berlin begleiten.
    Feenhauch von Siri und Selma XXX

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  9. Schallendes Gelächter im Kramladen,las die Beiträge laut vor: Die elitären Kommentare köstlich!
    Action u. Spannung gibt es heute, in guten Krimis wenig,dafür geht es mehr um politische oder zeitgemässe Themen.
    Ich halte es wie der alte Fritz: Jeder nach seiner Fasson,Keiner sollte sich über andere Autoren oder wen immer erhaben fühlen. Hauptsache,jeder Leser hat Spass an seinem Buch. Mir käme es nicht in den Sinn Jerry Cotten Schmöckerer zu verdammen- ich muß es Ihnen ja nicht gleichtun.
    Siri ,sicherlich hast Du das Buch,auf deiner Reise dabei,somit leihe es mir bitte,auch ich möchte mir ein Urteil bilden.Siris und Selmas Meinung erscheint mir zu einseitig elitär- ich wisst ich locke gerne wider dem Stachel

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  10. Eigentlich darf ich ja gar nichts dazu schreiben, weil ich das Buch nicht einmal von außen kenne. Von außen jedenfalls nehme ich mit Staunen zur Kenntnis, dass sich da ein „Homo-Falsus“-Verehrer-Zirkel hat, ein kleiner, wenn nicht winziger Kreis. Mit Staunen, denn gäbe es im Reich der schönen Künste so etwas wie Demokratie, dann wäre der „Homo Falsus“ gewiss schon an der 1%-Hürde gescheitert. 1984 in Norwegen erschienen – keine Neuauflage, bis heute vergriffen. 1996 auf Deutsch erschienen – keine Neuauflage, vergriffen. 1996 deutsche Taschenbuchausgabe – keine Neuauflage, vergriffen. Antiquariatspreis 0,77 EUR für das Taschenbuch, 0,89 EUR für die gebundene Erstausgabe. Nur eine, vernichtende, Kundenrezension bei Amazon, bei den anderen Händler gar keine. Keine englische Übersetzung. Kein Echo im englischsprachigen Bereich.
    Größeres Echo nur bei den Literaturwissenschaftlern: zwei Aufsätze in Fachzeitschriften, eine Dissertation, in einer weiteren Dissertation erwähnt, eine positive Rezension bei Amazon, die von einem Studenten stammt, der das Buch für ein Seminar lesen und rezensieren musste – und der sich vor mitlesendem Professor nicht als Banause outen wollte, der dieses Meisterwerk der sogenannten Postmoderne, deren Hauptvertreter schon ein paar Jährchen im Grabe liegen, nicht als solches würdigt.

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  11. Oh je, meine Flatterwesen sind leicht aufgeregt. Liebes Tantchen, jetzt möchte ich die lese- und schreibbegeisterten Buchfeen in Schutz nehmen.
    Ein Buchliebhaber möchte sich über Literatur austauschen, seine Gedanken teilen und andere zum Lesen verführen. Lesen ist eine einsame Beschäftigung und jeder gebildeter Leser ist hocherfreut wenn jemand sich für das Gelesene interessiert. Dabei muss der andere seine Welt betreten, die Einladungskarte zum Erlesenen darf ruhig etwas provokant und überspitz formuliert sein, sonst schlummert der Leser an den Text vorbei. Wie und was kommentiert/rezensiert wird sagt letztendlich immer etwas über den Rezensent aus (jetzt meinen Siri und Selma den Master), elitär hin und her, ist das schlimm? Ich denke nicht. Es ist eine Geschmackssache. Wie die Mode. Wie IKEA.
    Dan Brown ist das völlig egal. Er hat den Erfolg auf seiner Seite. Ingvar Kamprad auch. (IKEA setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Ingvar Kamprad, des elterlichen Bauernhofs Elmtaryd und des Dorfes Agunnaryd zusammen, in dem der Hof lag, das möchte Siri jetzt gesagt haben, sie weiß, Schreiberlinge interessieren sich für solche Akronyme.)

    Kurt Tucholsky sagte: „Lesen ist die Schwierigkeit, ein Land fremder Fantasie mit eigenen Gedanken zu bevölkern.“
    Wie wahr! Das passt doch fein zum Jan Kjӕrstads Zitat.
    Und zu unseren Gedanken über die Literatur.🙂

    Dank an Mätes für seine anregenden Texte. Ohne sie stünde nur ein Zitat auf der Seite.
    Liebe Grüße von mir
    und Feenhauch von Siri und Selma ###

    Antworten
  12. Pingback: Buchtalk: Die Dina-Trilogie von Herbjørg Wassmo « kbvollmarblog

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