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Zum Tag des Schlafes – ein Sommertagstraum

Veröffentlicht am
Zum Tag des Schlafes – ein Sommertagstraum

Wie Shakespeares Zaubergeschöpfe gehen  wir, Siri und Selma, um. Buchfeen sind wir, belesen und pfiffig. Wir lösen Probleme, sogar auf Bestellung. Unser einziges Werkzeug: die Träume. Hier arbeiten wir gerade – unsichtbar, versteht sich.

Den unsrigen geben wir`s im Schlaf.

Kichrige Grüße von Holkham Beach, bei uns vor der Haustüre (kennt ihr vielleicht durch die berühmte Schlussszene von „Shakespeare in Love“)
Siri und Selma, Buchfeen🙂🙂

die sich übrigens sehr wundern, dass der Tag des Schlafs auf die kürzeste Nacht fällt, das soll einer verstehen …

Ich, die emsige Buchfee Siri, habe noch im Auftrag des Masters eine kurze und keineswegs vollständige Aufzählung gemacht, welche Autoren sich mit Schlaf und Traum beschäftigten:
Klar, William Shakespeare und Andreas Gryphius waren schon vom Thema Schlaf und Traum fasziniert, aber richtig beliebt wird der Schlaf mit seinen Phänomenen, speziell dem Schlaf der Vernunft, bei den Romantikern wie Tieck, Novalis und E.T.A. Hoffmann. Arthur Schnitzler als Freud-Kenner, aber auch Franz Kafka, Charles Beaudelaire und Elsa Morante bis hin zu Frank Schätzing und Marlene Haushofer ließen sich von ihren Träumen inspirieren. Huch, da fällt mir noch so viel ein, dass ich einen eigenen Blog-Beitrag – ja, da staunst du, Masterchen! – zu Schlaf und Traum in Literatur demnächst schreiben werde. Ich ganz alleine!
Lasst euch überraschen und wenn ihr, liebe Leserinnen und Leser, noch Ideen und Hinweise dazu habt, dann schickt sie mir doch bitte. Ich lass mich gern von euch inspirieren, sehr gern!
Tschüß  für heute, ach, und schnell noch was: Wer alles genau über den Schlaf und dessen Besonderheiten wissen möchte, dem empfehlen wir Buchfeen das Buch vom Master (Klausbernd Vollmar „Schlaf und Traum“, Königsfurt-Urania Verlag)
Liebe Grüße
Siri Buchfee🙂

Über Klausbernd

Autor (fiction & non-fiction), Diplompsychologe (Spezialist für Symbolik, speziell Traum- und Farbsymbolik)

»

  1. Liebe Siri, liebe Selma
    Meine Bestellung an die Traumfeen; bitte, bitte schönes Wetter für unser Mitsommerafton morgen. Geht das? Selbst träumen kann ich leider nicht, in Schweden gehen wir nicht schlafen wenn die Nächte weiß werden, dann wird nur gefeiert und getanzt.

    Hej då!

    Eure Buchdame, die jetzt einen Blumenkranz fürs Haar bindet…

    Antworten
    • Hej da, kjär Buchdame,

      ja, von Schlafen kann an Mittsommer keine Rede sein. Schon nach Wikinger-Tradition bringt es einem Mädchen Glück mit sieben unterschiedlichen Männern in der Mittsommernacht intim zu sein und bei Jungen entsprechend mit sieben Mädchen. Da kommt man nun wirklich nicht zum Schlafen, außer zum Zusammenschlafen, das immer auch von Träumen geprägt ist. Wie ich den Mittsommer im Schweden erlebte, dazu dieser kleine Abschnitt aus meinem Reisetagebuch von Nordost-Grönland:

      Einst in meiner Jugend bekam ich zum Mittsommer eine Frau als Gastgeschenk angeboten.
      Wir wohnten in Schweden, in einem verwunschenen Dorf im Wald voller Blaubeeren. Rostrote Holzhäuser standen heimelig beieinander, eine Sandstraße führte endlos durch dichte Wälder, vorbei an Seen in die nächste Stadt. Dahin fuhren meine Eltern, um einzukaufen und ihre Geschäfte zu regeln. Ich blieb im Dorf, wo vormittags ein dicklicher Mann mit Backenbart im geröteten Gesicht und altertümlich schwarzen Gehrock uns zwölf Kinder in einer hellen Stube zu bilden versuchte. Lisa und ich saßen nebeneinander. Wir waren die Ältesten, die sich bisweilen um die Jüngeren kümmern mussten, wenn wir unsere Aufgaben zufriedenstellend gelöst hatten oder Hjalmar, unser Lehrer, zum Krebsfang verschwand. Krebse waren die Leidenschaft, des sonst so liebevoll ruhigen Mannes, der den Unterricht so einfallslos wie angenehm gestaltete – für ihn wie für uns. Gerne gingen Lisa und ich mit den Kindern Blaubeeren sammeln. Sie pflückten emsig, wir setzen uns hinter einem dieser grauen Findlinge ins Moos, redeten über unsere Eltern, rauchten verbotenerweise und berührten uns. Ab und zu ermahnten wir die Kleinen, sich nicht zu weit von unserem Stein zu entfernen, da sonst der Troll sie holen komme. Wir verwiesen sie auf diesen großen Holztroll, der die Kreuzung zur Glashütte bunt bemalt bewacht. Der machte Eindruck.
      Lisa und ich malten uns aus, wie es wäre, sich in den Wäldern zu verlaufen. Die spannendste Stelle war das Gewitterszenario, das sie erfunden hatte. Wir hatten die Richtung des Dorfs verloren, irrten uns bei den Händen haltend umher und dann begann es unweigerlich zu donnern, wilder Wind wehte in den Wipfeln. An dieser Stelle pflegte Lisa sich an mich zu kuscheln, deswegen wehte es noch stärker und länger und bald fielen die ersten Tropfen.
      „Jetzt erfinde als Retter eine Höhle für uns“ beschwor mich Lisa leise und zitternd.
      Die Höhle war erfunden, der Regen zog ab und wir trockneten unsere Kleider in der Sonne. Bei dieser Stelle musste Lisa stets lachen und so gab es immer wieder Regen und Kleidertrocknen. In diesem Sommer regnete es wirklich häufig, so saßen wir bei Lisas Mutter in der Stube. Die Stube war ziemlich leer, ganz anders als in unserem Haus, das ich durch die Häkelgardinen wie eingesponnen an der anderen Ecke des Sees liegen sah. Ein großer orangegelber Teppich lag auf gescheuerten Fichtendielen, es gab zwei Schaukelstühle, einen Tisch mit Bank und viel freien Raum. An der weißen Stirnwand der Stube hing ein großes Gemälde mit feinen Farbübergängen von Braun über Gelb bis zum warmen Rot. Da lagen Farben hinter Farben, die es zu entdecken galt.
      „Meine Mutter ist eine berühmte Künstlerin“ erzählte mir Lisa stolz, als ich ihr sagte, dass ich dieses Bild mag. „Sie stellt in Stockholm, Göteborg und Malmö aus. Willst du ihren dicken Katalog sehen?“
      Lisa legte Wert darauf, dass ich ihr Besuch war. Ihre Mutter begrüßte mich stets ebenso. Einen Vater gab es nicht. Mir wurden bröselige Ingwerplätzchen angeboten, die Lisa und ich knirschend zum Kakao mit Sahne knabberten beim Betrachten alter Magazine, die in einer Holztruhe im Flur gestapelt waren.
      Als wir eines Tages alle Magazine durchgeblättert hatten, setzte sich Anna-Lena, Lisas junge Mutter zu uns. Ich fühle noch heute, wie mir warm wurde, weil sie so schön war. Lisa war anmutig, ihre Mutter hielt ich für die schönste Frau der Welt. Ich musste sie immer anschauen, nicht wagend sie recht zu betrachten. Sie trug an jenem Tag ein einfaches blaues Kleid und ihre strohblonden Haare offen. Der Regen prasselte an die Scheiben, es roch angenehm nach Holzfeuer.
      Heute weiß ich, dass Lisas Mutter um ihre Wirkung auf mich wusste.
      Auch Lisa war blauäugig und blond, so wie man sich ein Schwedenmädchen vorstellt. An diesem Tag trug sie ein weißes Kleid, das ihre gebräunte Haut fein kontrastierte, ihre festen Brüste und schlanke Figur betonte. Ich mag Lisas Nase, fiel mir auf.
      „In alten Zeiten“ begann Anna-Lena, „war es im Norden Sitte, dass man einem lieben Freund seine Tochter zu Mittsommer anbot – wenn diese einverstanden war. Lisa ist einverstanden. Ja, was soll ich noch mehr sagen? Morgen fahre ich für ein paar Tage zu Eröffnung meiner Ausstellung nach Göteborg. Ihr könnt hier wohnen. Ich ruf euch an, bevor ich zurückkomme.“
      Lisa und ich waren glücklich. Wir waren es auch noch nach vier Tagen, als mein Vater mich nach Hause bestellte.
      Da saß er ernst in seinem Sessel in unserem vollgestopften Wohnzimmer am großen Glastisch. Das war Wilhelm: bartlos, glatte dunkle Haare von unbeschreiblicher Farbe, eine Metallbrille vor braunen Augen. Sein Bauch war mir peinlich wie seine hellbraune Cordjacke, die immer etwas schlampig wirkte und gar nicht zu dem exakt geordneten Haar passte. Lea war abwesend. „Ihre Geschäfte regeln in Hamburg“, wie es hieß.
      „Mein Sohn“ setzte mein Vater nicht unfreundlich an, „geh nicht nach dem Geruch der Frauen.“
      Er schenkte sich ein Glas Rotwein ein. Mir bot er auch eins an, das ich verwirrt annahm, während ich darüber nachsann, was er meinte. Lisa roch gut, Lea und Ana-Lena auch, dachte ich. Wilhelm roch nach dem Rasierwasser, das ich ihm zu seinem Geburtstag geschenkt hatte.
      „Frauen machen dich unfrei, ruinieren deine Karriere, denn du bist noch viel zu jung.“
      Ich verstand. Nickte, trank und bedankte mich für die Unterweisung, wie Wilhelm es erwartete, und ging zu Lisa. Ich redete nie über diesen Vorfall, weder mit Lea noch mit Lisa. Fast hatte ich ihn vergessen, bis er hier vor Grønland kurz vor dem Einschlafen wieder auftauchte. Ich glaube, es war das kratzende Eis am Schiffsrumpf, das den gleichen Ton erzeugte wie das gefüllte Glas, das Wilhelm mir über die gläserne Tischplatte zuschob.

      Eine meiner schönen Erinnerungen an Schweden
      Hej da (wie mache ich diesen Kringel über`s a?)
      Klausbernd🙂

      Antworten
      • Das Wetter bessert sich, vielen Dank an Siri und Selma! That looks promising for tomorrow.

        Die Zahl Sieben, hihi, jetzt bin ich verwirrt! In Schweden, wir Frauen müssen 7 verschiedene Blumen für den Haarkranz finden, weiter habe ich gar nicht gedacht…🙂

  2. ich habe jetzt keine Zeit diese lange Geschichte zu lesen, weil gleich Unterricht….
    nur mal vorweg: als ich in Leningrad ankam, war gerade White Night Zeit, hihi, da waren ja alle schwul beim Ballett, außer Dima…
    Der Tee, den man im Nachtzug von Moskau nach Leningrad serviert bekam, hieß auch White Nights, weil er so dünn war, sie mussten sparen.
    Hoffentlich hat sich wenigsten der Tee in Russland verbessert….
    Weße Grüße, haben heute im Yoga Stirnchakra drangenommen, sehe nicht so scharf gerade
    Freue mich schon auf heute abend, wenn ich die Geschichte aus Schweden lesen darf!!

    Antworten
  3. Dear Buchdame,

    ja, ja die sieben verschiedenen Blumen im Kranz – da heißt es so fein bei Walther von der Vogelweide „gebruochene blumen unde gras“, wenn unter der Linde die niedere Minne betrieben wurde – tandaradei …
    Ich aß gerade Pytti Pannan, dieses beliebte Resteessen kennst du doch auch sicher – ein klassisches Sommerhausessen zu meiner Zeit.

    Liebe Grüße von Norfolk nach Schweden
    Klausbernd

    Antworten
    • Schwedische Mädchen sammeln am Vorabend 7 verschiedene Blumen und stecken diese in ihr Kopfkissen. Wofür? In der Nacht sollen die Mädchen dann von ihrem zukünftigen Ehemann träumen.

      Na, dann süße Träume…

      Antworten
  4. Zum Tag des Schlafes,
    ein Gedicht vom großen norwegischen Dichter Bjørnsterne Bjørnson für Siri und Selma

    Die Engel des Schlafes

    Als rosig das Kind
    In Schlummer fiel,
    Nahten ihm Engel
    Mit Lachen und Spiel.
    Und die Mutter stand vor ihm, als es erwachte:
    »Wie schön mein Kleines im Schlafe lachte!«.

    Zu Gott ging sie bald,
    Weg gab man das Kind;
    Einschlief’s in der Fremde,
    Vom Weinen schier blind;
    Doch Kosen und Mutterwort hellten die Räume:
    Denn die Engel lachten ihm kindliche Träume.

    Heran wächst das Kind,
    Die Träne erstarrt;
    Einschläft’s mit Gedanken;
    Die lasten so hart!
    Doch nicht weichen die Engel, sie scheuchen die Sorgen:
    »Schlafe! Im Frieden des Schlafs geborgen!«

    Antworten
  5. BBC Norfolk just told: today is the day of the kiss too.
    Kisses from lovely Selma🙂
    XXX

    Antworten
  6. Also ich hoffe, dass es euch wenigstens gelingt zu verstehen, was ihr da immer so schreibt!
    Spaß!
    Hello Schweden, gestern abend gab es hier ein gewaltiges Gewitter, so konnte ich draußen keine Blümchen pflücken. In meiner Not malte ich sie auf ein Blatt Papier und legte es unters Kopfkissen…
    Leute, ich kann doch keinen wildfremden Mann heiraten!!
    Also funktioniert es wahrscheinlich einfach nur in Schweden…
    jetzt gehen wir also stramm auf Weihnachten zu o.k.
    Also bei den Froschhüpfern hatte ich mit meinen elastischen Beinen keinne Probleme, wieso machen das aber auch die Mädchen?!
    Naja, Rätsel über Rätsel…
    Klausbernd, tolle Geschichte!!

    Antworten
  7. nchtrag, mindestens 4 mal also bitte abziehen….sorry, bin müd!

    Antworten
  8. Lieber Irgendlink, im Grunde ist unser beider Stil so verschieden gar nicht. Wir lassen Assoziationen zu, die uns oft in die Vergangenheit führen. Wobei es mir oft spontan nicht klar ist, was diese Assoziation auslöste (bei mir). Das zu finden oder das zu konstruieren bietet den Zusammenhang, der umso treffender wirkt, desto sinnlicher, im Sinne von anschaulich, er beschrieben wird. Darum bemühe ich mich – bisweilen vergebens.
    Einen schönen Tag dir und gut Rad
    Klausbernd und die beiden Buchfeen Siri und Selma

    Antworten
  9. Muss gleich wieder tanzen, schnell:
    Das Foto, schön! Ungefähr dort saß ich mal mit meinen beiden Spatzen, es ist großartig, man ist da so allein.
    Beunruhigend der Weg dorthin, irgendwann ist da wirklich niemand mehr, merkwürdiger Weise waren wir ein bissel unsicher, ob wir wirklich noch weiter gehen sollen….
    Dann erblickten wir die Seehunde und picknickten in den Dünen.
    Da kam doch tatsächlich ein Mann quasi aus dem Nichts, mit dem obligatorischen Teleobjektiv.
    Wir schrien uns eine Weile aus der Entfernung an, es war so windig…, man hatte irgendwie das Gefühl, man müsste jetzt miteinander sprechen..
    So einen Spaziergang bei KB kann ich allen ans Herz legen und dann so in den warmen Sand legen.
    Nur Achtung, da sind welche unterwegs und wollen komische und seltene Vögel fotografieren.
    Ein echtes Vogelschutzgebiet eben, aber es ist groß genug und herrlich, trotz der Windmühlen……

    Antworten
  10. Grüsse mal lieb hab mal was gestöbert sehr Interessant.Wünsche einen schönen Tag und ein schönes weekend Grüsse mal lieb Gislinde.

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