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Der pornografische Roman

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Der pornografische Roman

Hallo, hallo hier schreiben wir liebklugen Buchfeen Siri und Selma🙂🙂

Wir wollten euch alle eindringlichst auf die Gefahren aufmerksam machen, die das Lesen erotischer Romane im Bett mit sich bringt. Also: Watch out for book thieves, when you are reading erotics! Ach, und noch etwas, bei denen vielen Büchern auf dem Bett kann diese üppige Dame nur eine Stellenleserin sein, die einschlägige Romane ja anziehen.

Leserin

Antoine Wiertz (1806-1865) La Liseuse re romans (the reader of novels), 1853

Außerdem wird sie sich die Augen verderben, wenn sie weiterhin bei dieser Beleuchtung liest.

Ja und was mögen solche Damen wohl lesen? Was meint ihr denn?
Das „Ching Ping Meh“ wird es nicht sein, denn dieser frühe chinesische Liebesroman, der auch als Liebesschule gelesen werden kann, ist viel dicker als diese Bücher hier, ebenso das „Kamasutra“, jene indische Liebesschule, die die yogische Verrenkung zelebriert. Uns erzählte ein indischer Tantriker, dass dieser Stellungsfetischmus des „Kamasutra“ zum Ziel hat, dass Mann und Frau perfekt ineinander passen. Masterchen lachte sich über diese rationalisierende Erklärung schief. Wir ziehen die neueren Klassiker vor wie John Clelands „Fanny Hill“, ein Roman, der knapp über hundert Jahre vor diesem Bild oben entstand. Es ist ein erzählerisches Meisterwerk von aufklärerischer Moral und so leicht wie das intime Scherzen geschrieben. Naja, als Französin wird unsere Leserin wohl eher nicht Gustav Schilling gelesen haben, der in „Denkwürdigkeiten des Herrn von H.“ den deutschen Casanova schuf. Schilling war ein äußerst produktiver Autor erotischer Literatur – Master las auch „Röschens Geheimnisse“, „Clärchens Geständnisse“ und  „Julchens Schwachheiten“, wobei er nicht ansprechbar war – den Schiller und Wieland lobend erwähnten. Wir Buchfeen finden jedoch Carl Timlichs „Priaps Schule der Lüste“ super, dieser 1789 erschienene Bericht des naiven Pfarrerstöchterleins Fiekchen. Diese amouröse Korrespondenz ist endlich mal ein pornografischer Roman, der nicht vom phallischen Ernst geprägt ist. Wir haben uns köstlich amüsiert. Dann fanden wir noch in Masters Bücherregal von Leopold von Sacher-Masoch „Venus im Pelz“, ein 1869 als Handbuch des Masochismus geschriebener Roman, bei dessen Lesen wir stets einschliefen. Da lieben wir doch schon mehr die freilich deftige „Geschichte der O“, ein Buch, dem man sogleich anmerkt, dass es von einer Professionellen geschrieben wurde – äh, kein Missverständnis, von der renomierten Verlagslektorin Pauline Réage (die auch als Dominique Aury auftrat und 1998 im Alter von 91 Jahren starb). Masterchen besitzt die englische Erstausgabe von Pauline Réages „Story of O“, die bei Olympia Press erschien, ein Verlag, der sich einen Namen machte, erotische bis pornografische Literatur zu veröffentlichen. Interessant ist, dass es in klösterliche Atmosphäre um die absolute Hingabe geht, im Grunde eine Idee, die wir von der frühen Sufi-Literatur wie Nizamis „Leila und Madschnun“ (eines von Masterchens Lieblingsbüchern) und Rumis Gedichten (voll schwul) her kennen. Pauline Réage schrieb diesen Weltbestseller, um einen Mann an sich binden, was ihr auch gelang. „Die besondere Stellung der Geschichte der O“, erklärt Masterchen, „liegt darin, dass die gesamte folgende pornografische Literatur dort die Beschreibung von Situationen klaute. Naja, so viel Unterschiedliches gibt es da auch gar nicht zu beschreiben. Ist das sexuelle Spiel nicht eins mit wenig Variationsmöglichkeiten?“ Da können wir Buchfeen als asexuelle Wesen nur staunen. Dennoch haben wir „Das Delta der Venus“ von Anais Nin mit Freuden gelesen, nicht so wie unsere üppige Dame, zu deren Zeit dieser Episoden-Roman noch gar nicht erschienen war. Sind bei den bis jetzt erwähnten Romanen die Beschreibungen eher direkt, so tritt mit Anais Nin mit ihrer engen Beziehung zum Kreis der frühen Psychoanalytiker die Subtilität in den Vordergrund, ähnlich wie bei Vladimir Nabokovs „Lolita“, ein Roman, der aus derart vielen literarischen Anspielungen besteht, das Masterchen die Seiten mit spitzen Bleistift vollgekritzelt hat. Und noch etwas, Hut ab vor Nabokov, der als Russe diesen Roman in Englisch stilistisch perfekt schrieb.

Jens Bjørneboe

Masterchen meinte, wenn er Töchter hätte, würde er ihnen als Aufklärungsbuch von Jens Bjørneboe (Anthroposoph und Träger des Norwegischen Staatspreises für Literatur) „Nackt im Hemd“ in die Hand drücken, ein Buch, das auch in Deutschland viele Skandale hervorrief und schwer zu bekommen ist. Uns gab Masterchen die Taschenbuch-Ausgabe, die wir, ehrlich gesagt, mit roten Bäckchen und Glitzeraugen in ein paar Stunden lasen und im Geheimen bedauerten, asexuelle Wesen zu sein. Geärgert hat uns nur, dass der Böse in diesem Roman wie oft in der norwegischen Literatur ein Deutscher ist. Dieses Buch ist übrigens irre schwer zu bekommen, letztlich hat es uns Dina besorgt – über dümmliche Zensur von amazon wollen wir hier gar nicht erst reden und überhaupt über Zensur, Bjørneboe wanderte sogar ins Gefängnis wegen dieses Buchs (Bemerkung von mir, der Siri: großer Vorteil der deutschen Taschenbuchausgabe dieses Romans, er ist so dünn, dass er im Regal nicht auffällt😉 ). Von der norwegischen Literatur lasen wir außerdem von Knut Faldbakken „Der Schneeprinz“ und „Bettgeflüster“, in beiden Büchern schildert dieser erfolgreiche Autor die Sexualität differenziert aus der männlichen Sicht, wenn auch stellenweise etwas langatmig. Als Meisterwerk und Klassiker der norwegischen Literatur muss unbedingt „Das Bild vom roten Rubin“ von Agnar Mykle erwähnt werden, das nicht nur zusammen mit „Nackt im Hemd“ das letzte Buch war, dass in Norwegen auf den Index kam, sondern das uns ausgesprochen gut gefiel mit seinem humorvollen Ton und klugen psychologischen Beschreibungen. Mykle beklagt u.a. die sexuelle Abhängigkeit des Mannes von der Frau, worin sich viele seiner Leser wiederfanden. Uns sagten einige Norweger und Schweden, dass Mykles Werk einen enormen Einfluss auf den Wandel der Sexualmoral in Skandinavien hatte.

In seiner Vorlesungsreihe „Über den begehrenden Körper in der Literatur“ an der McGill University/Montreal hat Masterchen betont , dass seit Anais Nin und Pauline Réage bis auf wenige Ausnahmen gute pornografische Literatur (Masterchen meint „geile“ Literatur, hat sich das aber nicht zu sagen getraut) von Frauen geschrieben wurde. Ja, da staunt ihr – oder?  Als weiblich im Stil und speziel in seiner Metaphorik empfinden wir auch die Romane von Leonard Cohen aus den sechziger Jahren „The Favourite Game“ (ein großer Flopp) und „Beautiful Losers“ (teils hochgelobt in Kanada, wo übrigens Masterchen mit Cohen gut bekannt war).

Wir konnten euch hier nur Bücher vorstellen, die wir in Masters Bibliothek gefunden haben, aber gerade entdeckte ich, die listige Selma, noch eine DVD aus der Reihe Digitale Bibliothek „Erotische Literatur von Lysistrata bis Lady Chatterley“, dort bekommt ihr einen ziemlich vollständigen Überblick über diese verdrängte Literaturgattung (Sammlung von Originaltexten), die wie auf unserem Bild von der Leserin auch immer eine Feier des Narzissmus darstellt, was sich im Symbol des Spiegels ausdrückt.

Tschüß, wir sind wieder weg zu unseren „verbotenen“ Büchern – wer fragte noch letztlich im Blog hier, welche interessante Bücher auf dem Index stehen, na, das ist doch eine Antwort – oder?!
Liebe Grüße
Siri🙂 und Selma🙂

Henry Miller

Ach du lieber Himmel, da haben wir doch glatt vor lauter Anais Nin ihren Freund Henry Miller vergessen, der die phallokratische Seite der Sexualität in „Wendekreis des Krebses“, Wendekreis des Steinbocks“, „Sexus“ und im Grunde in allen seinen Romanen ausdrückte. Tiefenpsychologisch ist Millers Angst vor Menstruationsblut vielsagend, aber eins müssen wir auch sagen, Henry Miller war ja besonders im Alter ein attraktiver Mann. Als das weibliche Pendant zu Miller empfinden wir den exhibitionistischen Roman „Das sexuelle Leben der Catherine M.“ der bekannten Chefredakteurin eines französischen Kunstmagazins Catherine Millet (auch wieder ein Profi😉 ), ein hoch gelobtes Werk der Kritik.
Nun aber Schluss, aus, Ende!

EILMELDUNG

Mit diesem Thema kommt man einfach nicht zum Schluss. Also very last but not least: „50 Shades Of Grey“, dieser BDSM-Roman von E.L. James ist seit heute das schnellverkaufeste Taschenbuch aller Zeiten,  das selbst „Harry Potter“ in den Schatten stellt. Seit vorigem Jahr, als dieser stilistisch einfallslose Roman veröffentlicht wurde, hat er sich zehn Millionen mal verkauft (Masterchen erblasste vor Neid, als er von diesem Umsatz hörte). Als „Shades Of Grey – Geheimes Verlangen“ wird er in deutscher Übersetzung am 9. Juli bei Goldmann erscheinen. „Dieses Buch ist schärfer als Porno“ textete die BILD und sie fragte sich wie wir, wie es kommt, dass dieses Buch hauptsächlich von Frauen geliebt wird (ist ja auch von einer Frau geschrieben) – wie übrigens auch „Die Geschichte der O“. Dina findet die deutschen Cover viiiiiel schöner als die amerikanischen, was meint ihr denn?

Über Klausbernd

Autor (fiction & non-fiction), Diplompsychologe (Spezialist für Symbolik, speziell Traum- und Farbsymbolik)

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  1. Well, then I’ll bring the latest from Sweden.🙂

    Alexander Skarsgaard is reportedly been voted the sexiest man in Sweden five times.
    And … he is one of the favourites for the male role in the film „50 Shades of Grey“!

    Greetings from Stockholm

    Buchdame🙂

    Antworten
  2. Tusend tak, kjär Dina,
    well it`s amazing that this mega-seller is published in Norway before Germany, isn`t it?
    Censurship is no problem anymore in Norway, I suppose.
    Ha en fin afton
    Klausbernd

    Antworten
    • Nein, das ist nicht ganz korrekt.😉

      Diese Mammapornos (hihi, die Amis sagen nur Mummyporn dazu) werden erst im Herbst erscheinen (Gyldendal), but nevertheless…

      Ha en fin kveld, alle sammen!
      Dina🙂

      Antworten
  3. Aha, ihr bleibt lieber „entre nous“.

    Auch gut.

    Antworten
    • Ich weiß zwar nicht, worauf Sie sich beziehen, aber Sie haben es erfasst: Ich will keineswegs jeden auf meinem Blog haben. Einige Blogger haben eben ihre Reputation und können persönliche Hang-ups und Sachdienliches nicht auseinanderhalten.
      Ich bestimme mit Hilfe meiner Buchfeen und Mitbloggern hier den Stil und Inhalt der Kommunikation – ich bin der gastgebende Hausherr dieses Blogs und wähle aus.
      Also: „Auch gut.“ Sehr gut sogar🙂

      Mit vorzüglicher Hochachtung
      Klausbernd Vollmar und die Buchfeen Siri und Selma

      Antworten
  4. Es ist bestimmt super spannend sich zu überlegen, wo alle diese „Tabus“ herkommen.
    Da kommt doch wieder was in Bewegung, gut so…
    Hier auf unserem Platz, diese verschleierten Frauen…merkwürdig!
    Momentan sind gerade neue Trinkflaschen auf dem Markt, die sehen aus wie Nuckelbrüste.
    saukomisch, wenn man mal genau hinschaut zu was die Leute scheinbar unbewusst greifen..
    Vielleicht greife ich ja auch mal zu solch „verbotener“ Lektüre, schaun wir mal…
    noch mehr Druck, was alles so im Leben und aus psychologischer Sicht fehlt braucht frau eigentlich nicht….danke für die Anregungen!!

    Antworten
    • In unserer Gesellschaft wurden doch viele Tabus nicht zuletzt durch die vielbeschworenen Achtundsechziger abgebaut. Das Problem liegt vielmehr, glaube ich, in der Hingabe. Alle neueren pornografischen Romane tangieren zumindest BDSM-Praktiken, deren Reiz darin liegt, dass der oder die Hingabeunfähige zur Hingabe gezwungen wird. Das trifft auf völlig politisch unkorrekte und deswegen geheime Phantasien, die deswegen um nur um so erregender erscheinen. Das Verdrängte zeigt sich und sehen wir`s philosophisch, da gibt es dieses dialektische Phänomen, dass der Zwang zur Befreiung führt – davon gehen die Geschichte der O aus und alle einschlägigen Nachfolgeromane wie auch die ständig steigende Beliebtheit von Fesselungsspielen.
      Sexuelle Tabus hatten stets die Funktion, den Genpool variable zu halten (Inzestverbot) und zu kontrollieren, wer der Vater der Nachkommen ist – war dies nicht klar z.B. im Adel brach Krieg aus.
      Alles klar?
      Ein feines Wochenende dir
      Klausbernd🙂

      Antworten
  5. nun kann ich ja auswählen… immer mal wieder „suchte“ ich nach erotischer literatur und außer benannter anäis nin konnte mich einfach nichts überzeugen- zu platt, zu unerotisch letztendlich und auf BDSM-Techniken habe ich schlichtweg keine Lust, törnt mich null an… aber okay, das ist meins… ich danke dir auf alle Fälle für die vielen Tipps
    sagen möchte ich aber noch, dass ich schon wunderbare passagen in büchern gefunden habe, die in keinsterweise als erotische literatur galt… und zugegeben, subtil ist mir lieber… das geht mir auch im film so…

    danke für den input
    und ein wunderbares we wünscht frau blau

    Antworten
    • Liebe Frau Blau, herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich habe die Bücher zwar alle gelesen, aber richtig gut und erotisch fand ich nur wenige. Klar, du hast recht, ich würde sogar sagen, die wunderbar erotischsten und innigsten Passagen findet man oft in Büchern, die es nicht vermuten lassen.
      Als schön subtil erotisches Buch empfand ich von E.W. Heine „Das Halsband der Taube“, das ich vor vielen, vielen Jahren las.
      Ein fröhliches Wochenende
      wünschen
      Klausbernd, Dina und die kichrigen Feen Siri und Selma🙂

      Antworten
      • … Frau Hustvedt versteht sich auch darauf solche Szenen zu „malen“ nein, zu schreiben und in Dina fand ich ebenfalls solche…

        herzliche Grüße und Freude mit den Besucherscharen😉 sendet Frau Blau aus GrauWald

      • Auch dir, wenn auch sehr verspätet – oh dear! – ganz liebe Grüße aus dem sonnigen Cley
        Klausbernd

  6. Lieber Klausbernd, alles klar?!
    Das war doch nicht ernst gemeint, oder?! ich habe tagelang zu tun mit den vielen Hinweisen, die man hier auf deinem blog bekommt….
    Aber das ist super, zwischendurch hatte ich oft das Gefühl, geistig zu verkümmern bei der ganzen Tanzerei (bis man mal an die Essenz des Tanzes kommt dauert`s…)
    Die schöne blaue Blume aus deinem Garten…inspiriert mich hier ein Rilkezitat zu „posten“:
    „Und die in den Nächten zusammenkommen und verflochten sind in wiegender Wollust…rufen die Zukunft herbei“
    Einen schönen Sonntag allerseits und dankeschön für diesen blog!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Antworten
  7. Dank dir, liebe Pia, dass du den Rilke zur Sprache bringst, er hat doch wunderschön über die Liebe geschrieben. In Lou Andreas-Salomé hatte er ja die beste Lehrerin seiner Zeit.
    Und „Vielen Dank!“ rufen ganz flattrig die Buchfeen Siri und Selma vom Regalbrett 3 , „für dein Lob.“
    Noch einen frohen Sonntag
    Klausbernd🙂

    Und noch eins, das Gefühl geistig zu verkümmern ist völlig unberechtigt. Lass dich bloß nicht von meinen Äußerungen einschüchtern, ich bin ja „Berufsintellektueller“ und außerdem finde ich Denken und Verknüpfen hoch erotisch😉

    Antworten
  8. Habe mal eine Frage, vielleicht kennt sich einer der Experten hier aus: Warum gibt es – soweit ich sehe – keinen einzigen Literaten, also so einen richtig anerkannten, der auch einen pronografischen oder doch wenigstens einen sogenannten „hocherotischen“ Roman geschrieben hat? Die Thomas Manns, Goethes und Blechtrommler haben doch wie der Autor der Lady Chatterley immer nur „Stellen“ eingefügt, mehr oder weniger leicht dosiert.
    Vielleicht habe ich da eine Bildungslücke, dann hat sich die Frage erledigt.
    Falls aber nicht, dann mag das daran liegen, dass sich dergleichen einfach nicht gehört. Fände ich aber komisch, denn der Tabubruch als solcher ist ja ein konstituierendes Element der literarischen Moderne.
    Sollte es so sein, dass die Damen und Herren Literaten das einfach nicht hinkriegen? Es gibt eine Zeitschrift, sie heißt „Mein heimliches Auge. Jahrbuch der Erotik“, erscheint seit 1982 im Konkursbuch-Verlag. Klingt gut. Die drei ersten Hefte habe ich gelesen. Dann hat es mir gereicht. Was die Damen und Herren Künstler da so von sich gegeben haben, war eine Fundgrube für Psychologen, Abteilung sexuelle Störungen.
    Der Küchenpsychologe würde nun sagen: Ha, da seht ihr’s, die Autoren verarbeiten ihren Knacks in schönen Romanen, nein: Sie übertünchen ihre Knäckse mit schönen Romanen, …

    Ich kenne jedenfalls nur einen anerkannten Autor, der zwei durchgehend pornografische Romane geschrieben hat, den Nicholson Baker – sein neuestes Werk heisst unverblümt: „Haus der Löcher“.

    Antworten
    • Hi, lieber Martin,

      ich fand schon von Nicholson Baker „Vox“ spannend, das ist ja auch ein durchgehend pornografischer Roman über Telefonsex. Und dieser Jens Björneboe, einer der anerkanntesten und führenden Autoren Norwegens schrieb das obengenannte „Nackt im Hemd“ – durchgehend pornografisch.
      „Lady Chatterley“ ist nicht pornografisch, der Tabubruch lag darin, dass Sexualität Klassengrenzen übersprang – die wenigen sexuellen Stellen hat D.H. Lawrence doch liebevoll gestaltet, wenn z.B. der Jagdaufseher der Lady ein Kränzchen mit Gänseblümchen um ihre Scheide flicht.
      Es gibt überhaupt sehr, sehr wenig ernstzunehmende durchweg pornografische Romane. Ich denke mir, das liegt daran, dass die Autoren im Grunde immer nur Ähnliches beschreiben können. Ich will damit sagen, es gibt nur eine begrenzte Anzahl sexueller Situationen. Von Frauen habe ich oft gehört, dass sie es grundsätzlich viel erotisierender finden, wenn die sexuelle Situation nicht beschrieben, sondern nur angedeutet wird und sie können dann das Nicht-Gesagte mit eigenen geheimen Fantasien füllen. Außerdem ist es ein Problem im durchgehend pornografischen Roman einen überzeugenden Handlungsstrang zu bringen.
      Ein Roman voller erotischen Knisterns von der erste bis zur letzten Seite ist für mich „The Lover“ von M. Duras, die große Dame der franz. Literatur. Und nicht zu vergessen Erica Jongs „Fanny“, ein Abenteuerroman voller deftig sexueller Stellen mit einem durchgehenden Plot. Und wie soll man denn „Feuchtgebiete“ nennen? Würde man das unter Pornografie zählen, wäre es etwas Neues in dieser Literaturgattung. Der Ekel wird normalerrweise in solchen Romanen nicht beschrieben.

      Die kluge amerikanische Kulturwissenschaftlerin Susan Sontag unterscheidet anspruchsvolle und triviale Pornografie. Als anspruchsvolle Pornografie führt sie folgende drei Romane an:
      Pauline Reage: Die Geschichte der O
      Georges Bataille: Geschichte des Auges
      Catherine Robbe-Grillet: L`Image

      Mehr fällt mir gerade nicht ein.
      Liebe Grüße dir vom sonnigen Meer. Bist du noch in Prag?

      Klausbernd🙂 und seine beide Buchfee Siri🙂 und Selma🙂
      Dina lässt auch grüßen, ihr Notebook hat gerade seinen Geist aufgegeben, deswegen ist sie gar nicht ansprechbar.

      Antworten
      • Hallo Klausbernd,

        vielen Dank für diesen Beitrag. Köstlich und lehrreich gleichzeitig🙂

        Ich hab da noch was von Nicholson Baker: „Die Fermate“ und zuletzt „Haus der Löcher“. Gerade das Letzte ist eine köstliche erotische Satire und Phantasma- Reise durch die ungebremste, ausgiebige Auslotung des Erotischen und Pornografischen gleichzeitig. Was mich dabei entzückt ist das Aufeinandertreffen von erotischer Leichtigkeit, pornografischer Verrenkung und des überschießenden Erfindungsreichtums, der sich in der Darstellung allerphantastischster Stellungen und Szenerien immer wieder überbietet.

        Liebe Grüße

        Achim

      • Guten Morgen, lieber Achim,

        habe Dank für deine Ergänzung. Nicholson Baker finde ich auch einen der witzigsten und zugleich klugen Autoren, die erotische Literatur am Rand zur Pornografie schreiben. Seine Romane machen sich im Grunde darüber lustig was in der doch relativ biederen Trilogie „Shades of Gray“ beschrieben wird. Leider ist Baker in Deutschland relativ unbekannt – zu Unrecht, wie ich finde.

        Ein schönes Wochenende wünsche ich dir
        Klausbernd

      • Lieber Achim,
        Entschuldigung, ich habe deinen letzten Kommentar völlig übersehen. Sorry, WP hat mich nicht benachrichtigt – Schlamperei!
        Nicholson Baker finde ich auch amüsant zu lesen, da er stets verrückte Ideen, die er sprachlich anmutig ins Bild setzt.
        Herzliche Grüße aus dem sonnigen Cley
        Klausbernd

  9. Guten Tag, und zunächst einmal herzlichen Dank für den Besuch bei mir im Blog🙂

    Ein sehr inspirierendes und anregendes Blog schreibt Ihr hier. Habe nun eine ganze Weile „gestöbert“ und mich gefreut, u.a. auch auf den Namen Anaïs Nin zu stoßen. Ich kam zu der Autorin über ihre Tagebücher, die mich sehr faszinieren –

    und das „Delta der Venus“ habe ich ebenso gern gelesen, wie „Unter einer Glasglocke“, wobei letzteres schon recht lange her ist, und es eine gute Idee wäre, das Buch wieder mal zu lesen.

    Viele Grüße und alles Gute🙂

    Ocean

    Antworten
  10. Liebe Ocean,

    welch ein toller Name und habe recht herzlichen Dank für dein Lob.

    „Unter einer Glasglocke“ finde ich ein Buch, das gut gealtert ist. Freilich wirkt es nicht mehr so revolutionär wie nach seinem Erscheinen, aber immer noch aufrüttelnd – bes. für Frauen, denke ich.
    „Das Delta der Venus“ ist verfilmt worden, wobei die einzelnen Geschichten des Buches in eine fortlaufende Handlung gebracht wurden. Ich halte das nicht für eine gute Idee. Es ist eine ähnlich fragwürdige Verfilmung wie „Die Geschichte der O“, die zur bittersüßen romantischen Liebesgeschichte im Film wird, sozusagen „Die Geschichte der O“ für Softies😉

    Liebe Grüße aus meinem Garten, in dem ich heute mit Dina wild arbeitete. Jetzt sind wir völlig ko. Ein wunderbares Wochenende dir
    Klausbernd🙂 und seine kichrigen Buchfeen Siri🙂 und Selma🙂

    Antworten
  11. Hallo ihr kichrigen Buchfeen,
    womit fange ich denn nun an?
    Mit ”Nackt im Hemd”?
    Frau Blau hat vor kurzem irgendwo in den Tiefen des Netz geschrieben, dass sie bei manchen Beiträgen ganz ahnungslos ist. So geht es mir hier.
    Meine Mama (*grins) hat gesagt sowas schickt sich alles nicht für ein anständiges Mädchen, jawohl!
    Aber ich habe irgendwo auf einer Postkarte gelesen,
    „Gute Mädchen kommen in den Himmel und böse überall hin.´“
    Ich bin natürlich der Meinung, dass die vorgestellten Bücher nichts mit „BÖSE“ zu tun haben. Aber es ist sehr schwer, seine Erziehung, die fest verankert ist, zu überwinden.
    Einen schönen Samstag Nachmittag wünscht Susanne

    Antworten
    • Liebe Susanne,
      ohhh, da hast du ja etwas versäumt, du Arme😉.
      „Nackt im Hemd“ hat in Deutschland für viel Aufregung gesorgt. Es kam auf dem Index, was zwar der Verbreitung eines Buches stets hilft, aber es wurde auch aus deutschen Bibliotheken entfernt, und ich kann mich dunkel erinnern, dass ein Bibliothekar gefeuert wurde, weil er das Buch für eine Bibliothek angeschafft hat.
      Es ist die Geschichte eines Mädchens, dass bei unterschiedlichen Abenteuern ihre Sexualität erforscht. Alles Weitere kannst du auf meinem Blog zur pornografischen Literatur lesen.
      Liebe Grüße
      Klausbernd

      Antworten
      • Lieber Klausbernd,

        die Neugier siegt immer und ich möchte ja schliesslich nicht etwas so Wesentliches verpasst haben.
        So habe ich in den sauren Apfel gebissen und bei Amazon für 28 € inklusive Porto das rororo Taschenbuch “Nackt im Hemd” bestellt. Ich bin sehr gespannt, in welchem Zustand es mich erreicht. Ich werde hier berichten.

        Wir hatten mal über die Idee des Blogs als Gedächtnis gesprochen. Als ich nach deinem Blog zur pornografischen Literatur suchte, habe ich bemerkt, dass du keine Kategorien zu deinen Beiträgen angelegt hast. Es wäre schön, wenn deine Beiträge in Kategorien gebündelt wären, dann könnte man sich deine Texte sortiert nach Themen aufrufen. Ich war froh, dass ich den Link hierher in einem Kommentar von dir fand, sonst hätte ich nicht hier zu dem Beitrag gefunden.

        Liebe Grüße Susanne

      • Liebe Susanne,
        dann viel Spaß beim Lesen. Eins sei verraten: Für das beste Kapitel halte ich jenes mit dem Pornfilmproduzenten.
        Danke für deinen Hinweis. Wie recht du hast. Ältere Artikel sind bei mir schwer zu finden. Ich werde mir mal in einer ruhigen Minute überlegen, wie ich Gruppen bilden kann.
        Ganz liebe Grüße
        Klausbernd
        Dina hat mir übrigens „Nackt im Hemd“ geschenkt. Ich las es erst auch vor drei Jahren zum ersten Mal. Allerdings würde ich es als Aufklärungsbuch meiner nicht-vorhandenen Tochter geben, in unserem Alter benötigt man es wohl eher nicht mehr, was nicht heißt, dass es nicht vergnüglich geiles Lesen beschert.

      • Lieber Klausbernd,
        das ist ein schönes Geschenk von Hanne-Dina!
        Ich werde das Buch nach der Lektüre meinem Sohn weitergeben, er ist zwar keine Tochter aber es kann sicher nichts schaden🙂
        Liebe Grüße sendet Susanne

      • Liebe Susanne,
        sicher wird ihn das amüsieren😉
        Den Artikel über deine Bücher werde ich mir gleich vornehmen (Dank für die Fotos), aber zuerst muss ich noch Dina helfen, die meine Bibliothek gerade fotografiert und mich als Beleuchter missbraucht😉
        Ganz liebe Grüße von der heute so stürmischen Küste, dass unsere munteren Buchfeen Ausflugverbot haben
        Klausbernd
        Dina murmelt hinter der Kamera auch so etwas wie „liebe Grüße“

      • Lieber Klausbernd,
        ich habe nur wenige Seite vom Buch „Nackt im Hemd“ gelesen, es ist mir ein wenig langweilig, was ja an meinem Alter liegen kann, denn Henry Miller, finde ich sehr wohl sehr interessant zu lesen bzw. zu hören. Ich habe gerade einen Schwung Hörbücher von ihm bekommen, die ich doch viel pornografischer finde als das verbotene Buch vom Hemd. Und natürlich auch viel desillusionierender.
        Ein schönes Foto von Miller hat Hanne da heraus gesucht….
        Grüße von Susanne

      • Liebe Susanne,
        womöglich mag das daran liegen, dass Männer einen pornografischen Roman anders rezipieren als Frauen. Männer sind laut Statistik und Verkaufsanalysen sowieso nicht die Pornoleser. Die meisten pornografischen Romane werden heute von Frauen geschrieben und gelesen, weswegen auch der Aufbau Taschenbuch Verlag und andere Großverlage erfolgreiche Reihen Pornografie für Frauen herausbrachten.
        Ich persönlich finde Miller nicht so pornografisch, da ziehe ich Anais Nin vor, die mit ihrem „Delta der Venus“ (eigenartig verfilmt) einen enormen Erfolg hatte.
        Björneboe als bekannter Anthroposoph und hoch ausgezeichneter norwegischer Autor hat ein Aufklärungsbuch geschrieben, Miller dagegen einen „Bericht“ seiner Tage in Paris ähnlich wie Durrell (ein Freund von Miller) seine sexuellen Experimente in der Künstlerszene auf einer griechischen Insel beschreibt, wo auch Jensen und Cohen Partnertausch pflegten, aber darüber in einem meiner nächsten Blogs.
        Ganz liebe Grüße von
        Dina und mir und unseren munter fröhlichen Buchfeen Siri und Selma
        Klausbernd

  12. i just can’t read german…sorry…but wish i could understand the connexion between „La Liseuse re romans“, Henry Miller and 50 Shades of grey…it makes me smile….

    Antworten
    • Thank you🙂
      Well, I would say 50 shades is prudish porn Miller not😉

      Antworten
      • the funny thing is that i’ve got one of that volumes as gift from my friend Ines…i’m a very educated person…but that day i could not hide

      • the disappointment…Sorry i said…i’m not all this big fan of certain best sellers…:) that kind of „porn“ to me is quite ridiculous…and boring…)

      • I had to read all 3 volumes – homework given to me by my editor – it was work and not fun. But on the other hand interesting how it was made.

  13. Pingback: Memories of Water – Anaïs Nin | kbvollmarblog

  14. Pingback: 50 shades of grey ähnliche bücher | bücher

  15. Nun habe ich mich so richtig vergnügt festgelesen bei Euch…
    Ich habe nämlich Töchter (drei sogar), da werde ich mal alle Hebel in Bewegung setzen, den Jens Bjørneboe vielleicht doch irgendwie zu bekommen🙂 Ich erinnere mich nun gerade an meine unbedarfte Jugendzeit, als ich mit meiner Freundin über das Decameron gekichert habe. Man musste sich da durch recht viel „Langweiliges“ durcharbeiten, um an ein paar delikate, deftige Stellen zu kommen…
    Cohens „Beautiful Losers“ hat mich ziemlich verblüfft (ich habe es zufällig neulich gerade erst gelesen), aber im Nachhinein finde ich ihn als Person dadurch noch viel interessanter. Und wenn ich mich nun nicht verlesen habe, dass du mit ihm bekannt warst, muss ich jetzt gleich mal fragen: Hast du auch seine Lyrik und Liedtexte übersetzt? Ich bilde mir nämlich ein, das irgendwo mal gesehen zu haben, finde es aber leider nicht wieder. Es ist auch schon so lange her, doch nun ist es mir wieder eingefallen. Lieber Klausbernd und liebe Mädels, ich danke euch für diesen feinen Beitrag, der die Zeit wie im Fluge hat vergehen lassen. Und nun stehe ich vor meinem Bücherschrank und habe auf so vieles Lust bekommen🙂
    Herzliche Sonntagabendgrüße an euch alle von
    Eva

    Antworten
    • Guten Tag, liebe Eva,
      gerade sind wir vom Garten ins Haus gegangen, bis eben haben wir alles Tote weggeschnitten. Und mit dem Garten sind wir auch schon bei Erotik und Sex, die traditionell sowohl in der europäischen als auch in der islamischen Kultur im Garten stattfinden.
      Ich habe Leonard Cohen privat kennengelernt, ihn auf Parties getroffen (als ich Montreal lebte), aber nie etwas von ihm übersetzt. Vor Zeiten wohnte ich mit einem Übersetzer der Lyrik von Aleister Crowley zusammen, den immerhin ja manche für einen Sexualmagier halten. Cohens Lyrik sagt mir viel mehr zu als die Crowleys.
      Dir drücken wir alle hier gaaaaanz fest die Daumen und unsere Flügelchen, dass du den Bjørneboe bekommst. Und dann natürlich viel Spaß beim Lesen🙂
      WOW! Drei Mädchen, so seid ihr ein Dreimäderlhaus wie in dem Singspiel über Franz Schubert oder dem Liebesfilm aus den fünfziger Jahren🙂
      Mit lieben Grüße und den esten Wünschen für eine feine Woche
      Klausbernd und die restlichen drei der Famosen Vier

      Antworten

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