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Erdbeeren – die rote Verführung

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Foto: Hanne Siebers

Die rote Frucht so süß und rund gehört eindeutig in meinen Mund …

Masterchen, noch den Rest seines geliebten Quarkbrots kauend, eilt wütend zu meinen Erdbeeren, ehe die gierigen Vögel alle verzehren. Diese listigen Abkömmlinge der Saurier hüpfen doch glatt unter unsere kunstvoll angelegten Netze. Ein Skandal und das so früh am Sonntagmorgen! Die blöden Vögel sollten doch die gefräßigen Schnecken weckpicken und nicht die rot lockenden Früchte!

Masterchen erläuterte vorher, während er sein Quarkbrot mit einer würzigen Mischung aus meinem Kräutergarten garnierte, dass die roten Früchten als Symbol der Lust und der Verführung zur Sünde galten. Siri und ich finden dieses Thema äußerst reizvoll, doch Masterchen verweilte bei diesem Volksglauben, der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verbreitet war, viel zu kurz. Er wandte sich glitzernden Auges gleich seinem Steckenpferd der Kunstgeschichte zu. „Wusstet ihr beiden, dass die Erdbeere neben dem Veilchen und Gänseblümchen zu den beliebtesten Motiven der mittelalterlichen Malerei zählt? Meist“, fuhr er nach einem Schluck seines abgekühlten Milchkaffees fort, „liegen Erdbeeren zu Füßen Marias oder eines dieser Heiligen.“
Meine schlaue Schwester Siri versuchte sogleich, vielleicht etwas zu flattrig, Masterchen wieder auf das spannende Thema der Sünde zurückzuführen. Mit entwaffnender Unschuld und großen blauen Augen hinter langen Feenwimpern fragte sie: „Ich las in einem deiner dicken Bücher, Masterchen, dass die Erdbeere im „Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch so gedeutet wird, dass die Menschen, die diese verzehren, sich in Bestien verwandeln. Was machen eigentlich Bestien?“

Und jetzt schweigt Masterchen verblüfft, stopft den Rest seines Quarkbrots in den Mund und rennt nicht gerade anmutig in den Garten, die Amseln und Drosseln zu verscheuchen. Er gibt eine wirklich gute Vogelscheuche ab – sorry, Master! Ich fliege ihm flattrig nach. Da habe ich doch meine geliebten, von meinen Fayrietalern selbst gekauften Erdbeerpflänzchen letztes Jahr im August eingepflanzt, sie gewässert und mit Brennnesseljauche gedüngt, im Frühjahr das Stroh unter den Pflanzen ausgelegt, was eine fiddelige Arbeit war, hab mit ihnen täglich in zarter Feensprache gesprochen und nun kommen diese gierigen Vögel.

Während ich noch durch den Wintergarten schwebe, ruft mir meine Schwester Siri aufgeregt hinterher: „Eigentlich ist die Symbolik der Erdbeere gar nicht so durchweg erotisch, wie der Master sagte. Dieses Christenvolk, das uns Feen in die Märchenbücher verbannte, sieht die Erdbeeren als Symbol für die Heiligen Drei Könige, die ihre Köpfe vor einem altklugen Baby beugen. Naja, das ist schon weit hergeholt, für verstiegener halte ich jedoch die Ansicht, dass die Erdbeerblüte diesen Jesus symbolisieren soll – naja, vieles kann Jesus symbolisieren … Als unschuldig weiß und zart würde ich den allerdings nicht sehen.“
Atemlos fährt mein Schwesterlein uns folgend fort, obwohl ich darauf brenne, mit Masterchen endlich meine Lieblingsfeenspeise zu ernten und mehr noch, meinen zarten Feenmund mit dieser saftigsüßen Frucht zu füllen. So leihe ich ihr nur mein halbes Feenohr, aus schwesterlicher Solidarität sozusagen. „Der Ovid auf Regalbrett fünf berichtet in seinen „Metamorphosen“, dass Erdbeeren die Speisen der Menschen irgendeines Goldenen Zeitalters waren, was in der Renaissance zur Speise im Paradies wurde. Böse wird die Erdbeere nach Ausgang des Mittelalters. Kennt ihr die berühmte Geschichte von Richard III., der dachte mit Erdbeeren vergiftet worden zu sein, als er nach dem Verzehr von ihnen einen Ausschlag bekam. Er ließ den Überbringer der Erdbeeren hinrichten.“

Wie kann ich mein belesenes, eifriges Schwesterlein bloß stoppen? Ich will Erdbeeren essen und zur leckeren Marmelade verarbeiten und nicht alles über die Erdbeeren wissen!
Ach, die armen Erdbeeren funken mir gerade SOS zu, der Boden ist feucht vom vielen Regen, ich muss dringend mehr Stroh besorgen und die vielen noch halbreifen Beeren neu betten. Siris Belehrung kann man nach der Erdbeerpflege und dem Erdbeergenuss ja noch nachholen – wenn`s unbedingt sein muss. Und vom Marmeladekochen weiß sie eh nichts, höchstens den Unterschied zwischen Jam, Jelly und Marmelade in der englischen Küche, ja, kennt ihr den? Unsere Besucher bekommen den Unterschied gebetsmühlenartig von meiner lieben Klugschwester vorgetragen, während sie ihr Eigenbrötler-Brot dick mit meiner Fayriekonfitüre bestreichen.

Siri, die kein Ohr für die Sprache meiner Beeren hat, fährt unbeirrt fort: „Ihr kennt wahrscheinlich nicht diesen Giraldi Cinzio, einen italienischen Professor der Beredsamkeit, aus dessen Werk sich Shakespeare schamlos bediente.“
Blöde Kuh, denke ich, die Masterchen durch Namedropping beeindrucken will!
„Dieser Cinzio lässt in seiner Novellensammlung „Hecatomithi“ Jago das Taschentuch der Desdemona stehlen, das mit Erdbeeren bestickt ist, um sie der Untreue zu überführen.“

Eh mein Schwesterlein, wie ich sie kenne, noch die naseweisen Autoren alter Kräuterbücher aufführt, die der Erdbeere Heilwirkung zusprachen wie Jacob Theodor im 16. Jahrhundert und sein Zeitgenosse Leonhard Fuchs und dagegen Hildegard von Bingens Einstellung stellt, welche die Erdbeere zu den Küchengiften zählte, da sie verschleimt, muss ich jetzt meinen armen Erdbeeren helfen und zwar sofort! Ich flattere ins Beet zum Master. Der rutscht gerade demütig auf seinen Knien herum, um die reifen Früchte vom Stroh zu befreien, auf dem sie aufliegen. Stroh ist gut gegen Verfaulen und es hält auch diese schleimigen Schnecken ab und gab dazu noch im Englischen der Frucht ihren Namen Strawberry.

Foto: Hanne Siebers

Als der rotklebrig süße Saft aus meinem Mund rinnt, schwärmt Masterchen beim Pflücken ganz versonnen für Ingmar Bergmans alten Film „Wilde Erdbeeren“, was Siri endlich verstummen lässt. „Der deutsche Titel“, erklärt er eine dicke Beere betrachtend, „ist nicht so beziehungsreich wie der schwedische Originaltitel. „Smultronställe“, was zwar wörtlich „der Platz der wilden Erdbeeren“ bedeutet, wird im modernen Schwedisch fast nur im übertragenen Sinn als der persönliche Ort, der locus amoenus als etwas ganz Besonderes, benutzt. Für uns als Kinder im ländlichen Schweden, war die Smultronställe unser geheimer Ort, den kein anderer betreten durfte.“
„Mein Erdbeerbeet ist also meine Smultronställe, obwohl“, fällt mir ein, „es ja keine wilden Erdbeeren sind.“
„Niemals!“, ruft meine Schwester laut. „Erstens sind Smultron keine Erbeeren, und zweitens beschreibt Smultronställe einen Platz, der schwer auffindbar ist, wie unser geheime Insel im Meer, draußen bei den Seehunden.“

 „Sagt mal, meine bestgeliebten Buchfeen,“ schlägt Masterchen vor, „wollen wir uns nicht heute Abend diesen teils surrealen Film über das Leben und die Traumwelten des Egoisten Isak Borg ansehen?“
Immer noch den Mund voll, nicke ich nur und betrachte die lustigen Erdbeerenfayries, die Masterchen schwach nur wahrnimmt und für die Buchfee Siri, mein Schwesterherz, blind ist – nicht ganz, sie kennt die Abbildungen dieser Feen aus ihrem Fayrielexikon.

Liebe Grüße vom kleinen Dorf am großen Meer aus meinem Erdbeerbeet von Selma, Buchfee🙂

Meine Schwester SiriFee liest gerade abwesend, dass der schwedische Botaniker Linné fest davon überzeugt war, seine Gicht mit Erdbeeren kuriert zu haben. „Und“ murmelt sie vor sich hin, „dieser Wasser-Kneipp empfahl sogar den Aufguss von Erdbeerblättern“. Also ihr seht, sie ist heute zur Erdbeerforscherin geworden und gar nicht ansprechbar. Dennoch bin ich mir sicher, dass ich euch lieb von ihr grüßen soll.

Über Dina

Notes on Seeing, Reading & Writing, Living & Loving in The North.

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  1. … dass Erdbeeren ein Symbol der Heiligen Drei Könige sein sollen, halte ich, verehrte Feen, für ein Gerücht aus dem Feen-Lexikon, denn viel Sinn ergibt das nicht, scheint mir, der ich heute eine (!) Erdbeere gegessen habe und der ich mich insofern zum Kreis der Kenner rechnen darf.

    Antworten
    • Hallo, hier spricht Selma Buchfee, die gerade ihre belesene Schwester Siri fragte. Die Verbindung der Erdbeere mit den Heiligen Drei Königen ist dadurch gegeben, dass Heilige grundsätzlich oft mit Erdbeeren verziert dargestellt wurden. Damit betonte die Kirche ihre Macht und ihrem Reichtum, da Kaiser damit protzten, selbst außerhalb der Saison Erdbeeren auf ihrer Tafel zu haben. Oh wie troddelig von uns, irgendwo lasen wir, dass die Erdbeere als Pflanze der Demut – die rote Beere, die keine ist, hat alle möglichen, widersprüchlich Bedeutungen, es ist zum Flügelringen! – speziell diese Drei Könige symbolisiere, aber wir finden nicht mehr wo. Oder sollte das doch in unserem dicken Feen-Lexikon gewesen sein? Aber hallo, nichts gegen unser wissendes Feen-Lexikon, das genaustens die Welt aus der Sicht von uns Buch- und anderen Feen wiedergibt. Stell dir vor, Siri hatte es mal verlegt, da brach aber flattrige Not aus.
      Und, ätsch, wir sind noch viiiiiel größere Kenner, denn allein ich aß heute mindesten zwanzig Erdbeeren – voll lecker. Aber da du doch, wie mir Masterchen erzähltest, unweit der geklauten Überreste der Heiligen Drei König residierst, kannst du vielleicht noch Genaueres herausfinden über die Verbindung der Erdbeeren zu den Weisen aus dem Morgenland. Wir schlagen noch mal nach dem Essen in unserem Fee-Lexikon nach, aber das steht sooo viel. Masterchen stöhnte schon über den Bächtold-Stäubli (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens), aber unser Feen-Lexikon übertrifft das Lebenswerk des peniblen Schweizer Symbolforschers noch bei weitem.
      Also lieber Martin, wir sprechen mal mit Beerenfeen, dass sie deinem Erdbeerbeet Entwicklungshilfe zukommen lassen.
      Ganz liebe Grüße aus dem sonnigen Dorf am großen Meer
      Selma Buchfee

      Antworten
  2. Guten Abend🙂 uii.. sehen die roten Früchtchen lecker aus. Und nun hab ich ganz schön viel dazugelernt über die Erdbeere ..toll! Die von dir erwähnte Brennessel-Jauche weckt Kindheits-Erinnerungen – meine Mom hat diese auch immer zum Düngen verwendet. Über Hildegard von Bingen kam vorhin eine recht interessante Sendung ..

    und „Strawberry“ ..ich hatte noch nie über die Bedeutung dieses Wortes nachgedacht, aber klar …

    Gut, daß Ihr sie retten konntet vor den gefräßigen Vögeln, nachdem du sie so liebevoll „aufgezogen“ hattest. Und Erdbeermarmelade ist wirklich ganz was Feines ..auch mit Quark zusammen🙂

    Liebe Abendgrüße zu Euch,
    Ocean

    Antworten
  3. Da bin ich wieder, die Buchfee Selma! Siri hat`s mit Dinas geduldiger Hilfe gefunden und zwar, du glaubst es kaum, beim Suppen Knorr unter http://www.blog.knorr-fit.de/2011/sammelnussfrüchte, dort im ersten Kommentar von Matthias. Das ist zwar nicht unsere Quelle und Matthias scheint auch keine Buchfee zu sein und so unser geliebtes Feen-Lexikon nicht zu kennen, aber er weiß es auch! Vielleicht hat er`s von unseren Freunden den Trollen, die sooo klug sind, dass es ihnen nichts macht, dumm auszusehen oder gar ein Lexikon zu nutzen. Die leben ja seit dem Mittelalter. Wir vermuten, die fragliche Symbolik geht auf das so fein illuminierte spätmittelalterliche Hoya-Missale zurück, dieses gotische Messbuch und Meisterwerk holländischer Buchmalerei, das jedoch selbst meine eifrige Schwester nicht gelesen hat, Masterchen auch nicht. Und das Hoya-Missale scheint nicht die illuminierte Schrift zu sein, welche die Heiligen Drei Könige mit der Erdbeere verbinden. Das gab`s sogar auf deutschen Wohfahrtsmarken, deren Designer sicher nicht unser Feen-Lexikon zur ikonografischen Beratung nutzten.
    Jetzt wird aber gegessen! Übrigens, nur so nebenbei, es gab auch deutsche Briefmarken mit Erdbeerbild, die nach Erdbeeren dufteten.
    Ganz liebe Grüße
    Selma

    Antworten
    • Der Link führt ins Feenreich, für Normalos ist die IP-Adresse nicht erreichbar – in dem Messbuch, das der Herr Hoya besessen hat und das heute in der Uni Münster liegt, sind einige winzige (!) Bildchen, Initialen, die dann den Weg auf Briefmarken gefunden haben. Heilige Drei Könige sind auf einem Bild und einer Briefmarke dargestellt, aber so klein, dass es selbst dem geschicktesten Buchmaler nicht gelungen wäre, eine nur halbwegs maßstabsgerechte Erdbeere aufs Pergament zu zaubern. Die Verbindung von Erdbeeren und den Drei Königen ist allerdings nicht nur in der Knorr-Suppenküche entstanden zu sein. Der „Mathias“ schreibt (http://www.blog.knorr-fit.de/2011/05/sammelnussfruchte-oder-fragaria%C3%97ananassa/) viele richtige Dinge über die Symbolik der Erdbeere, vor allem betont er völlig zu Recht, dass die Erdbeere in der Christlichen Ikonografie ein Symbol der Reinheit, Bescheidenheit, Demut gewesen sind. Die Sache mit der Lust und der Verführung ist, so schreibt er, volkstümlich und taucht dann bei Hieronymus Bosch auf.
      Von da gibt es dann auch die Verbindung zu den Drei Königen: In der spätmittelalterlichen niederländischen Malerei gibt es ein Bild, auf dem einer der Könige nicht nur das übliche Gold als Gabe bringt. Er hält in der anderen Hand eine Erdbeere. Gerd Duwe, Die Anbetung der Heiligen Drei Könige in der niederländischen Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts (1994), S. 151 meint nun, diese Erdbeere sei an dieser Stelle ein „Symbol des Erotischen“, obwohl er selbst behauptet, dass „in der christlichen Ikonografie die Erdbeere das Symbol der Gerechtigkeit“ ist. Beides halte ich für ein Gerücht – wieso soll der gute König aus dem Morgenland mit einem „Symbol des Erotischen“ in der Hand kommen, wenn er ein Baby mit seinen Eltern besucht? Auch „Gerechtigkeit“ scheint mir hier ein Schmarrn zu sein, denn die Erdbeere bezieht sich hier viel eher wie üblich auf die Reinheit oder ist wie so oft mit Maria verknüpft, wie man schon ihre „Vorgängerin“, die germaische Frigga mit der Erdbeere verküpft hat. —- Puh, Kunstgeschichte ist anstrengend, die Draußen-Welt wartet ….

      Antworten
      • Lieber Martin,
        worauf die symbolische Verknüpfung zwischen den Hl. Drei Königen und den spätmittelalterlichen Illuminationen sich beziehen, kann selbst die eifrige Siri nicht herausfinden. Aber dazu würde ich als Symbolspezialist sagen, dass die Geste von Erdbeeren und den Königen gleich ist. Die Erdbeere ist ja ein Symbol der Demut, da man – vermenschlichend – sie als Pflanze sieht, die ihren Kopf neigt. Genau das tun auch die Hl. Drei Könige. Symbolische Verknüpfungen beruhen häufig auf einer gleichen Gestik oder man könnte auch sagen, auf ikonografisch gleichen Strukturen. Die Hl. Drei Könige neigen ihre Köpfe, die Erdbeeren ebenso – also die gleiche Struktur: Die Vertikale nach oben wird im oberen Teil gebrochen zu einer, die nach unten geneigt ist – platt gesagt, beides sieht gleich aus. Wenn wir die Gestik als Ablauf sehen, ähneln sich auch beide Bilder: Die Erdbeere wächst erst gerade empor und mit der Frucht neigt sie sich, ebenso bei den Hl. Drei Königen, die aufrechten Herrscher, die sich dann neigen. Auf solchen Analogien basiert das magische Denken, das wesentlich unsere Symbolik beeinflusste. Aus der Sicht der Symbolik ist es egal, ob es literarische oder ikonografische Belege gibt (die jedoch zeigen, dass entsprechende Verknüpfungen verbreitet waren). Wenn Suchende nach symbolisischen Zusammenhang, wie Siri, Selma und ich, öfters auf Verknüpfungen, seien sie auch unbelegt, stoßen, dann besteht diese symbolische Verknüpfung. Einige symbolische Verknüpfungen beruhen auf Aberglauben und sind nicht „objektiv“ belegbar.
        Eine exzentrische Idee der Buchfee Siri. Sie meint, dem ich nur zustimmen kann, dass gleiche Funktionen häufig eine symbolische Verknüpfung stiften. Nach Rudolf Steiner geben die Gartenpflanzen demütig dem Menschen ihre Früchte, sie schenken als Zeichen der Unterwerfung (eine übliche Handlung damals) und genau das tun die Heiligen Drei Könige auch.
        Dennoch ist natürlich die Erdbeere vorzüglich ein erotisches Symbol, da sie wegen ihres Aussehens häufig mit der erigierten weiblichen Brustwarze verglichen wird. Ähnlichkeiten stiften oft symbolische Verknüpfungen. Und dann haben wir ja noch Villons Erdbeermund, den Klaus Kinski so berühmt machte.
        Dass die Heiligen Drei Könige in mancher spätmittelalterlichen Darstellung Erdbeeren darbrachten, ist verständlich, da die Erdbeere als Luxusgut galt, so wie heute der Champagner. Übrigens haben Luxusgüter häufig erotische Konnotationen, die man zumindest als Vorform einer symbolischen Verknüpfung ansehen kann.
        Ganz liebe Grüße vom Meer an die Erft
        Klausbernd und seine beiden flattrigen Buchfeen Siri und Selma🙂🙂

      • Lieber Klausbernd,

        so leuchtet es mir ein!!

        und jetzt wieder an die rohe Arbeit: Die Kettensäge ist dran, der wohlmeinende Nachbar hat mir seinen abgesägten Apfelbaum geschenkt, die wohlmeinende Nachbarin ein Körbchen mit Äpfeln für Apfelmus.

  4. … was im Mittelalter so alles „böse“ wurde… nun auch noch die Erdbeere, da schüttele ich wieder einmal mein ergraues Haupt…

    im letzten Jahr auf der Leipziger Buchmesse hörte ich eine Lesung über das Eichhörnchen in der Kunstgeschichte… und was soll ich euch sagen? Klar, auch das poussierliche Eichhörnchen degenerierte während der tobenden Inquisition zu einem Abbild des Satans, auch weil es ja ein rotes Fell hat und dann noch dieser Schwanz…

    (die spinnen doch die Katholiken… wobei ich da wohl nichts Neues sage😉 )

    Nun wird mir einmal mehr bewusst, dass auch Symbole keinen feststehenden Charakter haben, sie wandelbar im Zeitgeist sind. Darum wohl auch der neue Weg ein Symbol für dies und das und jenes im Innen zu finden und über das Gefundene zu erzählen! Was äußerst hilfreich bei der Prozessbegleitung ist… (aber wem sage ich das?!)

    und die Erdbeeren? die sind verführerisch lecker und süß und sooo herrlich rot und saftig, leider in unserem Garten in diesem Jahr total vermatscht, wegen dem zu vielen Regen und dem mangelnden Stroh… das muss nächstes Jahr besser werden! Mit Amsel, Drossel, Fink und Schnecke werde ich dann noch ein Wörtchen reden müssen…

    herzliche Grüße nach Cley next the sea aus dem regenreichen schwarzen Walde
    Frau Blau

    Antworten
    • Guten Morgen, liebe Frau Blau,

      der interessanteste Aspekt von Symbolen ist deren Wandlung, die viel über den Zeitgeist aussagt. Und nicht nur über die Zeit haben sich Symbole gewandelt, auch örtlich. Die geografischen Bedingungen prägen auch die Symbolik. Ein Beispiel aus der heutigen Zeit: Nehmen wir das Symbol Wasser, „Landratten“ assoziieren häufig spontan Ferien dazu. Wer wie ich direkt am Meer wohnt, neigt eher dazu, die gefährliche, verschlingende Seite des Wassers zu sehen.
      Und was vielleicht am allerwichtigsten ist, ein Symbol muss in seinem Zusammenhang betrachtet werden. In einem Kunstwerk z.B. prägen die Innenbezüge die Symbolik, in der Psyche letztlich auch. Selmafee brachte es auf den Punkt: „Eine Symbol ist der Schnittpunkt von historisch entstandenen Verknüpfungen in einer bestimmten Gesellschaft (überpersönlich) und der persönlichen Erfahrung mit dem Symbolisierten (persönlich).“

      Liebe Grüße in den schwarzen Wald vom heute grauen Meer. Einen feinen Tag wünschen Klausbernd, Siri und Selma, die beiden liebklugen Buchfeen

      Antworten
      • ja genau so, lieber Klausbernd und Selma
        nachher schreibe ich noch etwas zu den Erdbeerblättern und der Frucht an sich, aber jetzt gehe ich erst einmal eine Runde lüften und knipsen😉

        read you later
        und herzliche Grüße an die herzliche Runde vom Meer

    • Liebe Fra Blau,

      wir müssen zugeben, auch bei uns gibt es viele, obwohl auf Stroh fein gebettet, vermaschte Beeren, es gab einfach zu viel Regen und zu wenig Sonne. Leider.
      Gestern gab es lauwarmen Erdbeerkompott zu englischer Creme, so schmeckt die betörend riechende Frucht ganz köstlich, nicht nur in Feenmündern.🙂

      Das Besondere an der Erdbeere ist der Duft, findest du nicht?

      Vergil und Ovid nanntendie Frucht „fragum“, vom lateinischen Wort „fragrare“ – das bedeutet duften“, ruft Sirifee vom kuscheliggemütlichen Regalbrett.

      Liiiiiebe Grüße!

      Antworten
      • ja, das finde ich auch und wisst ihr was? vorhin schwelgte ich in Walderdbeeren, ich kenne da so eine Stelle… scheint niemand anderes zu interessieren, schön für mich und mein Schleckermäulchen…

  5. Ingmar Bergmans sehr komplexer Schwarzweißfilm „Wilde Erdbeeren“ finde ich sofern interessant, weil der Traum eine große Rolle gewidmet ist, empfehlenswert für jeden Träumer und der sich für Träume überhaupt interessiert.

    Die Tragödie um den alten Isak Borg, der auf wissenschaftlicher Ebene ein Genie, aber in privater Hinsicht stets ein Versager war, lässt Parallelen zur „Gelehrtentragödie“ aus Goethes „Faust“ erkennen, denn auch Faust muss erkennen, dass das Leben mehr zu bieten hat als reines Bücherwissen…

    Liebe Grüße von Dina
    die sich langsam abflugbereit macht, schade und Seufz …😉

    Antworten
  6. Liebe Buchfeen,

    ein schöner Artikel habt ihr geschrieben, jetzt habe ich noch viel über Jordgubbar (so heißen die Erdbeeren in Schweden) gelernt und – ich habe mich SEHR gefreut, von meinem Landsmann Bergman zu lesen, tack sä mycket!

    Übrigens, Strindberg, wenn es mir erlaubt ist auf noch einen verehrten Landsmann hinzuweisen, hat stets auf das Element Traum in der Dichtung hingewiesen:

    Der Schriftsteller hat versucht, die
    unzusammenhängende, aber scheinbar logische Form
    des Traumes nachzuahmen. AIles kann geschehen, alles
    ist möglich und wahrscheinlich. Zeit und Raum sind
    nicht vorhanden, auf einem unbedeutenden wirklichen
    Boden spinnt die Einbildung weiter und webt neue
    Muster: eine Mischung von Erinnerungen, Erlebnissen,
    freien Einfällen, Unwahrscheinlichkeiten und
    Gelegenheitsdichtungen.
    – August Strindberg

    Herzliche Grüße aus dem graukalten Stockholm
    Eure Buchdame

    Antworten
  7. Liebe Siri Buchfee,

    was unterscheidet nun die englischen Varianten des Brotaufstrichs? Jam, Jelly, Marmelade, hm…Im Norden sagen wir einfach „Syltetøy“.🙂

    Feiner Artikel!

    Beste Grüße
    Per Magnus A

    Antworten
    • Das Besondere der engl. Sprache ist, dass „marmelade“ NUR aus Zitrusfrüchten besteht – mit und ohne Bits. Alles andere ist „jam“ – also, es ist falsch von „strawberry marmelade“ zu sprechen, das ist „strawberry jam“. Jelly ist dann Gelee. Aber ich muss sagen, dass ich da keine Spezialistin bin. Wie der Master mag ich weder Marmelade noch Jam und Jelly. Selma dagegen liebt Marmelade mit Bits.
      Liiiebe Buchfeengrüße
      Siri🙂

      Antworten
      • „Wie der Master mag ich weder Marmelade noch Jam und Jelly“ —

        —- Oooooch, dat jitt et doch jarnitt ——–

        Wie heißt es so schön: Eine Frühstück ohne Marmelade ist möglich, aber sinnlos.

      • Danke schön, liebe Buchfee!

        Warum ist die Erdbeere eigentlich keine Beere, sondern eine Nuss?

  8. Da bin ich schon wieder.:-)

    Eine Erdbeere muss laut EU-Norm einen Querdurchmesser von mindestens 18 Millimeter haben, verrückt, oder?

    Antworten
  9. Die Erdbeere ist ein Rosengewächs, dessen Früchte diese kleinen gelblichen Hubbel aufweisen, ihr wisst schon, das sind botanisch betrachtet die Nüsse. Kaum zu glauben, aber wahr!

    Antworten
  10. Halloho, legen einen kurzen Boxenstop zuhause ein, bevor wir wieder in den Wald verschwinden.
    Also, wenn ihr meine Marmelade gekostet hättet, die ich mit den wundertollsten, aromatischsten Erdbeeren, die man täglich auf unserem Platz erwerben konnte, gekocht habe…(vor lauter Langeweile ohne meine Kinder…..)!!!
    Ich bin gegen Erdbeeren allergisch, so dachte ich, aber scheinbar war das nur das spanische Gift der zu frühen Erdbeeren bei Lidl!!
    Herzlichste grüne und erdbeerige Grüße von Pia
    nach einem Retreat mit Ajhan Brahm musste ich feststellen…eine wenig mehr in der Mitte zu sein und die guten Erkenntnisse von allem in sich gut durchzukochen, bissel Gelierzucker drüber…oh, ab in den wald…..

    Antworten
  11. …in dem Kloster wo ich war, gab es ganz schön viele Erdbeeren zum Lunch, hihi, Mönch, Monk, Mensch irgendwie artverwandt, so !!!
    Lieber irgendlink, wie kannst du nur so lange radfahren, das ist ja wirklich very amazing….
    so, bin dann mal wieder weg

    Antworten
  12. und dass du nicht denkst, ich machte leere Versprechungen, lieber Klausbernd, schau doch bitte mal hier… http://cafeweltenall.wordpress.com/krauterlexikon/ schließlich hast du mch ja inspiriert und sag doch bitte mal was zu Idee und Fortsetzung, da würde ich mich freun…

    herzliche Grüße an dich und die Feen Frau Blau

    Antworten
  13. Liebe Frau Blau,

    oh nein, das würde ich niemals wagen zu denken, ich weiß doch, dass du eine verlässliche Lady bist!

    Dein Kräuterlexikon-Artikel zu der Erdbeere kann ich jedem empfehlen, der noch mehr über die Anwendung der Erdbeere im naturmedizinischen Bereich wissen möchte und die wesentlichsten Aspekte der Erdbeere übersichtlich geordnet nachlesen möchte.

    Ich soll etwas zu Idee und Fortsetzung schreiben. Ich weiß nicht genau, was du damit meinst, aber dennoch versuche ich es kühn. Ich finde, wir sind so etwas wie eine freundschaftliche Kerngruppe, die sich gegenseitig mit Ideen inspiriert. Diese Ideen können gut weitergesponnen werden, wie es Mätes/Martin und ich tun – was ganz spontan kam. Das ganze Blau-Projekt auf Dinas Seite http://toffeefee.wordpress.com ist der Versuch einer Umsetzung, Ideen, die in unseren Blogs auftraten, miteinander zu verbinden und weiterzuspinnen. Ich finde es schade, dass es oft viele gute Ideen gibt, die aber keine Fortsetzung finden, obwohl sie ein großes Potential besitzen.

    Ganz liebe Grüße dir vom sonnigen Meer
    Klausbernd🙂 und seine beiden Buchfeen Siri und Selma quietschen von Regalbrett 3 „Der liiiiieben Frau Blau die herzlichsten Feengrüße von uns bestellen. Niiicht vergessen!“🙂🙂

    Antworten
  14. Sorry, jetzt verstehe ich es erst, ich bin manchmal nicht so schnell. Du meinst das mit Idee und Fortsetzung deines Kräuterlexikons. Ja, das würde ich unbedingt so weiterführen! Die Idee ist gut, wäre evtl. interessant auch für eine spätere Veröffentlichung, es würde z.B. gut in das Programm von GU (Gräfe und Unzer) passen. Außerdem bin ich sicher, dass viele Menschen daran interessiert sind. Die Klarheit der Gliederung ist benutzerfreundlich, der Text auf das Wichtigste beschränkt. Vielleicht könnte man bei Nutzpflanzen noch Tipps für den besten Standort geben und für die Düngung und sonstige Pflege.

    In meinem Garten gibt`s als Nutzpflanzen nur Feigen, Wein, Erdbeeren, Artichoken und Johannisbeeren, Apfel- und Pflaumenbäume. Ansonsten baue ich ein wenig Salat an, Gurken und Kartoffeln. Aber ich habe viele Kräuter, speziell Mittelmeerkräuter, die hier gut gedeihen. Immer bin ich froh, wenn ich übersichtlich etwas mehr zu meinen Gartenpflanzen lesen kann.

    Ganz liebe Grüße vom kleinen Dorf am Meer
    Klausbernd, Siri und Selma, sehe ich gerade, naschen wieder von den Erdbeeren.

    Antworten
  15. Heute habe ich Erdbeeren gekauft, die sahen doch so rot, fein und verführerisch süß aus.
    Uff, sauer sind die! Hmmm .. das meint meine Kollegin auch. „Welche Sorte hast du gekauft?“
    Ups, da muss ich passen … Die Auswahl ist ja nicht sooo groß, wenn Erdbeeren im Supermarkt oder am Obststand angeboten werden.
    Nach der Unterhaltung vorhin, weiß ich allerdings welche Erdbeeren ich in einem Garten anpflanzen würde; die Sorte Mieze Schindler gemischt mit Senga Sengana.

    http://www.erdbeeren.de/sorten.php

    Antworten
    • Ehrlich gesagt, ich hatte keine Ahnung von Sorten, als ich meine Erdbeerpflanzen holte. Ein Nachbar hatte sie an die Straße gestellt mit einem Help-Yourself-Schild. Im ersten Jahr haben sie sich schwindelerregend vermehrt, aber wenig Beeren gebracht, die sich dann die Vögel holten. In diesem Jahr, dem zweiten, war die Ernte enorm, auch weil ich unter Netzen anbaute.
      Ich versuche gerade beim notwendigen Ausdünnen, Erdbeerableger im Blumentopf drinnen zu ziehen. Das war in England in viktorianischen Zeiten beliebt, well, ich kenne es nur von Ölgemälden, Stilleben eben aus dieser Zeit.
      Danke für den Hinweis auf die Erdbeersorten!
      Ganz liebe Grüße vom sonnigen Meer
      Klausbernd und seine fidelen Buchfeen Siri und Selma

      Antworten
  16. Jetzt ist mir doch spät, zu spät, noch etwas zur Symbolik der Erdbeere eingefallen. In Mittelamerika sprechen jüngere Leute umgangsprachlich von einer „chica fresa“, was wörtlich „Erdbeer-Mädchen“ oder so etwas wie „Erdbeer-Puppe“, „Erdbeer-Tussi“ heißt.
    Gemeint damit sind junge Frauen, die vornehm tun oder aus höheren Gesellschaftsschichten stammen, affektierte Modepüppchen könnte man vielleicht sagen, hochnäsig, snobistisch – na, wie kommt die arme Erdbeere da nur zu diesem Ruf???

    Antworten
  17. Ach, es doch nie zu spät😉
    Erdbeer-Mädchen, well, die Erdbeere ist eben süß, aber auch sehr empfindsam, schwierig – schnell fault sie, wird gern von Vögeln und Schnecken angeknabbert, braucht viel Wasser und Pflege – ist das nicht alles tussig, gemessen an Kirschen, Äpfel etc.?

    Antworten
  18. Beutiful …notes! unfortunatelly I can’t understand a word in german…but Dina’s pics are speaking already…:))

    Antworten
  19. Dear Luana,
    it`s great having some grilled calamari, I like them🙂 But I am too stupid – at least today😉 : I have no idea why do said this.
    Siri and Selma will come flying over to you to enjoy these calamari with you. Just wait and see …
    Klausbernd🙂

    Antworten

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