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Where Time Becomes Space

Veröffentlicht am
Siri + Selma

Siri + Selma

If time and space are curved where do all the straight people come from?
Writing on the wall, London

Die Infanteriekaserne in Gamlebyen, Fredrikstad, erbaut 1773-1777 von Hans Christopher Gedde.
Barracks of the infantry at Gamlebyen, Fredrikstad, built from 1773 to 1777 by Hans Christopher Gedde.

Sie ist auf den ersten Blick ein gewöhnliches Gebäude, das sein Geheimnis erst auf den zweiten Blick enthüllt. Die Kaserne ist ein gebautes Symbol für die Zeit. Wie so häufig bei Symbolen nehmen wir sie erst wahr, wenn wir verweilen. Masterchen meint, wir hätten den Blick für die Symbolik unserer Umwelt verloren, wodurch sie zu einem beliebigen Ding geworden wäre, das eindimensional unter Aspekt des Nutzens wahrgenommen wird. Kurzum, ohne ein Bewusstsein für die uns umgebende Umwelt entgeistigen wir sie.

At the first glance it`s quite an ordinary building which reveals its secret not before the second glance. These barracks symbolizing  time. As often we perceice symbols not before we pause for a longer look. Our master explains: „We lost our ability to see symbols. Therefore our surroundings became arbitrary and we behold it onedimensional under the aspect of its profit – in short, without a conciousness for its symbolic value we de-spiritualize our surroundings.“ 

Alle folgenden Fotos stammen von dieser Kaserne in der Altstadt von Fredrikstad. In dieser Stadt Südnorwegens steht nicht nur diese ungewöhnliche Kaserne, hier wurden Dina, Edvard Munchs Mutter und Roald Amundsen geboren, Leonard Cohen und Marianne sind dort gewesen wie ebenfalls Axel Jensen.

The following pictures are taken of these barracks in the old town of Fredrikstad. In this town in southern Norway you will find not only this extraordinary barracks, Dina is born here as well as Roald Amundsen and the mother of the painter Edvard Munch, Leonard Cohen and Marianne have been to Fredrikstad and Axel Jensen too.

DSC_0120 Kalenderkaserne, Gamlebyen, Fredrikstad Foto: Hanne  Siebers

Die Kaserne ist wie ein Kalender aufgebaut: Sie zeigt 4 Tore und Flügel für die Jahreszeiten, 12 Schornsteine für die Monate, 52 Zimmer für die Wochen, 365 Fenster für die Tage, 24 Scheiben in jedem Fenster für die Stunden und 60 Türen für die Minuten. Wir Buchfeen haben  jedoch genau hingeguckt und müssen euch sagen, dass man bei den Fenstern gemogelt hat. Es war wohl aus statischen Gründen unmöglich, so viele echte Fenster unterzubringen und so hat kurzerhand einige Fenster auf die Fassade gemalt, so dass die Zahl 365 erreicht wurde.
Hier wurde die unfassbare Zeit zu fassbaren Raum. Ein wenig erinnert sie uns an einen Adventskalender, doch die sind ja viel schöner und einfacher, wenn sie in ihrer viktorianischen Form Gebäude mit 24 Fenster und Türen für die Tage bis zum Hl. Abend abbilden.

These barracks are built like a calendar. There are 4 gates and wings for the seasons, 12 chimneys for the months, 52 rooms for the weeks, 365 Windows for the days, 24 panes in each window for the hours, and 60 doors for the minutes. We Bookfayries checked this and found out a sham. For statical reasons it was impossible to build so many real windows and therefore some windows are just painted on the wall.
The intangible time became a tangible space here. This reminds us on advent calendars showing quite often buildings with 24 windows and doors for all the December days to Chrismas Eve – but those are more beautiful although simpler.

DSC_0105

faked windows

Unsere Alltagserfahrung lässt uns annehmen, die Zeit sei eine Abfolge von Ereignissen, also eine Veränderung, so wie es Martin Suter in seinem Roman „Die Zeit, die Zeit“ unterhaltsam komisch beschreibt. Wir sehen die Zeit also als eine Bewegung im Raum wie in dem berühmten Lenin-Zitat zum Materialismus

In der Welt existiert nichts als die sich bewegende Materie, und die sich bewegende Materie kann sich nicht anders bewegen als in Raum und  Zeit

Klar doch, wenn wir auf die Uhr schauen, sehen wir eine Bewegung (weil wir mechanische Uhren lieben)!

Our everyday experience let us think time as a series of events, as a change like Martin Suter describes it so entertaining and funny in his novel „The Time, the Time“. We consider time as movement in space like in the famous Lenin quote about materialism
There exists nothing as matter that moves, moving matter can only move in time and space
Of course, if we look at our watch, we see a movement (well, we like machanical watches)!

Diese scheinbare unlösbare Verbindung von Raum und Zeit wollte die Architektur dieser Kaserne dem damaligen Infanteristen vermitteln. Im Grunde war dies nichts Neues, denn bereits die Pyramiden und die Menhire der Megalithkultur verbanden Raum und Zeit miteinander, da sie, wie viele vermuten, als Kalender angelegt waren, um Aussaat- oder Erntezeiten zu bestimmen. Was jedoch in den Megalithkulturen dynamisch in der sich auf einen gewissen Punkt hin bewegenden Sonne ausgedrückt wurde, erstarrte im Absolutismus zu einem toten Prinzip. Diese Kaserne drückt das hierarchische Prinzip, aber nicht die Dynamik der Zeit aus. Man könnte fast denken, Aldous Huxley sei von dieser Kaserne inspiriert worden, als er seinen nie geschriebenen Roman über den Stillstand der Zeit „When Time Comes to a Standstill“ kurz vor seinem Tod plante.

The archicture of these barracks wanted to teach the soldiers this seemingly inseparable connection of time and space. That wasn`t that original because the pyramids and the menhirs of  the megalithic culture did also connect time and space by being designed as calendar too for giving the times for sowing and harvesting. But this cultures expressed a dynamic view of time because their buildings were directed on the movment of the sun or stars (as seen from the earth) whereas during absulotism time became a fixed principle. These barracks express this hierachical rigid ideas of those times. One could almost think Aldous Huxley has been inspired by these baracks when he was planning his never written novel „When Time Comes to a Standstill“ shortly before dying.

DSC_0074Kasernen Gamlebyen Fredrikstad Foto: Hanne Siebers

detail of calendar-barracks

Ist die Zeit eine bewusst wahrgenommene Abfolge von Ereignissen, entsteht der Eindruck einer Richtung der Zeit und wo es eine Richtung gibt, gibt es einen Raum. Allerdings stellten sich Philosophen und Physiker seit der Antike die Frage, ob Zeit und Raum erst durch das menschliche Bewusstsein erschaffen wurden oder ob sie unabhängig von der menschlichen Wahrnehmung existieren. Die moderne Biologie sieht zumindest Zeitbegriff als durch die Evolution entstanden an.

Perceiving time as a series of events make us think of a direction of time and direction means space. Philosophers and physicist ask the question if the concept of time and space is either a product of the human consciousness or if time and space exist independently of perception. Modern biology considers at least the concept of time as a product of evolution.

DSC_0082 Kalenderkaserne Gamle Fredrikstad, Foto: Hanne Siebers

view from calendar-barracks to the old town of Fredrikstad

Für den etwa 50 Jahre vor diesem Bau gestorbenen Isaac Newton bilden Raum und Zeit eine Art Behälter für Ereignisse. In seinem Sinn stellt diese Kaserne ein Abbild dieses Raum-Zeit-Behälters dar, also einen Ort, von dem Ereignisse ausgehen. Gemäß des mechanistischen Weltbilds der damaligen Zeit hätte keine passendere Struktur für eine Kaserne gewählt werden können.

Isaac Newton, who died about 50 years before these buildings were built, described time and space as a container for events. In his respect the barracks are like this container, a place from which events start. Following the mechanistic view of those times one could have chosen not a better structure for  barracks. 

Der Aufklärer Immanuel Kant sieht Zeit und Raum als eine uns Menschen gegebene grundlegende Wahrnehmungsstruktur an. Zeit und Raum gehören für ihn zu den Bedingungen der menschlichen Welterkenntnis, die jeder durch seine Erfahrung kennt. Da wir den Raum erleben, indem wir uns in ihm bewegen und Bewegung zeitlich gebunden ist, erfahren wir den Raum nie ohne Zeit und umgekehrt. Genau das verdeutlicht dieses Gebäude, das zu Kants Lebzeiten gebaut wurde, und dem man einen pädagogischen Impetus unterstellen darf. Kasernen dienten u.a. der Volksbildung, nur das diese normalerweise nicht durch die Architektur vermittelt wurde.

In the age of enlightenment Immanuel Kant sees time and space as a basic structure of human perception. Knowledge is bound on time and space as we perceive space by movement and movement means time and vice versa. The barracks, which were built at Kant`s lifetime, show that clearly and one sees immediately their educational aspect. Barracks served the education of the masses.

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Gapestokken – the pillory of the barracks

Wer am Pranger steht, weiß, das ist ein Ort, an dem die Zeit sich dehnt. Spiegelt die Architektur der Kaserne eine erstarrte, sozusagen absolutistische Zeit wider, so ist der Pranger der Ort, an dem die subjektive Zeit erlebt wird. Ein halber Tag am Pranger mag wie die Ewigkeit wirken.

The pillory is the space where time becomes elongated. The architecture of these barracks reflect a rigit absulotistic or objective time whereas the pillory is the space where one experiences the subjective time. Half a day slot in the pillory may feel like eternaty.

Wurden historisch gesehen oft Zeit und Ort als separate Begriffe verstanden, so ist dies zwar für unsere Alltagserfahrung zutreffend, aber bei Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit gilt dies nach Einsteins Relativitätstheorie nicht mehr. In dieser Situation bedingen sich Zeit und Ort eines Ereignisses stets gegenseitig. Der Ort des Prangers bedingt die Zeit, wird uns jeder berichten können, der damals zu dieser Erfahrung gezwungen wurde, obwohl von Lichtgeschwindigkeit hier keine Rede sein kann – außer dem Wunsch, dass mit Lichtgeschwindigkeit die Zeit an diesem Ort verstreichen möge.

Time and space were mostly seen as separated in our past which applies to our everyday experience. But if we would accelerate to reach the speed of light this is not correct any longer, as Einstein`s theory of relativity tells us. In such a situation time and space are closely interrelated. The pillorary as a space has its own time although there is no velocity of light involved besides the wish that time may fly by with highest speed possible.

DSC_0159 die Kalenderkaserne Gamlebyen Fredrikstad Foto: Hanne Siebers

side entrance – today the barracks are used by alternative therapists (healing after fighting ;-)) and you find a coffeebar there

Das Zeit- und Raumgefühl, die Gedanken und insgesamt das menschliche Bewusstsein erscheinen stets gemeinsam, sie sind untrennbar miteinander verknüpft. In unserem Alltagsbewusstsein meinen wir das subjektive Zeit- und Raumgefühl, wenn wir von Zeit und Raum reden. Die Vorstellung einer objektiven Zeit und eines objektiven Raums, wie sie in diesem Gebäude vermittelt wird, basiert auf einem Streben nach Sicherheit, Kontinuität und unwandelbaren Strukturen.

Our feeling for time and space, our thoughts and consciousness are inseparable. If we talk about time and space in everydaylife we mean a subjective feeling of both. The concept of an objective time and space like in those barracks is based on a pursuit of security, continuity, and unchanged structures.  

Liebe Leser, dies waren unsere Einfälle, als wir Dinas Fotos von dieser Kaserne sahen, ein Gebäude, das wir, ehrlich gesagt, ziemlich autoritär finden. Aber Buchfeen haben eh nichts mit Kasernen und Militär am Hut. Wir fanden es jedoch spannend, uns angeregt durch Masterchen mit dem Raum-Zeit-Problem ein wenig zu beschäftigen, wir hoffen ihr auch.

Dear readers, those were our thoughts seeing Dina`s pictures of this military building that is considered as one of the finest in Northern Europe, a building that seem to us very autoritarian. But Bookfayries don`t like barracks and military anyhow, it`s not their world. It was fun to think about time and space inspired by our master. We hope it was fun reading this post for you as well.

Liebe Grüße vom kleinen Dorf am großen Meer
Greetings and Love
Siri und Selma, Buchfeen 🙂 🙂