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Heroes

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Helden

Heutzutage ist es ein Handwerk, Forschungsreisender zu sein; ein Handwerk, das nicht, wie man meinen könnte, darin besteht, nach vielen Jahren intensiven Studiums bislang unbekannte Tatsachen zu entdecken, sondern eine Vielzahl von Kilometern zu durchrasen und – möglichst farbige – Bilder oder Filme anzusammeln …

Today being an explorer is a craft, a craft that doesn`t search for the unknown after intensive studies for years but hurrying many miles to collect coloured pictures or films … 

Claude Lévi-Strauss, Traurige Tropen (A World on the Wane)

Hiermit schließen wir unsere Posts über den Norden ab. Seid ihr froh? Es hat Spaß gemacht, uns aus Masterchens Manuskripten zu bedienen. Da unser Beitrag über die Hölle ein derartiger Erfolg war, arbeiten wir beide emsig an einem über Teufelsvorstellungen. Lasst euch überraschen – und immerhin ist der Teufel doch auch ein Held 😉

This is our last post about the North. We really liked it to use our Master`s old manuscript. As our post about the hell was such a success we are now busy studying the image of the devil. Let yourself be surprised – anyhow the devil is a kind of hero too, isn`t he?

Nachdem der Norden als Eingang zur Hölle geträumt wurde, schlägt das Pendel um: Er wird zum diesseitigen Ort der Fülle. Das spirituelle Interesse paradiessuchender Mönche wandelt sich in ein kommerzielles. Zuerst die Wikinger, später die Walfänger suchten hier ihr Glück. Martin Frobisher hoffte vergeblich auf Gold, als er eine Schiffsladung von wertlos glitzerndem Kies nach England brachte, andere suchten den kürzesten Weg zu den Schätzen des Fernen Ostens.

The dream of the North as the entrance to hell was soon replaced, it became the secularistic place of abundance. The spiritual interest of the monks searching paradise changed to a commercial interest. First the Vikings then whalers tried to find their fortune here. Martin Frobisher hope for gold was all in vain when his gleaming gravel he brought to England turned out to be worthless. Others were looking for the shortest passage to the treasures of the East.

Old whale bone (N Greenland)

Old whale bone (N Greenland)

Diese Träume waren kompensatorisch, denn im mittleren Europa waren weite Bevölkerungsschichten verarmt. Die bewusst eingesetzte Vorstellung vom reichen Norden versprach ein Entkommen aus der Misere im eigenen Land. Solche Propaganda, die seit Erik dem Roten verbreitet wurde und zur Bezeichnung Grönland (grünes Land) führte, zog Kühne gen Norden, ein Abenteuer, das allerdings nach dem Ende der mittelalterlichen Warmzeit um 1300 ein abruptes Ende fand. Als alle Wikingersiedlungen auf Grönland um 1350 aufgegeben waren und Grönland aus dem Bewusstsein der südlicheren Völker verschwand, wurde der Traum vom Norden ambivalent. Nach wie vor blieb der Norden zwar das Land der Fülle, aber zugleich wurde Ultima Thule zum gefährlichen Ort. Besonders gegen Ende der Siedlungsepoche erschienen den Nordmännern die Inuit als Inkarnation des Bösen, wenn sie auch mit Neid erkannten, dass deren Jägerkultur in der kälter werdenden Arktis im Gegensatz zu ihrer Ackerbaukultur überlebte.
Als zur Zeit der Reformationskriege Mitteleuropa eine große Armut erlebte, wurde der Schatten der Arktis verdrängt. Der Traum von der Fülle nahm wieder überhand und ließ den Wal- und Walrossfang hauptsächlich der Holländer und Engländer entstehen. Gleichzeitig träumte man vom kurzen Weg zu den Schätzen des Ostens. So begann die Suche nach der Nordost- und Nordwestpassage, die bis ins späte 19. Jahrhundert anhielt.

All these drams were compensatory as in Europe most of the people were very poor. The idea of the treasures of North produced a hope for escaping a miserable life. Such propaganda was spread since Eric the Viking and gave Greenland its name. The brave sailed up North, an adventure that came to sudden end with the end of the medieval warm interval around 1300. When all the Viking settlements were given up at 1350 Greenland and the high North vanished from the mind of the people in the South. The dream of the North became ambiguous. The North was on one hand still a land of wealth but on the other hand it turned into a dangerous place. At the end of the settlements up North the Inuit became incarnations of the evil when the settlers had to acknowledge with envy that the culture of hunters would survive in the North getting colder whereas the farming culture would vanish.

Walrusses had been brutally killed for their ivory by the hundreds mainly in the 17th and 18th c. (Svalbard)

Walruses had been brutally killed for their ivory by the hundreds mainly in the 17th and 18th c.
(Svalbard)

Das Bild vom Norden hatte sich seit dem späten 15. Jahrhundert vollständig kommerzialisiert. Es ließ John Cabot im Mai 1497 von Bristol über den Pol nach China aufbrechen – eine Unternehmung, auf der einiges außer der Seeweg nach China entdeckt wurde. Der gebildete englische Walfänger William Scoresby war einer der wenigen, der erst im 19. Jh. an der Realisierung dieses eitlen Traums zweifelte. Für uns Buchfeen ist Scoresby einer der scharfsinnigsten Beobachter des Eises, den übrigens Melville in „Moby Dick“ zitiert. Sein Buch „Das Eis der Arktis“ von 1815 kann man noch heute mit Genuss lesen.

The image of the North was fully commercialized since the late 15th c. It made John Cabot sail across the North Pole to China in May 1497, as he planned it, and he discovered quite a lot except the passage to China. The highly educated English whaler William Scoresby was among the very few who doubted that there was ice free way to the East across the North Pole – but that was not before the 19th c. We Bookfayries honour Scoresby as one of most perceptive observer of the ice. He is quoted in Melville`s „Moby Dick“ and his book „The Ice of the Arctic“ from 1815 is still worthwhile reading.

Moby Dick - illustration of an early edition (not R.Kent, but impressive)

Moby Dick – illustration of an early edition (not R.Kent, but impressive)

Herman Melville: Moby Dick (ungekürzter Text in Neuübersetzung von F. Rathjen mit den 269 Illustrationen von Rockwell Kent, Frankfurt/M. 2004)
Unser Bild des Walfangs prägte dieser abschweifige, aber doch genial und spannend geschriebene Roman. Diesen Klassiker finden wir unerreicht, was seinen Stil und die beschworene Stimmung der Tragödie betrifft. „Moby Dick“ muss man in der ungekürzten Ausgabe lesen. Es gibt eine Fülle gekürzter und geglätteter Ausgaben im Handel, denen jedoch der Charme des vollständigen Originals fehlt. Jeder Kunstliebhaber wird sich an den ausdrucksstarken Federzeichnungen erfreuen, mit denen R. Kent diesen Klassiker illustrierte. Dort wird der Wal zum Leviathan. Durch starken Strich und mit viel Schwarz kommt er gefährlich lebendig herüber. In diesem Buch haben wir gleich zwei Helden, Kapitän Ahab und sein Gegenspieler Starbucks.
Our view of whaling is shaped by this digressive but brilliant and exciting novel. It`s a classic of world literature full of tension. Melville produces a dark mood that is hardly reached in other novels of his time. Every lover of the arts will like the expressive pen drawings by Rockwell Kent illustrating this classic. There the whale turns into the Leviathan. With a strong line and a lot of black the whale comes over very lively. This is a novel of two heroes at least, Captain Ahab and his antagonist Starbucks.

Jack London: White Fang (London 1905) – „Wolfsblut“
Dieses „Hundebuch“ ist ein Klassiker der Trappergeschichten, der oft kopiert wurde. Er spielt in der kanadischen Arktis, wo der Kampf ums Überleben bei Mensch und Tier im Vordergrund steht. Die Menschenfeindlichkeit der Arktis wird hier wie in so vielen Büchern dieser Zeit besonders hervorgehoben. Nachdem die einen, die auf Öl aus waren, verschwanden, folgten diejenigen, denen es um Pelze ging, die im südlicheren Europa und Russland hoch gehandelt wurden. In diesem Milieu spielt „Wolfsblut“, ein Roman, in dem ein Hund der Held ist. Jack London wurde berühmt für seine Klondike-Romane, die zur Zeit des Goldrausches im Yukon-Gebiet spielen.
This is the classic of trapper literature which has been copied quite often. The story takes place in the Canadian Arctic where the survival of men and animals is the main theme. The deadly environment of the high Arctic is stressed here like many books about the North at this time. After the first people coming to the North for oil the next ones came for fur which brought high prices in Europe and Russia. Among these people „White Fang“ is set, a novel in which a dog is the hero. – Jack London became well known for his Klondike-novels, set at the time and place of the Yukon goldrush.

Jack London "White Fang" - cover of the first edition

Jack London „White Fang“ – cover of the first edition (a cover we really like)

Mosebach, Martin: Der Nebelfürst (München 2008)
Dieser Roman geht schlampig mit den Fakten um. Die Bäreninsel, um die es geht, wird nördlich von Spitzbergen angesiedelt, wobei ein Blick auf die Karte der Arktis genügt hätte, sie südlich von Spitzbergen zu finden. Uns gefällt jedoch die Ironisierung der Kolonialpolitik zum Ende des 19. Jahrhunderts und der Sprachwitz. Dass der deutsche Theodor Lerner, der Held, die bis dahin herrenlose arktische Bäreninsel 1898 in seinen Besitz nahm, ist ein erstaunliches, aber gesichertes Faktum. Bei diesem langatmigen Roman geht es um die geplante Ausbeutung der Kohle auf dieser kleinen Insel in der Barentssee, die heute ein unbewohntes Naturschutzgebiet ist, das extrem selten besucht wird.
This novel about Bear Island is available in German only, but that doesn`t matter so much because we Bookfayries thought it to be quite boring. Here the Hero is a historical figure, the German citicen Theodor Lerner who bought this island in 1898. But today it belongs to Norway and is a very rarely visited nature reserve.

Baereninsel

Map of the Baer Island drawn and commented by Theodor Lerner

Show me a hero and I`ll write you a tragedy
W. Scott Fitzgerald

Träume sind vom Zeitgeist abhängig. Mit der Entdeckung der individuellen Seele in der Romantik kommt das Interesse am Schatten auf. Das Verdrängte wird nicht nur im Schauerroman wahrgenommen, sondern auch in der Realität. Der Norden wird zum feindlichen, asketischen Ort, an dem der Held sich durch Leiden bewährt und entwickelt. Gerade Roald Amundsen pflegte diesen Traum vom einsamen Helden, der sich wie Kapitän Ahab gegen die feindliche Natur zu bewähren hat. Amundsen entspricht damit dem Bild des Helden in den Mythen der Völker, für das nach dem amerikanischen Mythenforscher Joseph Campbell „die freiwillige Introversion“ gehört. Damit wird der Norden wieder der mystifizierte und erhabene Ort, der Helden hervorbringt – eine Idee, die gefährlich nahe an faschistischen Träumen angesiedelt ist. Wirklich heldenhaft ist ja, dass Amundsen beim Versuch der Rettung seines Feindes umgekommen ist.

Dreams depend on the zeitgeist. An interest in the shadow side rises with the discovery of the individual soul during the age of Romantic. The repressed is not only seen in gothic novels but in reality too. The North turns into the hostile area in which the hero proves himself and develops. Especially Roald Amundsen fostered the dream of the lonely hero who, like Cptn. Ahab, has to prove himself against a hostile nature. So Amundsen is in accordance with the archetypal hero. He shows that „voluntary Introversion“ that Joseph Campbell, as the specialist for mythology, sees as typical for the classic hero. The North turns into mystified and elevated area again, into a place producing heroes – an idea that is dangerously near to the fascist dreams. What makes Amundsen to a hero for us is that he died trying to rescue his enemy.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts und der Gründung der britischen Royal Geographic Society werden zunehmend Forschungsreisende wie John Franklin, John Ross und William Edward Parry nicht nur zu Helden stilisiert, sondern auch zu Vorbildern des Volkes in der Literatur aufgebaut. Franklin war so beliebt, dass von seinem Portrait billige Stiche in den Straßen Londons verkauft wurden. Um ihn rankten sich die meisten Geschichten. Aber schon viel früher, um1798 schrieb Friedrich Schiller an Goethe, dass Weltentdecker oder deren Schiffe „einen schönen Stoff zu einem epischen Gedichte“ bieten würden.

Since the beginning of the 19th c. and the founding of the Royal Geographic Society more and more explorers like John Franklin, John Ross and William Edward Parry are not only made to heroes but to role models for the people. Franklin was that popular that his portrait was sold cheaply in the streets of London and a lot of stories were told about him. But even quite some time earlier, in 1798, the German poet Friedrich Schiller wrote to Goethe that explorers and their ships would make a great poem.

Arctic desert where the ice has withdrawn

Arctic desert where the ice has withdrawn

A traveler has a right to relate and embellish his adventures as he pleases, and it is very impolite to refuse that deference and applause they deserve.
Rudolph Erich Raspe, Travels of Baron Munchausen

Uns Buchfeen hat verblüfft, dass die Suche nach der Nordwest- und Nordostpassage zwei große Helden hervorbrachte, die Versager waren. Es sind John Franklin und Elisha Kent Kane, die mit rührender wie tragischer Naivität begeistert in den Norden zogen und durch ihre mangelnde Führungsqualitäten das Desaster anzogen. Kane, einer der ersten großen Medienstars der USA, war der letzte Eismeerfahrer, der behauptete, das sagenhafte offene Polarmeer gesehen zu haben. Obwohl er an den falschen Stellen nach Franklin suchte, wurde er als Held gefeiert.

We Bookfayries are astonished that the search for the NW and the NE Passage produced two extraordinary heroes who both have been a failure. John Franklin and Elisha Kent Kane, who in pathetic and tragic naivety sailed North and attracted disaster because of their lack of leadership. Kane, the first mediastar of the US, has been the last explorer claiming to have seen the legendary open Polar Sea. Although he searched in the wrong places for Franklin he became a celebrated hero. 

Franklins Expedition und die nachfolgende Suche nach ihm brachte die meisten schauerlichen Arktisgeschichten in den Umlauf. Diese Suche war das literarisch produktivste Ereignis der gesamten Arktisforschung bis heute.
Zum Bestseller wurde Nadolnys Franklin-Roman. Der Roman ist nicht authentisch, sondern nur vage an dem historischen Franklin angelehnt. Das Thema ist u.a. John Franklins Versuch, die NW-Passage zu bezwingen. Franklin war übrigens nicht besonders langsam.
Stan Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit (München 1987)
Was zwar den Schauer des Lesers erhöhte, jedoch nicht in das Bild des edlen Helden passte, waren Geschichten über Kannibalismus, die bei der gescheiterten Franklin-Expedition um so schockierender wirkten, da er von englischen Offizieren verübt worden war. Charles Dickens weigerte sich zu glauben, dass zivilisierte Engländer aus Franklins Crew zu so etwas fähig waren.

Franklin`s expedition and the following search expeditions produced most of the nightmarish tales about the Arctic. The search for Franklin was the literary most productive event in Artic research up to now. Bestselling became Stan Nadolny`s Franklin-novel  „The Discovery of Slowness“. This novel is not at all authentical, it only vaguely follows Franklin`s life and his attempt to sail the NW passage. Franklin wasn`t a peculiar slow person. – What didn`t fit into the image of a hero were the stories about cannibalism which were especially shocking as it was done by English officers of the failed Franklin expedition. Charles Dickens refused to believe that civilized Englishmen of the Franklin crew could have eaten their colleagues.

A typical passage in the Artic (Svalbard)

A typical passage in the Artic (Svalbard)

Mit dem Kannibalismus, den es bei mehreren Expeditionen gab, beenden wir also unsere Betrachtung des Nordens, obwohl Masterchen noch einen bitterbös (selbst)ironischen Abgesang über den modernen Tourismus im hohen Norden geschrieben hat. Den zu veröffentlichen, ist uns unter Androhung von Taschengeldkürzung untersagt worden.

Let us end our posts about the Arctic with cannibalism which took place on many those failed expeditions. Masterchen did write a vicious ironical ending about modern tourism in the Arctic. We don`t dare to publish it. The punishment for posting it would be a big cut of our pocket money.

Zum Schluss noch eine Collage von Dina und mir, Selma Buchfee, die unsere Helden zeigt. Sie wurde aufgenommen als wir mit Masterchen in Whitby, dem Geburtsort von William Scoresby jr. und sr., waren, einem alten Walfängerort, der durch Bram Stokers „Dracula“ weltberühmt wurde – am zweiten Bild unten links spielt eine der letzten Szenen von „Dracula“.

Last not least a collage made by our beloved Dina and me, Selma Bookfayrie, which shows our heroes. The pictures were taken by Dina when we visited with our Mater Whitby, where William Scoresby sr. and jr. were born and lived. This old whaling town became famous worldwide by Bram Stoker`s „Dracula“ – look at the second picture from the left in second row, this plays an important role in one of the end scenes of „Dracula“

Whitbycollage

Masterchen schrieb übrigens in sein Tagebuch – ja, wir haben geguckt, nicht weitersagen, BITTE! – den paraphrasierten Brecht-Spruch, „wohl dem, der in einem Land wohnt, das keine Helden braucht“. Da kichern wir, dass unsere Flügelchen zittern „und nun lebt er in England“.
Our Master wrote in his diary – well, we just had a look, PLEASE, don`t tell! – the Brecht quote „blissed are those who live in a country that doesn`t need heroes“. We couldn`t stop laughing as he now lives in England 😉

Ganz liebe Grüße an euch alle
With love to all of you
Siri und Selma, the happy Bookfayries

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Master`s Books I

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Ich akzeptiere prinzipiell keine Niederlage, um was es sich auch handelt
Alexandra David-Neel

I don`t accept any defeat, in whatever field
Alexandra David-Neel

Wie in „Die Nachtbibliothek“, jene lesenswerte Graphic Novel von Audrey Niffenegger, wurde die Vorstellung von Masterchens Bibliothek zu einer Zeitreise, bei der wir uns in sein „Lesewerk“ versenkten. Allerdings ist dies Masterchens zweite Bibliothek. Seine erste, die fast nur aus Klassikerausgaben von Grimmelshausen bis Brecht bestand, haben wir nicht gekannt. Er verkaufte sie vor seinem Umzug nach Montreal, da Bücher ja sooo schwer sind.

The presentation of our Master`s library became a journey in time like in Audrey Niffenegger`s graphic novel „The Night Bookmobile“.
This is Master`s second book collection. His first one consisted of classic authors only from Grimmelshausen (17th c.) to Bert Brecht. But we didn`t know this one because he sold it before moving to Montreal as books are sooo heavy.

Seht Ihr uns beiden Buchfeen? Wir schweben gerade vor Jung, lesend.

Seine heutige Bibliothek beginnt mit seiner esoterischen Phase.
„Naja, Masterchen ließ keine Torheit aus“, meinen wir kichernd. Eigentlich sind diese Bücher, die viele Regalbretter füllten, längst verschwunden, nur Steiner und Gurdjieff – Zeitgenossen, die sich spinnefeind waren, sich aber darin trafen, C.G. Jung zu misstrauen – haben unsere radikale Reinigung überlebt, wie auch diese gelbe Gesamtausgabe Jungs. Als wir mit Dina gestern Abend diese Ecke fotografierten, begann plötzlich Masterchen abdriftend vom Hemlebens Buch „Diesseits“ zu schwärmen, das, wie er meinte, „wunderbar in die anthroposophische Naturbetrachtung einführt. Damals“, so erzählte er, „gingen wir mit diesem Buch bewaffnet in die Natur, das uns zugleich in guter anthroposophischen Tradition Goethes ‚Metamorphose der Pflanzen‘ nahebrachte und überhaupt seine naturwissenschaftlichen Schriften, die wir bis dato völlig missachtet hatten. In dieser Zeit entdeckte ich Goethes Farbenlehre, die Steiner für Kürschner Gelehrtenlexikon als junger Mann herausgeben hatte.“ Stolz zeigte uns Masterchen seine dreibändige Ausgabe mit den hilfreichen Kommentaren Steiners. „Übrigens“, fügte Masterchen hinzu, „Goethe fand die Farbenlehre sein wichtigstes Werk, wie er kurz vor seinem Tod Eckermann gegenüber bemerkte.“
Kleine Bemerkung von uns Buchfeen: Weder Hemleben noch Goethe brachten Masterchen bei, Pflanzen zu bestimmen. Wir haben es geschafft, indem wir ihn weg von den Büchern in den Garten zerrten. Aber dennoch setzten wir uns ein, dass Steiner, Gurdjieff und Jung ehrenhalber quasi ein Altenteil in einem Regal eigerichtet bekamen.
Zwei Bücher der Gartenecke möchten wir euch noch empfehlen: Eva Maasers „Der Paradiesgarten“. Dieser Roman schildert, unterhaltsam zu lesen, die Geschichte der Gartenkultur und hat uns einige Anregungen für unseren Garten gegeben wie auch Hermann von Pückler-Muskaus zweibändige illustrierte Ausgabe „Reisebriefe aus England und Irland“, die uns lehrte, bewusst auf Perspektiven im Garten zu achten z.B. beim Rasenmähen.

His new collection starts with his esoteric stage. Well, our Master didn`t leave out any folly.
Nearly all these esoteric books are long gone except the collected works of Rudolf Steiner and Gurdjieff – who hated each other but agreed in not liking C.G. Jung. We still own the collected works of all three authors. When Dina was photographing this corner Master got carried away to talk about a small book by the anthroposophist Hemleben „Diesseits“ (This World) which was his bible walking out into the nature and made him aware of Goethe`s writings about science, exspecially „The Metamorphosis of Plants“. Although he never learned to identify plants before we Bookfayries lured him away from his computer out into our garden.
Two books about gardens we like to recommend: Eva Maaser „Der Paradiesgarten“ (The Garden as Paradise) a novel full of information about the history of garden design and the famous Count Pückler-Muskau`s „Letters From England and Ireland“. Those books inspired us to rethink our way of cutting our lawns and the perspectives in our garden.



Masterchen war ja immer schon etwas verrückt, zur gleichen Zeit las er nämlich von Deleuze und Guattari „Rhizom“ und „Der Faden ist gerissen“. „Aber hallo!, nicht verrrückt!“, wandte er ein, „ Deleuze und Guattari führten das Wurzelrhizom in die Philosophie ein und beeinflussten mit dieser Pflanzen-Metapher den Diskurs um den Strukturalismus nachhaltig.“ Diese Bücher stehen in der Abteilung für Philosophie neben Michel Foucault, Derrida und dem Großmeister des Strukturalismus Claude Levi Strauss, dessen „Traurige Tropen“ eine Zeitlang Masterchens Lieblingsbuch war, das er stolz in der ersten Auflage besitzt wie auch das vielzitierte Werk Malinowskis „Das Sexualleben der Wilden“, aber damit sind wir bereits bei der Abteilung für Ethnologie, in der wir mit dem Zudrücken aller Augen auch Carlos Castaneda einsortierten. Castaneda war mega-in. Masterchen war schon in den 70ern in den USA auf ihn gestoßen und besitzt noch alle seine Bücher, die wir Buchfeen wie gut geschriebene Phantasy lesen, naja, nicht so gut wie „Der Herr der Ringe“, den wir wie viele Ausgaben der Hobbit-Press bei Klett-Cotta wegen der herausragenden Buchgestaltung behalten haben. Aber zurück zur Ethnologie: Kennt ihr Alexandra David-Neel, eine kühne Frau, die wie Trapper Geierschnabel aussah und Tibet erforschte? „Mein Weg durch Himmel und Hölle“ fanden wir sehr spannend zu lesen und Materchen ist solch ein Fan von ihr, dass er selbst als Kochstümper ihr Tibet-Kochbuch kaufte. Und noch eine Empfehlung aus dieser Abteilung gefällig? Schaut mal in Florinda Donners „Shabono“ herein, es erinnert leicht an Castaneda, wir finden es aber besser.

Sorry to write it, but our Masters has always been a little crazy, indeed. At the same time he was reading the French and Italian (neo-)structuralists like Deleuze and Guattari who coined the phrase „rhizome“ in philosophy and influenced with this plant-metaphorical notion the philosophical disussion quite a bit. Their books like „Anti-Ödipus“ are standing next to Foucault`s, Derrida`s and Claude Levi Strauss´s books. „A World On the Wane“ was Master`s favourite book for quite some time. He owns the first edition of this book as Malinowski`s often quoted work „The Sexlife of the Wild“. But now we are already in the department of anthropology where we found Carlos Casteneda, this in-author for quite a while. Well, we are not sure if this is „real“ anthropology. We Bookfayries read it as fascinating phantasy but not as good as „The Lord of the Rings“. Here we found Alexandra David-Neel too. Do you know this brave lady looking like a trapper „Vulture Beak“? She explored Tibet and wrote many books about it all standing in this departmet. Did you ever came across Florinad Donner`s „Shabono“? A fascinating read a little bit like Castenada`s book but we prefer her. 

In dieser Abteilung steht wohl nicht ganz logisch Cerams „Götter, Gräber und Gelehrte“. Dieses Buch besitzt Masterchen in einer schön gebundenen Ausgabe seit seinem 16. Lebensjahr, als er gleichzeitigt jenen mega-depressiven Roman „Steppenwolf“ las, den wir genauso unleserlich finden wie „Die Leiden des jungen Werther“, voll pathetisch. Iiih! Cerams Buch war viel packender und damals das Geschenk für Jugendliche seines Alters. Er erzählte, dass er es mindestens fünfmal geschenkt bekam und es mit glühender Begeisterung las. Übertroffen wurde es wohl nur von Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums“., das jedoch in unserer umfangreichen Märchen und Sagen Abteilung steht. Die wird erschreckend von den Kunstmärchen der Romantik dominiert, ein Steckenpferd von Masterchen, der uns Tiecks „Der blonde Eckbert“ und „Der Runenberg“ kürzlich vorlas. Wunderschön!

Und er erklärte, wie dort der Schauer entdeckt wurde, der dann in Schlemihls wundersame Geschichte von Chamisso und natürlich bei Mary Shellys „Frankenstein“ und Bram Stockers „Dracula“ mehr und mehr zelebriert wurde. Neben „Dracula“ stehen unsere geliebten Werke von Edgar Allan Poe. Mit ihm haben wir den Übergang vom Schauerlichen zum Krimi, eine Gattung, die Masterchen erst durch den Einfluss seiner Schwester nahegebracht wurde. Wir können das ganz und gar nicht verstehen, dass Masterchen überhaupt kein Interesse daran zeigt, wer der Mörder sein könnte.

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Gerade liest er „Arthur and George“, ein moderner Sherlock-Holmes-Roman von Julian Barnes, aber „whosdoneit“ interessiert ihn nicht die Bohne. Er ist fasziniert von dem genialen Einfall eine Art Dreyfuss-Geschichte mit Conan-Doyle zu verbinden und in seiner Begeisterung bemerkte er gar nicht, dass er Gleiches mit Sigmund Freud und Sherlock Holmes in seinen Beitrag über das Rauchen machte. „Betriebsblind!“, sagen wir nur.
Naja, alle Werke von Conan Doyle, Agatha Christie und Patricia Highsmith stehen auch bei uns herum, wobei in den Sherlock-Holmes-Geschichten Masterchen noch heute öfters blättert. „Der Detektiv als Metapher für den Intellektuellen“ so wollte er uns diese Krimis verkaufen, die wir jedoch monoton finden, immer das gleiche Schema wie auch bei Agatha Christie, die Masterchen ebenfalls liebt. „Es ist wie beim Kinderbuch“, erklärte er sich, „es gibt eine angenehme Sicherheit zu wissen, was man zu erwarten hat.“ Allerdings gibt es eine Ausnahme für uns. Christies „Mord im Orientexpress“, bei der alle Verdächtigen die Mörder sind, das finden wir genial.

In this corner we found „Gods, Graves and Scholars“ by Ceram as well. When our Master has been young nearly every adolescent boy and girl got it for Christmas or birthday. Master did read it with a great interest like the „Legends from Classic Greec“ by Gustav Schwab when he was 16. At the same time he read Hesses`s „Steppenwolf“ as well. Oh dear, we Bookfayries find this book as pathetic and unreadable as Goethe`s „The Sufferings of Werther“.
Legends and fayrietales share one corner in our library. The poetic fayrietales of the romantic poets like Tieck, Novalis, E.T.A. Hoffmann and Camisso – just to name a few – dominate this corner. Our Masters loves those authors who „invented“ the shiver in literature which was cultivated in Mary Shelley`s „Frankenstein“ and Bram Stoker´s „Dracula“. Stoker was a friend of Conan Doyle, one of the honarary guests at Conan Doyle`s second wedding.
You see here we have reached the department of criminal stories. There we love Edgar Allan Poe`s stories marking the beginning of the criminal story („The Murder in the Rue Morgue“ f.e.). Although we have got the collected works of Agatha Christie, Conan Doyle, Patricia Highsmith, Donna Leon and many more our Master doesn`t really like criminal stories. You wouldn`t believe it but he isn`t interested in the slightest to find out who has done it. Well, actually he reads some times Conan Doyle and Agatha Christie. For us un-understandable, it`s all the time the same structure. We find those stories monotonous whereas our Master replies that it is for him like being a child reading a book again and again and the fun of it is knowing what will happen. „That`s a comforting security making the crime easier to bear“, he tells us. „The detective is the metaphore for the intellectual“ he goes on to make us like those classic authors of suspense. But we like one book from this collection: Chrstie`s „Murder in the Orient Express“. We consider it a great idea that all suspects commited the murder, really original.

Wir haben noch viel mehr Abteilungen. Über die Bücher der Eisecke berichteten wir bereits. Über die anderen Abteilungen werdet ihr demnächst hier Stück für Stück lesen – wenn`s euch interessiert. Was wir noch zu bieten haben? fragt ihr.

There are much more departments in our library. You will read about bit by bit on our Bookfayrie blog – if you are interested. What more we have got, you ask?

Eine umfangreiche Abteilung mittelhochdeutscher Literatur (Hochmittelalter)
Eine ganz Zimmer voller Lexika über die absonderlichsten Dinge, wie ein Betrugslexikon z.B.
Eine große Abteilung Symbolik mit der Unterabteilung Farben, wo wir demnächst das Regalbrett wechseln müssen, so biegt es sich
Die Sammlung von Atlanten der Erde und des Universums mit zwei schönen Globen unserer Erde und einem Sternenglobus wie auch ein großes Modell unseres Planetensystems, das in unserer Eingangshalle hängt und uns, ehrlich gesagt, beim Fliegen mächtig behindert, hier stehen auch die Bücher über die Entdecker, darunter eine vollständige Reihe weiblicher Entdecker (zu der die oben genannte Alexandra David-Neel neben Ella Maillard und James Morris [a she!] u.a. gehört)
Bücher über Mathematik, Physik und Alchimie (teilweise völlig abgefahrenes Zeugs)
Unmengen Bücher über Sexualität und Klassiker der Pornografie, wobei „Orgasm“ von Jack Lee Rosenberg (Masterchens Therapeut in New York) damals in keiner amerikanischen und deutschen Bibliothek fehlen durfte. Wir haben es noch!
Und dann die Romane, hauptsächlich englische, skandinavische, deutsche und arktische Autoren

medieval literature (a huge collection)
a room filled with encyclopedias about the most amazing subjects
a big collection of books about symbolism and exspecially about colour and dream symbolism
Geography, atlases of the world and our universe, terrestical and star globes, a moving model of our planetary systems we don`t like because it`s blogs our way flying around. In this section we store books about exploreres too
books about mathmatics, physic and weird books about alchemie (quite weird books)
a big collection of books about male and female sexuality and the classic pornographic books
and last not least novels, mostly by English, scandinavian, German and arctic authors

Also ihr seht, da könnt ihr euch noch auf einiges gefasst machen.
Ganz liebe Grüße der Bibliothek, die unsere Heimat ist, auf der wir sehr stolz sind
Greetings from our library
Siri und Selma, Buchfeen

The English and the German texts differ because of information that is only available in German or only of interest for the English spreaking reader.

Dublin`s Fine Libraries: Trinity College

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Siri + Selma

Siri + Selma

Reisender kommst du nach Dublin, musst du unbedingt das Trinity College besuchen, wo Samuel Beckett, Oliver Goldsmith, Bram Stoker und Oscar Wilde studierten.

When Bookfayries visit Dublin they have to visit Trinity College. Scholars of this university have been Samuel Beckett, Oliver Goldsmith, Bram Stoker and Oscar Wilde, just to mention the most famous ones.

Trinity College 149_Hanne Siebers

Das Herzstück der Universität ist die Alte Bibliothek von 1732 mit ihrem Long Room. Als wir ihn morgens halb verschlafen noch mit Dina und Masterchen betraten, hat uns sogleich der Geruch von altem Pergament und der Anblick all der wuchtigen Ledereinbände betört und schwuppdiwupp waren wir hellwach. Also in diesem 64 Meter langen Raum werden in 80 Alkoven auf zwei Stockwerken die wertvollsten der 200.000 alten Bücher dieser Bibliothek aufbewahrt. Und wie in Carl Spitzwegs Bild „Der Bücherfreund“ kletterte  gerade ein spitznasiger, bebrillter Studierender auf die Leiter, um ein Buch aus dem Regal zu ziehen und es gleich oben noch aufzuschlagen. Während Dina eifrig fotografierte, rechnete Selma flugs aus, wenn sie jede Woche ein Buch dieser Bibliothek lesen würde, bräuchte sie etwa 3200 Jahre, um alle Bücher des Long Rooms zu lesen. Zum Glück sind wir Buchfeen ja unsterblich.

The library of the Trinity College is over 250 years old and unchanched since. The next time you are in Dublin you should plan a visit to the Long Room (time for a Guinness afterwards). In this 64 metres long room you will find the most precious of the 200.000 books in 80 alcoves on two floors. Entering the Long Room we immediately felt this is our paradise on earth. Like in Carl Spitzweg`s painting „The Booklover“ a thin scholar with a pointed nose and spectacles was standing on one of the old wooden ladders searching for wisdom in an old volume. When Dina was eagerly taking pictures Selma was even more eagerly calculating that even she as an Bookfayrie would need 3200 years to read every book in this room if she would read one book weekly. But so what, Bookfayries are immortal.

Long RoomFoto: Hanne Siebers

Long Room
Foto: Hanne Siebers

Der Long Room ist leer, weil wir einen Fototermin vor der Öffnungszeit hatten. Unten im Bild seht ihr die Alkoven und dass sich auch hier die Reagalbretter unter gewichtigen Werken biegen. So ein Alkoven mit 50 Regalmetern, das müsst ihr wissen, ist die schickste Wohnlage für eine Buchfee.

There is nobody in the Long Room becauce we were booked for our photosession before opening time. In the following picture you see those alcoves with bending shelves under old wisdom. Such an alcove, with 50 running meters of shelving, is the most poshest address for a Bookfayrie.

Long Room_Alcove

Untersuche es [das Book of Kells] sorgfältig und du wirst zum Heilgtum der Kunst vordringen
Giraldus de Barri (12. Jh.)

Als größter Schatz dieser Bibliothek wird das “Book of Kells” betrachtet, „eines der ältesten Bücher der Welt“, wie Masterchen erklärte. Es enthält die vier Evangelien des Neuen Testaments und lockt jedes Jahr Hunderttausende Besucher an. Immer zwei der aufwendig illuminierten Seiten sind unter Glas zu bewundern. Alle drei Monate blättert ein Bibliothekar in weißen Schutzhandschuhen mit ehrfürchtiger Geste eine Seite weiter. Auf den beiden folgenden Bildern blättert jedoch Masterchen für euch 😉

Study the Book of Kells meticiously and you will reach the holy kingdom of art
Giraldus de Barri (12th c.)

The greatest treasure of this library is The Book of Kells, „one of oldest book of mankind“, as our Master was explaining. It`s an intricate illuminated text of the four gospels and a touristic highlight of Ireland attracting hundered thousands of visitors each year. Two of the pages are on display under glas. A librarian turns the pages with white gloves and with a reverential gesture every third month. On the two following pictures our master is turning the pages for you – without gloves, oh dear.

(Für alle Bilder gilt: klick = groß)
(klick for enlarging, plaese) 

Master_BOK1

Sieht toll aus, oder?
Diese Handschrift ist um das Jahr 800 wahrscheinlich auf der Hebrideninsel Iona gefertigt worden und dann zum Kloster Kells (etwa 60 km im NW von Dublin) gebracht worden – es kann allerdings auch im dortigen Scriptorium geschrieben worden sein. Wahrscheinlich scheint uns jedoch, dass es von den Mönchen auf Iona vor den Wikinger gerettet worden ist (nur wohl weniger dramatisch als die Rettung der Manuskripte aus dem Kloster St. Gallen durch Wiborada, die dafür zur Schutzheiligen der Bibliotheken und Bücherfreunde gekürt wurde). Der lateinische Text auf 340 Pergamentblättern ist mit 678 Miniaturen, kunstvoll gestalteten Initialen und Symbolen reich illuminiert. Eine Besonderheit sind die ursprünglich leeren Seiten, auf denen Urkunden des Klosters Kells aus dem 12 Jh. niedergeschrieben wurden.

Looks breathtaking, doesn`t it.
This masterpiece of the art was (probably) written and illuminated on Iona (Hebredies) around 800. It was taken to the monastery of Kells (about 60 km NW of Dublin). A few historians reckon it to be written in the scriptorium of Kells. We Bookfayries are very sure, that it was written by the monks of Iona and saved of Viking rage to Kells (probably not as dramatic as the saving of the manuscripts by Wiborada at St. Gallen who became the patron of libraries and booklovers for it). The text is written in Latin on 340 parchment pages and highly illuminated with 678 miniatures, initials and symbols. Extraordinary are the original blank pages which were used to write down deeds of the Kells monastery in the 12th century. 

Master_BoK2

Das hatten wir Buchfeen eifrig in Masters dicken Werken zur sogenannten „insulären Buchkunst“ recherchiert. Aber, ehrlich gesagt, was wir genauso spannend fanden, ist die Geschichte dieser Handschrift. Stellt euch vor, sie wurde 1007 aus der Klosterkirche zu Kells gestohlen. Nicht dass die Diebe frühe Buchsammler waren, sondern sie waren hinter seinem wertvollen Einband her, der heute als verloren gilt. Also die Diebe haben das Buch vergraben, aber erstaunlicherweise wurde es kurz danach wiedergefunden. Selma meinte, da sei sicher Verrat im Spiel gewesen. Auf jeden Fall war das Buch wieder da und Cromwells Soldaten brachten es dann 1654 nach Dublin in Sicherheit. Wir können euch sagen, dies war ein großes Glück, denn eigentlich waren Cromwells Leute jeder Abbildung feindliche Bilderstürmer.

All this we read in Masters big volumes about the art of illumination and the Celtic Island Style. But equally thrilling is the history of this book being stolen in 1007 from the church of the Kells monastry, hidden in the ground and found later. Those thieves have not been booklovers, not at all, they were after the precious stones and the gold of the binding, which is still lost. In 1654 troops of Cromwell took the book to Dublin to save it. Oh dear, that was lucky, because the Cromwell people were iconoclasts – but that book was too holy to be touched, we think.   

BookofKells_Coll2

Masterchen erklärte zum Buch selbst: „Wahrscheinlich aus Sparsamkeit wurde es in platzsparenden Minuskeln geschrieben. Es war schon teuer genug, für das Pergament die Haut von 150 Kälbern zu bekommen und dann noch die Farbpigmente. Bei ihnen sparte der Illustrator nämlich keineswegs, statt des üblichen Indigos benutzte er ein Lapis Lazuli Pigment, das damals den Wert von Gold überstieg.  Er malte in stark konturierten Farben flächig stilisiert, also ohne Perspektive wie im byzantinischen Stil.“ Uns Buchfeen haben speziell die verschlungen Verzierungen fasziniert. Masterchen hatte uns nämlich zuvor von dem Bonner Kunsthistoriker Günter Bandmann erzählt, der meinte: „Das Zauberreich des Mittelalters ist das christliche Paradies, das durch Ornamente vergegenwärtigt […] wird.“ Auf dieses Zauberreich waren wir gespannt.

Our Master explained: „The Book of Kells is written in minuscles to save space probably because of the lack of money. It was expensive enough to buy the parchment for which skins of 150 calves were needed. And then think about the pigments! The illustrators did not save there. Instead of indigo they used lapis lazuli (a precious stone) which was in their times more valuable than gold. The illustrations are all painted in contrasting colours and don`t show perspective like in the Bycantine style of that time.“ The German art historian Günter Bandmann wrote: „The medieval realm of magic has been the christian paradise which was represented by ornaments“. We Bookfayries were so keen exploring this magic!   

BookofKells_Coll_1

Dazu muss man, wie wir jetzt wissen, sich die Chi-Rho-Seite (Initialseit, fol. 34r, zu Beginn des Matthäus-Evangeliums, mit dem Monogramm Christi XR) anschauen (unteres Bild). Na, was entdeckt ihr denn alles da? Klar doch, diese Seite ist das erste Suchbild der Buchgeschichte. Gelehrte nehmen an, dass zur Erstellung dieser Seite der Illustrator mehr Zeit gebraucht hat als für die Gestaltung all der übrigen Seiten des Book of Kells.

We knew to experience this magic we had to drown into the Chi-Rho-page (the beginning of the gospel of Matthew with Christ`s monogram XR).
What do you see in following picture? Well, we suppose this is the first rebus (puzzle picture) in the history of books. It took the illustrator more time for producing this one page than producing the rest of the book.

ChiRhoa

Wir wurden fast wirr im Kopf, selbst unsere buchgewohnten Feenaugen verdrehten sich angesichts dieser verschlungenen geometrischen Formen. Erst beim näheren Hinschauen entdeckten wir Geschichten realistisch und ganz klein in diese Verschlingungen eingefügt. Ein Otter hat dort einen Lachs gefangen, eine Mäusefamilie knabbert an einer Oblate und die Katze lauert schon, der Leib Christ darf natürlich auch nicht fehlen. Das alles soll die Einheit unseres Kosmos ausdrücken, denken wir. Nicht nur wir Buchfeen vermuten magische Praktiken des Schnur- und Knotenzaubers als Ursprung dieser Verschlingungen.

We went crazy and even our Bookfayrie eyes, being used to watch illustrations, gave up following these intertwined shapes. If you enlarge this page you will discover whole stories told in tiny pictures. An odder caught a salmon, a family of mice is nibbeling a host while the cat is waiting, and, of course, the body of Christ is there, too. All this is supposed to show the unity of our universe – at least we think that. And not only we Bookfayries believe that the origin of all this is the ancient magic of knots and strings.

Einige behaupten, im Book of Kells sei eine Warnung versteckt, die jedoch bislang keiner gefunden hat. Wir finden das zwar spannend, aber zugleich klingt uns das zu sehr nach Weltuntergangsphantasien, die z.Zt. wieder in esoterischen Kreisen beliebt sind. Weiteres darüber könnt ihr hier lesen. Die Abbildung weiterer Seiten und Kommentare findet ihr hier und, wenn euch dieser Artikel gefallen hat, vergesst nicht Dinas Blog mit mehr Bildern vom Long Room und deutschem und englischem Text zu besuchen.

Some speculate about a hidden warning in the Book of Kells. But nobody has found it yet. Thrilling isn`t it? But we believe these speculations are apocalyptic phantasies which are very much en vogue at the moment. If you really want to read more about it do it here, please (in German). Some more pages of the Book of Kells with English explanations you will find here (in German) and don`t forget visiting Dina`s blog where she shows a lot more pictures of the Long Room with English and German text.

Nun aber Schluss mit all den mittelalterlichen Schriften. Es verabschieden sich lieb die Buchfeen
That`s enough of medieval manuscripts, isn´t it. With love
Siri und Selma

Zum Welttag des Buches

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Zum Welttag des Buches

Umzingelt von Büchern wuchs ich auf, in meinen vor-alphabetischen Zeiten freilich als Schrecken für jedes Buch, dessen Seiten ich milder gestimmt bekritzelte, kühner aufgelegt herausriss. Obwohl ich halb erwachsen jahrelang die Psychoanalyse genoss und als Nach-Bildung zu verstehen lernte, waren es doch die Bücher, die mich veränderten und zu dem machten, der ich heute bin. Zwanghafter Buchfreak könnte man mich nennen, einer, der nervöse Zuckungen bekommt, Schweißausbrüche, wenn kein Buch in Griffnähe bereitliegt. Immerhin habe ich meine preußische Erziehung überwunden, nach der man ein angefangenes Buch bis zu seinem erlösenden Ende lesen muss, ein Syndrom, unter dem auch unsere Königin litt, wie Alan Bennett in „Die souveräne Leserin“ berichtet. Dieses Martyrium tu ich mir nicht mehr an. Ich lege Bücher weg, die nach Seite zwanzig immer noch zum Einschlafen verführen wie dieser englische Klassiker „Middlemarch“ von George Eliot oder die dicken Wälzer von Cowper-Powys. Aber wohin, mit den verworfenen Werken? Verschenken wäre boshaft, also spenden nach der Devise, dass kein Buch nicht einen begeisterten Leser findet. Obwohl Heide spende ich der Kirche, denn in den Kirchen der Küstendörfer Nord-Norfolks tauscht die wacker lesende Bevölkerung ihre für nicht regalwürdig befundenen Bücher aus.

Der Autor vor dem Antiquariat in Cley next the Sea, erschöpft vom Stöbern

An einer Buchhandlung vorbei zu gehen, ist eine Unmöglichkeit für mich und bei Einladungen schweift mein hemmungslos indiskreter Blick zum Bücherschrank der Gastgeber. Oh Schreck, ich lebe mehr in der Buchwelt als in jener Anderswelt, die mancher als real bezeichnet.

Analfixiert sammle ich Bücher, aber es gibt wohl mildernde Umstände, nämlich ich sammle nicht, um zu haben, sondern um zu lesen – für mich das Sein, von dem Erich Fromm spricht. Mein Schätze sind die wurmstichige englische Erstausgabe von Nansens „Farthest North“, Richard Wilhelms „I Ging“ in der Jugendstil-Erstauflage, eine hochedle, große wie schwere Ausgabe des „Kamasutra“ und Malinowskis Buch mit dem irreführenden Titel „Das Geschlechtsleben der Wilden“ (für ein Pfund auf einem englischen Flohmarkt entdeckt – in Deutsch!), von dem Freud und Jung einiges übernahmen. Dazu kommen noch einige Erstauflagen in erbarmungswürdigem Zustand der Diederichs Reihe „Märchen der Weltliteratur“. Zum Analfixierten, wie jeder seit Freuds Schriften weiß, gehört auch die Ordnung. Aber hallo, Bücher und Ordnung gehören zusammen wie Druckerschwärze und Papier. Wie oft habe ich schon meine Bibliothek geordnet. Und gerade kann ich mich gar nicht recht aufs Schreiben konzentrieren, da Dina und die Buchfee Selma Bücher nach den Farben – oh dear! – von überall aus den Regalen ziehen, um Fotos zu machen. Schande über sie, sie stellten nicht einmal einen Stellvertreter ein.

Obwohl ich am Inhalt der Bücher interessiert bin und obwohl mich die Bücher aus meinem Haus kafkaesk verdrängen, kann ich mich nicht an E-Books erfreuen, die eigentlich viel praktischer sind. Aber unter uns gesagt, das sind doch keine books – kein Rascheln des Papiers beim Umblättern der Seiten, nicht dieser Buchstaubgeruch. Wir stecken unsere Nase ins Buch, da nehmen wir einen Mix aus Papier, Tinte und Leim wahr, manchmal duften Bücher nach Herbst oder Schimmel, wenigen Büchern haftet ein Sommerduft an. Und das Allerneuste: Ein Berliner Parfümeur hat gerade das Parfüm „Paper Passion“ zum Betören jeder Leseratte kreiert, Karl Lagerfeld – auch ein Buchfreak – entwarf die Verpackung und Günter Grass steuert ein Gedicht bei.
E-Books weisen auch keine Gebrauchsspuren auf wie der fettige Fingerabdruck in Ecos „Der Friedhof in Prag“, der mich an Fahrt mit dem ICE nach Zürich erinnert, als ich selbst beim Essen dieses Buch nicht zur Seite legen konnte.

Ich wage es kaum zu bekennen, die griechisch-römischen Klassiker Aristophanes, Sallust, Lukrez und selbst Cicero und Cäsar (nicht Plato und erst recht nicht Ovids „Metamorphosen“) dienen mir als Buchstützen und teilweise gar als Unterbau für meine Regale, wohin ich auch Aristoteles verbannte. Die helle Leselampe steht auf einer dieser kastrierten Ausgaben von Melvilles „Moby Dick“ (die wenigsten Ausgaben sind vollständig) und auf Bram Stockers „Graf Dracula“ fürs Volk. Meine Wände sind längst alle voll verbucht, denn Bücher isolieren vorzüglich (besser als jeder Isolierschaum). – Kurzum, Sie sehen, ohne Bücher kann man gar nicht leben und elend nur überleben.

Noch gar nicht erwähnte ich all jene geduldigen Büchlein, in die ich schreibe: Mein Journal über die gelesenen Bücher, die ich lästerlich oder gnädig charakterisiere, mein Arbeitsjournal, das ich wie Bert Brecht als Ideenbuch führe und das allseits beliebte Tagebuch, Moleskin natürlich in der Tradition Hemingways. Und vielleicht führen Sie ja noch einige Bücher mehr. – Oh, Hilfe! Die Diktatur der Buchführung unseres Lebens ist ausgebrochen.

Well, da sitze ich in meinem Schaukelstuhl, draußen stolziert der Fasan mit seinen vier Weibchen vorbei, als ob ihm mein Garten gehöre und Siri und Selma, meine Buchfeen, beschimpfen mich als Stubenhocker. Sie flattern anmutig mit einem Transparent „Ehre dem Buch“, auf blauer Seide gelb gestickt, in unserem kleinen Dorf die Küstenstraße auf und ab. Ray, der weißgelockte Dorf-Antiquar, reicht ihnen eine Tasse heißen Tees heraus, in kleinen Schlucken trinkend regt sich Siri über den Titel des neusten Buchs von F.C. Delius auf „Als Bücher noch geholfen haben“ (seine Memoiren). „Tempusfehler!“ ruft sie erbost flügelflatternd. Ich überlege derweil, ob ich über das hochbrisante Thema des Bücherverleihens noch schreiben sollte oder genügt ein radikales „Niemals!“, da verliehene Bücher die Tendenz zeigen, beleidigt nicht mehr zurückzukommen.

Wer wissen möchte, welche Bücher seine Bibliothek zieren und Abende verschönern würden, der kann auf Dinas Blog Anregungen bekommen.

Einen frohen Buchtag wünscht
Klausbernd

Black Shuck/Wolf

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Black Shuck/Wolf

Hallo, hallo, hier schreibt Selma BilderFee,

so viele von euch haben unsere Seite gefunden, indem sie den schwarzen Geisterhund, jenen von Baskerville, gesucht haben, dass ich euch jetzt drei Bilder von diesem Gruseltier zeigen möchte. Brühmt-berüchtigt wurde dieses virtuelle Untier, das in Sagen und der Literatur sein Unwesen treibt, durch Arthur Conan Doyle, dem Vater von Sherlock Holmes. Dass Conan Doyle von diesem grausamen Fabeltier, das an unserer Küste sein Unwesen trieb oder gar noch treibt, in Cromer/Norfolk beim Golfen hörte, schrieben wir ja bereits in einem früheren Blogbeitrag.

„Warum gruselt es den meisten Leuten derart vor diesem schwarzen Hund, der wie im unteren Bild meist mit roten Augen dargestellt wird?“ fragte ich meine liebkluge Schwester Siri. Sie meinte, die Angst wirke aus alten Schichten unseres Bewusstseins, aus jenen Zeiten, als die Menschen noch real von Wölfen bedroht wurden. Diese Angst wurde dann auf wölfisch reißende, menschenverschlingende Hunde aus der Literatur übertragen – übrigens nicht ohne Angstlust.

The Dog of Baskerville, also ich möchte ihn nicht begegnen, auf gar keinen Fall

Also Leute, wenn es euch jetzt nicht gruselt … Das ist „The Black Shuck“

Das Gespenst selbst, der schwarze Hund, also, ich zittere vor Angst, wenn ich nur über ihn lese

Findet ihr nicht auch, Rotkäppchens Wolf ist dagegen geradezu niedlich, weil er so vermenschlicht wurde und der Mensch über ihn siegt – so ist`s halt bei den Grimms, die die Märchen nach ihrem Gutdünken veränderten.

Auf den menschenfreundlichen Wolf bzw. Hund machte uns die liebe Dina, die Hundefreundin, aufmerksam. Ihn finden wir bei Jack London in seinen beiden Geschichten „Wolfblut“ und „Ruf der Wildnis“, wo der Mensch sogar zum Rudelführer wird – naja, das erinnerte Siri BuchFee sogleich an Romulus und Remus, die Gründer Roms, die der Sage nach von einer Wölfin groß gezogen wurden, wie Plutarch und Dionys von Halikarnass berichteten – so muss es ja stimmen. Außerdem wurde diese kapitolinische Wölfin, die Säugende, mit Romulus und Remus als kleine Wichte unter ihren Zitzen gern dargestellt.

Aber damit genug der „lieben Wölfe“, eigentlich sind sie spätestens seit Ovids Metamorphosen voll böse – so wie der Black Shuck Norfolks. Ovid erzählt, wie der König Lycaon seine Gefangenen als Speise zubereitet, wofür er ob seiner Grausamkeit in das entsprechende Tier verwandelt wird, nämlich den Wolf. Auch Daniel Defoe lässt uns angesichts der Wölfe erschauern, wenn nach der Befreiung von Robinson Crusoe und Freitag beim Überqueren der Pyrenäen einige ihrer Mitreisenden von Wölfen gefressen werden – fein gruselig beschrieben. Und natürlich darf beim Klassiker der Schauerliteratur, bei Bram Stokers „Dracula“, der Wolf nicht fehlen. Graf Dracula, so liest man dort, erlebt das Wolfsgeheul als feine Musik. Übrigens sieht Graf Dracula die Wölfe als freie Menschen an und bezieht sich damit auf die Verwandten der Vampire, die Werwölfe.

Siri BuchFee erzählt mir gerade, dass der Wolf als Todessymbol von Ted Hughes in seinem Gedicht „Life After Death“ verwandt wird, das er unmittelbar nach dem Suizid seiner Frau Sylvia Plath schrieb. Dort hören seine beiden Kinder und er die Wölfe im Londoner Zoo nachts heulen. Außerdem schrieb er das endlose Gedicht „Wolfwatching“ über den alten und jungen Wolf, naja, etwas deprimierend …

In „Tausendundeine Nacht“ fand Siri den Schätze bewachenden Wolfshund mit tellergroßen Augen vor (übrigens nur in der verbreiteten Salonausgabe, die Goethe liebte, nicht im Original, das aber wahrscheinlich nicht in eurem Bücherregal steht) und wer noch mehr virtuelle Gruselhunde und Wildwölfe treffen möchte, der mag ja mal „wolves in fiction“ googeln, da kann er mit vielen Wölfen tanzen, wenn er nicht gefressen wird.

Wetterfahne in East Anglia

Black Shuck: Wetterfahne auf einem Haus in East Anglia – bei uns in der Nähe, wo er nun schon in der Luft sein Unwesen treibt

Einen gruselfeinen Abend wünscht euch
Selma BilderFee

Da der Black Shack symbolisch dem Wolf zugerechnet wird, habe ich, die emsige Siri BuchFee, Auszüge aus des Masters Lexika „Welt der Symbole“ und „Handbuch der Traumsymbole“ zusammengeschrieben – huch, hoffentlich ist der Master deswegen nicht böse, pssst, nicht weitersagen.

Wolf und Mensch verhalten sich zueinander wie Natur und Kultur, wie unbewusst Triebhaftes und bewusste Kultur. Mit ihm erinnern wir uns an die Ursprünge unserer Kultur, da der Mensch nicht nur Verhalten vom Wolf lernte, sondern sich auch als erste Bekleidung den Wolfpelz überwarf. Diese Erinnerungen treten im Wolfsmotiv der Märchen und Volkserzählungen wieder an die Oberfläche. Der Wolf war aber auch einer der größten Konkurrenten des Menschen ums Fleisch.
Kaum ein anderes Tier regte die menschliche Fantasie mehr an als der Wolf. Er spielte eine hervorragende Rolle in unserer Kulturgeschichte als Sinnbild des Bösen. Heute ist eher faszinierendes Symbol des Wilden und Objekt unkritischer Idealisierung und Romantisierung.
1988 berichteten im „Journal Of Psychological Medicine“ führende Psychiater des McLean Krankenhauses (Boston) von Fällen der Lycanthropie, d.h. Verwandlungen von Menschen in ein Tier. Der betreffende Mensch fühlt sich nicht nur wie ein Tier, er verhält sich auch so. Bei diesen Verwandlungen ist die in einen Wolf beliebt, was zeigt, dass das Wölfische dem Menschen immanent ist und in seinem Unbewussten eine wichtige Rolle spielt (Werwolf).
Der Wolf ist ein listiges Raubtier, gilt als habgierig und hungrig. So verbildlicht er den Schatten der männlichen Sexualität. Allerdings wurden im antiken Rom auch die Prostituierten „lupae“ (Wölfinnen) genannt.
Die Wölfin symbolisiert die nährende Kraft der Natur. Dies schwingt im Märchen vom Rotkäppchen mit, in dem der Wolf nicht nur die Großmutter frisst, sondern sie auch ist. Bruno Bettelheim allerdings sieht das Wolfsmotiv im Rotkäppchen als Symbol für den pubertären Kampf des Mädchens, das sich zwischen Lust- und Realitätsprinzip hin- und hergerissen fühlt.
Die Inuit sehen den Wolf als das dem Menschen ähnlichste Tier an, da Wölfe einander töten und unterstützen und in der Gruppe jagen. Im Christentum wird er dämonisiert, da er sich auf die Lämmer (die Gläubigen) stürzt.
Das Gleichnis vom Wolf und Lamm gehört zum Standard einer Fabelsammlung seit der griechisch-römischen Zeit. Immer betont das Lamm, dass der Wolf kein Recht habe, es zu fressen, worauf der Wolf betont, das Lamm habe kein Recht, sich als Fressen zu verweigern. Luther, Hans Sachs, La Fontaine, Lessing und Hagedorn nahmen dieses Bild, um vor den Mächtigen zu warnen. Bei Äsop wird der Wolf stets negativ gesehen.
Im Bild des Steppenwolfs aus Hermann Hesses Roman wird der Wolf zum Sinnbild des einsam Suchenden und Leidenden. Es steht nicht das Bösartige des Wolfes im Vordergrund, sondern die einsame Suche nach dem Sinn des Lebens. Der Wolf wird zum Bild des heroisierten Einzelgängers.
Neben dem Film „Der mit dem Wolf tanzt“ wurde der Wolf in der Kunst durch Farley Mowats Roman „Never Cry Wolf“ (1963) (und dessen Verfilmung) populär gemacht. Die Comic-Figur Ede Wolf trat zuerst in einem Zeichentrickfilm von Walt Disney 1933 auf. Er bedroht die Drei Kleinen Schweinchen. Sein hervorstechendes Charakteristikum ist die zwangsneurotische Fixierung auf das Fangen der Schweinchen.

da ist er doch schon wieder ...

da ist er doch schon wieder, der rotäugige Hund von Baskerville

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk 2012