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Bezirkshauptstad von Nordnorfolk mit literarischer Tradition und großer Vergangenheit

Conan Doyle und Sherlock Holmes

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Conan Doyle und Sherlock Holmes

Wisst Ihr, welcher weltberühmte Schriftsteller sich für die Existenz von Feen einsetzte und bis zu seinem Tod an uns glaubte?

Na, habt Ihr es gewusst?

Arthur Conan Doyle

Es war erstaunlicherweise gerade der Mann, der eine ebenso weltberühmte Person schuf, die durch ihren wissenschaftlich geprägten Scharfsinn brillierte. Klar doch, nur wer klug ist, der weiß, dass es uns gibt – und noch einen Hinweis: Ein großes Versehen, dass wir beiden BuchFeen Siri und Selma in keiner seiner vielen Geschichten vorkommen.

Was wir ganz doof finden: Conan Doyles Sherlock Holmes konnte Frauen nicht leiden. Frauen und Liebe, so bemerkte er seinem Assistenten Dr. Watson gegenüber, stören das Denken. Aber lehrte er nicht auch „trau niemals dem Offensichtlichen“? In „Ein Skandal in Böhmen“ scheint sich unser cooler Meisterdetektiv in Irene Adler zu verlieben, die die einzige Person in all seinen Geschichten ist, die ihn besiegte. Ja, und da Holmes wohl wegen seiner problematischen Mutterbeziehung (obwohl seine Mutter begnadete Geschichtenerzählerin war) uns Frauen im Gegensatz zu uns Feen nicht leiden konnte, munkelten einige spätere Schreiberlinge, dass kein anderer als er Jack the Ripper war, der immerhin zu seiner Zeit (1888) zu einer ähnlichen Berühmtheit wie er wurde, nicht nur weil er Frauenleichen zerstückelte und innere Organe entnahm, sondern auch weil er stets der Polizei entkam. Naja, dass Holmes The Ripper war,  glauben wir beide, Siri & Selma, eher nicht, wenn auch der Vater von Sherlock Holmes ein Schlitzohr war. Um der Wissenschaftsgemeinde eins auszuwischen (die ihn dummerweise wegen seines FeenGlaubens verlachte), hat er 1912 in einer Kiesgrube bei Piltdown/Sussex in der Nähe seines letzten Wohnorts Fossilien und einen Schädel so manipuliert, dass es aussah, dass dem Menschen der Übergang vom Affen zum Homo sapiens in Merry Old England gelungen sei, woran die Viktorianer in englischer Arroganz eh nie gezweifelt hatten. Sherlock Holmes wäre diese den Engländern schmeichelnde Fälschung sicher sogleich aufgefallen, aber Conan Doyle wusste zu verhindern, dass seinem Detektiv dieser Fund nie zu Ohren kam.

Sherlock Holmes

Klar, das ist doch alles Quatsch mit der Entstehung des Menschen aus dem Affen, wir sagen es Euch: „Der Mensch entsteht aus Geschichten, wenn Ihr so wollt, aus Gedrucktem“, dafür ist Sherlock Holmes doch das beste Beispiel, der als einzige der wenigen fiktiven Person in die Enzyclopedia Britiannica aufgenommen wurde.

Und außerdem ist Holmes eh wie wir Feen unsterblich. Ihr könnt ihn in rund 200 Filmen und um die 50 Bühnenstücke sehen, schon Doyle ließ ihn in 60 Geschichten agieren. Und um Conan Doyle Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, anders als Sherlock Holmes hatte er wohl ein gutes Verhältnis zu Frauen. Seine letzten Worte, an seine zweite Frau Jean gerichtet, waren: „Du bist wunderbar.“

Für seine Leser war Sherlock Holmes keineswegs fiktiv, enthusiastisch verteidigten sie, dass er eine reale Person sei. Als Conan Doyle seinen Meisterdetektiv am 4. Mai 1891 in das „Das letzte Problem“ an den Reichenbachfällen in der Schweiz sterben ließ, brach eine ähnliche Massenhysterie aus wie nach Goethes „Die Leiden des jungen Werther“. Und nicht nur Goethes fürchterlich romantischer Roman (bei dessen Lesen wir BuchFeen Lachkrämpfe bekamen), sondern auch die Sherlock-Holmes-Geschichten scheinen zumindest einen Selbstmord provoziert zu haben. Der weltführende Conan-Doyle-Forscher Richard Lancelyn Green kam im März 2004 unter merkwürdigen Umständen in seiner Londoner Wohnung um. Einige nahmen an, dass der Forscher seinen Tod wie einen Fall von Sherlock Holmes inszenierte.

Ist Euch schon aufgefallen, dass Sherlock Holmes und Sigmund Freud einiges gemeinsam hatten (darüber werden wir später noch mehr bloggen), außer dass sie sich (freilich nur durch ihre Schriften) kannten und Zeitgenossen waren? Freuds Methode ähnelt jener von Sherlock Holmes, die Umberto Eco als „Abduktion“ bezeichnete, einen Ausdruck, der von Charles S. Peirce (amerikanischer Wissenschaftsphilosoph) stammt und der auf Aristoteles (immer der) zurückgeht. Die Abduktion ist die Bildung einer erklärenden Hypothese, der dann die Deduktion folgt. Sagen wir es einfach: Holmes leitet aus genauer Beobachtung ab, genauso wie Ecos Wilhelm von Baskerville in „Der Name der Rose“, der dazu noch im Aussehen wie Sherlock Holmes geschildert wird, dessen Bild weitgehend auf den genialen Illustrator Sidney Paget zurückgeht. Es wurde  gemunkelt, dass Paget die Figur des Holmes nach seinem jüngeren Bruder gestaltete. Paget selbst besaß eine Vorliebe für diese karierte Schirmmütze (dear stalker cap), die zum Markenzeichen von Holmes wurde, obwohl sie nur in der Geschichte „Silberstern“ erwähnt wurde. Erstaunlicherweise wird unser Bild von Holmes und Watson mehr von Pagets Illustrationen und vom Film als von den Beschreibungen des Detektivs in Connan Doyles Romanen geprägt. Im Film kommt wohl Jeremy Brett unserem literarischen DandyChemiker am nächsten.

Aber zurück zu Freud und Holmes: Beide waren rührige Kokser. Weswegen Nicholas Meyer seinen Holmes-Freud-Roman „Die Sieben-Prozent-Lösung“ nennt, die Koksern wohl bekannt ist. In einer der letzten Sherlock Holmes-Erzählung „Der verschollene Three-Quarter“ berichtet uns Dr. Watson, dass Holmes seine Süchte überwunden habe, was Meyer in seinem Roman einer Analyse des Meisterdetektivs bei Freud zuschreibt. In „Eine Studie in Scharlachrot“, die 1887  als erste Holmes-Geschichte in England veröffentlicht wurde, schreibt Conan Doyle, dass „die inneren Gefühle eines Menschen durch einen augenblicklichen Ausdruck, das Zucken eines Muskels oder einen einzigen Blick“ zu erschließen seien. 18 Jahren später finden wir genau diesen Gedanken in Freuds „Bruckstück einer Hysterie-Analyse“ erstaunlich ähnlich ausgedrückt.
Wisst Ihr, dass ein Viertel der Sherlock-Holmes-Fälle gar nicht kriminell waren. Selma fragt sich gerade, ob wohl auch ein Viertel der Freud-Fälle gar nicht neurotisch waren.

Holmes und Watson

Uns beiden BuchFeen gefällt besonders an den Holmes-Geschichten, wie in ihnen die englischen Umgangsformen so treffend geschildert und zugleich ironisiert werden. Die Dialoge zwischen Holmes und Watson und speziell zwischen Holmes und dem Polizeioffizier Inspektor Lestrade sind meist pfiffig witzig und von einer atemberaubenden Arroganz geprägt, die Holmes als klassischen Vertreter der englischen Oberschicht kennzeichnet. Übertrieben für den heutigen Geschmack finden wir jedoch die bisweilen schulmeisterlichen Entgleisungen von Holmes, eine Eigenart, die Holmes mit vielen Aufklärern seiner Zeit teilt. Erzählt wird bis auf wenige Ausnahme aus der Perspektive von Dr. Watson, mit dem sich Conan Doyle (selber Arzt) identifizierte. Die Vorlage zu Sherlock Holmes bot Doyles Universitätslehrer, der Medizinprofessor Bell, der für seine analytischen Fähigkeiten und Beobachtungsgabe berühmt war.

Edgar Allen Poe

Conan Doyle orientierte sich mit seinen Sherlock-Holmes-Geschichten an Edgar Allan Poe, der für Selma mit „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ (1841) und „Das Geheimnis um Marie Roget“ (1842) die ersten modernen Krimis schrieb. Auch hier tritt bereits ein Detektiv auf und die brillant geschriebene Geschichte wird aus der Perspektive seines Assistenten beschrieben (und wurde von Beardsley illustriert). Ich, Siri BuchFee, dagegen meine, man könne schon  E.T.A. Hoffmanns „Fräulein von Scuderi“ (1818) als Vorläufer der heutigen Krimis sehen – und erstaunlicherweise ermittelt hier eine Frau, nach der diese  romantische Novelle benannt ist.
Poe erfand wie Conan Doyle und fast alle Krimischriftsteller bis heute einen Detektiv, nämlich Auguste Dupin. Schon im ersten Holmes-Fall „Eine Studie in Scharlachrot“ sprechen Holmes und Watson über Dupin, der Sherlock Holmes als „Vertreter der Ratio“ (Siegfried Kracauer „Der Detektiv-Roman“) und Prototyp des Amateurdetektiv ähnelt (wogegen Holmes sich in diesem Gespräch wehrt). Allerdings übertrifft ihn der dandyhafte Holmes in seiner Exzentrik bei weitem. Die einzige Exzentrik des sparsam mit Eigenschaften beschriebenen Dupin besteht darin, dass er als Nachtmensch lebt. Holmes ähnlicher finden wir seine Nachfahren wie Agatha Christies Hercule Poirot und Dorothy Sayers Lord Peter.
Zur gleichen Zeit tritt in den USA der Detektiv als der knallharte Mann auf, dem jeder Charme unseres Holmes fehlt. Dashiell Hammett und Raymond Chandler bringen den Mord zu jenen Menschen zurück, die aus Gründen morden und nicht nur, um Autoren wie Conan Doyle und Agatha Christie eine
Leiche zu liefern. „Realismus statt Romantik“ war die These Chandlers, die solche Leute wie unseren Petrarca lesenden und Geige spielenden Holmes und seine weibliche Kollegin, die hochgebildete, ältliche Miss Marple, ins Abseits geraten ließen. – Aber nicht ganz, denn auf der ganzen Welt gibt es heute um die 600 aktive Sherlock-Holmes-Clubs und immer wieder werden die Holmes-Geschichten neu verfilmt.
Allerdings, muss ich, Sirir BuchFee, hier den genialen Rex Stout als Ausnahme anführen. Dieser amerikanische Krimiautor, der von 1934-1975 33
Romane und 14 Erzählungen schrieb, schuf mit dem orchideenzüchtenden Privatdetektiv Nero Wolfe nicht nur einen ebenso exzentrischen und belesenen Detektiv wie Sherlock Holmes, sondern er übernahm auch Conan Doyles Technik, die Geschichten aus der Sicht des Assistenten zu schreiben, in diesem Fall Archie Goodwin. Conan Doyle und Stout lieben das immergleiche Setting, ihre Detektive haben eine feste Adresse und bei beiden steht die Polizei ziemlich dumm da. Ich überzeuge gerade mein Schwesterlein Selma davon, Rex Stout zu lesen, denn wer Sherlock Holmes liebt, wird sich auch mit Nero Wolfe anfreunden.

Wie wir auf Conan Doyle und seinen Holmes kamen? Wir berichteten Euch ja bereits (in „Literary Norfolk, Poppyland“), dass Conan Doyle sich in Cromer, unserer nächsten Stadt, golfspielend vom Typhus erholte und außerdem lebte er ja die letzten 23 Jahre seines Lebens in East Anglia (wozu auch Norfolk gehört), wo er mit Rudyard Kipling Golf spielte, bis er am 7. Juli 1930 starb. Und wir beide sind über die Parallelen zwischen unserem Master und Sherlock Holmes verblüfft: Beide sind Lehnstuhlexplorer, coole Logiker und einiges mehr, worüber wir demnächst noch genauer berichten werden. Außerdem finden wir, jeder Gebildete sollte zumindest einige von Conan Doyles Geschichten kennen. Dieser Ansicht war man selbst bis vor kurzem in den USA. In diesem Jahr wurde jedoch „Eine Studie in Scharlachrot“ auf Grund einer Klage der Mormonen Virginias vom Lehrplan gestrichen, da es in einer Nebenszene um eine Zwangsheirat im Mormonen-Milieu geht.

Bevor wir uns von Euch für heute verabschieden, hier unser Lieblingszitat von Conan Doyles Sherlock Holmes: „Mein lieber Watson, ich kann nicht zustimmen, Bescheidenheit zu den Tugenden zu zählen. Als Logiker sollte man die Dinge sehen, wie sie sind; sich zu unterschätzen weicht genauso weit von der Wahrheit ab, wie seine Kräfte zu überschätzen.“

In diesem Sinne Eure BuchFeen Siri und Selma

Nachtrag: Der ehemalige Maurer Guy Richie drehte 2009 nach der Trennung von Madonna den Film „Sherlock Holmes“, der insofern konsistent ist, dass die Besetzung schlecht, das Drehbuch noch schlechter und die Zeichnung von Holmes völlig daneben ist. Der australische Filmkritiker David Stratton meint, der Regisseur war hauptsächlich an Action interessiert, wobei er eine Vorlage der Weltliteratur vergewaltigte. Richie wäre wohl besser Maurer geblieben. Schock  Horror, es ist noch eine Fortsetzung geplant „und verschone uns von dem Übel“ …

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk 2011

Literary Norfolk, Poppyland

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Literary Norfolk, Poppyland

Heute werde ich, SiriFee, darüber schreiben, was wir in der BuchFayrieSchule über Literatur in Cromer lernten. Puh, da gibt es sooo viel, aber ich habe wacker während des Unterrichts Notizen geschreibselt und werde Euch das Wichtigste berichten.

Könnt Ihr Euch an die Karte von der Küste erinneren?
Von Cley gesehen liegt Cromer entgegengesetzt zu Stiffkey und präsentiert sich bei unserem Höhenflug schön sonnig und  so.
Wie Ihr Klugen bereits mitbekommen habt, SiriFee ist nicht allein unterwegs! Ich, die liiebe KnipsiSelma, sorge wieder für anschauliche Knipsis. Das möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.

Schwesterlein Selma blogte ja schon vorher, dass Conan Doyles „Der Hund von Baskerville“ auf eine Erzählung aus dieser Gegend beruht. Speziell in Sheringham und Cromer, den größeren Ort an unserer Küste, kursierte die Legende vom „Black Shuck“, einem großen schwarzen Hund mit einem leuchtend roten Auge – huch, ganz gruselig.

 Also, wir beide, die Oberchronistin und ich, hocken ganz nah am Master, wenn er uns die gruseligen Geschichten vom Black Shuck vorliest. Vorher haben wir alle Türen abgeschlossen und die Fenster zugemacht, die Vorhänge zugezogen und so. Unsere Flügelchen zittern vor Angst, also ich finde das ziemlich geil, wenn ich das sagen darf.

Geschichten von diesem Hund kursierten an unserer Küste seit Jahrhunderten und können bis auf Erzählungen der Angeln und Wikinger zurückverfolgt werden. Ihr müsst nämlich wissen, Norfolk war zu Anfang des 11. Jh. Wikingerland (Knut der Große besaß es und ließ es von Torkjell Høege regieren). In den Wikingererzählungen war dieser Hund fast pferdegroß und erschrak bei seinem Erscheinen Menschen zu Tode. Dass er „Shuck“ genannt wurde, geht auf das alte Norfolk-Wort „shucky“ für haarig zurück.
Das erzählte uns unsere liebkluge Lehrerin, die meinte, immer noch würde diese Geschichte nach einigem Bier in Norfolks Pubs erzählt. Heutzutage soll in der Tradition von Geistererzählungen der Black Shuck auf Friedhöfen und an Kreuzungen unverhofft auftauchen. „Dass Conan Doyle die Geschichte nach Dartmoor verlegte“, erklärte sie weiter, „hängt mit dem Zeitgeist zusammen: Dartmoor war der klassisch romantische Ort für Geistergeschichten, wohl wegen seiner gespenstischen Moorlandschaft und vielleicht auch, weil es dort seit 1195 das berüchtigte Gefängnis von Lydford gibt.“

Ihr kennt doch alle Sherlock Holmes, oder? Der Hund von Baskerville ist sein dritte Fall. Erinnert Ihr Euch an die Lady Adams aus meinem früheren Blog? Ja, solche Kappe trug auch sie immer.

Wir lernten viel über Cromer, dass so stolz auf seine literarische Vergangenheit ist, dass es auf der Promenade Steinringe mit Zitaten von Oscar Wilde, Elizabeth Gaskell und A.C. Swinburne anbrachte.

Der so schöne wie exzentrische O. Wilde wohnte 1882 in Cromers Hotel de Paris, das noch heute eines der bedeutendsten Gebäude Cromers ist, ein schlossartiger Backsteinbau oberhalb des Strands. Als Hotel hat es allerdings weitaus bessere Zeiten gesehen. Wilde schrieb dort an der Komödie „Eine Frau ohne Bedeutung“, die durch viele Personen etwas verwirrend angelegt ist und dem konventionellen Muster folgt, Frau aus einfachen Verhältnissen wird von einem Adeligen verführt, bekommt ein Kind und der Vater lehnt die Heirat ab.
Ein Verehrer Wildes, der zeitgenössische Autor und Schauspieler Stephen Fry (der es fertigbrachte, von vier Schulen in Norfolk verwiesen zu werden), bekam einen Studentenjob als Kellner in diesem Hotel. In seiner Autobiografie schreibt er, dass er gut verdiente, aber das Geld sogleich wieder für Cannabis, Zigaretten und Süßigkeiten ausgab. In dem 1997 veröffentlichten Kinofilm „Oscar Wilde“ spielte Fry die Hauptrolle, nämlich Oscar Wild. Außerdem wurde Fry als Sprecher von Harry Potter und des Kultromans „Per Anhalter durch die Galexis“ bekannt, er sprach auch Poo den Bären im englischen Hörbuch von Milnes „Winnie the Pooh“. Neben Wilde verehrt Fry den Autor P.G. Wodehouse. Wer dessen Bücher über den Butler Jeeves noch nicht kennt, hat einen Lacherfolg versäumt. Unser Master meint jedoch, ein Buch von Wodehouse zu lesen, ist köstlich, die anderen Bücher werden langweilig, da sich alle sehr ähneln. P.G. Wodehouse gibt es in deutscher Übersetzung und seine witzigen Bücher wurden auch verfilmt – und natürlich mit Stephen Fry in der Hauptrolle.

Mrs Gaskell, wie die Engländer ihre erfolgreiche Autorin des 19. Jh. nennen, schildert in „Nord und Süd“ einen Besuch ihrer Heldin Magaret Hale mit ihrer Tante in Cromer, „da dies der ideale Ort ist, um sich auszuruhen“.  Jane Austen war ebenfalls dieser Ansicht. In „Emma“ preist deren Vater, Cromer als das  beste Seebad Englands.
Swinburne schrieb sogar ein Gedicht über Cromer („A Haven“), von dem uns unsere Lehrerin den Refrain vorlas: „das Städtchen lächelt, ein warmes ruhiges Nest am Meer“.

SelmaFee begeisterte sich besonders für die Geschichte des englischen Dichters John Taylor, der zu Beginn des 17. Jh. wegen rauer See in Cromer anlanden musste. Er und seine Besatzung wurden als Seeräuber angesehen, verhaftet, später dann freigelassen. Darüber schrieb er ein Gedicht, in dem er Cromer als uralte Stadt auf einem Kliff preist.

Ich muss Euch allerdings sagen, Cromer hat seine große Zeit gehabt. In viktorianischer Zeit jedoch war Cromer der modischste Badeort Englands, der besonders beliebt wurde, nachdem Clement Scott den freilich etwas trivialen Roman „Poppyland“ 1886 veröffentlichte, der, wie könnte es anders sein, eine Liebe an der Küste Cromers schildert, die bekannt für ihre „Poppies“, die Mohnblumen, ist. Diese Küste wird in romantischten Tönen gelobt. Sie wurde  schnell „most fashionable“, es gab Poppyland Pafüm, Poppyland Seife und Shampoo, Tassen, Handtücher und all den Souvenierkram mit Poppyland. Noch 1985 produzierte der BBC einen Poppyland-Film und noch heute heißt eine Ferienwohnungsagentur, ein Verlag und was nicht alles Poppyland.

Das habe ich diese Woche in der FayrieSchule gelernt, toll nicht?! Wir fahren oft nach Cromer, um günstig einzukaufen, mehr hatte ich nicht gewusst. Was ich jedoch wusste: Der 1999 gedrehte Film „All the King`s Men“ wurde teilweise in Cromer gedreht und fürchterlich kritisiert, da der Norfolk Akzent der Schauspieler schlimmer als schlecht war (den Film über das Norfolk Regiment im Ersten Weltkrieg muss man nicht gesehen haben).

Liiebe Grüße aus Poppyland von Siri, BuchFee

Mich hat sie schon wieder vergessen zu erwähnen!
Tschüß! Bis zum nächsten Mal, Selma KnipsiFee

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk, 2011