RSS-Feed

Schlagwort-Archive: Elizabeth Gaskell

erfolgreich englische Autorin

Literary Norfolk, Poppyland

Veröffentlicht am
Literary Norfolk, Poppyland

Heute werde ich, SiriFee, darüber schreiben, was wir in der BuchFayrieSchule über Literatur in Cromer lernten. Puh, da gibt es sooo viel, aber ich habe wacker während des Unterrichts Notizen geschreibselt und werde Euch das Wichtigste berichten.

Könnt Ihr Euch an die Karte von der Küste erinneren?
Von Cley gesehen liegt Cromer entgegengesetzt zu Stiffkey und präsentiert sich bei unserem Höhenflug schön sonnig und  so.
Wie Ihr Klugen bereits mitbekommen habt, SiriFee ist nicht allein unterwegs! Ich, die liiebe KnipsiSelma, sorge wieder für anschauliche Knipsis. Das möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.

Schwesterlein Selma blogte ja schon vorher, dass Conan Doyles „Der Hund von Baskerville“ auf eine Erzählung aus dieser Gegend beruht. Speziell in Sheringham und Cromer, den größeren Ort an unserer Küste, kursierte die Legende vom „Black Shuck“, einem großen schwarzen Hund mit einem leuchtend roten Auge – huch, ganz gruselig.

 Also, wir beide, die Oberchronistin und ich, hocken ganz nah am Master, wenn er uns die gruseligen Geschichten vom Black Shuck vorliest. Vorher haben wir alle Türen abgeschlossen und die Fenster zugemacht, die Vorhänge zugezogen und so. Unsere Flügelchen zittern vor Angst, also ich finde das ziemlich geil, wenn ich das sagen darf.

Geschichten von diesem Hund kursierten an unserer Küste seit Jahrhunderten und können bis auf Erzählungen der Angeln und Wikinger zurückverfolgt werden. Ihr müsst nämlich wissen, Norfolk war zu Anfang des 11. Jh. Wikingerland (Knut der Große besaß es und ließ es von Torkjell Høege regieren). In den Wikingererzählungen war dieser Hund fast pferdegroß und erschrak bei seinem Erscheinen Menschen zu Tode. Dass er „Shuck“ genannt wurde, geht auf das alte Norfolk-Wort „shucky“ für haarig zurück.
Das erzählte uns unsere liebkluge Lehrerin, die meinte, immer noch würde diese Geschichte nach einigem Bier in Norfolks Pubs erzählt. Heutzutage soll in der Tradition von Geistererzählungen der Black Shuck auf Friedhöfen und an Kreuzungen unverhofft auftauchen. „Dass Conan Doyle die Geschichte nach Dartmoor verlegte“, erklärte sie weiter, „hängt mit dem Zeitgeist zusammen: Dartmoor war der klassisch romantische Ort für Geistergeschichten, wohl wegen seiner gespenstischen Moorlandschaft und vielleicht auch, weil es dort seit 1195 das berüchtigte Gefängnis von Lydford gibt.“

Ihr kennt doch alle Sherlock Holmes, oder? Der Hund von Baskerville ist sein dritte Fall. Erinnert Ihr Euch an die Lady Adams aus meinem früheren Blog? Ja, solche Kappe trug auch sie immer.

Wir lernten viel über Cromer, dass so stolz auf seine literarische Vergangenheit ist, dass es auf der Promenade Steinringe mit Zitaten von Oscar Wilde, Elizabeth Gaskell und A.C. Swinburne anbrachte.

Der so schöne wie exzentrische O. Wilde wohnte 1882 in Cromers Hotel de Paris, das noch heute eines der bedeutendsten Gebäude Cromers ist, ein schlossartiger Backsteinbau oberhalb des Strands. Als Hotel hat es allerdings weitaus bessere Zeiten gesehen. Wilde schrieb dort an der Komödie „Eine Frau ohne Bedeutung“, die durch viele Personen etwas verwirrend angelegt ist und dem konventionellen Muster folgt, Frau aus einfachen Verhältnissen wird von einem Adeligen verführt, bekommt ein Kind und der Vater lehnt die Heirat ab.
Ein Verehrer Wildes, der zeitgenössische Autor und Schauspieler Stephen Fry (der es fertigbrachte, von vier Schulen in Norfolk verwiesen zu werden), bekam einen Studentenjob als Kellner in diesem Hotel. In seiner Autobiografie schreibt er, dass er gut verdiente, aber das Geld sogleich wieder für Cannabis, Zigaretten und Süßigkeiten ausgab. In dem 1997 veröffentlichten Kinofilm „Oscar Wilde“ spielte Fry die Hauptrolle, nämlich Oscar Wild. Außerdem wurde Fry als Sprecher von Harry Potter und des Kultromans „Per Anhalter durch die Galexis“ bekannt, er sprach auch Poo den Bären im englischen Hörbuch von Milnes „Winnie the Pooh“. Neben Wilde verehrt Fry den Autor P.G. Wodehouse. Wer dessen Bücher über den Butler Jeeves noch nicht kennt, hat einen Lacherfolg versäumt. Unser Master meint jedoch, ein Buch von Wodehouse zu lesen, ist köstlich, die anderen Bücher werden langweilig, da sich alle sehr ähneln. P.G. Wodehouse gibt es in deutscher Übersetzung und seine witzigen Bücher wurden auch verfilmt – und natürlich mit Stephen Fry in der Hauptrolle.

Mrs Gaskell, wie die Engländer ihre erfolgreiche Autorin des 19. Jh. nennen, schildert in „Nord und Süd“ einen Besuch ihrer Heldin Magaret Hale mit ihrer Tante in Cromer, „da dies der ideale Ort ist, um sich auszuruhen“.  Jane Austen war ebenfalls dieser Ansicht. In „Emma“ preist deren Vater, Cromer als das  beste Seebad Englands.
Swinburne schrieb sogar ein Gedicht über Cromer („A Haven“), von dem uns unsere Lehrerin den Refrain vorlas: „das Städtchen lächelt, ein warmes ruhiges Nest am Meer“.

SelmaFee begeisterte sich besonders für die Geschichte des englischen Dichters John Taylor, der zu Beginn des 17. Jh. wegen rauer See in Cromer anlanden musste. Er und seine Besatzung wurden als Seeräuber angesehen, verhaftet, später dann freigelassen. Darüber schrieb er ein Gedicht, in dem er Cromer als uralte Stadt auf einem Kliff preist.

Ich muss Euch allerdings sagen, Cromer hat seine große Zeit gehabt. In viktorianischer Zeit jedoch war Cromer der modischste Badeort Englands, der besonders beliebt wurde, nachdem Clement Scott den freilich etwas trivialen Roman „Poppyland“ 1886 veröffentlichte, der, wie könnte es anders sein, eine Liebe an der Küste Cromers schildert, die bekannt für ihre „Poppies“, die Mohnblumen, ist. Diese Küste wird in romantischten Tönen gelobt. Sie wurde  schnell „most fashionable“, es gab Poppyland Pafüm, Poppyland Seife und Shampoo, Tassen, Handtücher und all den Souvenierkram mit Poppyland. Noch 1985 produzierte der BBC einen Poppyland-Film und noch heute heißt eine Ferienwohnungsagentur, ein Verlag und was nicht alles Poppyland.

Das habe ich diese Woche in der FayrieSchule gelernt, toll nicht?! Wir fahren oft nach Cromer, um günstig einzukaufen, mehr hatte ich nicht gewusst. Was ich jedoch wusste: Der 1999 gedrehte Film „All the King`s Men“ wurde teilweise in Cromer gedreht und fürchterlich kritisiert, da der Norfolk Akzent der Schauspieler schlimmer als schlecht war (den Film über das Norfolk Regiment im Ersten Weltkrieg muss man nicht gesehen haben).

Liiebe Grüße aus Poppyland von Siri, BuchFee

Mich hat sie schon wieder vergessen zu erwähnen!
Tschüß! Bis zum nächsten Mal, Selma KnipsiFee

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk, 2011

Dorfklatsch

Veröffentlicht am
Dorfklatsch

Jeder liebt ihn, überall hört man ihn, manch eine Zeitschrift lebt von ihm. Der Klatsch! Die englische Autorin Elizabeth Gaskell zelebriert ihn in ihrem Roman „Cranford“, der von der BBC mit Dame Judy Dench vor drei Jahren als äußerst erfolgreiche Serie verfilmt wurde. Mrs Gaskell, die wie Jane Austen schreibt, verkehrte mit Charles Dickens und war mit Charlotte Bronte befreundet, deren erste, vielbeachtete Biografie sie schrieb. Ich, Siri BuchFee, sah gestern auf den Schultern des Masters gemütlich hockend die Cranford-DVD. Meine Schwester Selma lachte sich über die geizige Mrs  Jamieson mit ihrem Schoßhündchen schief und wie die Frauen über den jungen Doktor und Lady Ludlows Gartenparty redeten. Freilich spielt das alles in der  Mitte des 19. Jh., aber heute geht es in unserem kleinen Dorf am Meer nicht anders zu. Was meint Ihr, wie die über unseren Master klatschen …

„Show me someone who never gossips, and I’ll show you someone who isn’t interested in people.“  ~Barbara Walters

1810-1865Elizabeth Gaskell (1810-1865)

Und übrigens selbst bei der hochgebildeten Jane Austen wird wie z.B. in „Emma“ auch nicht an Klatsch gespart.

„Gossip is just news running ahead of itself in a red satin dress.“  ~Liz Smith

Vor ein paar Tagen kamen Freunde von der liiieben DinaFee und unserem Master zum Essen. Bereits bei der Einladung meinte Charles am Telefon, er hoffe auf den neusten Klatsch. „Oh dear!“, antwortete der Master betreten, er habe gar nichts gehört, das Dorfgerücht schweigt wie ein Grab. Charles meinte lachend: „Na, dann sorge einfach für Klatsch!“
„Ein Skandal?“

„Scandal is gossip made tedious by morality“  – Oscar Wilde

Bei einem Essen gehört in England der Klatsch dazu wie Salz und Pfeffer und er soll gesünder als Obst und Gemüse sein. Was soll ich Euch sagen, Klatsch ist hier salonfähig.

Still vor sich hinbrütend ging der Master seine Hände hinterm Rücken verschränkt, den Kopf vorgestreckt im klassischen englischen Explorergang im Bücherzimmer auf und ab. Meine Schwester Selma und ich hatten uns flugs in den Garten verzogen. Auf unseren gemütlichen Regalbrettern war es jetzt ungemütlich, dicke Luft herrschte, es knisterte vor Spannung.
Welch eine Erleichterung als Masterchen plötzlich in den Garten gestürmt kam. „Ich hab`s, ich hab`s!“ rief er fröhlich, „Charles und Caroline wissen sicher noch nicht, dass unsere Nachbarn verkaufen möchten.“ „Wow, der ideale Klatsch!“, pflichtete die liiiebe Selma im Apfelbaum sitzend bei und unsere liiiebe Dina erklärte, wie das eine Dorfgerücht meinte, der Nachbar habe Geldprobleme, das andere Dorfgerücht munkelte, dass er aufs Land ziehen wolle, um Frau und Tochter das Reiten zu erleichtern. „Oh, dieses Reiten, es scheint eine grassierende Krankheit in Norfolk zu sein! Stark ansteckend besonders unter Frauen“, rief Selma aus. DinaFee erinnerte, dass Anna Sewell – „eine Autorin aus Norfolk!“, warf der Master ein – weltberühmt mit „Black Beauty“ wurde, die Autobiografie eines Pferdes, die tausende von Mädchen in die Reitställe trieb, obwohl Sewell schrieb, es sei unverständlich, dass Reiten so beliebt sei, da man sich dabei leicht verletzt und oft die Pferde zu Grunde richtet.

 Anna Sewell (1820-1878)

Aber zurück zum Klatsch: Wir einigten uns schnell, dass des Nachbars Verkaufsabsichten der gesuchte Klatsch sei, da von unterschiedlichen Meinungen berichtet und Stellung bezogen werden könne. Flügelzitternd stellten wir uns vor, wie zwischen Hauptgang und Nachtisch, der übrigens auch bei keinem englischen Essen fehlen darf, über das Für und Wider, über Verarmung oder Pferdehaltung gesprochen wurde. Das Essen war gerettet, unser Master wieder fröhlich und noch fröhlicher wurden Master und Dina, als meine geschickte Schwester Selma anbot zu kochen.

Wie erwartet lief alles bestens. Charles und seine Freundin Caroline unterstützten, wie es sich gehört, jeder eine andere Version des Dorfgerüchts und ich saß mit Selma kichernd auf dem Leuchter. Wir suckelten kichernd unseren geliebten Cranberry-Himbeer-Traubensaft und ab und an machte ich mir Notizen in mein feines FeenBuch. Ich wusste inzwischen, dass der Nachbar gar nicht verkaufen will. Aber diese Nachricht war als Betthupferl gedacht. Sie wird von mir mit Zwinkern meiner großen blauen Augen erst beim Nachtisch präsentiert.

Das war`s von Eurer
Siri BuchFee

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk, 2011