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Schlagwort-Archive: illuminierte Handschriften

Dublin`s Fine Libraries: Trinity College

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Siri + Selma

Siri + Selma

Reisender kommst du nach Dublin, musst du unbedingt das Trinity College besuchen, wo Samuel Beckett, Oliver Goldsmith, Bram Stoker und Oscar Wilde studierten.

When Bookfayries visit Dublin they have to visit Trinity College. Scholars of this university have been Samuel Beckett, Oliver Goldsmith, Bram Stoker and Oscar Wilde, just to mention the most famous ones.

Trinity College 149_Hanne Siebers

Das Herzstück der Universität ist die Alte Bibliothek von 1732 mit ihrem Long Room. Als wir ihn morgens halb verschlafen noch mit Dina und Masterchen betraten, hat uns sogleich der Geruch von altem Pergament und der Anblick all der wuchtigen Ledereinbände betört und schwuppdiwupp waren wir hellwach. Also in diesem 64 Meter langen Raum werden in 80 Alkoven auf zwei Stockwerken die wertvollsten der 200.000 alten Bücher dieser Bibliothek aufbewahrt. Und wie in Carl Spitzwegs Bild „Der Bücherfreund“ kletterte  gerade ein spitznasiger, bebrillter Studierender auf die Leiter, um ein Buch aus dem Regal zu ziehen und es gleich oben noch aufzuschlagen. Während Dina eifrig fotografierte, rechnete Selma flugs aus, wenn sie jede Woche ein Buch dieser Bibliothek lesen würde, bräuchte sie etwa 3200 Jahre, um alle Bücher des Long Rooms zu lesen. Zum Glück sind wir Buchfeen ja unsterblich.

The library of the Trinity College is over 250 years old and unchanched since. The next time you are in Dublin you should plan a visit to the Long Room (time for a Guinness afterwards). In this 64 metres long room you will find the most precious of the 200.000 books in 80 alcoves on two floors. Entering the Long Room we immediately felt this is our paradise on earth. Like in Carl Spitzweg`s painting „The Booklover“ a thin scholar with a pointed nose and spectacles was standing on one of the old wooden ladders searching for wisdom in an old volume. When Dina was eagerly taking pictures Selma was even more eagerly calculating that even she as an Bookfayrie would need 3200 years to read every book in this room if she would read one book weekly. But so what, Bookfayries are immortal.

Long RoomFoto: Hanne Siebers

Long Room
Foto: Hanne Siebers

Der Long Room ist leer, weil wir einen Fototermin vor der Öffnungszeit hatten. Unten im Bild seht ihr die Alkoven und dass sich auch hier die Reagalbretter unter gewichtigen Werken biegen. So ein Alkoven mit 50 Regalmetern, das müsst ihr wissen, ist die schickste Wohnlage für eine Buchfee.

There is nobody in the Long Room becauce we were booked for our photosession before opening time. In the following picture you see those alcoves with bending shelves under old wisdom. Such an alcove, with 50 running meters of shelving, is the most poshest address for a Bookfayrie.

Long Room_Alcove

Untersuche es [das Book of Kells] sorgfältig und du wirst zum Heilgtum der Kunst vordringen
Giraldus de Barri (12. Jh.)

Als größter Schatz dieser Bibliothek wird das “Book of Kells” betrachtet, „eines der ältesten Bücher der Welt“, wie Masterchen erklärte. Es enthält die vier Evangelien des Neuen Testaments und lockt jedes Jahr Hunderttausende Besucher an. Immer zwei der aufwendig illuminierten Seiten sind unter Glas zu bewundern. Alle drei Monate blättert ein Bibliothekar in weißen Schutzhandschuhen mit ehrfürchtiger Geste eine Seite weiter. Auf den beiden folgenden Bildern blättert jedoch Masterchen für euch 😉

Study the Book of Kells meticiously and you will reach the holy kingdom of art
Giraldus de Barri (12th c.)

The greatest treasure of this library is The Book of Kells, „one of oldest book of mankind“, as our Master was explaining. It`s an intricate illuminated text of the four gospels and a touristic highlight of Ireland attracting hundered thousands of visitors each year. Two of the pages are on display under glas. A librarian turns the pages with white gloves and with a reverential gesture every third month. On the two following pictures our master is turning the pages for you – without gloves, oh dear.

(Für alle Bilder gilt: klick = groß)
(klick for enlarging, plaese) 

Master_BOK1

Sieht toll aus, oder?
Diese Handschrift ist um das Jahr 800 wahrscheinlich auf der Hebrideninsel Iona gefertigt worden und dann zum Kloster Kells (etwa 60 km im NW von Dublin) gebracht worden – es kann allerdings auch im dortigen Scriptorium geschrieben worden sein. Wahrscheinlich scheint uns jedoch, dass es von den Mönchen auf Iona vor den Wikinger gerettet worden ist (nur wohl weniger dramatisch als die Rettung der Manuskripte aus dem Kloster St. Gallen durch Wiborada, die dafür zur Schutzheiligen der Bibliotheken und Bücherfreunde gekürt wurde). Der lateinische Text auf 340 Pergamentblättern ist mit 678 Miniaturen, kunstvoll gestalteten Initialen und Symbolen reich illuminiert. Eine Besonderheit sind die ursprünglich leeren Seiten, auf denen Urkunden des Klosters Kells aus dem 12 Jh. niedergeschrieben wurden.

Looks breathtaking, doesn`t it.
This masterpiece of the art was (probably) written and illuminated on Iona (Hebredies) around 800. It was taken to the monastery of Kells (about 60 km NW of Dublin). A few historians reckon it to be written in the scriptorium of Kells. We Bookfayries are very sure, that it was written by the monks of Iona and saved of Viking rage to Kells (probably not as dramatic as the saving of the manuscripts by Wiborada at St. Gallen who became the patron of libraries and booklovers for it). The text is written in Latin on 340 parchment pages and highly illuminated with 678 miniatures, initials and symbols. Extraordinary are the original blank pages which were used to write down deeds of the Kells monastery in the 12th century. 

Master_BoK2

Das hatten wir Buchfeen eifrig in Masters dicken Werken zur sogenannten „insulären Buchkunst“ recherchiert. Aber, ehrlich gesagt, was wir genauso spannend fanden, ist die Geschichte dieser Handschrift. Stellt euch vor, sie wurde 1007 aus der Klosterkirche zu Kells gestohlen. Nicht dass die Diebe frühe Buchsammler waren, sondern sie waren hinter seinem wertvollen Einband her, der heute als verloren gilt. Also die Diebe haben das Buch vergraben, aber erstaunlicherweise wurde es kurz danach wiedergefunden. Selma meinte, da sei sicher Verrat im Spiel gewesen. Auf jeden Fall war das Buch wieder da und Cromwells Soldaten brachten es dann 1654 nach Dublin in Sicherheit. Wir können euch sagen, dies war ein großes Glück, denn eigentlich waren Cromwells Leute jeder Abbildung feindliche Bilderstürmer.

All this we read in Masters big volumes about the art of illumination and the Celtic Island Style. But equally thrilling is the history of this book being stolen in 1007 from the church of the Kells monastry, hidden in the ground and found later. Those thieves have not been booklovers, not at all, they were after the precious stones and the gold of the binding, which is still lost. In 1654 troops of Cromwell took the book to Dublin to save it. Oh dear, that was lucky, because the Cromwell people were iconoclasts – but that book was too holy to be touched, we think.   

BookofKells_Coll2

Masterchen erklärte zum Buch selbst: „Wahrscheinlich aus Sparsamkeit wurde es in platzsparenden Minuskeln geschrieben. Es war schon teuer genug, für das Pergament die Haut von 150 Kälbern zu bekommen und dann noch die Farbpigmente. Bei ihnen sparte der Illustrator nämlich keineswegs, statt des üblichen Indigos benutzte er ein Lapis Lazuli Pigment, das damals den Wert von Gold überstieg.  Er malte in stark konturierten Farben flächig stilisiert, also ohne Perspektive wie im byzantinischen Stil.“ Uns Buchfeen haben speziell die verschlungen Verzierungen fasziniert. Masterchen hatte uns nämlich zuvor von dem Bonner Kunsthistoriker Günter Bandmann erzählt, der meinte: „Das Zauberreich des Mittelalters ist das christliche Paradies, das durch Ornamente vergegenwärtigt […] wird.“ Auf dieses Zauberreich waren wir gespannt.

Our Master explained: „The Book of Kells is written in minuscles to save space probably because of the lack of money. It was expensive enough to buy the parchment for which skins of 150 calves were needed. And then think about the pigments! The illustrators did not save there. Instead of indigo they used lapis lazuli (a precious stone) which was in their times more valuable than gold. The illustrations are all painted in contrasting colours and don`t show perspective like in the Bycantine style of that time.“ The German art historian Günter Bandmann wrote: „The medieval realm of magic has been the christian paradise which was represented by ornaments“. We Bookfayries were so keen exploring this magic!   

BookofKells_Coll_1

Dazu muss man, wie wir jetzt wissen, sich die Chi-Rho-Seite (Initialseit, fol. 34r, zu Beginn des Matthäus-Evangeliums, mit dem Monogramm Christi XR) anschauen (unteres Bild). Na, was entdeckt ihr denn alles da? Klar doch, diese Seite ist das erste Suchbild der Buchgeschichte. Gelehrte nehmen an, dass zur Erstellung dieser Seite der Illustrator mehr Zeit gebraucht hat als für die Gestaltung all der übrigen Seiten des Book of Kells.

We knew to experience this magic we had to drown into the Chi-Rho-page (the beginning of the gospel of Matthew with Christ`s monogram XR).
What do you see in following picture? Well, we suppose this is the first rebus (puzzle picture) in the history of books. It took the illustrator more time for producing this one page than producing the rest of the book.

ChiRhoa

Wir wurden fast wirr im Kopf, selbst unsere buchgewohnten Feenaugen verdrehten sich angesichts dieser verschlungenen geometrischen Formen. Erst beim näheren Hinschauen entdeckten wir Geschichten realistisch und ganz klein in diese Verschlingungen eingefügt. Ein Otter hat dort einen Lachs gefangen, eine Mäusefamilie knabbert an einer Oblate und die Katze lauert schon, der Leib Christ darf natürlich auch nicht fehlen. Das alles soll die Einheit unseres Kosmos ausdrücken, denken wir. Nicht nur wir Buchfeen vermuten magische Praktiken des Schnur- und Knotenzaubers als Ursprung dieser Verschlingungen.

We went crazy and even our Bookfayrie eyes, being used to watch illustrations, gave up following these intertwined shapes. If you enlarge this page you will discover whole stories told in tiny pictures. An odder caught a salmon, a family of mice is nibbeling a host while the cat is waiting, and, of course, the body of Christ is there, too. All this is supposed to show the unity of our universe – at least we think that. And not only we Bookfayries believe that the origin of all this is the ancient magic of knots and strings.

Einige behaupten, im Book of Kells sei eine Warnung versteckt, die jedoch bislang keiner gefunden hat. Wir finden das zwar spannend, aber zugleich klingt uns das zu sehr nach Weltuntergangsphantasien, die z.Zt. wieder in esoterischen Kreisen beliebt sind. Weiteres darüber könnt ihr hier lesen. Die Abbildung weiterer Seiten und Kommentare findet ihr hier und, wenn euch dieser Artikel gefallen hat, vergesst nicht Dinas Blog mit mehr Bildern vom Long Room und deutschem und englischem Text zu besuchen.

Some speculate about a hidden warning in the Book of Kells. But nobody has found it yet. Thrilling isn`t it? But we believe these speculations are apocalyptic phantasies which are very much en vogue at the moment. If you really want to read more about it do it here, please (in German). Some more pages of the Book of Kells with English explanations you will find here (in German) and don`t forget visiting Dina`s blog where she shows a lot more pictures of the Long Room with English and German text.

Nun aber Schluss mit all den mittelalterlichen Schriften. Es verabschieden sich lieb die Buchfeen
That`s enough of medieval manuscripts, isn´t it. With love
Siri und Selma

Dublin`s Fine Libraries: Chester Beatty Library

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Siri + Selma

Siri + Selma

Nachtrag zur Marsh`s Library von Selma Buchfee:
Sie gehört zu den „haunted libraries“, in der ihr Gründer Narcissus Marsh nächtens als Geist herumwandert und in den alten Büchern einen Brief von seiner Nichte sucht. Wir sind ihm nicht begegnet, obwohl wir als Buchfee ein Gespür für Geister haben.
Selma`s amendment:
It is said, that Marsh`s Library is haunted. Narzissus Marsh has been seen wandering around to find a letter from his niece in the old books. Unfortunately we didn`t met this famous bookcollector.

***

Wisst ihr, dass Chester Beatty (1875-1968) einer der erfolgreichsten Sammler alter Handschriften und Bücher des 20. Jh. war? Wir staunten nicht schlecht, als wir hörten, wie er als erfolgreicher Bergbau-Ingenieur und Unternehmer bereits in seiner Jugend Millionen verdiente (dass er Kriegsgewinnler war, verschweigen wir lieber). Er sammelte westliche, islamische und ostasiatische Papyrustexte, Handschriften und frühen Bücher, wobei er nur die seltensten Ausgaben kaufte. Übrigens als „analer Charakter“, wie Masterchen ihn diagnostizierte, sammelte er nicht nur das, sondern alle möglichen seltenen Kunstobjekte.

Chester Beatty (1875-1968) was one of the greatest collectors of old scriptures of the 20th century. Already in his youth he made millions as a mining engineer and entreponeur. He spent his money for his Western, East-Asian and Islamic collection. But he was very choosy only buying excellent work of art. We, the bookfayries Siri and Selma, were very thrilled about his collection of Western illuminated manuscripts from the Caroligan and Ottonian periods.

Masterchen, mit seiner Liebe zu illuminierten Handschriften, belehrte uns, dass wir in dieser Bibliothek bestens die Entwicklung der Buchmalerei und der Schrift studieren könnten. Staunend betrachteten wir die reich illuminierten Handschriften der karolingischen und ottonischen Periode (Ende des 8. bis Ende des 11. Jh.). Eine der frühsten Buchmalereien entdeckten wir in einer Handschrift des Evangeliums des Johannes (um 600), ein koptischer Text mit seitlichen Verzierungen am Schriftblock und sogar bereits Minaturen, alles in harmonischen Erdfarben gehalten. In dieser Zeit begannen die ersten Schreiber, ihre Texte zu dekorieren, was jedoch bis ins 8. Jh. sehr schematisch geschah: neben kleinen Verzierungen am Schriftblock wurden auf meist ganzseitigen Miniaturen fast immer einer der vier Apostel schreibend oder lesend an einem Pult dargestellt. Spannender wird es dann um 1000, die Schreiber benutzten nun ausgiebigst Silber und Blattgold, Pigmente aus Edelsteinen und Mineralien, mit denen sie freudig Iniatialen ausmalten.

Our Master, having been a specialist for Gothic illuminated manuscripts, told us lots and lots about the development of the art of illumination. We were surprised about the sophistication of this art. We found the earliest illumination in a coptic text of the Gospel of St. John (around 600) but the real goodies were produced from the 8th century onwards, although they followed more or less the same sheme in the beginning. One of the apostles is sitting on a writing desk writing or reading. Around 1000 the illuminations are getting much more vivid as the artist began to use silver as well as gold, pigments from precious stones and minerals (before they rather used earthern pigments) and they presented a broad spectrum of scenes.

ausgemalte Initialen (allerdings in einem späteren Text)Foto: Hanne Siebers

ausgemalte Initialen (allerdings in einem späteren Text)
Foto: Hanne Siebers

Bewohnte Buchstaben kamen in Mode, da findet man Menschen, Tiere, Pflanzen in den Buchstaben. Wir haben sie als Suchbildchen betrachtet, doch müssen wir auch sagen, dass manche Initialen derart ausgemalt und verziert sind, dass wir den Buchstaben gar nicht mehr lesen konnten und oftmals war dazu alles miteinander verbunden, wie ihr es sicher von der keltischen Buchmalerei her kennt. Originell fanden wir eine Abbildung in „De Civitate Dei“ (1100, geschrieben in Latein in karolingischen Minuskeln) in der ein nackter sitzender Mann quasi um 90 Grad gedreht ein E bildet. Ab etwa 1100 (in der Gotik) verbinden sich in der Buchmalerei  Miniatur und Dekoration zu bunten Bildern und Mustern. Wir fanden ganzseitige Miniaturen und kleinere im Text und der Innenraum der Initialen wurde ebenfalls für kleine Miniaturen benutzt. Nun wurden die Handschriften richtig bunt. „Miniatur“ heißt „in Farbe malen“, wie Masterchen erklärte.

Inhabited letters came into fashion. You find people, animals and plants drawn into the loop of letters. In those initials we found little worlds but some were that much decorated that you cannot make out which letter it should be. In the Gothic period the illumniations become more and more colourfull, partly intertwined like in „The Book of Kells“ and miniatures became very important.

ill. HS

Gotische Prachthandschrift
Foto: Hanne Siebers

In der Gotik, wie ihr oben seht, kommt Leben in die Handschriften. Neben künstlerische gestalteten Initialen und Miniaturen in zweifarbig geschriebenen Texten fanden wir auch Kolumnentexte wie in der Abb. oben. Wir Buchfeen bekamen entzücktes Flügelflattern bei der Betrachtung der üppigen Seitenverzierungen in Gold, die ihr in den beiden folgenden Bildern bewundern könnt.

Above you see a Gothic Manuscript which intials are artfully painted by the scribe who used two colours for writing text too and did write column-texts on either sides (which is extraordinary).  

Chester Beatty Library, Dublin, 2012 Foto: Hanne Siebers

Handschrift von Jacopo Avanzi illuminiert (Padua 14. Jh.)
Foto: Hanne Siebers

Das Besondere an dieser Prachthandschrift oben ist nicht nur die blattvergoldete Initiale, sondern auch die in der Grisaille-Technik (Graumalerei) gestaltete Miniatur. Avanzi war ein Schüler Giottos und von daher erklärt sich die Plastizität in der Darstellung von Menschen Tieren. Typisch dagegen sind trotz des Grautons die starken roten und blauen Farbakzente, die auch die Verzierungen im unteren Blatt prägen.

Do you see the golden initial on the Manuscript (above)? Gold was important as well as red and blue because those were the most precious colours. Unusal is the the Grisaille-Technique (Gray-Painting) of the miniature. The artist Avanzi has been a follower of Giotto and therefore this plastivicy of figures and animals.

Gotische Prachthandschrift mit BlattgoldverzierungFoto: Hanne Siebers

Gotische Prachthandschrift mit Blattgoldverzierung
Foto: Hanne Siebers

Solche Rankenmuster, wie in dem Blatt oben waren in der gotischen Buchmalerei äußerst beliebt, wurden jedoch nur bei Prachtausgaben benutzt.

Such sophicated tendrils, like in the page above, were only used in special manuscript for rich customers who provided the gold as well as Lapis Lazuli for the blue and purple for the red.

Ab der Gotik werden nicht nur stereotyp christliche Themen dargestellt, sondern Szenen aus dem Alltagsleben. Da streiten sich Jungen und Esel reiten auf Hunderücken, wie wir im Stundenbuch des französischen Admirals Coetivy von 1443 sahen, der übrigens neben dem Duc de Berry der größte Buchsammler seiner Zeit war. Ja, das 15. Jh., das erkannte unser Buchfeenauge gleich, war der Höhepunkt der europäische Buchmalerei, obwohl damals gerade die ersten Bücher gedruckt wurden – oder vielleicht gerade deswegen, da ein illuminiertes Manuskript ein Unikat darstellt, ein gedrucktes jedoch nicht mehr. Es setzt das Zeitalter der Reproduzierbarkeit in der Textkunst ein. Zum Glück hatten wir in der Buchfeenschule über Walter Benjamins kluges Buch „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reprozierbarkeit“ gesprochen, um diesen enormen Einschnitt zu verstehen.

By the end of the Gothic periode not only Christian manuscript were produced but worldly texts as well beginning with texts from the Greec and Roman classic periode. The following Renaissance was the high time of illuminated texts although printing started then. But as the illumniated manuscript was unique with printing started the reproduction. A new aera of art had began. 

Und was uns gleich auffiel: Mit dem Aufkommen des Buchdrucks in der Renaissance bleibt zwar das Seitenlayout weitgehend dem der illuminierten Handschriften gleich, aber zunehmend wird die massive gotische Minuskel aufgegeben zu Gunsten von leichteren Schrifttypen. Der Platz für die Initialen wurde zunächst im frühen Buchdruck ausgespart und nach dem Druck wurden die Schmuckinitialen per Hand gemalt.

The first printed books – so called „Wiegendrucke“ – followed in their layout the Gothic manuscripts. The initials were left out and later painted on the page by hand. The typesetting changed from the heavy Gothic minuscles to a lighter typeface.  

Und um zu zeigen, dass die Buchmalerei nicht ausgestorben ist, zeigen wir euch unten eine limitierte Ausgabe, die von Henri Matisse gestaltet wurde. Solche modernen illuminierten Ausgaben werden heute hauptsächlich von Druckern in England und Frankreich hergestellt.

The picture down under shows you that the art of illumnation has not died. It`s a poetry book with illumnations by Henri Matisse. Nowadays such artwork in books is printed by specialized printers mainly in England and France.

Poéms de Charles d`Orléans, Buchmalerei Henri Matisse (2001)Foto: Hanne Siebers

Poéms de Charles d`Orléans, Buchmalerei Henri Matisse (2001)
Foto: Hanne Siebers

Außerdem sammelte Chester Beatty Koran-Ausgaben. Durch das Abbildungsverbot im Islam, finden wir, wie bei der Prachtausgabe unten, keine figürlichen Illuminationen in den Texten aber nicht-figürliche Verzierungen.

Chester Beatty did collect Qur`an editions as well. As figural illustration is forbidden in the Islamic world the scribes did decorate their texts with non-figural, mostly geometric patterns like in this Qur`an (from the middle ages) you see here:

Mittelalterliche Prachtausgabe des Koran
Foto: Hanne Siebers

Außerdem wurde häufig, wie an dem Beispiel unten die Schrift als grafisches Element stilisiert. In dieser Bibliothek, die berühmt für ihre Koran-Texte ist, kann man gut die unterschiedlichen arabischen Schriften unterscheiden, in der Koran geschrieben wurde. Die meisten Koran-Ausgaben stammen aus dem 9. bis 14. Jh.

Besides non-figural illumnations the  Qur`an shows quite often masterpieces of calligraphy. The writing is used for its graphic effect.
Most  Qur`ans from this collection are from the 9th to the 14th century.

Koran-Prachtausgabe in arabischer Kunstschrift geschrieben(Foto: Hanne Siebers

Koran-Prachtausgabe in arabischer Kunstschrift geschrieben
(Foto: Hanne Siebers

Leider ist die Chester Beatty Bibliothek keine „richtige“ Bibliothek, d.h. hier stehen keine Bücher in Regalen, sondern Handschriften und Bücher werden der Öffentlichkeit in Vitrinen mit Panzerglas in temperierten Räumen präsentiert. Allerdings ist die Präsentation sehr stimmungsvoll. Aber das ist keine Kuschelbibliothek wie Marsh`s Library. Hier würden wir nicht einziehen wollen. Aber diese Bibliothek war 2002 zum European Museum of the Year gekürt worden.
Eine Ausstellung in dieser Bibliothek ist der Entwicklung der Buchbindung und Präsentation von Texten gewidmet. Im unteren Bild seht ihr zwar kein Palmblatt und Papyrus (die es hier auch zu bewundern gibt), sondern die Schriftrolle, das gefaltete und das gebundene Buch (das schräggestellte Buch rechts ist ein deutsches Werk über Trachten).

Unfortunately the Chester Beatty Library is more a museum than a library. You don`t find shelves filled with old books. Everything is presented under glas in showcases. But it is presented very well. This library was chosen the European Museum of the Year in 2002.
In the different rooms you find an exhibition of the development of the presentation of texts and bookbinding. In the following picture you see these different forms of text presentation: the scroll, the folding book and bound and printed books.

Kasten: Textpräsentation
Foto: Hanne Siebers

Die folgende Schriftrolle fanden wir besonders ehrwürdig. Es ist ein hebräischer Text aus dem 17. Jh. (die sogen. „Thora und Esther Scxhriftrolle“)Diese Rarität haben wir lange auf uns wirken lassen.

We bookfayries were thrilled by this scroll . It`s a Hebrew parchment from the 17th century, the so called „Thora and Esther Scroll“.

Schriftrolle, lateinischer Text
Foto: Hanne Siebers

Zum Abschluss noch zwei Schätze der Bibliothek: Der Weltatlas von Blae(us) (17. Jh.). Zu Beginn des 17. Jh. löste sich die Kartografie von den ptolomäischen Weltbild und es wurden Atlanten mit Kupferstichdruck und reichen Barockverzierungen verlegt. Mercator und Ortelius waren die Vorreiter dieser neuen Form von Karten und Atlanten. Unten seht ihr den berühmten Atlas von Blaeus, der 1665 sogar mit Seekarten erschien.

Last not least two treasures: First the Atlas of the world by Bleaus or Bleak. At the beginnig of the 17th century cartographers started to give up the Ptolomaen idea of our world.  Now started the printing from etchings with rich Baroque decorations. Mercator and Otelius have been among the first producers of those atlasses. You see here the famous atlas of Blaeus which was edited even with maps of the sea in 1665. 

Weltatlas von Blae(us)
Foto: Hanne Siebers

und eine ungewöhnliche astromische Handschrift (gebunden, 16. Jh.) mit eingearbeiteten Drehscheiben.

And this a extraordinary astromonical bound manuscript from the 16th century with moving plates on one page.

Gebundenes astronomisches Manuskript (16. Jh.?)
Foto: Hanne Siebers

Leider konnten wir nicht alles zeigen. Wir entschuldigen uns bei Tantchen, dass wir keine Artefakte aus der buddhistischen Abteilung präsentieren, aber in den stark verdunkelten Räumen war es nicht leicht für Dina durch das Panzerglas zu fotografieren.

Sorry that we could show you more and there is so much more like a huge Buddhistic collection and pictures, too.
The following books are in German, sorry!

Noch ein Tipp von uns Buchfeen: Detailliertere Infos zu illuminierten Handschriften findet der interessierte Laie in dem „Lexikon der Buchkunst und der Bibliophile“, Hg. Karl Klaus Walther (Saur Vlg., München 2006) und in Grimme, Ernst Günther: Geschichte der abendländischen Buchmalerei (Dumont Vlg., Köln 1988) – beide Bücher haben wir kurz mal aus Masterchens Bibliothek gemopst.

Love
Liebe Grüße
eure Buchfeen Siri und Selma 🙂 🙂

Weitere Fotos aus dieser Bibliothek findet ihr auf Dinas Blog.
More pictures of this Library: here.

Wir danken ganz herzlich der Chester Beatty Library für die Fotoerlaubnis 🙂 und möchten euch bitten zu beachten, dass das Copyright dieses Artikels bei Klausbernd Vollmar und Hanne Siebers liegt. Ferner bedanken wir uns für sachkundige Privatführung.
Many thanks to Chester Beatty Library for the permission to take pictures and for the great private tour through the collection. Please respect the copyright of text and pictures by Klausbernd Vollmar and Hanne Siebers