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Axel, Marianne, Leonard

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Das Wort normal verursacht mir Erstickungsqualen. Ich muss an andere unheimliche Worte denken wie gemeinsamer Nenner oder Lochkarte.
Axel Jensen „Ikaros“

The word normal makes me suffocate. It reminds me on other eery words like common denominator or punchcard.

Könnt ihr euch an Leonard Cohens Song „So long, Marianne“ erinnern?
Do you remember „So Long, Marianne“ by Leonard Cohen?

Drei Jahre zuvor (1964) hatte Cohen seinen viel beachteten Gedichtband „Flowers for Hitler“ nicht nur dieser Marianne gewidmet, sondern in ihm auch zwei Gedichte „For Marianne“ und „Waiting for Marianne“ aufgenommen. Wer war diese Marianne?

Cohen had dedicated his much discussed book of lyrics „Flowers for Hitler“ three year before that song, but not only that, you find in this book two  poems „For Marianne“ and „Waiting for Marianne“. Who was this Marianne?

Marianne war die Freundin und spätere Frau des norwegischen Autors Axel Jensen, die heute in Oslo lebt. Sie war mit Jensen nach Hydra in Griechenland gegangen, wo die beiden sich mit Leonard Cohen befreundeten, eine Freundschaft, die bis über Jensens qualvollen Tod (2003) anhalten sollte. Cohen wurde in Hydra Mariannes Liebhaber und Jensen der Liebhaber von Cohens Freundin Lena.
Es wird vermutet, dass die Figur Lorenzo in Jensens Roman „Joacim“ Cohen nachgebildet wurde.

Marianne was the girl friend and later wife of the Norwegian author Axel Jensen. She lives today in Oslo but in the sixties she went with Jensen to Hydra, the Greec Island, where the couple became soon friends with Leonard Cohen, a friendship that should last beyond Jensens agonizing death in 2003. Cohen became Marianne`s lover and Jensen the lover of Cohens Girl friend Lena.
It`s assumed that the literary figure of Lorenzo in Jensens novel „Joacim“ was modelled after Cohen.

Mit hat es verwundert, dass mich erst Dina auf diesen norwegischen Autor aufmerksam machte, denn er und ich haben einiges gemeinsam. Wir beide trafen Cohen und Marianne. Jensen beschreibt in seinem lesenswerten Road-Roman „Ikaros“, der dieser Marianne gewidmet ist, eine Reise nach Tamanrasset/Sahara, die ich etwa zehn Jahre später unternahm, außerdem hat er sich wie ich eingehend mit Gurdjieff beschäftigt, über den er kurz vor seinem Tod die Biografie „Guru – Glimpses from the World of Gurdjieff“ schrieb. Doch leider sind Jensens Bücher in Deutsch nur noch antiquarisch zu erhalten, obwohl die englischsprachige Literaturkritik ihn mit Allen Ginsberg und William Burroughs vergleicht.

I was quite astonished that I hadn`t heard of Jensen before Dina mentioned him to me commenting we have much in common. We both met Cohen and Marianne. Jensen describes in his novel „Ikaros“ – worth reading! – his journey to Tamanrasset/Sahara, a book that`s dedicated to Marianne. This journey I made about ten years later. Furthermore he studied like me  Gurdjieff and wrote the book „Guru – Glimpses from the World of Gurdjieff“ shortly before his death. Jensen`s books are compared with the writings of Allen Ginsberg and William Burroughs by critics.   

Ich. Ja, wer ist das eigentlich, ich?
Axel Jensen „Ikaros“

I, well who is that, this I?

Axel Jensens „Ikaros“ ist ein erotischer Road-Roman, der mir auf Anhieb gefiel, mehr noch als Kerouacs Klassiker „On the Road“. Jensen nimmt sich Zeit bei der Beschreibung von Stimmungen, die nie langweilig wirken. Der Roman erzählt streng linear in der Ich-Form ein spannend zu lesendes Abenteuer, wobei er sich jedes romantischen Klischees enthält. Wie bei allen frühen Romanen von Jensen – später schrieb er SciFi-Literatur – endet das Abenteuer statt in der Befreiung im Desaster.
Mir hat an diesem Roman speziell die unaufdringliche spirituelle Dimension gefallen, die an Ouspensky (der im Roman kurz erwähnt wird) und Gurdjieff erinnert. Ich verleihe ihm das Prädikat „sehr lesenswert“.

Axel Jensen`s „Ikaros“ is an erotic road-novel I immediately liked. Actually I prefer it to Kerouacs classic „On the road“ which is too speedy for my taste. Jensen takes his time describing the atmosphere very vivid without becoming boring. The novel is written in a linear way from the perspective of the literary I. It`s a fascinating adventure to read as he avoids romantic clichees. This adventure does not end in freedom but in desaster like in all the early novels by Jenesen – later he wrote SciFi-literature.

Die Hoffnung ist in dem wunderbaren Boden zu finden, welche der Blume des Bewußtseins Wachstum verleiht.
Axel Jensen „Ikaros“

Hope is to be found in the miracolous earth which makes the flower of consciousness grow.

Mit herzlichen Grüßen aus meiner Bibliothek
Love to you all from my cozy library
Klausbernd

Pictures courtesy to Leonard Cohen from his Marianne-Files and to Hanne Siebers for the collage opening into a picture gallery.