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Heroes

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Helden

Heutzutage ist es ein Handwerk, Forschungsreisender zu sein; ein Handwerk, das nicht, wie man meinen könnte, darin besteht, nach vielen Jahren intensiven Studiums bislang unbekannte Tatsachen zu entdecken, sondern eine Vielzahl von Kilometern zu durchrasen und – möglichst farbige – Bilder oder Filme anzusammeln …

Today being an explorer is a craft, a craft that doesn`t search for the unknown after intensive studies for years but hurrying many miles to collect coloured pictures or films … 

Claude Lévi-Strauss, Traurige Tropen (A World on the Wane)

Hiermit schließen wir unsere Posts über den Norden ab. Seid ihr froh? Es hat Spaß gemacht, uns aus Masterchens Manuskripten zu bedienen. Da unser Beitrag über die Hölle ein derartiger Erfolg war, arbeiten wir beide emsig an einem über Teufelsvorstellungen. Lasst euch überraschen – und immerhin ist der Teufel doch auch ein Held 😉

This is our last post about the North. We really liked it to use our Master`s old manuscript. As our post about the hell was such a success we are now busy studying the image of the devil. Let yourself be surprised – anyhow the devil is a kind of hero too, isn`t he?

Nachdem der Norden als Eingang zur Hölle geträumt wurde, schlägt das Pendel um: Er wird zum diesseitigen Ort der Fülle. Das spirituelle Interesse paradiessuchender Mönche wandelt sich in ein kommerzielles. Zuerst die Wikinger, später die Walfänger suchten hier ihr Glück. Martin Frobisher hoffte vergeblich auf Gold, als er eine Schiffsladung von wertlos glitzerndem Kies nach England brachte, andere suchten den kürzesten Weg zu den Schätzen des Fernen Ostens.

The dream of the North as the entrance to hell was soon replaced, it became the secularistic place of abundance. The spiritual interest of the monks searching paradise changed to a commercial interest. First the Vikings then whalers tried to find their fortune here. Martin Frobisher hope for gold was all in vain when his gleaming gravel he brought to England turned out to be worthless. Others were looking for the shortest passage to the treasures of the East.

Old whale bone (N Greenland)

Old whale bone (N Greenland)

Diese Träume waren kompensatorisch, denn im mittleren Europa waren weite Bevölkerungsschichten verarmt. Die bewusst eingesetzte Vorstellung vom reichen Norden versprach ein Entkommen aus der Misere im eigenen Land. Solche Propaganda, die seit Erik dem Roten verbreitet wurde und zur Bezeichnung Grönland (grünes Land) führte, zog Kühne gen Norden, ein Abenteuer, das allerdings nach dem Ende der mittelalterlichen Warmzeit um 1300 ein abruptes Ende fand. Als alle Wikingersiedlungen auf Grönland um 1350 aufgegeben waren und Grönland aus dem Bewusstsein der südlicheren Völker verschwand, wurde der Traum vom Norden ambivalent. Nach wie vor blieb der Norden zwar das Land der Fülle, aber zugleich wurde Ultima Thule zum gefährlichen Ort. Besonders gegen Ende der Siedlungsepoche erschienen den Nordmännern die Inuit als Inkarnation des Bösen, wenn sie auch mit Neid erkannten, dass deren Jägerkultur in der kälter werdenden Arktis im Gegensatz zu ihrer Ackerbaukultur überlebte.
Als zur Zeit der Reformationskriege Mitteleuropa eine große Armut erlebte, wurde der Schatten der Arktis verdrängt. Der Traum von der Fülle nahm wieder überhand und ließ den Wal- und Walrossfang hauptsächlich der Holländer und Engländer entstehen. Gleichzeitig träumte man vom kurzen Weg zu den Schätzen des Ostens. So begann die Suche nach der Nordost- und Nordwestpassage, die bis ins späte 19. Jahrhundert anhielt.

All these drams were compensatory as in Europe most of the people were very poor. The idea of the treasures of North produced a hope for escaping a miserable life. Such propaganda was spread since Eric the Viking and gave Greenland its name. The brave sailed up North, an adventure that came to sudden end with the end of the medieval warm interval around 1300. When all the Viking settlements were given up at 1350 Greenland and the high North vanished from the mind of the people in the South. The dream of the North became ambiguous. The North was on one hand still a land of wealth but on the other hand it turned into a dangerous place. At the end of the settlements up North the Inuit became incarnations of the evil when the settlers had to acknowledge with envy that the culture of hunters would survive in the North getting colder whereas the farming culture would vanish.

Walrusses had been brutally killed for their ivory by the hundreds mainly in the 17th and 18th c. (Svalbard)

Walruses had been brutally killed for their ivory by the hundreds mainly in the 17th and 18th c.
(Svalbard)

Das Bild vom Norden hatte sich seit dem späten 15. Jahrhundert vollständig kommerzialisiert. Es ließ John Cabot im Mai 1497 von Bristol über den Pol nach China aufbrechen – eine Unternehmung, auf der einiges außer der Seeweg nach China entdeckt wurde. Der gebildete englische Walfänger William Scoresby war einer der wenigen, der erst im 19. Jh. an der Realisierung dieses eitlen Traums zweifelte. Für uns Buchfeen ist Scoresby einer der scharfsinnigsten Beobachter des Eises, den übrigens Melville in „Moby Dick“ zitiert. Sein Buch „Das Eis der Arktis“ von 1815 kann man noch heute mit Genuss lesen.

The image of the North was fully commercialized since the late 15th c. It made John Cabot sail across the North Pole to China in May 1497, as he planned it, and he discovered quite a lot except the passage to China. The highly educated English whaler William Scoresby was among the very few who doubted that there was ice free way to the East across the North Pole – but that was not before the 19th c. We Bookfayries honour Scoresby as one of most perceptive observer of the ice. He is quoted in Melville`s „Moby Dick“ and his book „The Ice of the Arctic“ from 1815 is still worthwhile reading.

Moby Dick - illustration of an early edition (not R.Kent, but impressive)

Moby Dick – illustration of an early edition (not R.Kent, but impressive)

Herman Melville: Moby Dick (ungekürzter Text in Neuübersetzung von F. Rathjen mit den 269 Illustrationen von Rockwell Kent, Frankfurt/M. 2004)
Unser Bild des Walfangs prägte dieser abschweifige, aber doch genial und spannend geschriebene Roman. Diesen Klassiker finden wir unerreicht, was seinen Stil und die beschworene Stimmung der Tragödie betrifft. „Moby Dick“ muss man in der ungekürzten Ausgabe lesen. Es gibt eine Fülle gekürzter und geglätteter Ausgaben im Handel, denen jedoch der Charme des vollständigen Originals fehlt. Jeder Kunstliebhaber wird sich an den ausdrucksstarken Federzeichnungen erfreuen, mit denen R. Kent diesen Klassiker illustrierte. Dort wird der Wal zum Leviathan. Durch starken Strich und mit viel Schwarz kommt er gefährlich lebendig herüber. In diesem Buch haben wir gleich zwei Helden, Kapitän Ahab und sein Gegenspieler Starbucks.
Our view of whaling is shaped by this digressive but brilliant and exciting novel. It`s a classic of world literature full of tension. Melville produces a dark mood that is hardly reached in other novels of his time. Every lover of the arts will like the expressive pen drawings by Rockwell Kent illustrating this classic. There the whale turns into the Leviathan. With a strong line and a lot of black the whale comes over very lively. This is a novel of two heroes at least, Captain Ahab and his antagonist Starbucks.

Jack London: White Fang (London 1905) – „Wolfsblut“
Dieses „Hundebuch“ ist ein Klassiker der Trappergeschichten, der oft kopiert wurde. Er spielt in der kanadischen Arktis, wo der Kampf ums Überleben bei Mensch und Tier im Vordergrund steht. Die Menschenfeindlichkeit der Arktis wird hier wie in so vielen Büchern dieser Zeit besonders hervorgehoben. Nachdem die einen, die auf Öl aus waren, verschwanden, folgten diejenigen, denen es um Pelze ging, die im südlicheren Europa und Russland hoch gehandelt wurden. In diesem Milieu spielt „Wolfsblut“, ein Roman, in dem ein Hund der Held ist. Jack London wurde berühmt für seine Klondike-Romane, die zur Zeit des Goldrausches im Yukon-Gebiet spielen.
This is the classic of trapper literature which has been copied quite often. The story takes place in the Canadian Arctic where the survival of men and animals is the main theme. The deadly environment of the high Arctic is stressed here like many books about the North at this time. After the first people coming to the North for oil the next ones came for fur which brought high prices in Europe and Russia. Among these people „White Fang“ is set, a novel in which a dog is the hero. – Jack London became well known for his Klondike-novels, set at the time and place of the Yukon goldrush.

Jack London "White Fang" - cover of the first edition

Jack London „White Fang“ – cover of the first edition (a cover we really like)

Mosebach, Martin: Der Nebelfürst (München 2008)
Dieser Roman geht schlampig mit den Fakten um. Die Bäreninsel, um die es geht, wird nördlich von Spitzbergen angesiedelt, wobei ein Blick auf die Karte der Arktis genügt hätte, sie südlich von Spitzbergen zu finden. Uns gefällt jedoch die Ironisierung der Kolonialpolitik zum Ende des 19. Jahrhunderts und der Sprachwitz. Dass der deutsche Theodor Lerner, der Held, die bis dahin herrenlose arktische Bäreninsel 1898 in seinen Besitz nahm, ist ein erstaunliches, aber gesichertes Faktum. Bei diesem langatmigen Roman geht es um die geplante Ausbeutung der Kohle auf dieser kleinen Insel in der Barentssee, die heute ein unbewohntes Naturschutzgebiet ist, das extrem selten besucht wird.
This novel about Bear Island is available in German only, but that doesn`t matter so much because we Bookfayries thought it to be quite boring. Here the Hero is a historical figure, the German citicen Theodor Lerner who bought this island in 1898. But today it belongs to Norway and is a very rarely visited nature reserve.

Baereninsel

Map of the Baer Island drawn and commented by Theodor Lerner

Show me a hero and I`ll write you a tragedy
W. Scott Fitzgerald

Träume sind vom Zeitgeist abhängig. Mit der Entdeckung der individuellen Seele in der Romantik kommt das Interesse am Schatten auf. Das Verdrängte wird nicht nur im Schauerroman wahrgenommen, sondern auch in der Realität. Der Norden wird zum feindlichen, asketischen Ort, an dem der Held sich durch Leiden bewährt und entwickelt. Gerade Roald Amundsen pflegte diesen Traum vom einsamen Helden, der sich wie Kapitän Ahab gegen die feindliche Natur zu bewähren hat. Amundsen entspricht damit dem Bild des Helden in den Mythen der Völker, für das nach dem amerikanischen Mythenforscher Joseph Campbell „die freiwillige Introversion“ gehört. Damit wird der Norden wieder der mystifizierte und erhabene Ort, der Helden hervorbringt – eine Idee, die gefährlich nahe an faschistischen Träumen angesiedelt ist. Wirklich heldenhaft ist ja, dass Amundsen beim Versuch der Rettung seines Feindes umgekommen ist.

Dreams depend on the zeitgeist. An interest in the shadow side rises with the discovery of the individual soul during the age of Romantic. The repressed is not only seen in gothic novels but in reality too. The North turns into the hostile area in which the hero proves himself and develops. Especially Roald Amundsen fostered the dream of the lonely hero who, like Cptn. Ahab, has to prove himself against a hostile nature. So Amundsen is in accordance with the archetypal hero. He shows that „voluntary Introversion“ that Joseph Campbell, as the specialist for mythology, sees as typical for the classic hero. The North turns into mystified and elevated area again, into a place producing heroes – an idea that is dangerously near to the fascist dreams. What makes Amundsen to a hero for us is that he died trying to rescue his enemy.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts und der Gründung der britischen Royal Geographic Society werden zunehmend Forschungsreisende wie John Franklin, John Ross und William Edward Parry nicht nur zu Helden stilisiert, sondern auch zu Vorbildern des Volkes in der Literatur aufgebaut. Franklin war so beliebt, dass von seinem Portrait billige Stiche in den Straßen Londons verkauft wurden. Um ihn rankten sich die meisten Geschichten. Aber schon viel früher, um1798 schrieb Friedrich Schiller an Goethe, dass Weltentdecker oder deren Schiffe „einen schönen Stoff zu einem epischen Gedichte“ bieten würden.

Since the beginning of the 19th c. and the founding of the Royal Geographic Society more and more explorers like John Franklin, John Ross and William Edward Parry are not only made to heroes but to role models for the people. Franklin was that popular that his portrait was sold cheaply in the streets of London and a lot of stories were told about him. But even quite some time earlier, in 1798, the German poet Friedrich Schiller wrote to Goethe that explorers and their ships would make a great poem.

Arctic desert where the ice has withdrawn

Arctic desert where the ice has withdrawn

A traveler has a right to relate and embellish his adventures as he pleases, and it is very impolite to refuse that deference and applause they deserve.
Rudolph Erich Raspe, Travels of Baron Munchausen

Uns Buchfeen hat verblüfft, dass die Suche nach der Nordwest- und Nordostpassage zwei große Helden hervorbrachte, die Versager waren. Es sind John Franklin und Elisha Kent Kane, die mit rührender wie tragischer Naivität begeistert in den Norden zogen und durch ihre mangelnde Führungsqualitäten das Desaster anzogen. Kane, einer der ersten großen Medienstars der USA, war der letzte Eismeerfahrer, der behauptete, das sagenhafte offene Polarmeer gesehen zu haben. Obwohl er an den falschen Stellen nach Franklin suchte, wurde er als Held gefeiert.

We Bookfayries are astonished that the search for the NW and the NE Passage produced two extraordinary heroes who both have been a failure. John Franklin and Elisha Kent Kane, who in pathetic and tragic naivety sailed North and attracted disaster because of their lack of leadership. Kane, the first mediastar of the US, has been the last explorer claiming to have seen the legendary open Polar Sea. Although he searched in the wrong places for Franklin he became a celebrated hero. 

Franklins Expedition und die nachfolgende Suche nach ihm brachte die meisten schauerlichen Arktisgeschichten in den Umlauf. Diese Suche war das literarisch produktivste Ereignis der gesamten Arktisforschung bis heute.
Zum Bestseller wurde Nadolnys Franklin-Roman. Der Roman ist nicht authentisch, sondern nur vage an dem historischen Franklin angelehnt. Das Thema ist u.a. John Franklins Versuch, die NW-Passage zu bezwingen. Franklin war übrigens nicht besonders langsam.
Stan Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit (München 1987)
Was zwar den Schauer des Lesers erhöhte, jedoch nicht in das Bild des edlen Helden passte, waren Geschichten über Kannibalismus, die bei der gescheiterten Franklin-Expedition um so schockierender wirkten, da er von englischen Offizieren verübt worden war. Charles Dickens weigerte sich zu glauben, dass zivilisierte Engländer aus Franklins Crew zu so etwas fähig waren.

Franklin`s expedition and the following search expeditions produced most of the nightmarish tales about the Arctic. The search for Franklin was the literary most productive event in Artic research up to now. Bestselling became Stan Nadolny`s Franklin-novel  „The Discovery of Slowness“. This novel is not at all authentical, it only vaguely follows Franklin`s life and his attempt to sail the NW passage. Franklin wasn`t a peculiar slow person. – What didn`t fit into the image of a hero were the stories about cannibalism which were especially shocking as it was done by English officers of the failed Franklin expedition. Charles Dickens refused to believe that civilized Englishmen of the Franklin crew could have eaten their colleagues.

A typical passage in the Artic (Svalbard)

A typical passage in the Artic (Svalbard)

Mit dem Kannibalismus, den es bei mehreren Expeditionen gab, beenden wir also unsere Betrachtung des Nordens, obwohl Masterchen noch einen bitterbös (selbst)ironischen Abgesang über den modernen Tourismus im hohen Norden geschrieben hat. Den zu veröffentlichen, ist uns unter Androhung von Taschengeldkürzung untersagt worden.

Let us end our posts about the Arctic with cannibalism which took place on many those failed expeditions. Masterchen did write a vicious ironical ending about modern tourism in the Arctic. We don`t dare to publish it. The punishment for posting it would be a big cut of our pocket money.

Zum Schluss noch eine Collage von Dina und mir, Selma Buchfee, die unsere Helden zeigt. Sie wurde aufgenommen als wir mit Masterchen in Whitby, dem Geburtsort von William Scoresby jr. und sr., waren, einem alten Walfängerort, der durch Bram Stokers „Dracula“ weltberühmt wurde – am zweiten Bild unten links spielt eine der letzten Szenen von „Dracula“.

Last not least a collage made by our beloved Dina and me, Selma Bookfayrie, which shows our heroes. The pictures were taken by Dina when we visited with our Mater Whitby, where William Scoresby sr. and jr. were born and lived. This old whaling town became famous worldwide by Bram Stoker`s „Dracula“ – look at the second picture from the left in second row, this plays an important role in one of the end scenes of „Dracula“

Whitbycollage

Masterchen schrieb übrigens in sein Tagebuch – ja, wir haben geguckt, nicht weitersagen, BITTE! – den paraphrasierten Brecht-Spruch, „wohl dem, der in einem Land wohnt, das keine Helden braucht“. Da kichern wir, dass unsere Flügelchen zittern „und nun lebt er in England“.
Our Master wrote in his diary – well, we just had a look, PLEASE, don`t tell! – the Brecht quote „blissed are those who live in a country that doesn`t need heroes“. We couldn`t stop laughing as he now lives in England 😉

Ganz liebe Grüße an euch alle
With love to all of you
Siri und Selma, the happy Bookfayries

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James A. Michener

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Siri + Selma

Siri + Selma

Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit: Nicht nur wir Buchfeen Siri und Selma und Masterchen haben ihn geschrieben, sondern auch Pit (Wilhelm Vins), der Ideen und Fotos beisteuerte, und Stefano (Crosio), von dem die bemerkenswerten Alaska-Fotos stammen. Ganz herzlichen Dank euch!

This post is based not only on our Bookfayries` work and Master`s help but also on contributions of Pit (Wilhelm Vins) who shared with us ideas and photos about Texas and of Stefano (Crosio) who took this spledid photos from Alaska. Thanks a lot to you!

James A. Michener, der 1997 im Alter von 90 Jahren starb, war wohl einer der produktivsten und erfolgreichsten Autoren seiner Zeit. Allein 56 Bücher – fiction und non-fiction – zählt Wikipedia auf und dabei sind einige dieser Bücher wie „Texas“ und „Alaska“ z.B. enorm umfangreich, knapp unter tausend Seiten. Wir Buchfeen folgten einem Vorurteil von Masterchen, indem wir Michener als trivial ablehnten – freilich ohne ein Werk von ihm gelesen haben. Peinlich, wie wir in der literarischen Szene von unbegründeten Wertungen beeinflusst werden, die sich oftmals zäh halten.

James A. Michener

James A. Michener

James A. Michener, who died 1997 aged 90, was one of the most productive and successful authors of his time. Nearly 60 books  – fiction and non-fiction – of his are published and some of them are really voluminious like „Texas“ and „Alaska“ having nearly 1000 pages. We Bookfayries shared the prejudice of our Master by rejecting Michener as not writing „real“ literature. We saw him as trivial without having read one word of him. It`s quite akward how we were influenced by the assessments of the literary establishment.

Um dem auf den Grund zu gehen, haben wir Buchfeen uns die fiktionalen historischen Romane wie „Texas“ (ein Buch, das uns Pit in einer wunderbar illustrierten Ausgabe schenkte), „Alaska“, „Hawaii“, „Chesapeake“ und Centennial“ vorgenommen. Michener gelingt es in perfekter Weise, geografische und historische Fakten in Geschichten einzubinden, dass wir hier eine neue, gefällige Form des Sachbuchs sehen, Siri nannte es „romanhaftes, informationsreiches Sachbuch“. Es ist erstaunlich, wie genau Michener recherchierte und wie lebendig er sein Wissen in seinen Geschichten verarbeitet.

To look deeper into Michener`s work we Bookfayries read his fictional historic novels like „Texas“ (Pit gave us a woderfully illustrated edition), „Alaska“, „Hawaii“, „Chesapeake“ and „Centennial“. For us Michener combines in a perfect way geographical and historical information in the form of stories. We see in his work a new charming form of writing fictional non-fiction books. Siri calls it „non-fictional novels filled with plenty information“. We Bookfayries admire how exact and deeply Michener`s researches are and how lively he forms them into stories.

Micheners Werke wurden bisweilen als Familiensagas beschrieben. Man mag sie so sehen, allerdings weisen sie nicht diese ermüdenden und oft trivialen Familiendetails auf, die häufig amerikanische Familienromane so langweilig werden lassen. Micheners Werke sind stets einfach zu lesen, da der Autor es versteht, immer wieder eine Spannung aufzubauen. Alle Werke sind linear der Geschichte folgend erzählt, wie wir es auch von Edward Rutherfurds historischen Romanen wie „Sarum“ kennen. Die Personen, soweit sie keine historischen Personen sind, weisen etwas Typisches und zugleich Statisches auf. Diese Romane sind eben Geschichtsbücher in Geschichten.

Michener´s novels were seen by many critiques as big family-sagas. One can see them like like this but they are sagas without the tiring and often trivial psychologicl details of families. Michener`s novels are all easy to read because the author is skilled in producing suspense. His historical novels are written in a linear way following the history as we know that in England from Edwards Rutherfurd`s historic novels like „Sarum“. The characters in Michener`s novels who are not historical persons are typical and static, they don`t change because of their lack of psychological dimension. These novels are not more and not less than history books in stories.

Hilfreich finden wir bei „Alaska“ die kurze Übersicht nach dem Inhaltsverzeichnis, was Dichtung und was historische Tatsache ist. Bei der schlecht editierten deutschen Ausgabe von Bertelsmann fehlen leider die Karten der Originalausgabe – schlampig und schade!
Diesen Roman beginnt Michener mit der letzten Eiszeit, als die Beringstraße eine Landbrücke war, über die die Vorfahren der heutigen Bewohner eingewandert sind (diese Theorie ist neuerdings allerdings sehr umstritten).
Die weiteren Kapitel folgen der Geschichte, wobei man ohne weiteres nur die Kapitel lesen kann, die einen interessieren. Wir lasen mit großem Interesse über die Entdeckungsgeschichte Alaskas und den Goldrausch von Klondike und Nome.
Eine Stärke liegt in Micheners anschaulichen Schilderungen der Landschaft und den Herausforderungen, die sie an den Menschen stellt. Die Reise nach Klondike und die Landschaft der Küste von Nome konnten wir uns beim Lesen bestens vorstellen.

ALASKA, Katmai National Park

ALASKA, Katmai National Park

In „Alaska“ the short synopsis following the table of contents showing what is fiction and what historical fact is very helpful. This novel starts with the last ice age when the Bering Strait fell dry and people from Asia invaded Alaska – a theory that is quite controversial nowadays. The following chapters follow the history of the settlers. One does not need to read one chapter after the other, you can choose just those chapters you are interested in. Our Master and we were very much interested in the history of exploration (from Russia) and the gold rush of Klondike and Nome.

ALASKA, Katmai National Park. Landscape with Ursus arctos

ALASKA, Katmai National Park. Landscape with Ursus arctos

Eine unheilvolle Reise von vier englischen Adeligen mit ihrem irischen Gehilfen nach Dawson/Klondike beschreibt Michener in „Journey“, einem Roman, der ursprünglich ein Kapitel in „Alaska“ darstellten sollte, dann jedoch als eigenständiger kürzerer Roman herauskam. Hier stehen wie bei Jack Londons Klondike und Yukon Geschichten weniger die historischen Fakten im Vordergrund als die Schilderungen der Landschaft des arktischen Kanadas. Ein empfehlenswertes Buch für jeden an der kandischen Arktis Interessierten, allerdings für Frankreich- und USA-Fans ein Ärgernis, da die englischen Abenteurer die Franzosen und mehr noch die Amerikaner als höchst unkultiviert beschreiben. „Journey“ kann auch als treffende Studie über englisches Sozialverhalten gelesen werden.
Der Erlös dieses Buches aus den kanadischen Verkäufen geht an den edelen kanadischen Journey-Price für Kurzgeschichten und Reiseliteratur. Michener spendete nicht nur dieses Einkommen, sondern während seines Lebens spendete er etwas über 100 Millionen USD für wohltätige Zwecke.

ALASKA, Katmai National Par, landscape with Ursus arctos

ALASKA, Katmai National Par, landscape with Ursus arctos

A desastrous journey of four English gentlemen with their Irish servant to Dawson/Klondike is the subject of Michener`s novel „Journey“. Originally this text was planned as a chapter of „Alaska“ but the editor together with the author decided to publish it as a shorter novel of its own. In „Journey“ you don`t find that many historical facts but brilliant descriptions of the Canadian arctic regions like in Jack London`s Klondike and Yukon stories. We recommend this book for anyone who is interested in arctic Canada, but it will be an annoyance for admirers of France and the US as the French and more so the Americans are decribed by their lack of culture. One can read „Journey“ as well as a sophisticated and exact study of English social behaviour.
The Canadian royalties of this book are given to the prestigious Journey-Price, a Canadian price for short stories and travel literature. Michener not only donated this royalties, all in all he donated about 100 million US Dollars of his income as a writer.

TEXAS

TEXAS

In „Texas“ wählt Michener, um Geschichte und Fiktion zu verbinden, die Rahmengeschichte eines Gremiums, das eine Empfehlung auszuarbeiten hat, wie Texas in den Schulbüchern dargestellt werden sollte. Am Ende eines jeden Kapitels steht der Vortrag eines Wissenschaftlers über das im nächsten Kapitel anstehende historische Thema. Aufschlussreich sind die Kontroversen unter den Mitgliedern des Ausschusses, die je nach ihrem ideologischen Standort für oder gegen gewisse historische Darstellungen sind. Sie vermitteln mehr als nur ein Bild von Texas, sind sie doch gleichzeitig ein Bild von Strömungen in der amerikanischen Gesellschaft, sowohl zu der Zeit, in der diese Rahmengeschichte spielt (1983), als auch der heutigen.

TEXAS, Big Bend National Park

TEXAS, Big Bend National Park

In „Texas“ Michener chooses as a frame connecting fiction with historical facts a committee which has to devise a curriculum how to present Texan history in schools. At the end of each chapter you will find a lecture of a scientist about the topic of the following chapter. Enlightening are the controvers discussions of the members of that panel who are following their different ideological standpoints. This does not only gives the reader an idea of different currents in Texan politics but also about the different standpoints in the USAmerican society.  

Auch in „Texas“ haben uns Micheners Naturschilderungen fasziniert. Obwohl wir niemals dort gewesen sind, konnten wir uns die kargen wüstenhaften Landschaften gut vorstellen.

TEXAS, Big Bend National Park

TEXAS, Big Bend National Park

Michener`s descriptions of the nature in „Texas“ are as colourfully done as in „Alaska“. Although we never have been to Texas we could imagine quite well this dried out and partly barren landscapes.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Michener in Texas, wo er auch starb. Was uns Buchfeen jedoch völlig verblüffte, ist Micheners Geburt, ihr glaubt es kaum, weder seine Eltern, noch sein Geburtsort oder Geburtsdatum sind bekannt.

His last years Michener lived in Texas where he died as well.
We Bookfayries were amazed to read that nobody knows where and when Michener was born and who his parents have been.

Herzliche Grüße von der Küste Nord Norfolks von
With love from the coast of North Norfolk
Siri und Selma, die liebklugen Buchfeen

Wir sind ganz aufgeregt. Gerade sahen wir in unserer Blogstatistik, dass wir 100.000 Besuche heute Morgen überschritten haben haben.Toll, nicht?! 🙂 🙂
And, oh dear, we are very excited: We just had a look in our blog statistics. And guess what? We got 100.000 views today 🙂 🙂

All you knead is bread

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„Brot hat dieselbe Symbolkraft wie Feuer, und das rückt es in den Mittelpunkt des Lebens.
So wie das Feuer naturgemäß in der Mitte eines Lagers brennt, so steht das Brot stets mitten auf dem Tisch. Das eine wie das andere erfordert sorgfältige Vorbereitungen, trägt in der natürlichsten und einfachsten Form zum Überleben bei und verschafft ein Vergnügen, an dem alle teilhaben.
Feuer und Brot. Wo wären wir ohne sie?“

Nicolas Vanier „Das Schneekind“

Bread has the same symbolic power as fire, it forms the centre of life.
Bread is always placed in the middle of the table as the fire is burning naturally in the middle of the camp. Both, fire and bread, need careful preparations, they help in a easy and natural way to survive, and produce a shared joy.
Fire and bread. Where would we be without them?

Nicolas Vanier „The Snowchild“ (I couldn`t find a English Translation, it seems to be available in French and German only)  

Das Schneekind von  Bjarni Bjarnason, Photo: Hanne Siebers

Heute muss ich mir mal wieder meinen Platz am Computer erkämpfen, sonst bloggen meine Buchfeen nur noch.

Now I have to fight for my place at the computer otherwise all blogging is done by my busy Bookfayries.

Der französische Abenteurreisende Nicolas Vanier schrieb mit „Das Schneekind“ einen hervorragenden Reisebericht, der auch verfilmt wurde. Ich las mit Begeisterung diesen ergreifenden Text über die Abenteuer einer Familie auf ihrem Weg von Kanada nach Alaska in abgeschiedenster amerikanischen Arktis. In diesem Buch der Reise zuerst zu Pferd und nach dem Bau einer Blockhütte per Hundeschlitten wird dem Leser eine große Liebe zur Natur vermittelt. Vanier kann gut schreiben, das Buch liest leicht. Er ist ein Bewunderer Jack Londons, was ihn wohl davor bewahrte, die Natur zu idealisieren. Der Text, der viel mehr als ein Reisebericht ist, berührt auch deswegen, da ein kleines Mädchen die Wildnis erlebt, in der es sprechen lernt.
Buch und Film über das Leben im Einklang mit der Natur sind jedem „Naturfreak“ zu empfehlen. Ich finde es ebenbürtig mit Henry Thoreaus „Walden“.

Hier gibt’s wunderbare Eindrücke von Nicolas Vaniers Leben im Eis.

The French adventurer Nicolas Vanier did write an excellent book about his journey with his family in the American North which is filmed as well. I read that moving text of the expedition from Canada up to Alaska right through one of the most isolated areas of the American Arctic in one go. I did travel with them first on horse back and after building a log cabin and waiting for ice with a dog sledge. The book is well written, very moving, and exciting. As Vanier admires Jack London he never idealises nature naively but nevertheless radiates a feeling of a deep connection to nature. Besides the description of nature this book is moving because it documents how a little girl experiences wild nature and how she learns to speak there.
I recommend this book to every „naturfreak“. For me it is equal to Henry Thereaus „Walden“ concerning a living in harmony with nature.

Dina, unsere Buchfeen und ich finden wie Vanier gutes Brot wesentlich in unserem Leben und auch bei uns hat es in der Mitte des Esstisches seinen Ehrenplatz. Ich backe das schwerere Alltagsbrot mit Sauerteig; Bilder davon und das Rezept bloggte ich ja bereits. Dina backt nach irischem Originalrezept ein leichteres Sodabrot zum Frühstück, das entweder warm gegessen wird oder auch getoastet werden kann. Ihr seht es auf dem letzten Bild. Das Rezept stammt von Joan O´Malley, einer direkten Nachfahrin der erfolgreichen irischen Piratin Grace O´Malley (1530-1603), die „Granuaile, the Pirate Queen“ genannt wurde.

Dina, our beloved Bookfayries Siri & Selma, and me like a proper bread as Vanier does. It has its honorary place in the middle of our dining table as well. I bake a dark „everyday bread“ with sourdough. I blogged recipe and pictures quite a while ago. Dina bakes a light soda bread following an Irish recipe. This white bread is ideal for breakfast, can be eaten either warm or cold and can be toasted too. You see the loaf on the last picture here. The recipe was given to us by Joan O´Malley, a decendant of the successful Irish pirate Grace O´Malley (1530-1603) called Granuaile, the Pirate Queen.

“To each other, we were as normal and nice as the smell of bread. We were just a family.”

John Irving , „The Cider House Rules“

Dies ist ihr (halb geheimes) Rezept, das von Dina und mir leicht abgewandelt wurde:
That`s Joan`s half secret recipe, well, with some little Variation by Dina:

No Kneading Soda Bread

500 gr. of plain flower – it works with self raising flower even better
1 tsp. of salt
1.5 tsp. of natron/baking soda
1 tsp. of sugar
1 pt. (~ 500 ml) of buttermilk

Brot_028

Sieve all ingredients except the buttermilk into a bowl. Mix them and add buttermilk to make a soft dough. Knead quickly and lightly because too much and too long kneading will toughen the bread. Form a round loaf and place it on a lightly flowered baking tin. Cut a cross in the top with a flowered knife. Place the dough immediately (!) in the pre-heated oven of 180 degrees C for about 40 min. Wrap the baked loaf in a tea towel while cooling otherwise the crust gets too hard.

Der Vorteil dieses Brots ist: Es benötig nur etwa fünf Minuten, den Teig herstellen, dann ab in den Ofen und nach 40 Min. ist es fertig und kann gleich gegessen werden im Unterschied zu Hefe- und Sauerteigbroten, die erst auskühlen müssen.

It is the advantage of this bread that it takes just 5 min. to prepare the dough and after 40 min. it`s ready for eating. Different to bread made with yeast or sour dough you can eat soda bread warm.

Soda Bread

Soda Bread

Guten Appetit 🙂
Enjoy!

Mit herzlichen Grüßen
Greetings from the small village next the big sea
Klausbernd

Herzlichen Dank, liebe Joan für das Rezept und liebe Dina für die Fotos.
Many thanks to Joan for the recipe and to Dina for the photographs.

Black Shuck/Wolf

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Black Shuck/Wolf

Hallo, hallo, hier schreibt Selma BilderFee,

so viele von euch haben unsere Seite gefunden, indem sie den schwarzen Geisterhund, jenen von Baskerville, gesucht haben, dass ich euch jetzt drei Bilder von diesem Gruseltier zeigen möchte. Brühmt-berüchtigt wurde dieses virtuelle Untier, das in Sagen und der Literatur sein Unwesen treibt, durch Arthur Conan Doyle, dem Vater von Sherlock Holmes. Dass Conan Doyle von diesem grausamen Fabeltier, das an unserer Küste sein Unwesen trieb oder gar noch treibt, in Cromer/Norfolk beim Golfen hörte, schrieben wir ja bereits in einem früheren Blogbeitrag.

„Warum gruselt es den meisten Leuten derart vor diesem schwarzen Hund, der wie im unteren Bild meist mit roten Augen dargestellt wird?“ fragte ich meine liebkluge Schwester Siri. Sie meinte, die Angst wirke aus alten Schichten unseres Bewusstseins, aus jenen Zeiten, als die Menschen noch real von Wölfen bedroht wurden. Diese Angst wurde dann auf wölfisch reißende, menschenverschlingende Hunde aus der Literatur übertragen – übrigens nicht ohne Angstlust.

The Dog of Baskerville, also ich möchte ihn nicht begegnen, auf gar keinen Fall

Also Leute, wenn es euch jetzt nicht gruselt … Das ist „The Black Shuck“

Das Gespenst selbst, der schwarze Hund, also, ich zittere vor Angst, wenn ich nur über ihn lese

Findet ihr nicht auch, Rotkäppchens Wolf ist dagegen geradezu niedlich, weil er so vermenschlicht wurde und der Mensch über ihn siegt – so ist`s halt bei den Grimms, die die Märchen nach ihrem Gutdünken veränderten.

Auf den menschenfreundlichen Wolf bzw. Hund machte uns die liebe Dina, die Hundefreundin, aufmerksam. Ihn finden wir bei Jack London in seinen beiden Geschichten „Wolfblut“ und „Ruf der Wildnis“, wo der Mensch sogar zum Rudelführer wird – naja, das erinnerte Siri BuchFee sogleich an Romulus und Remus, die Gründer Roms, die der Sage nach von einer Wölfin groß gezogen wurden, wie Plutarch und Dionys von Halikarnass berichteten – so muss es ja stimmen. Außerdem wurde diese kapitolinische Wölfin, die Säugende, mit Romulus und Remus als kleine Wichte unter ihren Zitzen gern dargestellt.

Aber damit genug der „lieben Wölfe“, eigentlich sind sie spätestens seit Ovids Metamorphosen voll böse – so wie der Black Shuck Norfolks. Ovid erzählt, wie der König Lycaon seine Gefangenen als Speise zubereitet, wofür er ob seiner Grausamkeit in das entsprechende Tier verwandelt wird, nämlich den Wolf. Auch Daniel Defoe lässt uns angesichts der Wölfe erschauern, wenn nach der Befreiung von Robinson Crusoe und Freitag beim Überqueren der Pyrenäen einige ihrer Mitreisenden von Wölfen gefressen werden – fein gruselig beschrieben. Und natürlich darf beim Klassiker der Schauerliteratur, bei Bram Stokers „Dracula“, der Wolf nicht fehlen. Graf Dracula, so liest man dort, erlebt das Wolfsgeheul als feine Musik. Übrigens sieht Graf Dracula die Wölfe als freie Menschen an und bezieht sich damit auf die Verwandten der Vampire, die Werwölfe.

Siri BuchFee erzählt mir gerade, dass der Wolf als Todessymbol von Ted Hughes in seinem Gedicht „Life After Death“ verwandt wird, das er unmittelbar nach dem Suizid seiner Frau Sylvia Plath schrieb. Dort hören seine beiden Kinder und er die Wölfe im Londoner Zoo nachts heulen. Außerdem schrieb er das endlose Gedicht „Wolfwatching“ über den alten und jungen Wolf, naja, etwas deprimierend …

In „Tausendundeine Nacht“ fand Siri den Schätze bewachenden Wolfshund mit tellergroßen Augen vor (übrigens nur in der verbreiteten Salonausgabe, die Goethe liebte, nicht im Original, das aber wahrscheinlich nicht in eurem Bücherregal steht) und wer noch mehr virtuelle Gruselhunde und Wildwölfe treffen möchte, der mag ja mal „wolves in fiction“ googeln, da kann er mit vielen Wölfen tanzen, wenn er nicht gefressen wird.

Wetterfahne in East Anglia

Black Shuck: Wetterfahne auf einem Haus in East Anglia – bei uns in der Nähe, wo er nun schon in der Luft sein Unwesen treibt

Einen gruselfeinen Abend wünscht euch
Selma BilderFee

Da der Black Shack symbolisch dem Wolf zugerechnet wird, habe ich, die emsige Siri BuchFee, Auszüge aus des Masters Lexika „Welt der Symbole“ und „Handbuch der Traumsymbole“ zusammengeschrieben – huch, hoffentlich ist der Master deswegen nicht böse, pssst, nicht weitersagen.

Wolf und Mensch verhalten sich zueinander wie Natur und Kultur, wie unbewusst Triebhaftes und bewusste Kultur. Mit ihm erinnern wir uns an die Ursprünge unserer Kultur, da der Mensch nicht nur Verhalten vom Wolf lernte, sondern sich auch als erste Bekleidung den Wolfpelz überwarf. Diese Erinnerungen treten im Wolfsmotiv der Märchen und Volkserzählungen wieder an die Oberfläche. Der Wolf war aber auch einer der größten Konkurrenten des Menschen ums Fleisch.
Kaum ein anderes Tier regte die menschliche Fantasie mehr an als der Wolf. Er spielte eine hervorragende Rolle in unserer Kulturgeschichte als Sinnbild des Bösen. Heute ist eher faszinierendes Symbol des Wilden und Objekt unkritischer Idealisierung und Romantisierung.
1988 berichteten im „Journal Of Psychological Medicine“ führende Psychiater des McLean Krankenhauses (Boston) von Fällen der Lycanthropie, d.h. Verwandlungen von Menschen in ein Tier. Der betreffende Mensch fühlt sich nicht nur wie ein Tier, er verhält sich auch so. Bei diesen Verwandlungen ist die in einen Wolf beliebt, was zeigt, dass das Wölfische dem Menschen immanent ist und in seinem Unbewussten eine wichtige Rolle spielt (Werwolf).
Der Wolf ist ein listiges Raubtier, gilt als habgierig und hungrig. So verbildlicht er den Schatten der männlichen Sexualität. Allerdings wurden im antiken Rom auch die Prostituierten „lupae“ (Wölfinnen) genannt.
Die Wölfin symbolisiert die nährende Kraft der Natur. Dies schwingt im Märchen vom Rotkäppchen mit, in dem der Wolf nicht nur die Großmutter frisst, sondern sie auch ist. Bruno Bettelheim allerdings sieht das Wolfsmotiv im Rotkäppchen als Symbol für den pubertären Kampf des Mädchens, das sich zwischen Lust- und Realitätsprinzip hin- und hergerissen fühlt.
Die Inuit sehen den Wolf als das dem Menschen ähnlichste Tier an, da Wölfe einander töten und unterstützen und in der Gruppe jagen. Im Christentum wird er dämonisiert, da er sich auf die Lämmer (die Gläubigen) stürzt.
Das Gleichnis vom Wolf und Lamm gehört zum Standard einer Fabelsammlung seit der griechisch-römischen Zeit. Immer betont das Lamm, dass der Wolf kein Recht habe, es zu fressen, worauf der Wolf betont, das Lamm habe kein Recht, sich als Fressen zu verweigern. Luther, Hans Sachs, La Fontaine, Lessing und Hagedorn nahmen dieses Bild, um vor den Mächtigen zu warnen. Bei Äsop wird der Wolf stets negativ gesehen.
Im Bild des Steppenwolfs aus Hermann Hesses Roman wird der Wolf zum Sinnbild des einsam Suchenden und Leidenden. Es steht nicht das Bösartige des Wolfes im Vordergrund, sondern die einsame Suche nach dem Sinn des Lebens. Der Wolf wird zum Bild des heroisierten Einzelgängers.
Neben dem Film „Der mit dem Wolf tanzt“ wurde der Wolf in der Kunst durch Farley Mowats Roman „Never Cry Wolf“ (1963) (und dessen Verfilmung) populär gemacht. Die Comic-Figur Ede Wolf trat zuerst in einem Zeichentrickfilm von Walt Disney 1933 auf. Er bedroht die Drei Kleinen Schweinchen. Sein hervorstechendes Charakteristikum ist die zwangsneurotische Fixierung auf das Fangen der Schweinchen.

da ist er doch schon wieder ...

da ist er doch schon wieder, der rotäugige Hund von Baskerville

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk 2012