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Towelday 2013

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Towelday 2013

Achtung, Achtung, Handtuch raus, übermorgen zu Vollmond  steht der Handtuchtag ins Haus! Also, ihr Lieben, haltet eure Handtücher bereit! Meine liebes emsiges Schwesterlein Selma hat bereits ein paar Handtücher für unser Masterchen und uns herausgesucht. Pit und Mary, die gerade hier zu Besuch sind, bekommen natürlich auch eins.

Oh dear, soon the International Towelday comes again, it`s May 25th, don`t forget! So keep your towels ready. My beloved busy sister Selma already got some towels out for our Master and ourselves. Pit and Mary, just visiting, will get a towel too.

Foto: Klausbernd Vollmar

We are prepared for the Towel Day 🙂

So lasen wir bei Douglas Adams in „Per Anhalter durch die Galaxis“, dass das Handtuch der wesentlichste und zugleich nützlichste Gegenstand für den per Anhalter durch die Galaxis Reisenden ist. Es hält warm, man kann auf ihm schlafen, man kann seinen Kopf damit vor bösen Strahlen schützen, sich hinter ihm verstecken und mit ihm signalisieren, dass man Hilfe benötigt, und man kann sich sogar mit ihm abtrocknen. Ja, da staunt ihr. Und noch etwas, von dem, der ein Handtuch trägt, nimmt gleich an, dass er alles dabei hat, was man üblicherweise im Kulturbeutel aufbewahrt wie Zahnbürste und Seife zum Beispiel. Er gilt also als sauberer und ordentlicher Zeitgenosse.

We read in „The Hitchhiker`s Guide to the Galaxy“ by Douglas Adams, that a towel is „the most massively useful thing“ for an hitchhiker in our galaxy. It keeps him warm, he can sleep on it, he can wind around his head for shelter against radiation, he can hide behind it and signal waving it when he is in distress and he can even rub himself dry with it. Isn`t that amazing?! And more so if you carry a towel other beings will assume you got toothpaste, toothbrush and soap as well. They will treat you as a decent guy.

Aber die gute Selmafee hat nicht nur Handtücher herausgesucht, sie hat auch gestern fröhlich singend unsere roten Handtücher bestickt. Sie ist sooo stolz darauf, dass ich euch eins ihrer besten Exemplare hier zeige. Toll, nicht?! Ich glaube, das wird sie selbst zur Feier des Tages tragen.

Selma, the good fairy, has not only got the towels out but she embroidered them humming happily away yesterday. Now she is very proud of what she has done. So we show her best towel. Great, isn`t it?! I suppose she wants to wear it herself for the celebration.

Für Masterchen bestickte sie gestern sogar ein passendes T-Shirt, aber pssssssssst! nicht weitersagen, das soll eine Überraschung werden. Was meint ihr, wie der sich freuen wird 🙂

And look! For our beloved Master she embroidered this T-shirt yesterday. But don`t tell anybody! It should be a surprise. Do you think he will like it?

Seit 2001 wird der 25. Mai als Gedenktag für den in Cambridge geborenen Autor Douglas Adams als International Towelday gefeiert, wie wir schon voriges Jahr berichteten. Wirklich exzentrisch meinen wir Buchfeen, denn das ist weder sein Geburts- noch sein Sterbetag, es ist eben der Handtuchtag – Schuss, aus, Ende. Und wisst ihr was? Voriges Jahr wurden am 25. Mai in über 40 Ländern Handtuchträger gesichtet. Adams und Joyce sind die einzige Autoren, die es zu solch einem kultigen Gedenktag gebracht haben. Neben dem Towelday wird nämlich weltweit am 16. Juni alljährlich der Bloomsday zum Gedenken an James Joyce und der Hauptperson im „Ulysses“, Leopold Bloom, begangen. Der „Ulysses“ ist nämlich der Roman vom 16. Juni in Dublin und was Leopold Bloom dort alles so erlebt und sich zusammendenkt.
Wir Buchfeen finden das gaaaaanz toll, als Autor zu solchem Ruhm zu gelangen.

Since 2001 the 25th May is clebrated as International Towelday to commemorate the Cambridge born author Douglas Adams (as we reported last year). Really eccentric as we Bookfayries like it – and by the way that`s neither his birthday nor his day of death, it has nothing to do with his novel neither. People wearing towels were seen in more than 40 countries last year on the 25th of May.
Adams and Joyce are the only authors who got such a day that`s cult to celebrate. Besides the International Towelday there are celebrations worldwide at the 16th June to commemorate James Joyce and his protagonist Leopold Bloom (Ulysses – a novel of Dublin on the 16th June). We Bookfayries think that`s really great to get that famous as an author.

Happy Towelday
Siri and Selma, Bookfayries
Greetings from our beloved Master who is just listening to the original, the audiodrama „Hitchhiker`s Guide to the Galaxy“.

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Dublin`s Fine Libraries: The Royal Irish Academy and Cathach Books

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Siri + Selma

Siri + Selma

Mit Ehrfurcht näherten wir Buchfeen uns der Royal Irish Academy (RIA), einer edlen Gesellschaft von Wissenschaftlern, die 1785 gegründet wurde. Masterchen erzählte, dass ein Mitglied in dieser Gesellschaft zu werden,  die höchste wissenschaftliche Auszeichnung Irlands ist. Naja, ehrlich gesagt, schmückt sich die RIA mit fremden Federn, indem sie Goethe, Herschel, Darwin, Planck, Bohr, Heisenberg und Pavlov, um nur einige zu nennen, aufnahm – clever, nicht?! In ihrem Gebäude in der Stadtmitte Dublins auf der Rückseite des Trinity College beherbergt sie eine Bibliothek, die für den Forschenden frei zugänglich ist. Den Tipp, diese Bibliothek zu besuchen, bekamen wir bei Sweny`s. Vielleicht erinnern sich einige von euch an den „Ulysses“ von Joyce? Wir glauben, es ist im 4. Kapitel, wo Leopold Bloom für Molly diese Zitronenseife kauft, die bis heute noch bei Sweny`s feilgeboten wird? Ihr seht in Dublin kann man Joyce nie entkommen. Also dort bei Sweny`s, eine kühne Mischung von Drogerie und Antiquariat, traf Masterchen den Regisseur Paddy O`Dwyer, der in seiner Jugend einige Brecht-Stücke inszeniert hatte und jetzt Joyces Geschichten aus „Dubliners“ für das Theater umschrieb und witzig inszenierte. Wir sahen „Die Mutter“. Ihr könnt euch denken, dass Masterchen sich in diesem seit Joyces Zeiten nicht veränderten Laden festquatschte, bis wir endlich auf unser Drängen hin zur RIA weitergehen konnten. Wollt ihr mehr über Sweny`s wissen? Klickt bitte hier.

With humble reverence we bookfayries approached the Royal Irish Academy (RIA), which was founded in 1785. Our Master had told us to be elected to this Academy is the highest public recognition of academic excellence in Ireland. Well, this Academy acted rearly clever: It made Goethe, Herschel, Darwin, Planck, Bohr, Heisenberg und Pavlov, just to name some the scientific heroes, to its members. The building of the RIA is situated downtown Dublin on the back of Trinity College. Here we found a working library where the students can read the collected books and manuscripts. We were recommended this RIA library in Sweny`s shop. Does that ring a bell? In the forth chapter of „Ulysses“, if we remember correctly, this shop is mentioned: Leopold Bloom buys there the lemmon soap for Molly, a sopap that can be still puchased there. This shop is worthwhile visting. It`s a crazy mixture of a chemist`s and an antiquarian bookshop that hasn`t changed since Joyce`s times. And right here our Master met Paddy O`Dwyer director who directed Brecht`s plays in his youth and now did rewrite Joye`s short stories („Dubliners“) for the theater to direct them. We saw „The Mother“,, which was really fun. If you want more infos about Sweny`s click here, please. 

Library RIA Collage by Hanne Siebers

Ihr findet hier die weltweit größte Sammlung irischer Manuskripte (allerdings gibt es da auch nicht so viele ;-)). Eine Besonderheit ist der „Cathach“, ein lateinisch geschriebener Psalter aus dem 6. Jh., der angeblich von St. Columban geschrieben wurde. Das älteste irische Manuskript ist das „Leabhar na hUidhere“ (Das Buch der falben Kuh) ein mit typischen Seitenverzierungen illuminiertes Manuskript aus dem frühen 12. Jh. Es gilt als älteste Schrift in Irisch. Dort wird die Geschichte einer Kuh erzählt, die Ciaran, ein Student, zu seinem Lehrer St. Finian ins Kloster Clonard mitbrachte. Die nährte Schüler und Lehrer. Ihr Stall wurde, als sie starb, als Relique verehrt. Verständlicherweise zeigte man uns Buchfeen, die diese Gesichte ulkig fanden, nur eine Seite dieses größten Schatzes der Bibliothek, den Dina nicht fotografieren durfte. „Naja“, sagte Selma tröstend, „da waren doch eh nur keltische Schnörkel und Unleserliches zu sehen.“

Here we found the largest collection of Irish manuscripts in the world (we couldn`t read a thing ;-)). The greatest treasure is the „Cathach“ a sixth century psalter reputed to have been copied by the famous St. Columba – but that`s in Latin (thank god!). The oldest maunscript in Irish is the „Leabhar na hUidhere“ know as the Book of the Dun Cow – not that phantasy novel by Walter Wangerin written in 1975 but an early 12th century manuscript. Unfortunately we weren`t allowed to take photographs and only one page was shown to us by the sterne librarian. „Doesn`t matter“, comforted Selma, „It`s just illuminated with those intertwined Celtic twirls.“ The story has it that a student brought with him a cow when he went to study with his teacher St. Finian. This dun cow was an ecellent milker feeding all the students of St. Finian and himself. When that cow died its hide was kept as a relic.

RIA_Dublin_Hanne Siebers

Schaut, ganz links auf dem Bild oben sucht Masterchen die katalogisierten Handschriften. Er staunte nicht schlecht, dort in der Sammlung des Büchersammlers A.G. Moore Briefe von Charles Darwin zu finden und sonst noch eher nicht so spannende Dokumente der Gilde von St. Anne (eine mittelalterliche religiöse Vereinigung in Dublin) aus dem 13. Jh. Noch mehr erstaunte ihn jedoch sein Fund, dass 1852 das Akademiemitglied George Knox Goethe in Weimar die Urkunde seiner Ehrenmitgliedschaft überreichte. Da war Goethe leider schon 30 Jahr tot. „Ob Knox wohl Spiritist war?“, fragte Selma kichernd. Masterchen fragte darauf bei der Akademie per E-Mail an, wie das sein könne und wartet bis heute auf eine Antwort.

Look in the picture above on the very left you see our Master researching the catalogue of manuscripts. He was amazed finding among the famous collection of A.G. Moore letters of Charles Darwin besides not that interesting deeds of the Guild of St Anne (a religous group in Dublin) from the 13th century. But even more amazed him reading that George Knox (member of the RIA) delivered the Academy`s certificate of honorary membership to Goethe. By that time Goethe had died 30 years ago. „Probably this Knox was a spiritist“, was Selmas commentary with a big smile. Our Master did send an email to the Academy how could that have been but he is waiting for an answer still.

CollageRIA_HS

Ihr seht, dass diese Bibliothek sehr frequentiert ist. Es sind auch ständig mehrere Bibliothekarinnen für Suchprobleme ansprechbar, wenn auch der computerisierte Katalog übersichtlich gestaltet ist. Selbst die alten Bücher sind frei zugänglich und die Raritäten sind in Glasvitrinen zu bewundern. Dürfen wir euch zu einem Rundgang in dieser Bibliothek einladen? Dann klickt ganz schnell hier.

You see it`s a much frequented library. All the time there are librarians to help and the catalogue is very well computerized. You have free access even to the old books. Rarities are exhibited under glas. May we invite you to a guided tour of this library? Then be quick and click here.

Viel interessanter fanden wir gleich gegenüber der RIA Cathach Books, eines der führenden Antiquariate Europas. Wir bekamen großes Flügelflattern, als wir all die Schätze dort sahen. „Cathach Books beliefert Sammler aus aller Welt“, erklärte Masterchen erstaunlich kurz, ihn hatte bereits die Auslage im Schaufenster die Sprache verschlagen.

Much more interesting was Cathach Books for us situated just opposite of the RIA Library. Cathach Books is one the leading antiquarian bookshops in Europe. „It provides collectors with rarities worldwide“, was Master`s short comment because actually he was speechless seeing all those treasures in the shop window.

Cathach BookshopFoto: Hanne Siebers

Cathach Bookshop
Foto: Hanne Siebers

Wir stürmten sogleich in den Laden und erkundigten uns lieb, wie viel solche Erstauflagen berühmter Dichter kosten würden – ihr wisst als Weihnachtsgeschenk für Masterchen und Dina. Aber ach und weh, unsere Fayrietaler reichten nie und nimmer. Erstausgaben von Joyce und anderen berühmten Dichter kosten zwischen 30.000 und 50.000 €. Für diese Erstausgabe von Joyce unten im Bild muss man z.B. schlappe 45.000 €  hinblättern. Es gibt auch illuminierte Handschriften hier zu erwerben, die aber noch um einiges teurer sind.

We bookfayries echanged a quick look of understanding before we stormed the shop. We couldn`t wait to ask how much such first editions of famous authors would be – thinking of a Christmas present for our Master und Dina. But, oh dear, what a pity, our FayrieDollars couldn`t even buy one page. The friendly told us that such first editions cost between 30.000 and 50.000 €. For this first edition of „Ulysses“ (you see in the following picture) we had to pay 45.000 €, puh – but understandable. Very rich bookfayries – not us – could even buy illuminated manuscripts at Cathach (well, nomen est omen).

Cathach Books2

Gleich am Eingang fanden wir eine Postkarte von Masters Helden Sir Ernest Shackleton. In den gefüllten Regalen gab`s signierte Erstauflagen und limitierte Sonderauflagen von allen Werken von Joyce, von Willam Butler Yeats, Oscar Wilde (dessen Haus und Denkmal gleich um die Ecke von Sweeny`s liegt) und Samuel Beckett, neben ausländischen Autoren von Rang und Namen. Als wir uns von diesen Schätzen losreißen konnten und hochflatterten, sahen wir das bemalte Fries in diesem Antiquariat, in dem eine freundliche Dame uns die Raritäten zuvor stolz gezeigt hatte.

We found a postcard of one of Master`s heros Sir Ernest Shakleton just at the entrance. The shelves were filled with signed first editions and special editions from nearly all works by Joyce, Willam Butler Yeats, Oscar Wilde (whose house and statue you find just around the corner from Sweeny`s) and Samuel Beckett next to other famous non-Irish writers. Dina was first one of us noticing the pictures in the frieze of that art nouveau shop. 

NG_Cathach

Cathach Books brachte es sogar auf die Titelseite von Masterchen Lieblingszeitschrift, der National Geographic, wie ihr oben seht.

Cathach Books made it even to the front page of National Geographic, our Master`s favourite magazine.

Als letzte Bibliothek Dublins werden wir euch das nächste Mal den berühmten Long Room der Bibliothek des Trinity College vorstellen, in der das „Book of Kells“ zu bewundern ist.

As the highlight of Dublin`s libraries we will finish with the Long Room of the famous library of Trinity College, the home of „the Book of Kells“.

Liebe Grüße
Greetings from the bookfayries
Siri und Selma 🙂 🙂

Thanks to Dina for the pictures 🙂

Bloomsday

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Bloomsday

Es gibt keine Vergangenheit, keine Zukunft, alles verläuft in einer ewigen Gegenwart.
James Joyce

Masterchen ist allersehrst mit seinem Film beschäftigt. Unwirsch winkt er ab, als wir beiden Buchfeen ihn erinnerten, dass doch übermorgen am 16.06. der Bloomsday von allen Joyce-Fans gefeiert wird.
„Darüber schreibt doch eh jeder Feuilleton-Schreiberling der großen Zeitungen …“ Masterchen murmelte es und weg war er. So nehmen wir das in die Hand – selbst ist die Fee!

Wisst ihr, dass James Joyce wie Masterchen Nordistik studiert hat, allerdings spezialisierte sich Joyce auf die dänische und norwegische Literatur (er liebte Ibsen), Masterchen hatte es mehr mit Island und Schweden.
Hand aufs Herz, habt ihr den „Ulysses“ gelesen? Diesen dicken Wälzer, der, wie wir in der Feenschule lernten, am 16.6.1904 spielt, eben besagten Bloomsday, da Leopold Blooms Leben in Dublin an diesem Tag (für unseren Geschmack zu ausführlich) geschildert wird. Mit diesen Schilderungen, meinte unsere Lehrerin, habe Joyce die Technik des inneren Monologs begründet.

„Na, das sich hat der Joyce doch vom Hamsun abgeschaut“, sagte Masterchen beim Frühstück. „Okay, okay, dieser italienisierte Ire hat die Technik, Gedanken darzustellen, weiterentwickelt und konsequenter als Hamsun eingesetzt. Klar, der Zeitgeist, er schrieb ‚Ulysses‘, als Freud emsig das Unbewusste salonfähig machte – wie Schnitzler, dessen ‚Traumnovelle‘ übrigens immer noch amüsant und aufregend zu lesen ist. “

Aber dieser „stream of consciousness“ wie der innere Monolog auch genannt wird, macht einen Roman nicht gerade lesbar. Da werden wir Leser mit all diesen Gedanken, die den Figuren durch den Kopf gehen, bombardiert. Uns ist das zu subjektiv, um uns Vergnügen zu bereiten. Joyce wollte es schaffen, dass sich seine Leser vollständig mit den Protagonisten identifizieren, wodurch die Illusion entsteht, der Autor sei verschwunden. Was uns daran nicht gefällt, sind die teilweise sehr fragmentierten Sätze oder dass sich gar innerhalb eines Satzes die Aussage ändert und mit der zeitlichen Linearität hapert es auch. Wir Buchfeen haben schon erkannt, dass ihr Menschen chaotisch denkt. Wobei wir, wir geben es zu, mit roten Bäckchen die obzönen Stellen lasen, ja, ihr wisst schon, die berühmt-berüchtigten aus Mollys (Blooms Frau) Monolog im letzten Kapitel des „Ulysses“, der seitenlang ohne Satzzeichen dahinsprudelt – eben Assoziationsketten, wie sie Freud verfolgte.
Masterchen liebt jedoch den „Ulysses“, wie Bert Brecht lachte er beim Lesen. Kürzlich meinte er zum Nachtisch: „Seinen Status als Klassiker verdirbt den Genuss dieses Romans. Aber diese Sprachgewalt!“ Masterchens Augen beginnen zu blitzen, „Dieses Spiel mit der Sprache von stümperhaft stabreimend wie der störrische Wagner“, Masterchen zitiert: „Wellenweiß umwundene Worte, schimmernd auf blasser Flut.“ Kunstpause, dann fährt er in seinem Satz fort: „bis hin zu alkoholumnebeltem Lallen kühner Assoziationen, bizarren und zugleich treffenden Metaphern und Vergleichen – wie findet ihr das: ‚Meine eigene Kindheit krümmt sich da neben mir‚? – und dieser Cocktail aus Umgangssprache und höchster Poesie…“
Ja, ja, hier mussten wir seine Schwärmereien unterbrechen. Eh er verstummte, riet er uns uns noch:“Schlagt doch mal irgendeine Seite des ‚Ulysses‘ auf und lest. Die Joyce’sche Sprache wird auch euch sofort packen. Ich wette, a penny for a dime.“

Unsere Lehrerin sagte, dass die Assoziationen des intellektuellen Vatersuchers Stephen Daedelus (der auch in „The Portrait Of The Artist As Young Man“ auftritt), eine weitere Hauptperson des „Ulysees“, viele Anspielungen auf das Leben von Joyce beinhalten, denen ein Heer von Anglisten nachging. Joyce meinte über seinen Roman: „Ich habe so viele Rätsel und Geheimnisse hineingesteckt, dass es die Professoren Jahrhunderte lang in Streit darüber halten wird, was ich wohl gemeint habe, und nur so sichert man sich seine Unsterblichkeit.“

Bis ins fast völlig Unleserliche trieb der amerikanische Autor Willam Gaddis die Joyce`sche Technik in „Die Fälschung der Welt“, ebenfalls ein dicker Wälzer, den wir Feen nur unter Gefahr des Flügelbruchs heben können und der uns beim ersten Lesen keinerlei Kontinuität von Zeit zu beinhalten schien und in dem es dazu noch keine klassischen Hauptpersonen gibt. Man muss sich mit Buchfeen-Disziplin durcharbeiten und dennoch gibt es in Anlehnung an den Bloomsday auch einen Gaddis Day, der am 16.12.1999 erstmalig von Kölner Literaten begangen wurde. Allerdings, aber nur unter uns, Masterchen hat sich in „Die Fälschung der Welt“ sehr viel angestrichen, wir waren verblüfft.

Dann feiert gebührend den Bloomsday.
Eure Buchfeen Siri und Selma 🙂  🙂

Ein Zusatz von Masterchen:
In Deutsch sollte man beim „Ulysses“ unbedingt darauf achten, die hervorragende Übersetzung zu lesen, an der Hans Wollenschläger sechs Jahre arbeitete. Und noch etwas, Brecht empfand sich selbst als „Kompromissler“ in seiner Freude am „Ulysses“, der dem Leser zum Gegenteil seines Theater-Credos „Glotzt nicht so romantisch“ zwingt.

Buchtalk: Knut Hamsun

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Buchtalk: Knut Hamsun

Zu Hamsuns 60. Todestag am 19. Februar

„Einen Dank für die einsame Nacht, für die Berge, für das Rauschen der Finsternis und des Meeres, es rauscht durch mein Herz! Einen Dank für mein Leben, für meinen Atemzug, für die Gnade, heute Nacht leben zu dürfen, dafür danke ich von Herzen! Lausche nach Osten und lausche nach Westen, nein, lausche! Es ist der ewige Gott! Diese Stille, die gegen mein Ohr murmelt, ist das siedende Blut der Allnatur, Gott, der die Erde und mich durchwebt.“
Knut Hamsun, Pan

Knut Hamsun. Freundliche Leihgabe von Kirsten H. Rasmussen

Also, Ihr Lieben, heute Nacht war was los bei uns. Da hat doch unser Master völlig troddelig die Bücher Hamsuns zwischen Henrik Ibsen und Sigrid Undset ins Regal gestellt. An Schlaf war nicht zu denken, große Randale auf Regalbrett 3 Nord. Ich sage Euch, dieser störrische Hamsun ist wirklich ein Störenfried, ein grumpy old man, wie wir hier sagen. Ich glaube, Ibsen war ihm zu modern. Bei Ibsen war Nora vom Geist der Befreiung beseelt, während für Hamsun die Frauen unerreichbare, hehre Wesen waren. Naja, vielleicht war es einfach Neid, denn Ibsen war damals sooo viel bekannter als er. Dennoch sollte Ibsen – ich finde das völlig unberechtigt! – nie den Literaturnobelpreis erhalten, den Hamsun als zweiter Norweger im Jahre 1920 zugesprochen bekam – nach Bjørnstjerne Bjørnson, für dessen Bauernerzählungen er schwärmte. In seinem Werk „Mysterien“ bringt Hamsun wie in der mittelalterlichen Dichtung üblich einen Dichterkatalog, bei dem Ibsen zusammen mit Tolstoi und Maupassant schlecht wegkommen, wobei Bjørnson und de Musset sehr gelobt werden. Ja, Hamsun konnte Ibsen partout nicht leiden, was er laut herausposaunte und seine Beliebtheit nicht gerade steigerte. Hamsun war schon ein eigensinniger Querkopf.
Zur dritten norwegischen Nobelpreisträgerin Sigrid Undset verhielt sich Hamsun wie Feuer zu Wasser. Während Hamsun nicht nur auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an von Ossietzky (1935) mit massiver Kritik reagierte und die Einrichtung von Konzentrationslagern rechtfertigte (Ossietzky befand sich im KZ Esterwegen) und 1943 Hitler und Göbbels in Deutschland besuchte, hat Sigrid Undset das besetzte Norwegen als Unterstützerin des norwegischen Widerstands verlassen müssen. Hamsun wurde im besetzten Norwegen als Dichter Nummer eins hoch gelobt, er war neben Karl May einer der Lieblingsschriftsteller von Hitler, der „Segen der Erde“ als Blut-und-Boden-Literatur goutierte. Allerdings sollte sich das nach dem Krieg drastisch ändern. In seinem Eigensinn schrieb Hamsun noch einen Nachruf auf Hitler und dann ging`s bergab mit ihm. Er wurde nach dem Krieg als Landesverräter verhaftet, zu einer ruinösen Geldstrafe verurteilt und eine Zeitlang in die Psychiatrie eingewiesen, worauf er 1949 in „Auf überwachsenen Pfaden“ eingeht und reuelos seine Haltung rechtfertigte. Erst zu Hamsuns 150. Geburtstag 2009 schlossen die Norweger offiziell mit ihm Frieden, indem die Königin die feine Unterscheidung zwischen Hamsun als Autor und als Person machte. Und wir beide Feen müssen zugeben, dass wir in Hamsuns Romanen keine faschistischen Stellen gefunden haben – wirklich nicht! Als Sigrid Undset gleich nach dem Krieg nach Norwegen zurückkehrte, wurde sie hoch gelobt und ausgezeichnet, Hamsuns Werke dagegen wurden von einigen Norwegern vernichtet, wie es Lars Saabye Christensen in seinem Roman „Der Halbbruder“ beschreibt: „Der Autor war während des Krieges ein Lümmel. Deshalb haben wir seine Gesammelte Werke hier im Kaminofen verbrannt.“

„Jetzt hast du dich über Hamsuns politische Einstellung mokiert, aber wo bleibt der Dichter Hamsun?“, kritisiert mich Selma. „Naja, der Hamsun ist einer, der mehr gelobt als gelesen wird“, rechtfertige ich mich, die mit Hamsun ihre Schwierigkeiten hat. Ehrlich gesagt, finde ich Hamsun langweilig. Klar, das weiß ich doch als BuchFee, hat Thomas Mann Hamsun hoch gelobt. Er bezeichnete ihn als den würdigsten Nobelpreisträger und sicher hat dieser norwegische Querkopf moderne Techniken des Romans wie den inneren Monolog und die erlebte Rede vorbereitet, auf ihn konnten Joyce und Proust aufbauen und selbst zeitgenössische norwegische Autoren wie Saabye Christensen und (Masters verehrter) Jan Kjærstad beziehen sich Hamsun, wie auch Ernest Hemingway, Hermann Hesse, H.G. Wells, Henry Miller, Bert Brecht und Robert Musil. Dennoch fand ich Hamsun einschläfernd. Er wird ja wegen seiner Landschaftsbeschreibungen und Naturmystik gelobt, ich fand jedoch außer in „Pan“ und „Die Schwärmer“ nicht viel davon. Nach all der Hamsun-Leserei griff ich abends im gemütlichen Kuschelbettchen zu Georg Engels Roman „Zauberin Circe“. Im Gegensatz zu Hamsun ist sein Zeitgenosse, der Bestsellerautor Engel, heute völlig vergessen, aber wer Naturschwärmereien liebt, der sollte lieber zu Engel als zu Hamsun greifen.

Unser Master sprach ganz verwirrt von „Hamundsen“ als wir gemeinsam die alte Hamsun-Ausgabe auf der Suche nach Naturmystik durchblätterten, als ob Amundsen und Hamsun etwas gemeinsam hätten – oder doch? Wie dem auch sei, naturmystische Schilderungen fanden wir in „Pan“ und „Die Schwärmer“ (dort nur in winzigen Abschnitten), ein Loblied auf die Erde und das bäuerliche Leben in „Segen der Erde“, das Masterchen, Dina und ich als seinen lesenswertesten Roman fanden. Dies war der einzige Roman Hamsuns, bei dem ich wissen wollte, wie er ausgeht. Große Schwierigkeiten hatte ich, „Mysterien“ zu lesen, einen Roman bei dem ich bis heute nicht verstanden habe, warum Hamsun – für mich völlig unmotiviert – ständig zwischen Präteritum und Präsenz wechselt. Oder sollte das an den schlechten Übersetzungen liegen, angesichts derer unsere liebe zweisprachige Dina sich die Haare raufte.
Sicherlich waren Hamsuns psychologische Überlegungen damals acht Jahre vor Freuds Erscheinen der „Traumdeutung“ neu, heute wirken sie jedoch wie abgestanden Altbekanntes. Das Skurrile und Fantastische der Geschichte hätte selbst ich besser verdichten können. Diese überzogene Liebesgeschichte war ja fast so exaltiert wie Goethes Bestseller „Die Leiden des jungen Werther“, der heute nicht ohne Lachkrämpfe zu lesen ist. Dennoch schuf Hamsun mit Nagel, dem wundersamen Exzentriker und Hysteriker in „Mysterien“ einen postmodernen Helden, wie auch in jenem erfolglosen, ja lächerlichen Schreiberling in „Hunger“. Der Versager als Held, das hört sich nach einem Nihilismus á la Nietzsche an, meint Masterchen – oder sollte sich dahinter Hamsuns panische Angst vor dem Alter verbergen?
In „Viktoria“ werden Liebe und Sexualität als Naturmächte, denen der Mensch ausgeliefert ist, überhöht. Und immer schreibt Hamsun gegen die böse Großstadt und den Fortschritt an, auch ein Thema in „Hunger“, der Roman, der seinen Weltruhm begründete, unter anderem deswegen, da er auf den damals üblichen vermittelnden Erzähler verzichtete und eindringlich aus der Ich-Perspektive erzählt. Man kann dieses Buch nicht weglegen oder schmeißt es nach den ersten drei Seiten ins Feuer, schrieb treffend ein Rezensent.
Mich hat es ja fast von meinem Regal geworfen, als ich „August Weltumsegler“ las, die Geschichte eines Spekulanten, die sich fast wie eine Vorausschau der heutigen Finanzkrise liest. Dort unterstrich ich dick: „Der Mensch will höher fliegen, als ihm die Flügel dazu gewachsen sind. Da fällt er herunter.“

„Wenn wir dann eine Zeitlang gewandert sind, dann wandern wir noch eine Weile; wir wandern einen Tag, darauf eine Nacht, und endlich in der Dämmerung des nächsten Tages ist die Stunde gekommen, und wir werden getötet, in Ernst und Güte getötet. Das ist der Roman des Lebens mit dem Tod als letztem Kapitel. Das ist alles so mystisch.“ (Knut Hamsun, Das letzte Kapitel) Hamsun starb vor 60 Jahren auf seinem Gut Nørholm bei Grimstad.

Meine Schwester Selma pocht darauf zu erwähnen, dass es noch heute glühende Hamsun-Fans gibt. Wer sich für „Hamsunika“ interessiert, der schaue sich mal diese österreichische Seite an.

Grüße vom Master und meiner Schwester Selma
Eure Siri BuchFee

Buchtalk Rudyard Kipling

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Buchtalk Rudyard Kipling

Da Siri und Selma gerade „Rikki-Tikki-Tavi“ von Rudyard Kipling lesen, nutze ich den Moment, um Kipling kurz vor seinem Todestag zu ehren.

Am 18. Januar vor 76 Jahren starb Rudyard Kipling, ein Autor, der in Deutschland weitgehend als Kinderbuchschreiberling oder als gar als Imperialist missverstanden wurde. Wer Kiplings Namen in Deutschland hört, denkt sofort an „Das Dschungelbuch“ (u.a. wegen der populären Disney-Verfilmung), das man jedoch keineswegs zur ernsthaften Literatur zählt. Das zeigt naive Ignoranz, denn zum einen bekam der indo-englische Autor mit knapp über vierzig Jahren als damals jüngster Laureat u.a. für dieses Buch den Nobelpreis und zum anderen verehrten ihn Konrad Lorenz, Churchill, Joyce und Borges. Bert Brecht plagiierte ihn und nannte ihn in seinem Werk. Kipling war einer der beliebtesten Autoren seiner Zeit, dem die TIMES 1890 sogar eine ganze Ausgabe widmete.

Rudyard Kipling 1895 in seinem Arbeitszimmer

Rudyard Kipling 1895 in seinem Arbeitszimmer

Aber kommen wir zurück zum Vorurteil, Kipling sei Kinderbuchautor. Nach Shakespeare ist er der meistzitierteste englische Autor und sein Wortschatz kommt jenem Shakespeares gleich. Seine Gedichte prägten erstaunlich viele englische Sprichwörter. James Joyce sah ihn gar von gleicher Qualität wie Tolstoi und D`Annunzio.

Der arme Kipling zog viele Missverständnisse an: Man hielt ihn speziell in Deutschland vor, dass er sich von seinem Nobelpreisgeld einen Rolls Royce kaufte, man neidete ihn, dass er zu seiner Zeit einer der Schriftsteller war, der am meisten verdiente und vor allem schimpfte man ihn einen Imperialisten. Dabei wird völlig übersehen, dass Kipling die englische Kolonialmacht äußerst zynisch betrachtete. Freilich war er wie sein Freund Henry Rider Haggard, den er oft in Norfolk besuchte, ein Verfechter der Viktorianischen Tradition, wenn er auch Queen Victoria mächtig angriff und so bewusst vereitelte, dass er geadelt wurde. Wie Rider Haggard glaubte er an das britische Empire und schrieb exotische Geschichten und Abenteuerromane. Der Roman „Kim“ war zu seiner Zeit – und ist es in England noch heute – genauso beliebt wie „Das Dschungelbuch“ und seine Geschichten und Erzählungen sind komplexe und hoch unterhaltsame Meisterwerke von liebevoller Innigkeit. Ich las kürzlich meinen beiden BuchFeen und Dina im Bett die „Genau-so-Geschichten oder Wie das Kamel seinen Höcker kriegte“ vor, wir konnten gar nicht aufhören zu lachen und zu lesen. Die Geschichten sind kinderfreundlich, witzig und äußerst ideenreich, kurzum Unterhaltung für Groß und Klein vom feinsten.

Rudyard Kipling und Henry Rider Haggard sind beide Opfer der modernen autoritären Macht, der sogenannten politischen Korrektheit, die mccarthyhaft kulturzerstörerisch wirkt. Vielleicht ist es kein Zufall – nomen est omen –, dass McCarthy und Stalin den gleichen Vornamen trugen (allerdings Kipling hieß auch Joseph, oh dear!)?

Auf jeden Fall lohnt es sich, Rudyard Kipling zu lesen, der Ihnen erzählt, wie der erste Brief geschrieben wurde, wie der Leopard seine Flecken bekam und wie das Nashorn seine Haut kriegte. Und haben Sie sich auch schon gefragt, wie die Buchstaben entstanden und warum sie gerade diese Form haben? Auch das können Sie – mit Kiplings eigenen Illustrationen – in den „Genau-so-Geschichten“ nachlesen (die 2011 beim Schweizer Unionsverlag in einer schönen Ausgabe wieder verlegt wurden).

Viel Spaß
Klausbernd Vollmar