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Schlagwort-Archive: Jan Potocki

The Devil

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Der Teufel

Es braucht nicht viel analytischen Scharfsinns, um zu erraten, dass Gott und Teufel ursprünglich identisch waren, eine einzige Gestalt, die später in zwei mit entgegengesetzten Eigenschaften zerlegt wurde […] Es ist der uns wohl bekannte Vorgang der Zerlegung einer Vorstellung mit […] ambivalentem Inhalt in zwei scharf kontrastierende Gegensätze.

One doesn`t need much wits to see that god and devil have been identical originally, they have been one being that was divided in two opposed characters later. That is the well known process of dividing one ambivalent idea in two sharply contradicting poles.

Sigmund Freud

Nachdem unser Artikel über die Hölle teuflisch gut ankam, beschlossen wir Buchfeen, über den Teufel höchstselbst zu schreiben. Masterchen meinte nämlich, die Hölle sei ein Vergnügungspark, in dem der Teufel die Hauptattraktion darstellt. Und wenn man vom Teufel spricht, dann kommt er.

As our post about the hell was develishly successful we Bookfayries decided to write about the devil himself. Our Master`s comment: „The hell is a funfair in which the devil is the main attraction.“

Teufel1

Die Schiffsglocke wurde angeschlagen, Masterchen erhob sich, um die im Sommer stets etwas klemmende Tür zu öffnen.
“Haben Sie für zwei Nächte ein Zimmer frei?”, fragte sie, die wir Buchfeen gleich mit unserem besonderen Sinn als eine “blond beautiful bitch” erkannten. Aber, ach, unser Masterchen ist bisweilen so naiv! Das kommt wohl davon, wenn man seine Nase ständig in Bücher steckt. Zeit zum Warnen hatten wir keine, denn er bot nach beflissentlichem Zeigen des Zimmers auch gleich “tea for two” an, den er in unserem Wohnzimmer zu servieren gedachte. Bodenkultur pflegen wir dort, was bei diesem Gast mit kurzem roten Röckchen tiefe Einblicke versprach. Obwohl auf Teufelslist gefasst, waren auch wir fasziniert und konnten wie Masterchen unseren Blick nicht abwenden. An ihrem inneren rechten Oberschenkel war ein lustiges Teufelchen tätowiert, das seinen Dreizack auf die glatt rasierte Scham richtete.

Our ship`s bell was ringing and our Master got up to open our jammed door.
„Have you got a room for two nights?“ she was asking, she, who we Bookfayries immediately thought to be a „blond beautiful bitch“. But, oh dear, our Master is sometimes so naiv! We suppose that`s because he lives all the time in his bookworld only. It was too late to warn him because he offered her assiduously a tea for two. As we live on the carpet without table and chairs in our living room the tea on the floor would open quite some insights. Although we were expecting a devilish cunning, well, her skirt was short enough, we couldn`t stop gazing fascinated like our Master. We stared at that tattooed little devil on her right inner thigh who pointed his trident on her nicely shaved vulva.  

Teufelchen

Um Masterchen nicht vollständig Frau Teufel verfallen zu lassen, haben wir sie frei heraus befragt, was denn ihr Machtbereich sei.
“Wir Teufel herrschen über all die schönen, verlockenden, aufregenden Dinge der Welt. Dieser Ambrose Bierce hat es in seinem ‘Lexikon des Teufels’ ausgeplaudert, der Teufel wurde durch eine Frau auf die Erde geleitet. Er hat natürlich nicht gesagt, dass diese Frau sich von ihm emanzipierte und die bin ich.”
Als Masterchen, seinen Blick nicht von der Tätowierung wendend, William Blake zitierte “Der Weg des Exzesses führt zum Palast der Weisheit”, machten wir uns ernsthaft Sorgen.
“Er hat doch recht”, stimmte Frau Teufel zu, “es geht um das Ablegen irrationaler Schuldgefühle, darum, sich von unfruchtbaren Hoffnungen und Träumen zu befreien. Und überhaupt ziehe ich es vor, eine ehrliche Egoistin statt eine nette Scheinheilige zu sein.” Als sie dann noch sagte, dass der Teufel für Genuss statt Zwang, für Klugheit und Verantwortung statt Selbstbetrug stehe, hatte sie auch unsere Sympathien gewonnen. Immerhin ist der Teufel dem Naturwesen Pan verwandt, den wir Feen nahe stehen. Unsere Verwandtschaft zeigt sich schon darin, dass der Teufel bereits in vorchristlichen Jh.  wie wir mit Hautflügel ausgestattet wurde. Masterchen meint, das ginge auf China zurück. In unseren Kulturbereich tritt der Teufel als Flatterwesen wie wir Buchfeen erst im Mittelalter in illuminierten Handschriften und Fresken auf. Und seien wir doch ehrlich, ohne diese Teufel wäre die Welt langweiliger da so viel weniger lustig. Wir Feen können es gut mit den Teufeln. Stellt euch vor, wir würden euch nicht mehr zur Lust verführen – nicht nur, dass ihr dann aussterben würdet.

To prevent our Master to fall for Ms Devil we asked her what her domain of power is.
„Devils rule over everything that is the beautiful, exciting,  and alluring. Ambrose Bierce blabbed it in his satirical lexicon ‚The Devil`s Dictionary‘ that the devil was led to the earth by a woman. Of course, Bierce didn`t mention that this woman emancipated herself and getting free from Mr Devil. And I am this woman.“
When our Master quoted William Blake without turning his glance from that tattoo „the path of excess leads to the palace of wisdom“ we became really worried.
„You are right“, agreed Ms Devil, „it`s all about overcoming irrational guilt feelings and to free oneself from fruitless hopes and dreams. I prefer being an honest egotist to being a nice hypocrite.“ When she was going on that the devil stands for indulgence instead of constraint, for wisdom and responsibility instead of self-deception she had won our sympathy. And anyway the devil is related to nature-beings like Pan with whom we fairies are related as well. This connection shows in the wings that the devil has got like us already B.C.  Our Master told us this goes back to Chinese ideas, whereas in our culture area you will find the winged devils as us winged fairies in illuminated manuscripts and frescoes not before the middle ages. But anyway, without the devil our world would be less cheerful. Yes, we Bookfayries like the devils. And imagine we would not seduce you to live your desires – not only that you would become extinct …

Teufel Dor

The Devil by Gustave Doré (from John Milton`s „Paradise Lost“)

So vor sich hin sinnierend, hörten wir Masterchen eifrig fragen: “Stimmt es, dass der Teufel ein Spiel- und Zechkumpane des großen Boccaccio war? Er war dessen angeklagt worden, so las ich.” Worauf Frau Teufel erklärte, dass es immer, wo es um Lust geht, der Teufel sich erbarme, da die Engel, diese neutralen Langweiler, es wirklich nicht bringen würden, wenn auch einige neuerdings bei uns Nachhilfe in Sachen Verführung nehmen. “Aber eigentlich sind doch diese Engel Duckmäuser, die sich eher in die Hose machen, als sich gegen diesen autoritären Gott aufzulehnen und nicht einmal zu Orgien sind sie fähig, pah! Da hat doch der Teufel ein anderes Format”, fuhr Frau Teufel überzeugend fort, “er war Begleiter jenes Doktor Faustus, der in Krakau, Toledo und Salamanca lehrte. Marlowe und Goethe haben ihn unsterblich gemacht, diesen Mephisto, ‘ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.’ Kann man nicht daraus folgern, dass Gut und Böse eh relativ sind?”

Musing like this we heard our Master devotedly asking: „Is that true that the devil was the playfellow and booze buddy of Boccaccio? This great poet was indicted to be the devil`s friend, I read.“ Ms Devil explained that the devils always have mercy if desire is involved because those boring angels are loosers who don`t get anything working. Newly some of them take private lessons in seducing in the devil academy. „But all in all those angels are sneaks who don`t dare to rebel against an authoritarian god. And they can`t even celebrate an orgy!  Well, the devils just show more style“, Ms Devil continued convincingly, „Mephistopheles was the tutor of the famous Doktor Faustus who taught in Krakow, Toledo and Salamanca. Marlowe and Goethe made him immortal. Well, this Mephistopheles who calls himself part of this power who wants the evil but produces the good. You see, good and evil is very relative, isn`t it.“         

The Devil (Lucifer)

The Devil – Lucifer the fallen angel as he is banned by god from the heavens (by Mihaly Zichy)

“Behaupten nicht einige, der Teufel sei das Gewissen, das den Menschen verfolgt und peinigt?”, fragte Masterchen jetzt ganz in seinem Element und wieder – endlich! – bei Sinnen.
“Das ist eine infame Verleumdung dieser Brillenschlange Otto Rank, die Freud dazu brachte, im Teufel auch das Vater-Imago zu sehen.” Nachdem sie ihre Tasse austrank, fügte sie so süß lächelnd noch hinzu: ”Die Volkskultur hat uns verstanden, der wir Teufel zum Trickster wurden, witzig gewitzt und zu jedem Streich aufgelegt.”
Und nun erinnerte sich Masterchen an seine Kindheit, als er kleine gläserne Teufelchen in einer mit Wasser gefüllten Flasche tanzen ließ, indem er den Korken auf und zu drehte. Immer, wenn er lieb war, bekam er ein anders farbiges Flaschenteufelchen geschenkt.

„Some folks claims the devil being the conscience that people hunts and afflicts“, said our Master now turning to his field of knowledge and – thanks the devils – in his right mind again.
„That is an infamous denial of this four-eyed Otto Rank who made Freud to see the father-imago in the devil.“ After she had finished her tea she added smiling so sweetly: „The folk culture did understand us right in making the devil to the archetype of the trickster, witty and funny and open for every trick.“
And suddenly our Master remembered his childhood when he played with this glass devils letting them dance in the bottle by loosing and tightening the cork. And always when he behaved well he got another coloured devil.

Hell is empty, devils are here
William Shakespeare „The Tempest“

Wir Buchfeen ließen die beiden alleine, sollten sie doch ihren Spaß haben. Unterdessen haben wir nachgeschaut, wo der Teufel in der Literatur eine Rolle spielt. Der Teufel hat so viele Autoren und nicht nur das, auch Musiker und Filmemacher, angeregt, dass wir euch hier nur jene Werke kurz vorstellen, die wir selbst gelesen haben.

Now we Bookfayries leave our Master and Ms Devil alone to amuse themselves. In the meantime we had a look at where the devil plays an important role in literature. But oh dear, the devil has inspired so many artist – not alone writers but musicians, film directors and painters too – that we only introduce those novels we have read.

The Devil - Liege

The Devil as Lucifer in the cathedral Saint-Paul de Liége/Belgium (credit: Luc Viatow, http://www.lucnix.be)

Adalbert von Chamisso: Peter Schemihls wundersame Geschichte (1813) – Peter Schlemilh: The Shadowless Man
die von dem Mann handelt, der seinen Schatten an den Teufel verkaufte. Warum der Teufel diesen Schatten haben wollte, das wissen nicht einmal Götter. Auf jeden Fall lesen wir unterhaltsam dargeboten, dass es sich ohne Schatten reichlich schlecht lebt.
The well written story is about a young man who sells his shadow to the devil. Why the devil is in need of the shadow is not explained but we read astonished how horrible it is living without a shadow. The tale is told partly in the tradition of the romantic fairy tales.

A. Chamissos Peter Schlemilh (deutsche Erstausgabe)

A. Chamissos Peter Schlemilh (first edition)

E.T.A. Hoffmann: Das Elixier des Teufels (1815/1816) – The Devil`s Elixiers
Der Vorfahre eines Mönches hatte eine Beziehung zu einem Teufelsweib, wodurch Medardus, der dazu noch vom Elixier des Teufels probiert hat, verdammt ist, viele seiner Verwandten ins Unglück zu stürzen. Schön schaurig im romantischen Stil erzählt wie alle Erzählungen Hoffmanns.
This novel is based on a highly complicated plot as in the end everyone is related to everybody. Anyway an ancestor of the monk Menardus had a relationship to a female devil. Medardus, the custodian of the devil`s elixiers tries a little of those and immediately is condemned to kill most of his relatives or make them very unhappy. It is the classic gothic novel of the age of romanticism well told like all tales of Hoffmann.

Nicolai Gogol: Das Bildnis (1842) – The Portrait
Kurt Tucholsky hat diese Geschichte in der “Weltbühne” (Jan. 1921) beschrieben. Kurzum hier geht`s um ein Bildnis, das einem armen Künstler zu Ruhm und Geld bringt, ihn aber letztlich zugrunde richtet. Wie Peter Schlemilh lautet auch hier die Moral von der Geschicht`: Reichtum macht nicht glücklich.
The famous German writer Kurt Tucholsky did review this story in 1921. In short it is all about a portrait, as the title says, which makes a poor artist famous and rich but in the end produces his downfall. Actually quite a romantic clischee but well written. Like in Peter Schlemilh`s story is the moral of this tale: being rich does not make you happy. 

Jan Potocki: Die Handschrift von Saragossa (1847) – The Manuscript Found in Saragossa
Das ist einer verrücktesten, klügsten enzyklopädistischen Romane, die wir in Masterchens Bibliothek fanden. Es ist umwerfend und gut gemacht, wie Potocki das Wissen seiner Zeit in einen spannenden und sehr dicken Roman aufarbeitet. Ehrlich, ein Geheimtipp von uns.
This is one of the most mind blowing book we found in our Master`s library. This encyclopedic, sophisticated novel is worthwhile reading although it is very long and has many footnotes too. But Potocki succeeds to pack all the knowledge of his time in one thrilling novel.  An insider`s tip especially for those who are interested in esoteric knowledge and, of course, you will meet the devil there as well.

Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita (1940) – The Master and Margarita
Der mächtig von der Zensur gekürzte Roman ist eine Satire auf das Leben in Moskau. Einige zählen diesen Roman zu dem wichtigsten in Russland des 20.Jh. Hier hat der Teufel eine positive, erlösende Funktion.
We were not that impressed by this novel which is praised as one of the most important Russian novels in the 20th century. The text is very much shortened by Russian censorship and is a satire set in Moscow.

Thoma Mann: Doktor Faustus (1947) – Doctor Faustus
Obwohl wir Thomas Mann Fans waren, hatten wir mit diesem Roman über Musik schon immer Schwierigkeiten. Nicht nur, dass das Thema Musik für uns zu langatmig ausgeführt wird, sondern auch das der Stil einfach zu geschraubt künstlich ist. Es fehlt völlig die ironische Leichtigkeit des früheren Joseph-Romans, die wir bei Mann so lieben.
Although we have been admirers of Thomas Mann we always had our problems with this novel about modern music. Not only that the topic music is too lengthy written about for our taste, also the style is superficial and maniristic. This novel lacks the ironic lightness of the earlier written novel about Joseph and his brothers. Maybe when the devil is involved even Thomas Mann looses his easy irony. 

Und nicht vergessen Goethes Drama „Faust“, die dramatische Geschichte, die der deutsche Intellektuelle Heinrich Faust mit Mephisto erlebt. Mephisto ist Fausts alter Ego, dieser Teufel, der in jedem von uns wohnt und so oft verdrängt und dadurch gestärkt wird.
In the German literature the most important text about the devil is Goethe`s „Faust“, the story of an intellectual and his adventures with Mephistopheles (influenced by the Renaissance-drama of Christopher Marlowe). Mephistopheles is Faust`s alter ego, this devil living in everyone of us and is often made powerful by repression.

Christopher Marlow`s "Faust", first edition, 1620

Christopher Marlowe`s „Faust“, first edition, 1620

Da ihr die ihr die letzten beiden Titel sicher vom Film her kennt, brauchen wir wohl nichts dazu schreiben:
As you surely know those two titels from films we don`t need to write about those:
Ira Levin: Rosemary`s Baby
William Peter Batty: The Exorcist

Zum Schluss noch eine Geschichte, die ich gerade in Vargas Llosas Roman „Tante Julia und der Kunstschreiber“ las: Ein Mann erschreckt als Teufel verkleidet seinen Freund, der ihn in Panik erschlägt. Der Freund kommt nun als Teufel verkleidet in sein Dorf, wo er von einer Gruppe von Bauern erschlagen wird. Könnt ihr euch vorstellen, wie die Geschichte weiter geht? Klar, nun treten diese Bauern als Teufel auf. Der Held des Romans, ein verhindeter Schreiberling, überlegt sich, wie es wäre, wenn „der richtige Teufel“ zwischen all den verkleideten Teufel erscheinen würde. Diese Geschichte schrieb er allerdings nie.

Last not least a story I just read in Vargas Llosa`s novel „Aunt Julia and the Scriptwriter“: A man frigthens his friend for fun disguised as the devil. The friend slays him panicking and now it is him who comes in his village disguised as the devil where he is slain by a group of peasants. I suppose you guessed already how the story goes on. You are right, now those paesant appear in disguise of the devil. The hero of this novel, this unsuccessful scriptwriter, thinks about what would happen if the real devil would appear among all the disguised ones. But he never wrote this story.

Wir wünschen euch allen einen teuflisch guten Tag. Liebe Grüße und übrigens „dilige et quod vis fac“ (liebe und tue, was du willst), denn wir sagen mit Goethe (Faust) „uns plagen keine Skrupel noch Zweifel, fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel“.
We wish you all a happy day and remember this old Latin saying „dilige et quod vis fac“ (love and do what thou willt) as we say quoting the German poet Goethe: „we are neither afflicted by qualms nor doubts, we do not fear neither hell nor the devil“.
Siri und Selma, die höllisch guten Buchfeen 🙂 :-), die jetzt erstmal einen Kaffee trinken, heiß wie die Hölle und schwarz wie der Teufel 😉

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