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englische Autorin

Literary Norfolk, Poppyland

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Literary Norfolk, Poppyland

Heute werde ich, SiriFee, darüber schreiben, was wir in der BuchFayrieSchule über Literatur in Cromer lernten. Puh, da gibt es sooo viel, aber ich habe wacker während des Unterrichts Notizen geschreibselt und werde Euch das Wichtigste berichten.

Könnt Ihr Euch an die Karte von der Küste erinneren?
Von Cley gesehen liegt Cromer entgegengesetzt zu Stiffkey und präsentiert sich bei unserem Höhenflug schön sonnig und  so.
Wie Ihr Klugen bereits mitbekommen habt, SiriFee ist nicht allein unterwegs! Ich, die liiebe KnipsiSelma, sorge wieder für anschauliche Knipsis. Das möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.

Schwesterlein Selma blogte ja schon vorher, dass Conan Doyles „Der Hund von Baskerville“ auf eine Erzählung aus dieser Gegend beruht. Speziell in Sheringham und Cromer, den größeren Ort an unserer Küste, kursierte die Legende vom „Black Shuck“, einem großen schwarzen Hund mit einem leuchtend roten Auge – huch, ganz gruselig.

 Also, wir beide, die Oberchronistin und ich, hocken ganz nah am Master, wenn er uns die gruseligen Geschichten vom Black Shuck vorliest. Vorher haben wir alle Türen abgeschlossen und die Fenster zugemacht, die Vorhänge zugezogen und so. Unsere Flügelchen zittern vor Angst, also ich finde das ziemlich geil, wenn ich das sagen darf.

Geschichten von diesem Hund kursierten an unserer Küste seit Jahrhunderten und können bis auf Erzählungen der Angeln und Wikinger zurückverfolgt werden. Ihr müsst nämlich wissen, Norfolk war zu Anfang des 11. Jh. Wikingerland (Knut der Große besaß es und ließ es von Torkjell Høege regieren). In den Wikingererzählungen war dieser Hund fast pferdegroß und erschrak bei seinem Erscheinen Menschen zu Tode. Dass er „Shuck“ genannt wurde, geht auf das alte Norfolk-Wort „shucky“ für haarig zurück.
Das erzählte uns unsere liebkluge Lehrerin, die meinte, immer noch würde diese Geschichte nach einigem Bier in Norfolks Pubs erzählt. Heutzutage soll in der Tradition von Geistererzählungen der Black Shuck auf Friedhöfen und an Kreuzungen unverhofft auftauchen. „Dass Conan Doyle die Geschichte nach Dartmoor verlegte“, erklärte sie weiter, „hängt mit dem Zeitgeist zusammen: Dartmoor war der klassisch romantische Ort für Geistergeschichten, wohl wegen seiner gespenstischen Moorlandschaft und vielleicht auch, weil es dort seit 1195 das berüchtigte Gefängnis von Lydford gibt.“

Ihr kennt doch alle Sherlock Holmes, oder? Der Hund von Baskerville ist sein dritte Fall. Erinnert Ihr Euch an die Lady Adams aus meinem früheren Blog? Ja, solche Kappe trug auch sie immer.

Wir lernten viel über Cromer, dass so stolz auf seine literarische Vergangenheit ist, dass es auf der Promenade Steinringe mit Zitaten von Oscar Wilde, Elizabeth Gaskell und A.C. Swinburne anbrachte.

Der so schöne wie exzentrische O. Wilde wohnte 1882 in Cromers Hotel de Paris, das noch heute eines der bedeutendsten Gebäude Cromers ist, ein schlossartiger Backsteinbau oberhalb des Strands. Als Hotel hat es allerdings weitaus bessere Zeiten gesehen. Wilde schrieb dort an der Komödie „Eine Frau ohne Bedeutung“, die durch viele Personen etwas verwirrend angelegt ist und dem konventionellen Muster folgt, Frau aus einfachen Verhältnissen wird von einem Adeligen verführt, bekommt ein Kind und der Vater lehnt die Heirat ab.
Ein Verehrer Wildes, der zeitgenössische Autor und Schauspieler Stephen Fry (der es fertigbrachte, von vier Schulen in Norfolk verwiesen zu werden), bekam einen Studentenjob als Kellner in diesem Hotel. In seiner Autobiografie schreibt er, dass er gut verdiente, aber das Geld sogleich wieder für Cannabis, Zigaretten und Süßigkeiten ausgab. In dem 1997 veröffentlichten Kinofilm „Oscar Wilde“ spielte Fry die Hauptrolle, nämlich Oscar Wild. Außerdem wurde Fry als Sprecher von Harry Potter und des Kultromans „Per Anhalter durch die Galexis“ bekannt, er sprach auch Poo den Bären im englischen Hörbuch von Milnes „Winnie the Pooh“. Neben Wilde verehrt Fry den Autor P.G. Wodehouse. Wer dessen Bücher über den Butler Jeeves noch nicht kennt, hat einen Lacherfolg versäumt. Unser Master meint jedoch, ein Buch von Wodehouse zu lesen, ist köstlich, die anderen Bücher werden langweilig, da sich alle sehr ähneln. P.G. Wodehouse gibt es in deutscher Übersetzung und seine witzigen Bücher wurden auch verfilmt – und natürlich mit Stephen Fry in der Hauptrolle.

Mrs Gaskell, wie die Engländer ihre erfolgreiche Autorin des 19. Jh. nennen, schildert in „Nord und Süd“ einen Besuch ihrer Heldin Magaret Hale mit ihrer Tante in Cromer, „da dies der ideale Ort ist, um sich auszuruhen“.  Jane Austen war ebenfalls dieser Ansicht. In „Emma“ preist deren Vater, Cromer als das  beste Seebad Englands.
Swinburne schrieb sogar ein Gedicht über Cromer („A Haven“), von dem uns unsere Lehrerin den Refrain vorlas: „das Städtchen lächelt, ein warmes ruhiges Nest am Meer“.

SelmaFee begeisterte sich besonders für die Geschichte des englischen Dichters John Taylor, der zu Beginn des 17. Jh. wegen rauer See in Cromer anlanden musste. Er und seine Besatzung wurden als Seeräuber angesehen, verhaftet, später dann freigelassen. Darüber schrieb er ein Gedicht, in dem er Cromer als uralte Stadt auf einem Kliff preist.

Ich muss Euch allerdings sagen, Cromer hat seine große Zeit gehabt. In viktorianischer Zeit jedoch war Cromer der modischste Badeort Englands, der besonders beliebt wurde, nachdem Clement Scott den freilich etwas trivialen Roman „Poppyland“ 1886 veröffentlichte, der, wie könnte es anders sein, eine Liebe an der Küste Cromers schildert, die bekannt für ihre „Poppies“, die Mohnblumen, ist. Diese Küste wird in romantischten Tönen gelobt. Sie wurde  schnell „most fashionable“, es gab Poppyland Pafüm, Poppyland Seife und Shampoo, Tassen, Handtücher und all den Souvenierkram mit Poppyland. Noch 1985 produzierte der BBC einen Poppyland-Film und noch heute heißt eine Ferienwohnungsagentur, ein Verlag und was nicht alles Poppyland.

Das habe ich diese Woche in der FayrieSchule gelernt, toll nicht?! Wir fahren oft nach Cromer, um günstig einzukaufen, mehr hatte ich nicht gewusst. Was ich jedoch wusste: Der 1999 gedrehte Film „All the King`s Men“ wurde teilweise in Cromer gedreht und fürchterlich kritisiert, da der Norfolk Akzent der Schauspieler schlimmer als schlecht war (den Film über das Norfolk Regiment im Ersten Weltkrieg muss man nicht gesehen haben).

Liiebe Grüße aus Poppyland von Siri, BuchFee

Mich hat sie schon wieder vergessen zu erwähnen!
Tschüß! Bis zum nächsten Mal, Selma KnipsiFee

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk, 2011