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Buchtalk, Selma Lagerlöf

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Buchtalk, Selma Lagerlöf

Heute vor 72 Jahren starb die erste Frau, die den Nobelpreis für Literatur erhielt: Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf, die das beliebte Jugendbuch „Die wundersame Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ 1906 schrieb. – Huch, ich bin ganz flattrig, da ich ja nach dieser schwedischen Autorin benannt worden bin. Unser Master hat seit seiner Jugend den Nils-Holgerson-Roman neben Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf stehen und dort steht er immer noch auf Regalbrett 1. Siri und ich flattern oft auf dieses Regalbrett, denn Nils und Pippi sind unsere lieben Freunde wie für viele skandinavische Kinder.

Holgerssons Reise wurde so berühmt, dass der kleine Nils auf dem schwedischen Zwanzig-Kronen-Geldschein und auf einer deutschen Briefmarke auf der schneeweißen Leitgans sitzend verewigt wurde. Schiffe und Flugzeuge wurden nach ihm benannt und der Ethologe Konrad Lorenz nannte eine seiner Versuchsgänse „Martina“ nach dem Lieblingsbuch seiner Kindheit.

Der vierzehnjährige Nils, freilich ein frecher Bursche, wird in einen Wichtelmann (Schwedisch: „tomte“) verwandelt und kann so von der Gans Martin in die Lüfte über Schweden getragen werden. Das war die geniale Idee, mit der Selma Lagerlöf den Auftrag des schwedischen Lehrerverbands ausführte, ein Buch über die schwedische Landeskunde zu schreiben. Dieser Roman, den die an Frauenfragen interessierte Autorin nach ihren Erfolgen „Gösta Berling“ und „Jerusalem“ veröffentlichte, ist ein vom Fortschrittsglauben geprägter Entwicklungsroman und zugleich der erste große Roman, in dem ein Kind die Hauptperson spielt. Von Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ übernahm die Autorin die Idee der sprechenden Tiere, die ja in einem Geografiebuch, als das man den Roman auch sehen kann, eher unüblich sind. Weniger bekannt ist, dass Selma Lagerlöf mit diesem Roman die schwedische Sprache (bes. die Grammatik) vereinfachte.

Ihre frauenemanzipatorische Einstellung drückt die Autorin nicht nur in der Parallelgeschichte von Åsa aus, sondern auch in der altehrwürdigen Leitgans Akka von Kebnekaise, wobei der Berg Akka „die Königin“ Lapplands genannt wird und auf Samisch „die Mutter“, auf Finnisch „die weise Frau“ heißt. Einen anderen Bezug zum Finnischen finden wir in dem Namen der anderen Gänse Yksi, Kaksi, Kolme, Neljä, Viisi, Kuusi (finnisch für die Zahlen eins bis sechs). Symbolisch reflektiert, spielt sich die Åsa-Geschichte auf der Erde als weibliches Element ab, die Nils-Geschichte in der Luft als männliches Element. Insgesamt ist dieser Roman eine Fundgrube für die Mythologie und Symbolik der nordischen Völker.

Selma Lagerlöf

Nach dem Nils-Holgersson-Roman veröffentlichte Selma Lagerlöf noch weitere Romane wie „Liljecronas Heimat“ (1911), „Der Fuhrmann des Todes“ (1912), „Der Kaiser von Portugallien“ (1914), „Das heilige Leben“ (1918) und die Trilogie „Der Ring des Generals“, (1925), „Charlotte Löwensköld“ (1925), „Anna, das Mädchen aus Dalarne“, (1928). Alle diese Werke standen jedoch im Schatten des so enorm erfolgreichen Nils-Holgersson-Romans, von dem Selma Lagerlöf meinte, dass dieser Roman eine Goldgrube besser noch als der Nobelpreis gewesen sei.
Übrigens die zweite skandinavische Nobelpreisträgerin war auch eine Frau, nämlich die 24 Jahre jüngere Norwegerin Sigrid Undset, die jedoch im Unterschied zu Selma Lagerlöf äußerst konservativ lebte. Beide Lagerlöf und Undset verbindet jedoch, dass sie streng gläubig waren.

Wer Selma Lagerlöf genauer kennenlernen möchte, dem seien ihre beiden Memoiren „Memoiren eines Kindes“ (1930) und „Tagebuch der Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf (1932) empfohlen.

Mit herzlichem Gruß
Dina, Siri, Selma und Klausbernd „Masterchen“