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Grausig Grau?

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Grausig Grau?

Schwarz und Weiß, eine Totenschau,
Vermischt ein niederträchtig Grau.
Goethe

Was für ein Wetter heute, alles grau in grau. Ideal für mich, Selma BilderFee, den Master zu überreden, mit mir zusammen über diese ungeliebte Farbe zu schreiben. Aber hallo, was heißt hier eigentlich ungeliebt? Gewöhnlich gilt Grau als langweilig und Synonym für Eintönigkeit und trübe Stimmung. So schreiben die meisten, aber ist das nicht ein Klischee? Ich finde Grau toll! Graues Wetter ist gemütlich, am besten vom Kaminzimmer aus betrachtet mit loderndem Feuer und ein paar Kerzen. Schlechtwetterliebhaber wie Master und Dina zieht es hinaus, um tolle Fotos zu machen, vom Meer, Sturm und Regentropfen. Nie erscheint Venedig den Fotografen magischer als im grauen Winternebel (und Graubilder vom Master aus der Arktis könnte ihr auf Dinas Blog bewundern).

*Mein graues Lieblingsbild von Jan Mayen. Grau + Farbe = eine vortreffliche Wirkung!

Seit Goethes „Grau, Freund, grau ist alle Theorie …“ (Faust I) ist Grau in Verruf geraten. Als blutleere, langweilige Farbe wird es abgetan. Wir sprechen von der „grauen Maus“ und verbinden Grau mit Tristesse. Nach antiker Vorstellung sind die Toten graue Geister, die im nebliggrauen Schattenreich der Unterwelt leben. Grau ist dem „Grausen“ und „Grausamen“ verbunden.
Aber ist nicht diese aus Schwarz und Weiß gemischte Farbe ein Ausdruck der Differenzierung? Licht (Weiß) und Finsternis (Schwarz) mischen sich, um einen neuen Farbcharakter (die Grauzone) entstehen zu lassen. Grau sagt: „Es ist doch nicht alles schwarz oder weiß!“ Klare Absage ans Schwarz-Weiß-Denken.
Der Eigenbrötler bei uns zu Hause backt Graubrot, so lecker, und kennt ihr eigentlich Graue Literatur? Wir Buchfeen kennen uns da aus bei der Literatur, die nicht über den Buchhandel vertrieben wird- (meist besonders lesenswerte und wertvolle Sammlerstücke im Gegensatz zum Bestsellerramsch.)

Hach, Siri nervt gerade: Ich soll euch unbedingt fragen, warum es zwar das Morgengrauen aber kein Abendgrauen gibt.

Hvaler, Norwegen

Hvaler, Norwegen, Dinas geliebtes Sommerparadies

Fiel euch auf, den meisten Menschen steht graue Kleidung gut. Grautöne wirken fein und strahlen eine zurückhaltende Eleganz aus. Es sind nicht nur die Männer in grauen Anzügen aus Michael Endes Roman „Momo“, die Grau als Zeichen der Angepasstheit tragen, sondern auch modebewusste Menschen, die graue Schals oder graue Pullover wählen.
Und wie ist es mit den grauen Panthern und den grauen Eminenzen? Diese Grauen sind typisch für die Verbindung von alt mit grau, da Altes staubig ist und weil man mit dem Alter graue Haare bekommt. In Zeiten der Jugendkultur ist Grau out. Die graue Eminenz mag zwar älter sein, aber in dem Ausdruck zeigt sich auch die Macht, die im Hintergrund steht. Grau ist die am wenigsten auffällige Farbe. Es ist zudem Symbol der Armut und Bescheidenheit. Die Grisetten sind schlichte graue Kleider, die arme Frauen bei der Arbeit trugen. Später wurde Grisette zum Ausdruck für die billigsten Prostituierten.

Die berühmte Treppe in der Bauhaus-Universität, Weimar (Henry van de Velde)

Maler im Umkreis von „de Stijl“ und „Bauhaus“ waren überzeugt, dass alle Farben einen Grauanteil aufweisen. Sie zitierten Wilhelm Ostwald, der Grau als wesentliche Farbe erkannte und den Grauton jeder Farbe beobachtete. Da er für die niederländische Künstlergruppe „de Stijl“ zur Kultfigur wurde, brachte das eine Beschäftigung der Avantgarde mit Grau mit sich. Piet Mondrian (berühmtester Stijl-Künstler) schuf um 1918 eine Reihe monochrom grauer Bilder („Raute mit grauer Linie“).
Schönste Grautöne produziert die Schwarz-Weiß-Fotografie, bei der Grauabstufungen den Charme ausmachen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Daguerreotypie (frühe Fotografie) beschäftigten sich kunstinteressierte Kreise mit Grau und bemerkten, wie Grau ebenso differenziert ist wie die bunten Farben

Eisblitz in der Arktis (NO Küste Grönlands)

Pssst … viel mehr graue Eis-Knipsis und graubunte Bilder aus der Arktis gibt es Mitte Februar in Recke zu sehen. Übrigens eine Premiere für Masters Vortrag „Eine Reise ins Eis“.

Die Heilige Elisabeth. Heller-Altar von Matthias Grünewald

Masterchen meinte, das müssen wir noch für Kunstinteressierte bringen: Grau in Grau zu malen nennt man Grisaille-Technik, man spricht von „der Malerei in Totfarben“. Im Hochmittelalter kam diese Technik auf, als die Zisterzienser begannen, keine Buntheit in ihren Kirchen zu dulden. Das Glas der Fenster, die Wände und Pfeiler wurden in Grautönen gehalten. In Totfarben gemalte Ornamente wirken wie in Stein gehauen. Giotto malte zu Beginn des 14. Jahrhundert die Arena-Kapelle zu Padua mit den sieben Todsünden aus – Grau in Grau. Nach Giotto passt Grau zum Bösen, ebenso scheint auch Picasso bei seinem wohl berühmtesten Bild „Guernica“ gedacht zu haben. Die vielleicht bekanntesten Beispiele für Grisaillemalerei sind der Matthias Grünewald-Heller-Altar „Heilige Elisabeth“ (um 1508) und „Johannes der Täufer predigend“ (1634/5, Preußischer Kulturbesitz) von Rembrandt.
Übrigens, die Mitglieder der Kongregation der Schwestern von der Heiligen Elisabeth werden wegen ihrer grauen Kleidung auch die Grauen Schwesterngenannt.

Anmerkung von Selma: Wer Genaueres über die Wirkungen der Farben hören möchte, der sollte zu Masters Veranstaltungen in Berlin oder Frankfurt/Main im März kommen.

Unbunte Grüße
von Selma Buch- & BilderFee und dem Master

Picasso und ich

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Picasso und ich

„Wir wissen alle, daß Kunst nicht Wahrheit ist. Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt, wenigstens die Wahrheit, die wir als Menschen begreifen können. Der Künstler muß wissen, auf welche Art er die anderen von der Wahrhaftigkeit seiner Lügen überzeugen kann.“
Pablo Picasso, dessen  130. Geburtstag wir heute feiern.

Hallohallo, da bin ich wieder, Eure Siri. Wisst Ihr eigentlich, dass ich, Masters Muse und Chronistin, auch seine Kunst- und Farbassistentin bin? Heute am 130. Geburtstag von Pablo Picasso (geb. 25.10.1881), feiere ich als Farbfee den genialen Maler mit ein paar Worten zu seiner blauen und rosa Periode. Das war bevor er abstrakt wurde.

Happy Birthday Picasso!

Schon früh begann Pablo Ruiz Picasso mit dem Malen, ab 1901  hatte er seine sogenannte „blaue Periode“, die 1905 von der „rosa Periode“ abgelöst wurde und bereits 1907 endete. KnipsiSelma bedauert es bisweilen heute noch, es hätte ruhig etwas länger dauern können, sooo schön sind seine Werke aus dieser Zeit!

Der brilliante Künstler wurde in Málaga geboren, wo sein Vater Kunst- und Zeichenlehrer und Aufseher im Stadtmuseum war. Picasso war ein schlechter Schüler, was meine KnipsiFeeSchwester Selma übrigens mit Begeisterung wahrnahm. (Pssss….bei uns zu Hause zählt laut Master nur Bildung, Bildung, – was Selma und Dina manchmal gähnend langweilig finden, die nennen den Master „Kopffüssler“ und machen dann schmunzelig Knipsis von seinen „Thinking feet“ –  vielleicht zeigt Euch Selma die mal.) Jedenfalls  mit 5 Jahren konnte Picasso sich mit Zeichnungen besser ausdrücken als im Schriftlichen.

Er setzte seine Ausbildung in La Coruña und Madrid fort, und mit 18 Jahren führte er ein intensives Leben im künstlerischen Ambiente von Barcelona.
1901 lernte Picasso die Kunstmetropole Paris und damit die Arbeit der Impressionisten kennen, die ihn sehr beeindruckten und ihn zu Bildern von Außenseitern der Gesellschaft, wie Bettlern, Obdachlosen und einsamen Menschen inspirierten. Aus seiner damaligen Ideologie (Anarchismus und gesellschaftliche Unruhe) entwickelte sich seine „Blaue Periode“, denn die Farbe war geradezu ideal, um Schwermut, schlechte Angewohnheiten und Unglück auszudrücken. Da diese zwischen 1901 und 1904 entstandenen Bilder in kühlen bläulich-grünlichen Tönen gehalten sind, nennt man diese melancholische Schaffensphase die „Blaue Periode“.

1904 liess er sich in Paris nieder und begann mit der sogenannten „Rosa Periode“, welche die gleichen Themen wiederspiegelte, auch wenn andere Farben vorherrschend waren, jetzt begannen rosa Töne in Picassos Werken zu dominieren. Picasso zelebrierte geradezu Schönheit. Im Vergleich zur Blauen Periode gab es nur noch wenig Melancholie in seinen Werken, das Blau wich in den Hintergrund. Doch war es im Frühjahr 1907, mit dem Werk „Las chicas de Avinyó“, welches später als „Les demoiselles d´ Avignon“ bekannt worde, als das revolutionäre Manifest des Kubismus begann.

Das nur vorweg zu Picasso, Blau und Rosa, hmmm, da fragte ich mich, warum Mädchen nicht auf Blau, sondern eher auf Rosa stehen und warum männliche Babys in himmelblaue und weibliche in rosa Strampelhöschen gesteckt werden. Wisst Ihr es? Und könnt Ihr Euch vorstellen, Ihr habt gerade einen Jungen zur Welt gebracht und die Hebamme bringt Euch den, fein in Rosa eingewickelt? Rosa, igitt!

Kaum ein Klischee verfolgt uns so hartnäckig wie das der „Mädchen-“ und „Jungenfarben“. Verzweifelte Eltern versuchen, ihr Töchterchen zu einem grünen Kleid zu überreden. Sie aber weigert sich lautstark, auf ihre Lieblingsfarbe Rosa zu verzichten. Die Eltern raufen sich die Haare angesichts dieser Geschmacksverirrung: „Wer hat denn unser Kind auf diesen Kitsch gebracht?“
Zur Beruhigung: Töchterchen kann gar nichts dafür und die Eltern ebenso wenig. Der Grund ist naheliegend und historisch doch so fern: Es sind die rosa Früchte. Das zumindest behaupten Neurowissenschaftler der britischen Universität Newcastle. Sie fanden in Tests mit über 200 Teilnehmern heraus: Die  Lieblingsfarbe der meisten Menschen ist Blau. Darüber hinaus aber haben  Frauen einen Hang zu rötlichen, Männer hingegen zu blauen (genau: blaugrünen) Tönen.
Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler in jenen Urzeiten, als wir als Jäger und Sammler durch die Welt liefen: Denn womit konnten Frauen die eigene Steinzeit-Sippe mehr beeindrucken als mit besonders reifen, rosa Früchten? Die Forscher vermuten außerdem, dass die Vorliebe für eine rötliche, also gesunde Gesichtsfarbe für die Frauen bei der Partnerwahl vorteihaft war, denn sie signalisierte: gesund.

Das bedeutet Entwarnung für alle (verzweifelten) Eltern: Die Vorliebe für Rosa hat gar nichts mit Erziehung oder Vorbildern zu tun! Stattdessen ist die „Mädchenfarbe“ ein Ergebnis der Evolution zumindest laut der Ergebnisse von Newcastle. Übrigens: Dass trotz aller geschlechtsspezifischen Unterschiede Blau die Lieblingsfarbe der meisten Menschen ist, deuten die Wissenschaftler ebenfalls als ein Relikt aus der Vergangenheit: So bedeutet ein klarer, blauer Himmel feines Wetter und gute Wasserquellen schimmerten bläulich.

Ein Portrait der Familie George III. von 1770. Die Söhne sind in Rot oder Blau gekleidet, die Töchter tragen dagegen helle Kleider.

Noch einen Hinweis dazu, den Masterchen eben per Handy beisteuerte: Eine andere, historische Erklärung geht auf Queen Victoria zurück. Bis zu ihrer Zeit trugen männliche Babys meist Rot, da Rot als eine aggressive Farbe und somit männlich angesehen wurde. Auch das Jesuskind ist auf Gemälden meistens rot und selten blau gekleidet. Mädchen trugen Blau, da Blau spätestens seit der Romantik mit dem Gefühl verbunden wird. Ihr erinnert Euch vielleicht an „die blaue Blume der Romantik“ (aus „Heinrich von Ofterdingen“ von Novalis), das Symbol der Sehnsucht.
Zur Zeit von Queen Victoria sah das britische Weltreich seine Macht darin, dass es die Meere beherrschte. Man sang im Brustton der Überzeugung „rule Britannia, Brittania rules the waves …“ (das kennt Ihr aus „The last night of the proms“ nicht wahr). Das brachte die praktisch denkende Victoria dazu, ihr männliches Kleinkind in eine Matrosenuniform zu stecken, bei der Blau verherrschte, um den Jungen auf die Seefahrt (auf dem blauen Meer) vorzubereiten. Und so ergab sich für Mädchen als Farbe Rosa, ein weiß gebrochenes Rot, da man ein reines Rot für Mädchen zu aggressiv empfand – und außerdem galt es als Hurenfarbe. Da das englische Königshaus enorme Vorbildfunktion besaß, bürgerte sich ein, dass  männliche Babys blau und weibliche fürderhin rosa trugen. Sicherlich  half bei der Durchsetzung dieser Farbwahl, auch die viel weiter zurückreichenden Farbvorlieben, die die englischen Neurowissenschaftler erklären.

Picasso hat sich so gesehen von männlich zu weiblich entwickelt, ehe er sich der Abstraktion zuwandte. Dabei ist es ihm gelungen, dass seine rosa Bilder alles andere als kitschig wirken. Er hat, wie wir finden, die Farbe Rosa vom Makel des Kitschigen befreit – oder was meint Ihr?

Masterchen lässt von unterwegs grüßen. Er sitzt gerade im Zug, um nach Süddeutschland zu reisen, wo er Kurse hält und dann geht`s nach Liechtenstein, nee, nicht um Geld zu verstecken, sondern um am 11./12.11. in Balzers einen Farbworkshop zu halten (das findet Ihr auf www.kbvollmar.de). Da geht`s auch um Rot und Blau und all die anderen Farben.

„Jeder möchte die Kunst verstehen. Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen? Warum liebt man die Nacht, die Blumen, alles um uns herum, ohne es durchaus verstehen zu wollen? Aber wenn es um ein Bild geht, denken die Leute, sie müssen es ‚verstehen‘.“

In Deinem Sinne, Happy Birthday Picasso!

Liebe Grüße von Eure Siri
sorry Bilder von Picasso kann ich Euch leider nicht zeigen, da über deren copyright der Picasso-Clan mit Adleraugen wacht