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Schlagwort-Archive: Richard Dawkins

Buchtalk, Die souveräne Leserin von Alan Bennett

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Buchtalk, Die souveräne Leserin von Alan Bennett

Als mich Dina vorige Woche nach meinen fünf Lieblingsbüchern fragte, also nach jenen Büchern, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, habe ich erschrocken (nur fünf Bücher – das ist ja Folter!) wie spontan drei amerikanische Autoren (Paul Auster, John Irving, Tad Williams), einen englischen Autor (Douglas Adams, den ich versehentlich lange Zeit auch für einen Amerikaner hielt, da ich solche verrückte Sci-Fi-Geschichte wie „Per Anhalter durch die Galaxis“ nur einem Amerikaner zutraute) und einen Österreicher (Ransmayr, den Meister des Stils) genannt. Das spiegelt ganz und gar nicht meine Lesegewohnheiten wider. Seit über dreißig Jahren in England lebend, lese ich meist englische Autoren. Die bekomme ich durch unsere ehrwürdige Kirche an der Dorfwiese, in der, obwohl zur Touristenattraktion verkommen, ein reger Buchaustausch herrscht – und das völlig unzeniert. Ja, selbst anregender Softporn (kennen Sie z.B. Carl Timlichs „Priaps Schule der Lüste“ – zum Schreien! – fand ich in deutsch dort) liegt neben Richard Dawkins Buch über den Gotteswahn. Mein neuster Fund stammt von dem englischen Star-Autor, dem Metzgers Sohn Alan Bennett, der sich u.a. mit Kafka und Proust auseinandersetzte. „Die souveräne Leserin“ ist eine Art Kurzroman (quasi das Gegenteil zu Proust ewiglanger Suche nach der verlorenen Zeit), der treffend in die englische upper-class einführt. Über Bücher erfährt man zwar weniger, obwohl ich in Sandringham (the Queen`s Cottage, dem Privatschloss der Königin) gefüllte Buchregale sah (mit vielen längst vergessenen Schmökern).
Ich habe beim Lesen von „Die souveräne Leserin“ so lachen müssen, dass ich immer wieder innehalten musste, derart genau beobachtet beschreibt Bennett wie es in gewissen Kreisen hier so zugeht. Würden einem nicht immer die Augen tränen vor Lachen, könnte man das Buch in zwei bis drei höchst vergnüglichen Stunden lesen. Und zum Schluss verrate ich nur noch eins: Es geht darum, wie die Queen zum Lesen kommt, denn immerhin gilt Lesen als Müßiggang, den sich eine vorbildliche Königin des pragmatischen Englands nicht leisten darf – oder doch?

Grüße aus dem „Literary Norfolk“
Klausbernd Vollmar

Buchtalk: Douglas Adams

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Buchtalk: Douglas Adams

Hi, Douglas Adams, du verrückter Cambridge-boy, alles Gute zu deinem Sechzigsten übermorgen am 11.3.  „Don`t panic!“ Du hast ja gemäß Churchills These „Sport ist Mord“ im Fitness-Studio bereits vor elf Jahren unsere Erde verlassen. Das Feen-Network berichtete heute, dein Geist weile nun auf dem Kleinplaneten Nr. 18610, der nach dem Protagonisten deiner Anhalter-Romane Arthur Dent getauft wurde. War das denn so erschreckend, dass du zwei Tage nach der offiziellen Namensgebung des Planeten starbst? Aber, aber, du besuchst doch wohl weiterhin zur Freude deiner Fans alljährlich die Erde zum 25.5., dem International Towel Day, diesem Handtuchtag. Dank dir weiß das jetzt jeder: Ein Handtuch ist „so ziemlich das Nützlichste“, was auf man auf Reisen durch die Galaxis mitnehmen sollte. Guter Tipp! Am tollsten finde ich jedoch, dass du ein für alle Mal die letzte Frage nach dem Leben, dem Universum und den ganzen Rest beantwortet hast. Eigentlich war`s dein genialer Supercomputer Deep Thought, der nach ewig langem Rechnen 42 ausspuckte. Was das bedeutet? Das weiß in „Per Anhalter durch die Galaxis“ auch niemand. Aber was wir, Siri und Selma, vermuten: Deep Thought ist eine Anspielung auf den Pornoklassiker „Deep Throat“ (1972), der um die Zeit der Romanentstehung (Anfang der siebziger Jahre) große Diskussionen auslöste.

Aber zurück zu 42: „Die Zahl 42“ lautet also deine endgültige Antwort auf die letzte aller Fragen. Darauf bezogen sich seitdem viele Artikel, Songs und Literatur wie Thomas Lehrs Roman, der als Hommage an dich den Titel „42“ (2006) trägt.
Richard Dawkins höchst lesenswertes Buch „Der Gotteswahn“ ist nicht nur dir gewidmet, sondern beginnt zudem mit einem Zitat aus deiner Kultbuchreihe (selber nachgucken! – jedoch, pssssst … ich werde es demnächst in „Siri Lieblingszitate“ hier bringen).
Und, aber hallo, ihr habt doch wohl bereits bemerkt, dass Siri, nee, nicht ich, sondern das Sprachprogramm des iPhones 4S, auf die Frage nach dem Sinn des Lebens mit 42 antwortet.

Vor einiger Zeit fand ich auf Regalbrett 2 Nord Pratchetts Scheibenweltromane. Mich wunderte, wie sie den Anhalter-Romanen ähneln, indem sie in einer völlig verrückten Welt spielen, in der trotz aller Fremdheit die nervigen Kleinigkeiten unseres Alltagslebens wie Bürokratie, Eitelkeit, Gier etc. eine wichtige Rolle spielen. Diese krude Mischung von völlig Fremdem und allseits Bekanntem macht den skurrilen Humor dieser beiden englischen Kult-Autoren aus.

Happy birthday and many wild returns at the Towel Day
Siri und Selma Buchfeen

P.S.
Das wird unsere liebe Dina interessieren: Arthur Dent besuchte ja den legendären Planeten Magrathea, wo er den Planetenarchitekten Slartibartfaß traf, der durch seine Fjorde in Norwegen berühmt wurde. Jetzt weißt du endlich, liebe Dina, wer die atemberaubenden Fjorde deiner Heimat plante und baute.