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Schlagwort-Archive: Rudyard Kipling

englischer Autor

Norwich – Unesco City of Literature

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Norwich – Unesco City of Literature

Auweia, wir sind völlig aus dem Häuschen, fliegen FreudenLoopings zwischen den Apfelbäumen: Stellt euch vor, das schöne Norwich wurde von der Unesco als Kulturhauptstadt der Literatur gewählt. Ja, da seid ihr baff! Aber unverhofft kam`s nicht, denn (Sir) Malcolm Bradbury gründete an der UEA (University of East Anglia) den Studiengang Kreatives Schreiben, der berühmte Schriftsteller wie Ian McEwan und Kazuo Ishiguro hervorbrachte. Die UEA wurde seit Ende des vergangenen Jh. zur weltführenden Universität für kreatives Schreiben.
Schreiben hat in Norfolk eine lange Tradition. In Norwich veröffentlichte die erste Frau Englands, Juliana von Norwich, ein Buch, Bestsellerautoren wie Hammond Innes und Henry Rider-Haggard lebten bei Norwich, Rudyard Kipling und Conan Doyle kamen öfter zu Besuch und D.H. Lawrence erholte sich (von der nyphomanen Frieda?)  an unserer Küste. Stephen Fry wie auch Bill Bryson leben unweit von Norwich – wie auch Masterchen 😉 und nicht zu vergessen der für seinen Roman „Die Ringe des Saturn“ hochgelobte deutsche Autor W.G. Sebald, der ebenfalls Professor an der UEA war und kreatives Schreiben lehrte.

Tschüß, wir feiern jetzt. Wer mehr wissen möchte, der sich kann die Website des Writer`s Centre in Norwich anschauen http://www.writerscentrenorwich.org.uk/unescocityofliterature.aspx

Liebe aufgeregt flattrige Grüße
Siri und Selma 🙂  just a little bit tipsy 😉

Wenn die liebe Dina in etwa einem Monat wieder hier ist, zeigen wir euch Knipsis vom schönen Norwich, das stolz an jeder Einfahrtsstraße sich als „the fine city“ präsentiert – also seid gespannt.

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Die Titanic auf der Couch

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Die Titanic auf der Couch

„The Liner She`s a Lady“
Rudyard Kipling

Siri und der Master stehen nicht auf große Schiffe.
„Diese riesigen Ocean-Liner sind Ansammlungen von Läden, Shops und Fitnessgedöns, da kann ich doch gleich im Einkaufscenter Urlaub machen – und richtig schaukeln tut`s auch nicht bei all diesen Stabilisatoren. Amüsement für weicheiige Landratten ohne Fluchtmöglichkeiten ist das!“ ruft Siri empört, als der Master sie bittet, an einem Artikel zum hundertsten Jahrestag des Untergangs der Titanic mitzuarbeiten.

Selma ist anders. Sie kann sich fein herausgeputzt köstlich beim Captain`s Dinner amüsieren und weiß durchaus das angenehme Bordleben zu genießen. Den anderen beiden wirft sie, nur im Stillen freilich, vor, dass ihre Vorstellung von der Seefahrt beim Odysseus (deswegen heißt Masters Boot auch Circe!) und Sindbad, dem Seefahrer aus Tausendundeine Nacht, stehen geblieben ist. Sindbad und Odysseus erleiden zwar ständig Schiffbruch, allerdings einen romantische Schiffbruch mit Happy End – aber ist nicht diese Hollywood-Verfilmung des Untergangs der Titanic nicht auch schön schaurig romantisch? Es gibt so viele Schiffsbrüche der des Robinson z.B. und der von Erica Jongs Fanny, um die pikantere Art des Schiffbruchs zu erwähnen. Sein wir doch ehrlich, wir erleiden alle Schiffbruch (klagten schon die griechisch-römischen Klassiker) und sei`s mit einem Glas Champagner in der Hand, wie`s der Mythos von der untergehenden Titanic mit seiner Liebe zum fiktionalen Detail ausmalt.
Im großartigsten aller Schiffbrüche zu schwelgen, das ist reine Schadensfreude, da es glücklicherweise die anderen traf.

Nach diesen geheimen Gedanken schlägt Selma vor, im Nordregal der Bibliothek sich die bebilderte Ausgabe von Terry Colemans Buch „The Liners“ anzuschauen. Es ist die Erstausgabe von 1976, auf deren Schutzumschlag der Liner Normandie mit einer hochhausstrotzenden Großstadt verglichen wird. Und was zeigt die erste Abbildung dieser Geschichte der Atlantiküberquerungen? Shopping auf der Galerie der Aquitania – als Frontispiz, dieser Illustration vor der Titelseite, die in älteren Büchern das Motto des Buches angibt. Das dritte Kapitel „The Greatest of the Works of Man“ ist der Titanic gewidmet, die in einer April-Nacht bei spiegelglatter See sank. Aufschlussreich, was man von der Titanic abbildet: Es beginnt mit Schwimmbad und Tennisplatz, gleich gefolgt von einer Art Fitnessraum, in dem man auf Schaukelpferden wohl gekleidet ritt, und dann zeigt sich fürstliche Prachtentfaltung an den elektrischen Aufzügen. Danach kommt das erste Bild, das vermittelt, auf einem Schiff zu sein zu sein, nämlich das Foto vom 2. Klasse Promenadendeck, übrigens ist auch hier kein Stückchen Meer zu sehen. Es geht weiter mit schlossartigen Treppen, Pariser Cafés, erst danach folgen die üblichen Bilder vom Untergang der Titanic.
Auch in anderen Büchern fällt auf, dass es bei den Abbildungen von Linern um die Darstellung des faszinierenden Luxus geht (insbesondere bei der Titanic, die „Millionaire`s Special“ genannt wurde und auf der die damals vier reichsten Männer der Welt umkamen), bei dem die See verdrängt wird, sie erscheint nicht im Bild. „Das ist doch klar!“, meint Siri, „Es geht um Kultur, die sich als Siegerin über die Natur versteht. Das grausam hungrige Meer ist Natur an sich, eben gerade das, was man im Wahn der Gründerzeit als produktionsstörend zu eliminieren versuchte.“

Keine Angst, so hochtrabend pflegt Siri sonst nicht zu sprechen, aber vielleicht lag`s am Gin Tonic, dass der Master noch eins drauf setzt: „Die Titanic wäre doch der Lieblingspatient von Freud gewesen – wenn sie auf die Couch gepasst hätte. Das Verdrängte wird des Verdrängenden Untergang. Dass es mit der Titanic ein schlechtes Ende nehmen musste, wäre Freud völlig klar gewesen, da sie seit ihrem Embryostadium himmelhoch gelobt wurde. Ja, schon ihr Name drückt eine Inflation aus, sie wird gottgleich, womit sich bedrängende Erwartungen verbinden. Eine klassisch neurosebildende Kindheit wäre die Diagnose und was soll da anderes herauskommen, als diese protzende Titanic, das verzogene Luxusweib unter den Schiffen. Als sie dann in See sticht – Freud würde seine runde Brille putzend etwas vom Mechanismus der Umkehrung murmeln, mit dem dieser schamhafte Zensor der Psyche die plump sexuelle Anspielung macht, dass die See sie sticht. ‚Ein Entjungferungssymbol!‘ würde er freudig ausrufen und daran erinnern, dass die Titanic bei ihrer Entjungferung, die ja eine Jungfernreise darstellt, untergegangen ist.


Jung, der zusammen mit Freud auf dem Liner George Washington (der per Funk die Titanic vor dem Eisberg warnte) drei Jahre vor dem Untergang der Titanic auf ähnlicher Route den Atlantik überquerte, wäre jetzt richtig in Fahrt gekommen (er war ein aufbrausend leidenschaftlicher Charakter). Alter Tradition folgend, liebte er die verschlingende See als Metapher für das Unbewusste. Er hätte diesen Untergang der Patientin Titanic als ersten Schritt der Individuation gesehen, Befreiung aus der Einseitigkeit der von Ideen und Ansprüchen geprägten Kindheit. Weil diese Kindheit einseitig vom Geist geprägt war, schlägt an der Grenze zum Frausein das Pendel um, und die Titanic gibt sich grandios hin. Sie versinkt in den spiegelglatten Fluten des Unbewussten („stille Wasser gründen tief!“) – und ragt nicht am Ende das Heck der Titanic phallischtriumphierend wie der pater potestas aus dem Wasser?

Jung würde mit großer Geste und rotem Kopf fortfahren, dass dieser Untergang die Sehnsucht nach absoluter Hingabe ausdrücke, worauf Freud triumphierend ausriefe: ‚Ich sagte es doch schon immer, Eros und Thanatos gehören zusammen. Die Franzosen wissen das, sie nennen den Orgasmus den kleinen Tod. Und ein großer Orgasmus ist entsprechend dem großen Tod verbunden.‘

Natur siegt über Kultur, darin waren sich Freud und Jung einig. Archetypisches wirkt über seine verblüffende Einfachheit, führt der Master oberlehrerhaft aus und elaboriert erklärt er, dass deswegen der Mythos „Titanic-Untergang“ bis heute noch die Gemüter bewegt. Er lässt sich gar dazu hinreißen, sich der kühnen Ansicht von Alyssa Freitas und Lawrence Lufkin (Titanic and Nautical Resource Center) anzuschließen, dass nämlich der Untergang der Titanic für die USamerikanische Öffentlichkeit ähnlich wie die Zerstörung des World Trade Centers am 11. Spetember wirkte.

Selma erzählt zum Abschluss des Abends noch eine erstaunliche Geschichte, die von der Eisbrecherstation in St. Johns/Neufundland dokumentiert wurde: 1935 fuhr der Seemann William Reeves, der am Tag des Untergangs der Titanic geboren wurde, auf dem Frachtschiff Titanian über die Stelle des Titanic-Unglücks und dass auch noch im April, die See war wie damals spiegelglatt. Als Reeves, der in der Nacht im Ausguck Wache hielt, das alles bewusst wurde, schlug er aus einem Gefühl der Panik heraus Alarm. Gerade noch rechtzeitig konnte die Titanian vor einem riesigen Eisberg stoppen. Da der jedoch im Stadium des Zerfalls begriffen war, musste das Frachtschiff aus einem gefährlichen Eisfeld von Eisbrechern von St. Johns gerettet werden.

„Ist das irgendwie so wie beim Bermuda-Dreieck?“, fragt Selma am Schluss ganz flattrig, „Eine Stelle, an der das Meer nicht befahren werden möchte? Oder leben dort vielleicht die Nixen und Wassermänner, die sich so ihre Geliebten holen?“
Der Master hält all dieses für Seemannsgarn, für Tollheiten der Psyche.
„Auch `ne Verdrängung“, meint Siri trocken.

Herzliche Grüße aus sunny Norfolk und vielen Dank an Dina für die Bilder und Ideen

In einem der nächsten Blogbeiträge werden Siri oder der Master über den Untergang der Titanic im Roman berichten.

Buchtalk, Selma Lagerlöf

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Buchtalk, Selma Lagerlöf

Heute vor 72 Jahren starb die erste Frau, die den Nobelpreis für Literatur erhielt: Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf, die das beliebte Jugendbuch „Die wundersame Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ 1906 schrieb. – Huch, ich bin ganz flattrig, da ich ja nach dieser schwedischen Autorin benannt worden bin. Unser Master hat seit seiner Jugend den Nils-Holgerson-Roman neben Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf stehen und dort steht er immer noch auf Regalbrett 1. Siri und ich flattern oft auf dieses Regalbrett, denn Nils und Pippi sind unsere lieben Freunde wie für viele skandinavische Kinder.

Holgerssons Reise wurde so berühmt, dass der kleine Nils auf dem schwedischen Zwanzig-Kronen-Geldschein und auf einer deutschen Briefmarke auf der schneeweißen Leitgans sitzend verewigt wurde. Schiffe und Flugzeuge wurden nach ihm benannt und der Ethologe Konrad Lorenz nannte eine seiner Versuchsgänse „Martina“ nach dem Lieblingsbuch seiner Kindheit.

Der vierzehnjährige Nils, freilich ein frecher Bursche, wird in einen Wichtelmann (Schwedisch: „tomte“) verwandelt und kann so von der Gans Martin in die Lüfte über Schweden getragen werden. Das war die geniale Idee, mit der Selma Lagerlöf den Auftrag des schwedischen Lehrerverbands ausführte, ein Buch über die schwedische Landeskunde zu schreiben. Dieser Roman, den die an Frauenfragen interessierte Autorin nach ihren Erfolgen „Gösta Berling“ und „Jerusalem“ veröffentlichte, ist ein vom Fortschrittsglauben geprägter Entwicklungsroman und zugleich der erste große Roman, in dem ein Kind die Hauptperson spielt. Von Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ übernahm die Autorin die Idee der sprechenden Tiere, die ja in einem Geografiebuch, als das man den Roman auch sehen kann, eher unüblich sind. Weniger bekannt ist, dass Selma Lagerlöf mit diesem Roman die schwedische Sprache (bes. die Grammatik) vereinfachte.

Ihre frauenemanzipatorische Einstellung drückt die Autorin nicht nur in der Parallelgeschichte von Åsa aus, sondern auch in der altehrwürdigen Leitgans Akka von Kebnekaise, wobei der Berg Akka „die Königin“ Lapplands genannt wird und auf Samisch „die Mutter“, auf Finnisch „die weise Frau“ heißt. Einen anderen Bezug zum Finnischen finden wir in dem Namen der anderen Gänse Yksi, Kaksi, Kolme, Neljä, Viisi, Kuusi (finnisch für die Zahlen eins bis sechs). Symbolisch reflektiert, spielt sich die Åsa-Geschichte auf der Erde als weibliches Element ab, die Nils-Geschichte in der Luft als männliches Element. Insgesamt ist dieser Roman eine Fundgrube für die Mythologie und Symbolik der nordischen Völker.

Selma Lagerlöf

Nach dem Nils-Holgersson-Roman veröffentlichte Selma Lagerlöf noch weitere Romane wie „Liljecronas Heimat“ (1911), „Der Fuhrmann des Todes“ (1912), „Der Kaiser von Portugallien“ (1914), „Das heilige Leben“ (1918) und die Trilogie „Der Ring des Generals“, (1925), „Charlotte Löwensköld“ (1925), „Anna, das Mädchen aus Dalarne“, (1928). Alle diese Werke standen jedoch im Schatten des so enorm erfolgreichen Nils-Holgersson-Romans, von dem Selma Lagerlöf meinte, dass dieser Roman eine Goldgrube besser noch als der Nobelpreis gewesen sei.
Übrigens die zweite skandinavische Nobelpreisträgerin war auch eine Frau, nämlich die 24 Jahre jüngere Norwegerin Sigrid Undset, die jedoch im Unterschied zu Selma Lagerlöf äußerst konservativ lebte. Beide Lagerlöf und Undset verbindet jedoch, dass sie streng gläubig waren.

Wer Selma Lagerlöf genauer kennenlernen möchte, dem seien ihre beiden Memoiren „Memoiren eines Kindes“ (1930) und „Tagebuch der Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf (1932) empfohlen.

Mit herzlichem Gruß
Dina, Siri, Selma und Klausbernd „Masterchen“

Buchtalk Rudyard Kipling

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Buchtalk Rudyard Kipling

Da Siri und Selma gerade „Rikki-Tikki-Tavi“ von Rudyard Kipling lesen, nutze ich den Moment, um Kipling kurz vor seinem Todestag zu ehren.

Am 18. Januar vor 76 Jahren starb Rudyard Kipling, ein Autor, der in Deutschland weitgehend als Kinderbuchschreiberling oder als gar als Imperialist missverstanden wurde. Wer Kiplings Namen in Deutschland hört, denkt sofort an „Das Dschungelbuch“ (u.a. wegen der populären Disney-Verfilmung), das man jedoch keineswegs zur ernsthaften Literatur zählt. Das zeigt naive Ignoranz, denn zum einen bekam der indo-englische Autor mit knapp über vierzig Jahren als damals jüngster Laureat u.a. für dieses Buch den Nobelpreis und zum anderen verehrten ihn Konrad Lorenz, Churchill, Joyce und Borges. Bert Brecht plagiierte ihn und nannte ihn in seinem Werk. Kipling war einer der beliebtesten Autoren seiner Zeit, dem die TIMES 1890 sogar eine ganze Ausgabe widmete.

Rudyard Kipling 1895 in seinem Arbeitszimmer

Rudyard Kipling 1895 in seinem Arbeitszimmer

Aber kommen wir zurück zum Vorurteil, Kipling sei Kinderbuchautor. Nach Shakespeare ist er der meistzitierteste englische Autor und sein Wortschatz kommt jenem Shakespeares gleich. Seine Gedichte prägten erstaunlich viele englische Sprichwörter. James Joyce sah ihn gar von gleicher Qualität wie Tolstoi und D`Annunzio.

Der arme Kipling zog viele Missverständnisse an: Man hielt ihn speziell in Deutschland vor, dass er sich von seinem Nobelpreisgeld einen Rolls Royce kaufte, man neidete ihn, dass er zu seiner Zeit einer der Schriftsteller war, der am meisten verdiente und vor allem schimpfte man ihn einen Imperialisten. Dabei wird völlig übersehen, dass Kipling die englische Kolonialmacht äußerst zynisch betrachtete. Freilich war er wie sein Freund Henry Rider Haggard, den er oft in Norfolk besuchte, ein Verfechter der Viktorianischen Tradition, wenn er auch Queen Victoria mächtig angriff und so bewusst vereitelte, dass er geadelt wurde. Wie Rider Haggard glaubte er an das britische Empire und schrieb exotische Geschichten und Abenteuerromane. Der Roman „Kim“ war zu seiner Zeit – und ist es in England noch heute – genauso beliebt wie „Das Dschungelbuch“ und seine Geschichten und Erzählungen sind komplexe und hoch unterhaltsame Meisterwerke von liebevoller Innigkeit. Ich las kürzlich meinen beiden BuchFeen und Dina im Bett die „Genau-so-Geschichten oder Wie das Kamel seinen Höcker kriegte“ vor, wir konnten gar nicht aufhören zu lachen und zu lesen. Die Geschichten sind kinderfreundlich, witzig und äußerst ideenreich, kurzum Unterhaltung für Groß und Klein vom feinsten.

Rudyard Kipling und Henry Rider Haggard sind beide Opfer der modernen autoritären Macht, der sogenannten politischen Korrektheit, die mccarthyhaft kulturzerstörerisch wirkt. Vielleicht ist es kein Zufall – nomen est omen –, dass McCarthy und Stalin den gleichen Vornamen trugen (allerdings Kipling hieß auch Joseph, oh dear!)?

Auf jeden Fall lohnt es sich, Rudyard Kipling zu lesen, der Ihnen erzählt, wie der erste Brief geschrieben wurde, wie der Leopard seine Flecken bekam und wie das Nashorn seine Haut kriegte. Und haben Sie sich auch schon gefragt, wie die Buchstaben entstanden und warum sie gerade diese Form haben? Auch das können Sie – mit Kiplings eigenen Illustrationen – in den „Genau-so-Geschichten“ nachlesen (die 2011 beim Schweizer Unionsverlag in einer schönen Ausgabe wieder verlegt wurden).

Viel Spaß
Klausbernd Vollmar

Conan Doyle und Sherlock Holmes

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Conan Doyle und Sherlock Holmes

Wisst Ihr, welcher weltberühmte Schriftsteller sich für die Existenz von Feen einsetzte und bis zu seinem Tod an uns glaubte?

Na, habt Ihr es gewusst?

Arthur Conan Doyle

Es war erstaunlicherweise gerade der Mann, der eine ebenso weltberühmte Person schuf, die durch ihren wissenschaftlich geprägten Scharfsinn brillierte. Klar doch, nur wer klug ist, der weiß, dass es uns gibt – und noch einen Hinweis: Ein großes Versehen, dass wir beiden BuchFeen Siri und Selma in keiner seiner vielen Geschichten vorkommen.

Was wir ganz doof finden: Conan Doyles Sherlock Holmes konnte Frauen nicht leiden. Frauen und Liebe, so bemerkte er seinem Assistenten Dr. Watson gegenüber, stören das Denken. Aber lehrte er nicht auch „trau niemals dem Offensichtlichen“? In „Ein Skandal in Böhmen“ scheint sich unser cooler Meisterdetektiv in Irene Adler zu verlieben, die die einzige Person in all seinen Geschichten ist, die ihn besiegte. Ja, und da Holmes wohl wegen seiner problematischen Mutterbeziehung (obwohl seine Mutter begnadete Geschichtenerzählerin war) uns Frauen im Gegensatz zu uns Feen nicht leiden konnte, munkelten einige spätere Schreiberlinge, dass kein anderer als er Jack the Ripper war, der immerhin zu seiner Zeit (1888) zu einer ähnlichen Berühmtheit wie er wurde, nicht nur weil er Frauenleichen zerstückelte und innere Organe entnahm, sondern auch weil er stets der Polizei entkam. Naja, dass Holmes The Ripper war,  glauben wir beide, Siri & Selma, eher nicht, wenn auch der Vater von Sherlock Holmes ein Schlitzohr war. Um der Wissenschaftsgemeinde eins auszuwischen (die ihn dummerweise wegen seines FeenGlaubens verlachte), hat er 1912 in einer Kiesgrube bei Piltdown/Sussex in der Nähe seines letzten Wohnorts Fossilien und einen Schädel so manipuliert, dass es aussah, dass dem Menschen der Übergang vom Affen zum Homo sapiens in Merry Old England gelungen sei, woran die Viktorianer in englischer Arroganz eh nie gezweifelt hatten. Sherlock Holmes wäre diese den Engländern schmeichelnde Fälschung sicher sogleich aufgefallen, aber Conan Doyle wusste zu verhindern, dass seinem Detektiv dieser Fund nie zu Ohren kam.

Sherlock Holmes

Klar, das ist doch alles Quatsch mit der Entstehung des Menschen aus dem Affen, wir sagen es Euch: „Der Mensch entsteht aus Geschichten, wenn Ihr so wollt, aus Gedrucktem“, dafür ist Sherlock Holmes doch das beste Beispiel, der als einzige der wenigen fiktiven Person in die Enzyclopedia Britiannica aufgenommen wurde.

Und außerdem ist Holmes eh wie wir Feen unsterblich. Ihr könnt ihn in rund 200 Filmen und um die 50 Bühnenstücke sehen, schon Doyle ließ ihn in 60 Geschichten agieren. Und um Conan Doyle Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, anders als Sherlock Holmes hatte er wohl ein gutes Verhältnis zu Frauen. Seine letzten Worte, an seine zweite Frau Jean gerichtet, waren: „Du bist wunderbar.“

Für seine Leser war Sherlock Holmes keineswegs fiktiv, enthusiastisch verteidigten sie, dass er eine reale Person sei. Als Conan Doyle seinen Meisterdetektiv am 4. Mai 1891 in das „Das letzte Problem“ an den Reichenbachfällen in der Schweiz sterben ließ, brach eine ähnliche Massenhysterie aus wie nach Goethes „Die Leiden des jungen Werther“. Und nicht nur Goethes fürchterlich romantischer Roman (bei dessen Lesen wir BuchFeen Lachkrämpfe bekamen), sondern auch die Sherlock-Holmes-Geschichten scheinen zumindest einen Selbstmord provoziert zu haben. Der weltführende Conan-Doyle-Forscher Richard Lancelyn Green kam im März 2004 unter merkwürdigen Umständen in seiner Londoner Wohnung um. Einige nahmen an, dass der Forscher seinen Tod wie einen Fall von Sherlock Holmes inszenierte.

Ist Euch schon aufgefallen, dass Sherlock Holmes und Sigmund Freud einiges gemeinsam hatten (darüber werden wir später noch mehr bloggen), außer dass sie sich (freilich nur durch ihre Schriften) kannten und Zeitgenossen waren? Freuds Methode ähnelt jener von Sherlock Holmes, die Umberto Eco als „Abduktion“ bezeichnete, einen Ausdruck, der von Charles S. Peirce (amerikanischer Wissenschaftsphilosoph) stammt und der auf Aristoteles (immer der) zurückgeht. Die Abduktion ist die Bildung einer erklärenden Hypothese, der dann die Deduktion folgt. Sagen wir es einfach: Holmes leitet aus genauer Beobachtung ab, genauso wie Ecos Wilhelm von Baskerville in „Der Name der Rose“, der dazu noch im Aussehen wie Sherlock Holmes geschildert wird, dessen Bild weitgehend auf den genialen Illustrator Sidney Paget zurückgeht. Es wurde  gemunkelt, dass Paget die Figur des Holmes nach seinem jüngeren Bruder gestaltete. Paget selbst besaß eine Vorliebe für diese karierte Schirmmütze (dear stalker cap), die zum Markenzeichen von Holmes wurde, obwohl sie nur in der Geschichte „Silberstern“ erwähnt wurde. Erstaunlicherweise wird unser Bild von Holmes und Watson mehr von Pagets Illustrationen und vom Film als von den Beschreibungen des Detektivs in Connan Doyles Romanen geprägt. Im Film kommt wohl Jeremy Brett unserem literarischen DandyChemiker am nächsten.

Aber zurück zu Freud und Holmes: Beide waren rührige Kokser. Weswegen Nicholas Meyer seinen Holmes-Freud-Roman „Die Sieben-Prozent-Lösung“ nennt, die Koksern wohl bekannt ist. In einer der letzten Sherlock Holmes-Erzählung „Der verschollene Three-Quarter“ berichtet uns Dr. Watson, dass Holmes seine Süchte überwunden habe, was Meyer in seinem Roman einer Analyse des Meisterdetektivs bei Freud zuschreibt. In „Eine Studie in Scharlachrot“, die 1887  als erste Holmes-Geschichte in England veröffentlicht wurde, schreibt Conan Doyle, dass „die inneren Gefühle eines Menschen durch einen augenblicklichen Ausdruck, das Zucken eines Muskels oder einen einzigen Blick“ zu erschließen seien. 18 Jahren später finden wir genau diesen Gedanken in Freuds „Bruckstück einer Hysterie-Analyse“ erstaunlich ähnlich ausgedrückt.
Wisst Ihr, dass ein Viertel der Sherlock-Holmes-Fälle gar nicht kriminell waren. Selma fragt sich gerade, ob wohl auch ein Viertel der Freud-Fälle gar nicht neurotisch waren.

Holmes und Watson

Uns beiden BuchFeen gefällt besonders an den Holmes-Geschichten, wie in ihnen die englischen Umgangsformen so treffend geschildert und zugleich ironisiert werden. Die Dialoge zwischen Holmes und Watson und speziell zwischen Holmes und dem Polizeioffizier Inspektor Lestrade sind meist pfiffig witzig und von einer atemberaubenden Arroganz geprägt, die Holmes als klassischen Vertreter der englischen Oberschicht kennzeichnet. Übertrieben für den heutigen Geschmack finden wir jedoch die bisweilen schulmeisterlichen Entgleisungen von Holmes, eine Eigenart, die Holmes mit vielen Aufklärern seiner Zeit teilt. Erzählt wird bis auf wenige Ausnahme aus der Perspektive von Dr. Watson, mit dem sich Conan Doyle (selber Arzt) identifizierte. Die Vorlage zu Sherlock Holmes bot Doyles Universitätslehrer, der Medizinprofessor Bell, der für seine analytischen Fähigkeiten und Beobachtungsgabe berühmt war.

Edgar Allen Poe

Conan Doyle orientierte sich mit seinen Sherlock-Holmes-Geschichten an Edgar Allan Poe, der für Selma mit „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ (1841) und „Das Geheimnis um Marie Roget“ (1842) die ersten modernen Krimis schrieb. Auch hier tritt bereits ein Detektiv auf und die brillant geschriebene Geschichte wird aus der Perspektive seines Assistenten beschrieben (und wurde von Beardsley illustriert). Ich, Siri BuchFee, dagegen meine, man könne schon  E.T.A. Hoffmanns „Fräulein von Scuderi“ (1818) als Vorläufer der heutigen Krimis sehen – und erstaunlicherweise ermittelt hier eine Frau, nach der diese  romantische Novelle benannt ist.
Poe erfand wie Conan Doyle und fast alle Krimischriftsteller bis heute einen Detektiv, nämlich Auguste Dupin. Schon im ersten Holmes-Fall „Eine Studie in Scharlachrot“ sprechen Holmes und Watson über Dupin, der Sherlock Holmes als „Vertreter der Ratio“ (Siegfried Kracauer „Der Detektiv-Roman“) und Prototyp des Amateurdetektiv ähnelt (wogegen Holmes sich in diesem Gespräch wehrt). Allerdings übertrifft ihn der dandyhafte Holmes in seiner Exzentrik bei weitem. Die einzige Exzentrik des sparsam mit Eigenschaften beschriebenen Dupin besteht darin, dass er als Nachtmensch lebt. Holmes ähnlicher finden wir seine Nachfahren wie Agatha Christies Hercule Poirot und Dorothy Sayers Lord Peter.
Zur gleichen Zeit tritt in den USA der Detektiv als der knallharte Mann auf, dem jeder Charme unseres Holmes fehlt. Dashiell Hammett und Raymond Chandler bringen den Mord zu jenen Menschen zurück, die aus Gründen morden und nicht nur, um Autoren wie Conan Doyle und Agatha Christie eine
Leiche zu liefern. „Realismus statt Romantik“ war die These Chandlers, die solche Leute wie unseren Petrarca lesenden und Geige spielenden Holmes und seine weibliche Kollegin, die hochgebildete, ältliche Miss Marple, ins Abseits geraten ließen. – Aber nicht ganz, denn auf der ganzen Welt gibt es heute um die 600 aktive Sherlock-Holmes-Clubs und immer wieder werden die Holmes-Geschichten neu verfilmt.
Allerdings, muss ich, Sirir BuchFee, hier den genialen Rex Stout als Ausnahme anführen. Dieser amerikanische Krimiautor, der von 1934-1975 33
Romane und 14 Erzählungen schrieb, schuf mit dem orchideenzüchtenden Privatdetektiv Nero Wolfe nicht nur einen ebenso exzentrischen und belesenen Detektiv wie Sherlock Holmes, sondern er übernahm auch Conan Doyles Technik, die Geschichten aus der Sicht des Assistenten zu schreiben, in diesem Fall Archie Goodwin. Conan Doyle und Stout lieben das immergleiche Setting, ihre Detektive haben eine feste Adresse und bei beiden steht die Polizei ziemlich dumm da. Ich überzeuge gerade mein Schwesterlein Selma davon, Rex Stout zu lesen, denn wer Sherlock Holmes liebt, wird sich auch mit Nero Wolfe anfreunden.

Wie wir auf Conan Doyle und seinen Holmes kamen? Wir berichteten Euch ja bereits (in „Literary Norfolk, Poppyland“), dass Conan Doyle sich in Cromer, unserer nächsten Stadt, golfspielend vom Typhus erholte und außerdem lebte er ja die letzten 23 Jahre seines Lebens in East Anglia (wozu auch Norfolk gehört), wo er mit Rudyard Kipling Golf spielte, bis er am 7. Juli 1930 starb. Und wir beide sind über die Parallelen zwischen unserem Master und Sherlock Holmes verblüfft: Beide sind Lehnstuhlexplorer, coole Logiker und einiges mehr, worüber wir demnächst noch genauer berichten werden. Außerdem finden wir, jeder Gebildete sollte zumindest einige von Conan Doyles Geschichten kennen. Dieser Ansicht war man selbst bis vor kurzem in den USA. In diesem Jahr wurde jedoch „Eine Studie in Scharlachrot“ auf Grund einer Klage der Mormonen Virginias vom Lehrplan gestrichen, da es in einer Nebenszene um eine Zwangsheirat im Mormonen-Milieu geht.

Bevor wir uns von Euch für heute verabschieden, hier unser Lieblingszitat von Conan Doyles Sherlock Holmes: „Mein lieber Watson, ich kann nicht zustimmen, Bescheidenheit zu den Tugenden zu zählen. Als Logiker sollte man die Dinge sehen, wie sie sind; sich zu unterschätzen weicht genauso weit von der Wahrheit ab, wie seine Kräfte zu überschätzen.“

In diesem Sinne Eure BuchFeen Siri und Selma

Nachtrag: Der ehemalige Maurer Guy Richie drehte 2009 nach der Trennung von Madonna den Film „Sherlock Holmes“, der insofern konsistent ist, dass die Besetzung schlecht, das Drehbuch noch schlechter und die Zeichnung von Holmes völlig daneben ist. Der australische Filmkritiker David Stratton meint, der Regisseur war hauptsächlich an Action interessiert, wobei er eine Vorlage der Weltliteratur vergewaltigte. Richie wäre wohl besser Maurer geblieben. Schock  Horror, es ist noch eine Fortsetzung geplant „und verschone uns von dem Übel“ …

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk 2011

Literary Norfolk

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Literary Norfolk

Hi, liebe Leser, endlich lässt mich Siri an ihr McFeeNotebook und nun kritzele ich über unsere Bücherwelt – ja ICH! Siri hat doch nicht die Belesenheit gepachtet. Ich bin auch BuchFee! Und findet Ihr nicht, meine Schwester entwickelt zunehmend zur Vatertochter? Jetzt versucht sie doch glatt wie der Master zu schreiben – eine Kopistin, aber keine Plagiatorin in hehrer Guttenbergscher Tradition, oh dear, aber eine Liiiebe. Vielleicht liegt es auch daran, weil sie auf des Masters Schultern hockend in Terry Pratchetts Buch diese Scheibenwelt-Fantasien gelesen hat. Scheibenwelt, das ist eine Abart der FlachErdeWelt, die Siri in ihrem Normaler-Tag-Geschreibsel erwähnte. Eigentlich hätte ich den beiden „Die Farben der Magie“ geben sollen, wo der untalentierte Zauberer Rincewind über den Rand der Welt purzelt, über „the Edge“, wie unsere Gegend von dem vogelguckenden Autor Richard Mabey, Englands prominentesten Naturschriftsteller, beschrieben wird. Prachett dagegen meint wohl nicht unseren Strand hier. Wie dem auch sei, „Die Farben der Magie“ war unauffindbar verstellt, ich hoffe, nicht über „the Edge“ gefallen. PotteryPetronella schwärmt für dieses Buch. Ist doch klar, ihre Welt ist die Töpferscheibe, also auch so eine Scheibenwelt.

Iiih, SiriFee und der Master sind bisweilen voller Vorurteile: „Kinderliteratur“ war ihr Kommentar als ich ihnen „Der Winterschmied“ empfahl. Da die liieben Ignoranten noch nie etwas vom alzheimerkranken Prachett gelesen haben, drückte ich ihnen das arme ungelesene Buch von Regalbrett 2 in die Hand. Ich dachte mir, da können sie lernen, wie man witzig und fantasievoll dichtet. „Fantasy – nicht mein Ding!“, wehrte der Master brüsk ab, aber dann lasen sich die beiden laut lachend fest. Da es um den Winter, einen Eisberg und viel Schnee geht, vermutete ich, dass sie trotz ihrer manchmal elitären Haltung den Roman zumindest ganz nett fänden. Klar, der Master schreibt anders, aber er brauchte unbedingt eine Auflockerung, denn aufgeregt wartet er darauf, ob sein Roman angenommen wird, immerhin liegt er auf dem Tisch der Cheflektorin eines Großverlags, die sogar versprach, ihn zu lesen. Das ist doch etwas – oder? Also kräftig Flügeldrücken! Unter uns, mit Hilfe von Siri hat der Master bereits einen zweiten Band von „Tantes Tod“, wie der Alliterationsverliebte seinen Roman tituliert, geplant.

In Good Old Norfolk hat Schreiben Tradition – weil sonst nichts los ist.

Henry Rider Haggard schrieb auf seinem Gut (Ditchingham) u.a. „Sie“, einen – wie ich finde – voll kitschigen Roman, den C.G. Jung als den besten über die Anima empfahl. Die Verfilmung – ich sage Euch – zum Kichern. Häufig wurde der Gentleman Farmer Rider von seinem Freund Rudyard Kipling besucht, den das ländliche Norfolk ebenfalls inspirierte – aber bestimmt nicht zum Dschungelbuch! Beide verband die Trauer über den Tod ihrer Söhne. Auf langen Spaziergängen und beim Tee im Gutshaus entwickelten sie gemeinsam die Handlungen ihrer Romane. Haggart wurde berühmt durch seinen Roman „King Salomons Mines“. Die kluge Siri sagt mir gerade, dass er mit seinem Bruder gewettet hatte, ein so beachtliches Werk wie Stevensons „Die Schatzinsel“ schreiben zu können und da soll er in sechs Wochen „King Salomons Mines“ vollendet haben, ein riesiger Erfolg, zu dem ihn R.L. Stevenson gratulierte. In einigen späteren Romane spielt Norfolk ein Rolle.

Und dieser fürchterliche Moralist Daniel Defoe soll in der St. Nicholas Kapelle zu Kings Lynn eine Inschrift gesehen haben, die einen Robinson Cruso erwähnt. Daraus wurde unter kreativer Hinzufügung des E der „Robinson Crusoe“, der auf seiner Insel ständig jammert, nicht die goldenen Früchte des Mittelstands zu Hause genossen zu haben. Der Master las zusammen mit Siri Defoes „A General History of the Pyrates“, die ich viiiel zu langweilig fand, voll gähn. Dieses Piratenbuch, das Defoe als Captain Johnson veröffentlichte, ist jedoch die Quelle für die Geschichte der Piraterie, die am zeitnahsten an der Blütenzeit der Freibeuter geschrieben wurde, erklärt mir gerade Siri, die mir ständig beim Schreiben über die Schulter guckt.

Und ob unser krimiliebendes Tantchen weiß, dass Arthur Conan Doyle 1901 seine Idee zum „Hund von Baskerville“ in Cromer bekam? Norfolks Seeräuber und Schmuggler erfanden den Geisterhund, um Neugierige von der Küste abzuhalten, das wurde Conan Doyle beim Golfen an unserer Küste erzählt. Cromer Hall war die im Roman beschriebene Baskerville Hall, außerdem beschrieb der erfolgreiche Autor später die Küste bei Happisburgh in seinen Sherlock Holmes Krimis. Der Vater von Sherlock Holmes liebte es, sich an der Küste Norfolks zu entspannen.

Tantchen Doris wird es auch sicher interessieren, dass die erste englische Frau, die bereits im 14. Jh. ein Buch veröffentlichte, aus Norwich kam: Julian(a) von Norwich, die in der feministischen Theologie des zwanzigsten Jh. ein Popstar wurde, da sie Gott androgyn sah.

OK, was soll ich Euch noch länger langweilen mit“ Oscar Wilde war hier wie auch Ruth Rendel, D.H. Lawrence und Wersonstnoch“. Aber lasst mich noch schnell, eh Siri wieder an das Notebook will (sie nervt mich heute!), Jack Higgins und W.G. Sebald erwähnen.

Jack Higgins war mit „Der Adler ist gelandet“ einer der ersten weltweiten Erfolgsautoren – und wisst Ihr, wo diese spannende Geschichte um die Entführung Churchills spielt? In Church Lane! Ja, keine drei Minuten Fußweg von unserem FeenKuschelHaus. Voll blöd, dass es nicht hier verfilmt wurde (war zu teuer, ehrlich)! Also, ich bin ja eigentlich kein Leser von Kriegsliteratur, uhhh, die ist mir zu brutal, Feuer und Blut sind gar nicht meine Sache – Siri ruft gerade: „Meine auch nicht, iiih!“ Aber da im Roman nun mal unsere Kirche eine wichtige Rolle spielt, lasen wir ihn zu dritt. Der Master war verwundert, wie positiv teilweise die deutschen Offiziere von Higgins geschildert wurden – und das in den siebziger Jahren, als in anderen britischen Kriegsromanen die Deutschen durchweg als böse dargestellt werden.

Zum Schluss will ich noch den vor zehn Jahren umgekommenen deutschen W.G. Sebald erwähnen, der nicht nur die UEA in Norwich zu einer der weltweit führenden Universitäten für kreatives Schreiben machte, sondern auch in „Die Ringe des Saturn“ über den Küstenpfad schrieb, der unweit von uns entlang geht. Der Master war ganz angetan von Sebalds Technik, wie er andere Literatur in seinen Roman einfügt und von „the Edge“ bis nach China seine Gedanken fliegen lässt – völlig ungeerdet, nix für mich!Master und Siri schreibseln auch noch wacker. Sorry, ihr beiden, wenn ich eure Illusion zerstörte, ihr wärt die einzigen hier. Großes Bitte, Bitte, nicht sauer sein!

Liiiebe Grüße
Selma, Buch- und FotoKnipsiFee, die auf ihrem Regalbrett ständig „on the edge“ lebt.

Die belesene Siri BuchFee lässt Euch bestellen, dass sie noch Genaueres, Intimeres und mehr über die schreibende Zunft im idyllischen Norfolk  schreibseln wird. Manchmal ist meine eigentlich sooo liebe Schwester echt nervig. Sie tusst gerade herum und protestiert. „Literatur ist mein Gebiet, bleib du bei deiner Gartenschaufel!“ – frech, nicht?!
Sie meint noch, ich soll Euch bestellen, dass Howard Carter, der in Ägypten beim Rumgraben das Grab von Tutenchamun fand, in Norfolk aufgewachsen ist (Swaffham) und die Vorfahren von Abraham Lincoln kamen auch aus Norfolk – well, hat zwar nix mit Literatur zu tun, aber spannend.

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk, 2011

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