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Vita Sackville-West

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Liebe Leserinnen und Leser, endlich habe ich mich durchsetzen können – mit Dinas Unterstützung.
Ab heute habe ich die Ehre, auf diesem Blog eine eigene Rubrik „Selmas (starke) Frauen(porträts)“ zu betreuen. Und schon geht`s los mit Victoria Mary Sackville-West, The Hon Lady Nicolson, genannt Vita. Heute am 2.6. vor 50 Jahren ist diese geniale Ekzentrikerin gestorben.

Ihr Leben liest sich wie ein Roman. Ihre Biographie ist ein Gesamtkunstwerk. Ihr aristokratischer Hintergrund mit seiner Pracht und seinen Privilegien, dazu der Umstand, dass ihre Großmutter eine spanische Tänzerin war, tragen ebenso zu diesem Eindruck bei wie ihr abenteuerliches Leben. Geboren wurde sie 1892 als einziges Kind von Lord Sackville und seiner Ehefrau Victoria auf dem schönen Schloß Knole in Kent.

Mit vierzehn Jahren schrieb sie ihren ersten Roman und bis zu ihrem Tod war sie nur dann mit sich zufrieden, »wenn sie ein Buch in Arbeit hatte«. 1913 heiratete sie Harold Nicolson, mit dem sie um Sissinghurst Castle einen der schönsten und berühmtesten Gärten der Welt gestaltete. Die offene Ehe (er schwul, sie eher lesbisch ausgerichtet), die wohl die ungewöhnlichste Liebesbeziehung dieses Jahrhunderts war, bestand über neunundvierzig Jahre.

Vitas exotische Reisen, ihre zahlreichen, leidenschaftlichen Frauenbeziehungen, ihre unkonventionelle Ehe, ihr Ruhm als Erfolgsautorin und ihr Genie als Gärtnerin ließen sie zu einer der faszinierendsten Frauengestalten der damaligen Zeit neben der 14 Jahre jüngeren Josephine Baker werden.

Vitas Liebesaffäre mit Virgina Woolf gehört zu den berühmten Liebesgeschichten der Welt. Woolfs Kritik an der Männermacht und der Unterdrückung weiblicher Kreativität hatte sie zu einer Ikone der Frauenbewegung werden lassen. Vita und Virginia lebten ihre Leidenschaft als Modell einer emanzipierten Beziehung in Berlin aus. Interessierte können hier weitere Infos finden.

Virginia Woolf schrieb für Vita den Roman „Orlando“, eine fiktive Biografie von Vita Sackville-West. Sally Potter machte daraus ein Drehbuch, komponierte die Musik und so wurde „Orlando“ zu einem erfolgreichen Film mit Tilda Swinton in der Hauptrolle. Auf dem letzten Bild unten rechts posiert Vita Sackville-West als Orlando.

Vita Sackville-West war wie Virginia Woolf eine Bloomsberry, so nannten sich die Mitglieder der Bloomsbury Group, die für die Erneuerung der englischen Kultur zu Beginn des 20. Jh. die wesentlichste Kraft war. Und wie kann es in Merry Old England auch anders sein,  die Bloomsberries waren ursprünglich alle Cambridge-Absolventen.

Mit zunehmendem Alter wurde Vita Sackville-West depressiv und starb mit siebzig Jahren an Krebs.

In drei Wochen werden Dina, der Master und wir Buchfeen Sissinghurst Castle in Kent besuchen. Wir werden den Garten und das Zuhause von Vita (es wird heute von National Trust verwaltet) genaustens beäugen. Ich freue mich auf den Flug in den Turm, wo Vita sich zurückzog und wie besessen schrieb, um sich dann wieder in Londons luxuriöser »großer Welt« zu bewegen. „Komisch“, sagte der Master letzte Woche, als er erneut jemand nach Besonderheiten von Kent fragte, „Kent kennt keiner“. Das wird sich bald ändern. Knipsis gibt’s danach. 🙂

Ich, Selma Buch- und Gartenfee empfehle:
Der Bildband „Sissinghurst – Der schönste Garten Englands“ von Tony Lord
„Mein Garten“ von Vita Sackville-West (Piper Tb., mit feinen Farbfotos)

Meine Schwester Siri Buchfee empfiehlt:
„Eine Frau von vierzig Jahren“ von Vita Sackville-West

Dinas Empfehlung:
Der Film „Orlando“ von Sally Potter mit Tilda Swinton

Der Master empfiehlt
„Portrait of a marriage“ von Nigel Nicolson

Herzliche Grüße
Eure Selma