RSS-Feed

Schlagwort-Archive: Umberto Eco

italienischer Autor

Siris Lieblingszitate – Umberto Eco

Veröffentlicht am
Siris Lieblingszitate – Umberto Eco

Zu seiner großen Freude hatte Masterchen von Dina Umberto Ecos reich bebildetes Buch „Die unendliche Liste“ geschenkt bekommen, das er unansprechbar sogleich lesen musste – so ist er eben. Wie bringt man Ordnung in die Welt der Dinge und Erscheinungen, das fasziniert Masterchen seit langem. „Ordnen ist Verstehen“, murmelte er gestern unwürdig mit vollem Mund beim Frühstück und genau darum handelt es sich bei diesem Buch.

Im 18. Kapitel „Die Listen der Massenmedien“ schreibt Eco über die Große Mutter aller Listen, das unendliche World Wide Web

das eben kein ordentlich verzweigter Baum ist, sondern Spinnennetz und Labyrinth, und das uns von allen Räuschen den mystischsten verheißt, den vollständig virtuellen, und uns wirklich eine solche Fülle an Informationen bietet, das wir uns vermögend und allmächtig fühlen, freilich um den Preis, nicht zu wissen, welches seiner Elemente sich auf die reale Welt bezieht und welches nicht, ohne Unterscheidung zwischen wahr und falsch.

Auf seiner Schulter sitzend habe ich mitgelesen. Sogleich bat ich ihn, diese Stelle anzustreichen, die verdeutlicht, dass das WWW eine unendliche und zugleich ungeordnete Liste ist, eine chaotische Aufzählung, die sich anbietet, mit ihr wie bei jedem Kosum seine fehlende Identität zu füllen. Ja, selbst dieser bärtige Rechtsanwaltssohn aus Trier hätte sich gewundert, wie weit heute die Entfremdung fortgeschritten ist.

Dieses 18. Kapitel fanden wir alle hier das beste in diesem Listenbuch. Bei anderen Kapiteln sagte mir mein Buchfeen-Feeling, dass die Listen bzw. diese Art der Listen nur wegen der Vollständigkeit aufgezählt wurden – das Buch ist eben selbst eine geordnete Liste.
Neben einer Einführung in jedes Kapitel werden außer den hervorragend ausgewählten Abbildungen auch immer längere Zitate aus der Weltliteratur angeführt, die ich für clever ausgewählt halte. Durch diese ausführlichen Textstellen las ich manchen Autor, von dem ich in der FayrieSchule zwar gehört hatte, in den ich aber als emsige Buchfee keine Zeit hatte hineinzulesen. So entdeckte ich z.B. Italo Calvino, der bislang ganz traurig, da ungelesen, auf Regalbrett 13 stand, jetzt liegt er neben meinem Kuschelbettchen. Auch mir bekannte Autoren sah ich auf neue Art.

Das Buch ist gleich aufgebaut wie Ecos „Geschichte der Schönheit“ und „Geschichte der Hässlichkeit“, die ich beide mit großem Genuss zusammen mit Masterchen las. Das scheint der Stil eines zeitgeistigen Buches zu sein: ein wenig eigener Text, viele Bilder und längere Zitate – „fast so wie beim Bloggen“, meinte Selma Buchfee.
Wer wie Masterchen die originelle Seite von Eco liebt, wird von diesem im Auftrag des Louvre geschriebenen Buchs enttäuscht sein. Das ist von „Der Name der Rose“ weit entfernt, aber Eco ist auch hier listenreich, er ist eben Eco, der zusammen mit Noam Chomsky zu den intellktuellsten Intellektuellen zur Zeit gezählt wird. Masterchen machte noch darauf aufmerksam, dass Eco und Borges – der von der Bibliothek von Babel, ihr versteht – eines Geistes sind.

Nun meint aber bloß nicht, Listen seien langweilig. Eine Liste zu erstellen, ist ein Abenteuer, das der Ordnung stets innewohnt.

Seid nachsichtig wenn ihr uns denen vergleicht
Die die Vollendung der Ordnung waren
Wir die wir überall das Abenteuer suchen

(Guillaume Appolinaire „Die hübsche Rothaarige“)

Liebe Grüße von
Siri, Buchfee 🙂

Advertisements

Siris Lieblingszitate: Carlos Ruiz Zafón

Veröffentlicht am
Siris Lieblingszitate: Carlos Ruiz Zafón

„Jede Interpretation und Beobachtung der Realität ist notwendigerweise fiktiv.“
Carlos Ruiz Zafón “Das Spiel des Engels“

In Zafóns Roman „Das Spiel des Engels“, der sich rasend schnell in Spanien verkaufte, geht es um Realität und Wahrheit in einer Weise, dass der Leser wie die Hauptperson selbst nicht mehr wissen, was real ist und was Fiktion. Aber seien Sie unbesorgt, die Wahrheit versteckt sich – wie immer – in der Fiktion, wie es die Hauptperson gegen Ende dieses unterhaltsamen Romans ausdrückt. Es ist ein Werk voller versteckter und offener literarischer Anspielungen, wobei es den Lesegenuss nicht mindert, wenn man die Intertextualität, die nach Umberto Eco Bestandteil eines postmodernen Romans ist, nicht erkennt.

Wie Tantchen zum Welttag des Buches kommentierte, geht der Autor davon aus, dass Bücher eine Seele besitzen, die außer von der des Autors auch von derjenigen der Leser gebildet wird. Deswegen möchten Bücher von vielen gelesen werden, das stärkt ihre Seele. Tantchen würde sich sicher auch an den krimihaften Elementen dieses Romans erfreuen, wobei ich anmerken möchte, dass heute fast jeder Roman Krimihaftes aufweist. Ist das nicht eine literarische Monokultur?

Ruiz Zafón beschreibt, teils in Anlehnung an die „Bibliothek von Babel“ von Borges und jener Bibliothek aus „Der Namen der Rose“ von Eco, eine Bibliothek, die er „Friedhof der vergessenen Bücher“ nennt. Ob man gerade dort die besonderen Leseschätze findet, frage ich mich.

Der Friedhof der vergessenen Bücher spielt in den ersten drei bereits erschienen Romanen der Barcelona Tetralogie eine geheimnisvolle Rolle. In Zafóns Erstlingswerk und ersten Band dieser Reihe „Der Schatten des Windes“ wird diese Bibliothek eingeführt und weiterhin immer wieder auf sie verwiesen. Und wie ihr euch denken könnt, wenn Bibliotheken vorkommen, dann geht`s um Bücher. Besonders „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel der Engel“ sind Bücher über Bücher und der dritte Band „Der Gefangene des Himmels“, dessen deutsche Übersetzung für den 25. Oktober dieses Jahres angekündigt ist (wir lasen ihn neugierig, wie wir sind, auf Englisch), spielt in den späten fünfziger Jahren, einer Zeit, als Buchläden noch das kulturelle Zentrum einer Stadt waren. Als Buchfee las ich mit Glitzeraugen den Abschnitt darüber, was verloren geht, wenn die Bücher verschwinden und was man alles von Büchern lernen kann.

Wie bei vielen postmodernen Romanen sind die Erzählstränge komplex verwoben und so eignen sich die drei Romane Zafóns eher für das konventionelle Lesen, bei denen man sich abends ein bis zwei Stunden Zeit für die Lektüre nimmt. In der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit immer nur um die zehn Seiten zu lesen, würde den Leser im Labyrinth der unterschiedlichen Stories sich verlaufen lassen – speziell bei „Der Gefangene des Himmels“.

Als Buchfee faszinierte mich an den drei Romanen Zafóns wie ein Nachtrauern der „guten alten Zeit“, als Bücher noch geschätzt wurden, in einem modernen Stil präsentiert wird. Es macht mich froh, dass Zafóns Bücher über Bücher einen derartigen Erfolg in Europa haben. Das gibt doch zur Hoffnung Anlass – oder?

Herzliche Grüße vom kleinen Dorf am Meer
Siri Buchfee

Zum Welttag des Buches

Veröffentlicht am
Zum Welttag des Buches

Umzingelt von Büchern wuchs ich auf, in meinen vor-alphabetischen Zeiten freilich als Schrecken für jedes Buch, dessen Seiten ich milder gestimmt bekritzelte, kühner aufgelegt herausriss. Obwohl ich halb erwachsen jahrelang die Psychoanalyse genoss und als Nach-Bildung zu verstehen lernte, waren es doch die Bücher, die mich veränderten und zu dem machten, der ich heute bin. Zwanghafter Buchfreak könnte man mich nennen, einer, der nervöse Zuckungen bekommt, Schweißausbrüche, wenn kein Buch in Griffnähe bereitliegt. Immerhin habe ich meine preußische Erziehung überwunden, nach der man ein angefangenes Buch bis zu seinem erlösenden Ende lesen muss, ein Syndrom, unter dem auch unsere Königin litt, wie Alan Bennett in „Die souveräne Leserin“ berichtet. Dieses Martyrium tu ich mir nicht mehr an. Ich lege Bücher weg, die nach Seite zwanzig immer noch zum Einschlafen verführen wie dieser englische Klassiker „Middlemarch“ von George Eliot oder die dicken Wälzer von Cowper-Powys. Aber wohin, mit den verworfenen Werken? Verschenken wäre boshaft, also spenden nach der Devise, dass kein Buch nicht einen begeisterten Leser findet. Obwohl Heide spende ich der Kirche, denn in den Kirchen der Küstendörfer Nord-Norfolks tauscht die wacker lesende Bevölkerung ihre für nicht regalwürdig befundenen Bücher aus.

Der Autor vor dem Antiquariat in Cley next the Sea, erschöpft vom Stöbern

An einer Buchhandlung vorbei zu gehen, ist eine Unmöglichkeit für mich und bei Einladungen schweift mein hemmungslos indiskreter Blick zum Bücherschrank der Gastgeber. Oh Schreck, ich lebe mehr in der Buchwelt als in jener Anderswelt, die mancher als real bezeichnet.

Analfixiert sammle ich Bücher, aber es gibt wohl mildernde Umstände, nämlich ich sammle nicht, um zu haben, sondern um zu lesen – für mich das Sein, von dem Erich Fromm spricht. Mein Schätze sind die wurmstichige englische Erstausgabe von Nansens „Farthest North“, Richard Wilhelms „I Ging“ in der Jugendstil-Erstauflage, eine hochedle, große wie schwere Ausgabe des „Kamasutra“ und Malinowskis Buch mit dem irreführenden Titel „Das Geschlechtsleben der Wilden“ (für ein Pfund auf einem englischen Flohmarkt entdeckt – in Deutsch!), von dem Freud und Jung einiges übernahmen. Dazu kommen noch einige Erstauflagen in erbarmungswürdigem Zustand der Diederichs Reihe „Märchen der Weltliteratur“. Zum Analfixierten, wie jeder seit Freuds Schriften weiß, gehört auch die Ordnung. Aber hallo, Bücher und Ordnung gehören zusammen wie Druckerschwärze und Papier. Wie oft habe ich schon meine Bibliothek geordnet. Und gerade kann ich mich gar nicht recht aufs Schreiben konzentrieren, da Dina und die Buchfee Selma Bücher nach den Farben – oh dear! – von überall aus den Regalen ziehen, um Fotos zu machen. Schande über sie, sie stellten nicht einmal einen Stellvertreter ein.

Obwohl ich am Inhalt der Bücher interessiert bin und obwohl mich die Bücher aus meinem Haus kafkaesk verdrängen, kann ich mich nicht an E-Books erfreuen, die eigentlich viel praktischer sind. Aber unter uns gesagt, das sind doch keine books – kein Rascheln des Papiers beim Umblättern der Seiten, nicht dieser Buchstaubgeruch. Wir stecken unsere Nase ins Buch, da nehmen wir einen Mix aus Papier, Tinte und Leim wahr, manchmal duften Bücher nach Herbst oder Schimmel, wenigen Büchern haftet ein Sommerduft an. Und das Allerneuste: Ein Berliner Parfümeur hat gerade das Parfüm „Paper Passion“ zum Betören jeder Leseratte kreiert, Karl Lagerfeld – auch ein Buchfreak – entwarf die Verpackung und Günter Grass steuert ein Gedicht bei.
E-Books weisen auch keine Gebrauchsspuren auf wie der fettige Fingerabdruck in Ecos „Der Friedhof in Prag“, der mich an Fahrt mit dem ICE nach Zürich erinnert, als ich selbst beim Essen dieses Buch nicht zur Seite legen konnte.

Ich wage es kaum zu bekennen, die griechisch-römischen Klassiker Aristophanes, Sallust, Lukrez und selbst Cicero und Cäsar (nicht Plato und erst recht nicht Ovids „Metamorphosen“) dienen mir als Buchstützen und teilweise gar als Unterbau für meine Regale, wohin ich auch Aristoteles verbannte. Die helle Leselampe steht auf einer dieser kastrierten Ausgaben von Melvilles „Moby Dick“ (die wenigsten Ausgaben sind vollständig) und auf Bram Stockers „Graf Dracula“ fürs Volk. Meine Wände sind längst alle voll verbucht, denn Bücher isolieren vorzüglich (besser als jeder Isolierschaum). – Kurzum, Sie sehen, ohne Bücher kann man gar nicht leben und elend nur überleben.

Noch gar nicht erwähnte ich all jene geduldigen Büchlein, in die ich schreibe: Mein Journal über die gelesenen Bücher, die ich lästerlich oder gnädig charakterisiere, mein Arbeitsjournal, das ich wie Bert Brecht als Ideenbuch führe und das allseits beliebte Tagebuch, Moleskin natürlich in der Tradition Hemingways. Und vielleicht führen Sie ja noch einige Bücher mehr. – Oh, Hilfe! Die Diktatur der Buchführung unseres Lebens ist ausgebrochen.

Well, da sitze ich in meinem Schaukelstuhl, draußen stolziert der Fasan mit seinen vier Weibchen vorbei, als ob ihm mein Garten gehöre und Siri und Selma, meine Buchfeen, beschimpfen mich als Stubenhocker. Sie flattern anmutig mit einem Transparent „Ehre dem Buch“, auf blauer Seide gelb gestickt, in unserem kleinen Dorf die Küstenstraße auf und ab. Ray, der weißgelockte Dorf-Antiquar, reicht ihnen eine Tasse heißen Tees heraus, in kleinen Schlucken trinkend regt sich Siri über den Titel des neusten Buchs von F.C. Delius auf „Als Bücher noch geholfen haben“ (seine Memoiren). „Tempusfehler!“ ruft sie erbost flügelflatternd. Ich überlege derweil, ob ich über das hochbrisante Thema des Bücherverleihens noch schreiben sollte oder genügt ein radikales „Niemals!“, da verliehene Bücher die Tendenz zeigen, beleidigt nicht mehr zurückzukommen.

Wer wissen möchte, welche Bücher seine Bibliothek zieren und Abende verschönern würden, der kann auf Dinas Blog Anregungen bekommen.

Einen frohen Buchtag wünscht
Klausbernd

Masterchen privat

Veröffentlicht am
Masterchen privat

„Schöne Kunst ist diejenige, die das hohe Ziel hat, die Menschheit zu veredeln, ihr das Schöne, Wahre, Erhabene zu zeigen, ihren Sinn für die Natur zu wecken, das Laster in seiner ganzen Hässlichkeit darzustellen mit einem Worte, den Menschen auf den Punkt zu erheben, für den ihn der Schöpfer bestimmt hat.“      Gottfried Keller

Der Master ist wieder unterwegs. Das ist eine gute Gelegenheit Euch meine Papierkorb-Bilder vom Master zu zeigen, bevor ich den endgültig leere. Oh, hoffentlich sieht Masterchen die nicht, aber der hat zum Glück gerade keine Netzverbindung. Diese Bilder hat er nämlich in einem narzisstischen Anfall zensiert, „bitte löschen!“
Ich frage mich jedoch: Was ist ein interessantes Bild? Auf jeden Fall muss das doch nicht „schön“ sein – oder? Und was macht denn überhaupt ein Bild schön? Und überhaupt, was ist schön?

Masterchen findet sich auf diesen Bildern gar nicht gut getroffen, wir sind da völlig anderer Meinung. „Schön, iiiih, das endet fast immer in starren Klischees“, meint Siri, „so etwas wie die gähnlangweiligen Illustriertenfotos oder schlimmer noch, jene gehübschten 08/15-Fotos der Bilddatenbanken, die bis zur Seelenlosigkeit bearbeitet sind.“

Aber ist Masterchen nicht wie jeder von uns: Er zensiert, was von seinem geschönten Selbstbild abweicht?

SiriFee empfindet das ganz anders: Schön ist das Ungewohnte, die Abweichung vom Erwartungshorizont – zugegeben, zu groß darf sie nicht sein, aber das ist sie doch bei diesen Bildern nicht – oder?

Ich habe Dina gefragt, was ein schönes Bild ausmacht. „Schön ist, was mir auf Anhieb gefällt. Das mögen Stimmungen, ungewöhnliche Kompositionen, Kontraste sein, wobei ein Bild auch „schön“ sein kann, einfach weil es schöne Erinnerungen abruft. So wie Tantchens Bilder in „Ferienzeit“.“
Siri meint – ungefragt (ja, meine Schwester ist oft vorlaut) -, dass „schön“ ein Feld-Wald-und-Wiesen-Wort sei, ein inhaltloses Adjektiv wie gut, nett, hübsch und erhaben zum Beispiel. Es sei ein Ausdruck, der bei Denkfaulen beliebt ist, erklärt sie mir, und setzt verschwörerisch grinsend hinzu „eigentlich kann man schön, gut und nett heute nur noch ironisch benutzen.“
Naja, das ist eben meine megakluge Schwester, aber wir „Normalen“ wissen doch ganz genau, ob wir ein Bild für schön oder hässlich halten. Erstaunlich ist, dass sich Mengen von klugdenkerischen Philosophen mit einer Definition von Schönheit herumplagten, mit der Hässlichkeit, die doch auch ihren Reiz hat, beschäftigte sich einzig Umberto Eco. In seiner bebilderten „Geschichte der Hässlichkeit“ stieß ich auf viele schön hässliche Bilöder. Da seid Ihr platt, nicht?!

Was meint Ihr denn, was ein Bild schön macht?

Liebe Grüße
Eure Selma BilderFee und Gruß von  Siri BuchFee und Dina

Leseratte trifft Bücherwurm

Veröffentlicht am
Leseratte trifft Bücherwurm

Seid ihr auch so völlig gesättigt an Filme und Berichte über Eismänner und die Arktis? So richtig satt? Also Tantchen kann das Wort Eis nicht mehr hören. Im allabendlichen Fernsehprogramm gab es wochenlang nichts als Pole und Gletscher, als gäbe es die Weißwüste bald nicht mehr. Aber ich kenne da jemanden, der richtig verbissen eishungrig ist. Ein wahrer Feinschmecker, wenn ihr mich fragt.
Du meine Güte, bei uns war was los, als Dina die vielzitierte, ehrenwerte Ausgabe von Nansens  „Farthest North“ – erste englische Auflage! – in die Hand nahm.

Glücklicherweise wurde der Nansen nicht angeknabbert, klar doch, der ist zu zäh!

Familie Buchwurm lebt in diesem Schatz wie im Schlaraffenland. An den ersten dreißig Seiten hatte sie sich schon dick und rund gefressen. „Für den  Buchwurm ein  Essen wie es im Buche steht“, kicherte ich, da musste selbst Dina schmunzeln.
„Darüber hat doch Masterchen in seinem Roman geschrieben!“, wirft Siri flattrig ein, „ich lese dir mal paar Abschnitte vor, an denen ich mitgearbeitet habe, darf ich?“

Er zog die beiden Bände von Nansens „Farthest North“ aus dem Regal, die englischen Erstausgabe von 1897. Der eine Band war nicht im besten Zustand, das einzige Buch in Viktorias Sammlung, in dem die Larven der Nagekäfer verheerende Schäden am Buchblock hervorgerufen hatten. Die Seiten waren unten an den Ecken rund gefressen und Wurmgänge zogen sich tief hinein. Ob der Bücherwurm noch aktiv ist? Er hatte einmal gelesen, Schwefelkohlenstoff helfe zuverlässig gegen die Buchwürmer, die eigentlich Käfer sind, ein Mittel, das fürchterlich stank. Da die Nachbarbücher nicht befallen waren, entschied sich Gerrit gegen den Einsatz von Chemie. Er wollte nicht, dass alle Bücher der Eisecke am Ende womöglich wie faule Eier riechen würden. Und wer weiß, ob das Gift nicht auch die Nerven der Menschen angreift? Er sagte sich, dass Wurmlöcher einem edlen alten Buch Würde verleihen. Sind die Gänge, die die Larven in die Bücher hineinfressen, nicht ein schönes Sinnbild für die Ideen, die sich in Büchern fortsetzen und sich durch sie hindurch ziehen? Hatte ihn nicht Martin als Bücherwurm bezeichnet? Nein, die Bücherwürmer bleiben, beschloss er, wir Bücherwürmer sollten zusammen halten.

Gerrit, der Bücherwurm. Freundlich klag das nicht gerade. Bücherwurm und Leseratte – warum werden Menschen, die viel lesen, mit solchen ekelhaften Tieren verglichen? Er hatte früher Tanja als Leseratte bezeichnet. Sie hatte heftig protestiert, sie wollte keine Ratte sein. Ratten, Würmer – will man damit die Intellektuellen pauschal als Abweichler abwerten oder trifft das nicht auch einen wahren Kern, leben die Intellektuellen nicht wie Ratten und Würmer im Dunkeln, zwischen ihren Büchern, wo sie das Leben verpassen? Dieser Nansen, dessen dickes Buch er nach wie vor in der Hand hielt, der hatte es richtig gemacht, der war nicht zwischen den Druckseiten stecken geblieben. Sportler, Politiker, Menschenrechtler, Forscher, Erfinder und Philosoph, eigentlich ein modernes Universalgenie, nein, der hatte seine Zeit wirklich nicht mit selbstverliebten intellektuellen Spielereien vertan.

Gerrit und Mary unterhielten sich über das Verlieren von Bücher und den Buchklau. Gerrit las ihr aus seinem Notizbuch einen Spruch vor: „Wer Bücher stiehlt oder ausgeliehene Bücher zurückbehält, in dessen Hand soll sich das Buch in eine reißende Schlange verwandeln. Der Schlagfluss soll ihn treffen und all seine Glieder lähmen. Laut schreiend soll er um Gnade winseln, und seine Qualen sollen nicht gelindert werden, bis er in Verwesung übergeht. Buchwürmer sollen in seinen Eingeweiden nagen wie der Wurm, der niemals stirbt. Und wenn er die letzte Strafe antritt, soll ihn das Höllenfeuer verzehren, auf immer.“
„Wer denkt sich denn so was aus?“, fragte Mary.
„Angeblich die Mönche des Klosters San Pedro in Barcelona. Aber da hat es nie ein Kloster gegeben. Das hat sich vor hundert Jahren ein Krimiautor ausgedacht, Pearson heißt der.“
„Erfunden, aber gut erfunden. Den Spruch stelle ich auf meinem kleinen Bücherregal auf“, begeisterte sich Mary. Sie fand die Vorstellung von Würmern, die in den Eingeweiden herumnagen, besonders ekelig und abschreckend.
„Das wird mit uns allen geschehen“, warf Gerrit lachend ein, „denn wer hat nicht ein Buch in seiner Bibliothek stehen, das geklaut oder ausgeliehen und nicht zurückgegeben worden ist? Buchliebhaber“, so folgerte er, „sind deswegen immer angenagt. Sie liegen im Sarg – durchlöchert von der nicht ruhenden Mühe der Buchwürmer, die wie die Raupe Nimmersatt die Haut in perforiertes Pergament verwandeln.“
Mary fasste zusammen: „Buchliebhaber sind also besonders offen.“
„Tote Buchliebhaber!“, berichtigte Gerrit.

Ob die Hitze des Feuers wohl Familie Buchwurm vertreibt?

„Aber ich weiß noch etwas, das unser Masterchen nicht geschrieben hat!“ rufe ich, die liebkluge Selma ganz angeregt durch Masters Texte. „Buchwürmer werden die Menschen wie Masterchen und Feen wie du, liebe Siri, genannt,  weil sie sich die Bücher oft so nah vors Gesicht halten, dass es aussieht, als ob sie diese aufessen würden. Außerdem ernähren sie sich von Büchern.“
„Aber ich weiß was, was du nicht weißt: Diese nicht gerade charmante Bezeichnung wurde erstmals 1747 von dem Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing in seinem Lustspiel „Der junge Gelehrte“ (3. Aufzug, 1. Auftritt) verwendet. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts war Buchwurm als Spottname für lesende Leute und Feen üblich. Überhaupt, finde ich es höchst frech, eigentlich unverschämt, dass es noch andere Bezeichnung aus dem Tierreich für uns gibt, nämlich Leseratte. Aber immerhin sind Ratten sehr klug, fast so klug wie ich, aber nur fast!“

Möge der Buchwurm Euch alle verschonen
wünscht Euch
die liebkluge Selma

Last not least:

Happy Birthday Umberto Eco zu deinem achtzigsten Geburtstag heute! Weißt du, Masterchen ist ein großer Fan von dir, ja fast bist du sein Vorbild. Schon vor „Der Namen der Rose“ studierte er „Einführung in die Semiotik“ und dann beschäftigte er sich mit deinen Schriften zur Intertextualität. Aber da man nicht nur Hochkluges lesen kann, wendete er sich deinen Romanen zu, die er mit roten Bäckchen und Glitzeraugen las. – Siri BuchFee und der Master freuen sich auf Neues von dir, obwohl wir zugeben müssen, dass wir „Der Friedhof in Prag“ noch nicht gelesen haben.

Conan Doyle und Sherlock Holmes

Veröffentlicht am
Conan Doyle und Sherlock Holmes

Wisst Ihr, welcher weltberühmte Schriftsteller sich für die Existenz von Feen einsetzte und bis zu seinem Tod an uns glaubte?

Na, habt Ihr es gewusst?

Arthur Conan Doyle

Es war erstaunlicherweise gerade der Mann, der eine ebenso weltberühmte Person schuf, die durch ihren wissenschaftlich geprägten Scharfsinn brillierte. Klar doch, nur wer klug ist, der weiß, dass es uns gibt – und noch einen Hinweis: Ein großes Versehen, dass wir beiden BuchFeen Siri und Selma in keiner seiner vielen Geschichten vorkommen.

Was wir ganz doof finden: Conan Doyles Sherlock Holmes konnte Frauen nicht leiden. Frauen und Liebe, so bemerkte er seinem Assistenten Dr. Watson gegenüber, stören das Denken. Aber lehrte er nicht auch „trau niemals dem Offensichtlichen“? In „Ein Skandal in Böhmen“ scheint sich unser cooler Meisterdetektiv in Irene Adler zu verlieben, die die einzige Person in all seinen Geschichten ist, die ihn besiegte. Ja, und da Holmes wohl wegen seiner problematischen Mutterbeziehung (obwohl seine Mutter begnadete Geschichtenerzählerin war) uns Frauen im Gegensatz zu uns Feen nicht leiden konnte, munkelten einige spätere Schreiberlinge, dass kein anderer als er Jack the Ripper war, der immerhin zu seiner Zeit (1888) zu einer ähnlichen Berühmtheit wie er wurde, nicht nur weil er Frauenleichen zerstückelte und innere Organe entnahm, sondern auch weil er stets der Polizei entkam. Naja, dass Holmes The Ripper war,  glauben wir beide, Siri & Selma, eher nicht, wenn auch der Vater von Sherlock Holmes ein Schlitzohr war. Um der Wissenschaftsgemeinde eins auszuwischen (die ihn dummerweise wegen seines FeenGlaubens verlachte), hat er 1912 in einer Kiesgrube bei Piltdown/Sussex in der Nähe seines letzten Wohnorts Fossilien und einen Schädel so manipuliert, dass es aussah, dass dem Menschen der Übergang vom Affen zum Homo sapiens in Merry Old England gelungen sei, woran die Viktorianer in englischer Arroganz eh nie gezweifelt hatten. Sherlock Holmes wäre diese den Engländern schmeichelnde Fälschung sicher sogleich aufgefallen, aber Conan Doyle wusste zu verhindern, dass seinem Detektiv dieser Fund nie zu Ohren kam.

Sherlock Holmes

Klar, das ist doch alles Quatsch mit der Entstehung des Menschen aus dem Affen, wir sagen es Euch: „Der Mensch entsteht aus Geschichten, wenn Ihr so wollt, aus Gedrucktem“, dafür ist Sherlock Holmes doch das beste Beispiel, der als einzige der wenigen fiktiven Person in die Enzyclopedia Britiannica aufgenommen wurde.

Und außerdem ist Holmes eh wie wir Feen unsterblich. Ihr könnt ihn in rund 200 Filmen und um die 50 Bühnenstücke sehen, schon Doyle ließ ihn in 60 Geschichten agieren. Und um Conan Doyle Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, anders als Sherlock Holmes hatte er wohl ein gutes Verhältnis zu Frauen. Seine letzten Worte, an seine zweite Frau Jean gerichtet, waren: „Du bist wunderbar.“

Für seine Leser war Sherlock Holmes keineswegs fiktiv, enthusiastisch verteidigten sie, dass er eine reale Person sei. Als Conan Doyle seinen Meisterdetektiv am 4. Mai 1891 in das „Das letzte Problem“ an den Reichenbachfällen in der Schweiz sterben ließ, brach eine ähnliche Massenhysterie aus wie nach Goethes „Die Leiden des jungen Werther“. Und nicht nur Goethes fürchterlich romantischer Roman (bei dessen Lesen wir BuchFeen Lachkrämpfe bekamen), sondern auch die Sherlock-Holmes-Geschichten scheinen zumindest einen Selbstmord provoziert zu haben. Der weltführende Conan-Doyle-Forscher Richard Lancelyn Green kam im März 2004 unter merkwürdigen Umständen in seiner Londoner Wohnung um. Einige nahmen an, dass der Forscher seinen Tod wie einen Fall von Sherlock Holmes inszenierte.

Ist Euch schon aufgefallen, dass Sherlock Holmes und Sigmund Freud einiges gemeinsam hatten (darüber werden wir später noch mehr bloggen), außer dass sie sich (freilich nur durch ihre Schriften) kannten und Zeitgenossen waren? Freuds Methode ähnelt jener von Sherlock Holmes, die Umberto Eco als „Abduktion“ bezeichnete, einen Ausdruck, der von Charles S. Peirce (amerikanischer Wissenschaftsphilosoph) stammt und der auf Aristoteles (immer der) zurückgeht. Die Abduktion ist die Bildung einer erklärenden Hypothese, der dann die Deduktion folgt. Sagen wir es einfach: Holmes leitet aus genauer Beobachtung ab, genauso wie Ecos Wilhelm von Baskerville in „Der Name der Rose“, der dazu noch im Aussehen wie Sherlock Holmes geschildert wird, dessen Bild weitgehend auf den genialen Illustrator Sidney Paget zurückgeht. Es wurde  gemunkelt, dass Paget die Figur des Holmes nach seinem jüngeren Bruder gestaltete. Paget selbst besaß eine Vorliebe für diese karierte Schirmmütze (dear stalker cap), die zum Markenzeichen von Holmes wurde, obwohl sie nur in der Geschichte „Silberstern“ erwähnt wurde. Erstaunlicherweise wird unser Bild von Holmes und Watson mehr von Pagets Illustrationen und vom Film als von den Beschreibungen des Detektivs in Connan Doyles Romanen geprägt. Im Film kommt wohl Jeremy Brett unserem literarischen DandyChemiker am nächsten.

Aber zurück zu Freud und Holmes: Beide waren rührige Kokser. Weswegen Nicholas Meyer seinen Holmes-Freud-Roman „Die Sieben-Prozent-Lösung“ nennt, die Koksern wohl bekannt ist. In einer der letzten Sherlock Holmes-Erzählung „Der verschollene Three-Quarter“ berichtet uns Dr. Watson, dass Holmes seine Süchte überwunden habe, was Meyer in seinem Roman einer Analyse des Meisterdetektivs bei Freud zuschreibt. In „Eine Studie in Scharlachrot“, die 1887  als erste Holmes-Geschichte in England veröffentlicht wurde, schreibt Conan Doyle, dass „die inneren Gefühle eines Menschen durch einen augenblicklichen Ausdruck, das Zucken eines Muskels oder einen einzigen Blick“ zu erschließen seien. 18 Jahren später finden wir genau diesen Gedanken in Freuds „Bruckstück einer Hysterie-Analyse“ erstaunlich ähnlich ausgedrückt.
Wisst Ihr, dass ein Viertel der Sherlock-Holmes-Fälle gar nicht kriminell waren. Selma fragt sich gerade, ob wohl auch ein Viertel der Freud-Fälle gar nicht neurotisch waren.

Holmes und Watson

Uns beiden BuchFeen gefällt besonders an den Holmes-Geschichten, wie in ihnen die englischen Umgangsformen so treffend geschildert und zugleich ironisiert werden. Die Dialoge zwischen Holmes und Watson und speziell zwischen Holmes und dem Polizeioffizier Inspektor Lestrade sind meist pfiffig witzig und von einer atemberaubenden Arroganz geprägt, die Holmes als klassischen Vertreter der englischen Oberschicht kennzeichnet. Übertrieben für den heutigen Geschmack finden wir jedoch die bisweilen schulmeisterlichen Entgleisungen von Holmes, eine Eigenart, die Holmes mit vielen Aufklärern seiner Zeit teilt. Erzählt wird bis auf wenige Ausnahme aus der Perspektive von Dr. Watson, mit dem sich Conan Doyle (selber Arzt) identifizierte. Die Vorlage zu Sherlock Holmes bot Doyles Universitätslehrer, der Medizinprofessor Bell, der für seine analytischen Fähigkeiten und Beobachtungsgabe berühmt war.

Edgar Allen Poe

Conan Doyle orientierte sich mit seinen Sherlock-Holmes-Geschichten an Edgar Allan Poe, der für Selma mit „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ (1841) und „Das Geheimnis um Marie Roget“ (1842) die ersten modernen Krimis schrieb. Auch hier tritt bereits ein Detektiv auf und die brillant geschriebene Geschichte wird aus der Perspektive seines Assistenten beschrieben (und wurde von Beardsley illustriert). Ich, Siri BuchFee, dagegen meine, man könne schon  E.T.A. Hoffmanns „Fräulein von Scuderi“ (1818) als Vorläufer der heutigen Krimis sehen – und erstaunlicherweise ermittelt hier eine Frau, nach der diese  romantische Novelle benannt ist.
Poe erfand wie Conan Doyle und fast alle Krimischriftsteller bis heute einen Detektiv, nämlich Auguste Dupin. Schon im ersten Holmes-Fall „Eine Studie in Scharlachrot“ sprechen Holmes und Watson über Dupin, der Sherlock Holmes als „Vertreter der Ratio“ (Siegfried Kracauer „Der Detektiv-Roman“) und Prototyp des Amateurdetektiv ähnelt (wogegen Holmes sich in diesem Gespräch wehrt). Allerdings übertrifft ihn der dandyhafte Holmes in seiner Exzentrik bei weitem. Die einzige Exzentrik des sparsam mit Eigenschaften beschriebenen Dupin besteht darin, dass er als Nachtmensch lebt. Holmes ähnlicher finden wir seine Nachfahren wie Agatha Christies Hercule Poirot und Dorothy Sayers Lord Peter.
Zur gleichen Zeit tritt in den USA der Detektiv als der knallharte Mann auf, dem jeder Charme unseres Holmes fehlt. Dashiell Hammett und Raymond Chandler bringen den Mord zu jenen Menschen zurück, die aus Gründen morden und nicht nur, um Autoren wie Conan Doyle und Agatha Christie eine
Leiche zu liefern. „Realismus statt Romantik“ war die These Chandlers, die solche Leute wie unseren Petrarca lesenden und Geige spielenden Holmes und seine weibliche Kollegin, die hochgebildete, ältliche Miss Marple, ins Abseits geraten ließen. – Aber nicht ganz, denn auf der ganzen Welt gibt es heute um die 600 aktive Sherlock-Holmes-Clubs und immer wieder werden die Holmes-Geschichten neu verfilmt.
Allerdings, muss ich, Sirir BuchFee, hier den genialen Rex Stout als Ausnahme anführen. Dieser amerikanische Krimiautor, der von 1934-1975 33
Romane und 14 Erzählungen schrieb, schuf mit dem orchideenzüchtenden Privatdetektiv Nero Wolfe nicht nur einen ebenso exzentrischen und belesenen Detektiv wie Sherlock Holmes, sondern er übernahm auch Conan Doyles Technik, die Geschichten aus der Sicht des Assistenten zu schreiben, in diesem Fall Archie Goodwin. Conan Doyle und Stout lieben das immergleiche Setting, ihre Detektive haben eine feste Adresse und bei beiden steht die Polizei ziemlich dumm da. Ich überzeuge gerade mein Schwesterlein Selma davon, Rex Stout zu lesen, denn wer Sherlock Holmes liebt, wird sich auch mit Nero Wolfe anfreunden.

Wie wir auf Conan Doyle und seinen Holmes kamen? Wir berichteten Euch ja bereits (in „Literary Norfolk, Poppyland“), dass Conan Doyle sich in Cromer, unserer nächsten Stadt, golfspielend vom Typhus erholte und außerdem lebte er ja die letzten 23 Jahre seines Lebens in East Anglia (wozu auch Norfolk gehört), wo er mit Rudyard Kipling Golf spielte, bis er am 7. Juli 1930 starb. Und wir beide sind über die Parallelen zwischen unserem Master und Sherlock Holmes verblüfft: Beide sind Lehnstuhlexplorer, coole Logiker und einiges mehr, worüber wir demnächst noch genauer berichten werden. Außerdem finden wir, jeder Gebildete sollte zumindest einige von Conan Doyles Geschichten kennen. Dieser Ansicht war man selbst bis vor kurzem in den USA. In diesem Jahr wurde jedoch „Eine Studie in Scharlachrot“ auf Grund einer Klage der Mormonen Virginias vom Lehrplan gestrichen, da es in einer Nebenszene um eine Zwangsheirat im Mormonen-Milieu geht.

Bevor wir uns von Euch für heute verabschieden, hier unser Lieblingszitat von Conan Doyles Sherlock Holmes: „Mein lieber Watson, ich kann nicht zustimmen, Bescheidenheit zu den Tugenden zu zählen. Als Logiker sollte man die Dinge sehen, wie sie sind; sich zu unterschätzen weicht genauso weit von der Wahrheit ab, wie seine Kräfte zu überschätzen.“

In diesem Sinne Eure BuchFeen Siri und Selma

Nachtrag: Der ehemalige Maurer Guy Richie drehte 2009 nach der Trennung von Madonna den Film „Sherlock Holmes“, der insofern konsistent ist, dass die Besetzung schlecht, das Drehbuch noch schlechter und die Zeichnung von Holmes völlig daneben ist. Der australische Filmkritiker David Stratton meint, der Regisseur war hauptsächlich an Action interessiert, wobei er eine Vorlage der Weltliteratur vergewaltigte. Richie wäre wohl besser Maurer geblieben. Schock  Horror, es ist noch eine Fortsetzung geplant „und verschone uns von dem Übel“ …

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk 2011