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„DAVE“ und KI

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„DAVE“ und KI

Although for us it is by far the best and most informative novel about AI we didn’t mention it in our post about AI on our main blog
https://fabfourblog.com/2021/04/22/artifical-intelligence-in-literature/
because it isn’t translated into English (yet). And that’s why this review is written in German only.

Obwohl es für uns der beste Roman über KI ist, haben wir ihn nicht in unseren Artikel über KI in der Literatur in unserem Hauptblog angeführt
https://fabfourblog.com/2021/04/22/artifical-intelligence-in-literature/
da er (noch) nicht ins Englische übersetzt vorliegt. Das ist auch der Grund, warum wir diese Besprechung nur in Deutsch schrieben.

Raphaela Edelbauers „Dave, ist der klügste und gebildetste Roman, den wir in letzter Zeit gelesen haben. Es ist ein Roman vieler Ebenen, der viele Bezüge zu Film, Literatur und Mythologie aufweist, den man philosophisch, wissenschaftlich, spirituell und sozial bzw. politisch lesen kann. Es geht, wenn wir es richtig verstanden haben, um KI (künstliche Intelligenz) und Bewusstsein.
In der autoritären Welt des Labors kämpfen die Parteien der Neoterraner, die eine rein geistige Welt anstreben und mit der Parole „Hirn in die Cloud“ die Unsterblichkeit und die Überwindung des Leidens propagieren. Denen gegenüber stehen die Neoterraner, die die menschlichen Fähigkeiten des Körpers durch den Computer möglichst unendlich ausweiten wollen.
Das größere Problem ist jedoch, wie man einem Computer Bewusstsein vermitteln soll. In allem was logisch ist, ist der Computer den Menschen überlegen, aber wir denken und handeln zu oft irational. Das ist schwer und bis jetzt nicht befriedigend zu prorammieren. Uns wurde klar, wie wichtig das Gedächtnis für die Bildung eines Bewusstseins ist, denn Erinnerung determiniert nicht nur Handlungsmöglichkeiten sondern auch eine Persönlichkeit. Deswegen müssen auf den Mega-Computer die Gedächtnisinhalte und damit auch die Erfahrungen der Hauptperson heruntergeladen werden. Diese Sitzungen, bei denen Gedächtnisinhalte des Protagonisten heruntergeladen werden, hat die Autorin wie eine psychoanalytische Sitzung beschrieben. Man hofft, dass damit die Maschine einen Charakter mit Vorlieben und ihren typischen Fehlern und Verzerrungen bekommt und ein sich selbstordnendes Bewusstsein, das die Voraussetzung für freies Handeln ist. Aber wie soll man das progammieren? Programmieren bedeudet doch festzulegen, wie auf einen Impulse reagiert wird. Freies Handeln und Bewusstsein heißt jedoch sich selbst zu konstituieren.
Ein Person sagt in diesem Roman: „das Gedächtnis ist ein Rätsel, und zwar in jedem noch so kleinen Detail {…} Wenn Erinnern ein Wiedererleben der Vergangenheit ist, wie können wir dann die Realität vom Gedächtnis unterscheiden? Nur indem wir wieder das Gedächtnis konsultieren – ein Paradoxon.“ Vor solchen Paradoxa scheint die Programmierung einer menschengleich intelligenten Maschine ständig zu stehen. Was übrigens auch sagt, dass unser Leben als Menschen weitgehend paradox ist.

Eine der wichtigen Frage, die sich hier stellt, wenn über KI und Bewusstsen reflektiert wird: „kann ein Computer Subjekt und Objekt zugleich, der Erkennende und das zu Erkennende sein?“ Hegel schreibt in der „Phänomenologie des Geistes“: „Das Ich ist der Inhalt der Beziehung und das Beziehen selbst„.
Die Selbstreflektion scheint, zumindest noch in der ferner Zukunft, die dieser Roman beschreibt, ein großes Problem für die Programmierung darzustellen und auch, dass die KI sich in einem offenen System bewähren muss, um menschenähnlich zu werden.
In dieser Zukunft gibt es, wie bei all dieser neueren Literatur über KI, eine hierarchische Gesellschaft. Der Mitelstand sozusagen ist ein Heer von Programmierern, die die Maschine mit kleinen Progammen (wie Apps) füttern. An der Spitze der Hierarchie stehen die Physik-Professoren.

The development of full artificial intelligence could spell the end of the human race….It would take off on its own, and re-design itself at an ever increasing rate. Humans, who are limited by slow biological evolution, couldn’t compete, and would be superseded.” sagte Stephen Hawking in der BBC. Aber dass Maschinen die Menschen beherrschen und die Weltherrschaft übernehmen, findet man nur in fragwürdiger Populärliteratur und entsprechenden Filmen. Selbst in der hier geschilderten Zukunft ist man noch weit davon entfernt. Warum? Das wird im Roman mit der Pascal-Moravec-Hypothese erklärt. Sie besagt, dass man ohne weiteres heute Maschinen progammieren kann, dass sie wie Erwachsene und besser logisch handeln können, aber dass man bei der Wahrnehmung und Mobilität zumindest heutzutage nicht einmal an die Fähigkeiten eines Kleinkinds heranreicht. Das liegt daran, das letztere Fähigkeiten in einem langen Evolutionszeitraum entwickelt wurden, während logisch zielgerichtetes Denken evolutionär gesehen ziemlich neu ist. Also die Fähigkeiten, die eine solch lange Entwicklungszeit benötigen, können nicht von heute auf morgen der Maschine beigebracht werden.
Es geht hier ferner um die Reflektion von Qualität und Quantität. Kann es bei der Quantität einen dialektischen Umschlag kommen, so dass sie zu einer neuen Qualität wird?

Ferner geht es um Unsterblichkeit, indem die Persönlichkeit auf den Super-Computer heruntergeladen wird. Der Körper als Versorgungssystem ist dann nicht mehr nötig. Fragen werden gestellt wie ‚Was ist unser Ich‘ und ‚was ist Intelligenz‘. Die politische Dimension dieses Romans liegt darin, das sich ferner die Frage stellt, wer hat überhaupt das Recht den Super-Computer Dave zu progammieren.

„Dave“ ist keine Lektüre für abends im Bett, aber perfekt, um es bei der untergehende Sonne langsam im Wintergarten zu lesen. Voller schwarzer Humor, vergleichbar „Otherland“ von Tad William.

Jedem, der an einem philosophisch Diskurs über KI interessiert ist, können wir diesen Roman empfehlen, der einer der wenigen dieses Themas ist, der sowohl philosophisch reflektiert als auch naturwissenschaftlich informiert ist.
Also, viel Spaß beim Lesen
Klausbernd 🙂 und seine Buchfee Siri 🙂 und 🙂 Selma

© Klausbernd Vollmar, Cley next the Sea, 2021