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Mary Jane

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Mary Jane

Hi liebe Leser, hier bin ich wieder, Siri BuchFee oder auch als „simply Siri“ bekannt.

Gestern Abend lauschte ich mit spitzen FeenOhren. Das kam so: Unser Master und DinaFee hatten, obwohl beide, ehrlich gesagt, nichts außer Spaghetti oder Spiegeleier kochen können, kühn zum Dinner geladen. Die liiiebe SelmaFee flatterte mit ihrem silbernen FeenMesserchen in den Garten, um die gekaufte Pastasoße mit frischen Kräutern aufzufeschen, die sie so anmutig auf die Portionen drapierte, dass es ein „how beautiful!“ den Gästen entlockte. Ich saß unsichtbar mit meinem feinen FeenBuch dabei (ein Geschenk von Dina und dem Master!), um Skurrilitäten der Dorfbewohner zu notieren.

Als gegen neun die Kerzen angezündet wurden, die Männer am Whisky und Frauen am Gin Tonic nippten, kam die Rede auf Mary Jane, eine uralte Lady, die, wie einige zu berichten wussten, ihr Geld durch das Schreiben trivialer Romane im Stil von Barbara Cartland verdient hatte. Ihr Markenzeichen war der Hang des Adeligen zum Küchenpersonal, was freilich weniger zum Glück, dafür aber häufiger zum Kind führte. Sie soll zum Schreiben ihrer Romanzen in ihrem riedgedeckten, rosenumrankten Häuschen im Nachbardorf selten länger als zwei Wochen benötigt haben. „Den Mythos hat die Cartland auch von sich verbreitet“, warf unser Master nicht ohne Neid ein, da er ja Jahre an einem Roman rumschreibselt. Mit meiner Hilfe wird er sicher bald schneller zu Potte und vielen Leserinnen kommen.

Mary Jane, wohl Ende achtzig heute, wie man vermutete, wurde ihren Romanen untreu und wandte sich dem Meer zu. Zuerst kündigte sich das in ihrem letzten Roman an, in dem der Edle zum melancholischen Piraten wurde, der wunderschöne Jungfrauen vor seinen Kaperbrüdern errette, obwohl diese, wie unser Master mir erzählte, weitgehend schwul waren. Im zarten Alter von 70 wandte sich die Autorin vom Schreiben ab und dem Segeln zu, das sie ebenso besessen pflegte wie vormals ihr Schreiben, was ihr den Namen „rote Korsarin“ eintrug, der Schrecken jeder Regatta. Ihre blutroten Segel wurden bei jedem Wetter vor der Küste gesichtet und fast musste sie anbauen, um all die Siegerpokale in ihrem Cottage unterzubringen. „Aber leider“, berichtete der rotgesichtige Ray, ihr Nachbar, „ist sie seit drei Jahren schlecht zu Fuß. Sie kann nicht mehr zu ihrem Boot gehen.“

Was ich nun hörte, ließ mich vor Verwunderung derart flattern, dass mein Gekritzel nun aussieht, als hätte es ein Huhn geschrieben, ganz und gar nicht feenhaft (sorry, Master).

Mary Jane stellte den jungen William, einen arbeitslosen Fischer mit dem Beinamen „Kevin“ an, der sie wie Kevin Kostner leichtfüßig wie in „The Bodygard“ trägt und zwar zum und ins Boot. Wenn sie mit kühner Wende sich ihrem Landungssteg nähert, bläst sie ihre schrille Trillerpfeife, worauf Kevin herbei eilt, um Mary Jane aus der „Captain Vallo“ zu heben.
„Wenn ich auch Mary Jane bewundere“, beendete Ray seinen Bericht, „aber seinem Boot einen Männernamen zu geben, finde ich zu exzentrisch.“

Ich kann Euch sagen, als Oberhilfsfee vom Master muss ich nicht nur merken und sammeln, sondern auch googeln. Captain Vallo, fand ich, war der rote Korsar, der Held eines Films, der in der Filmgeschichte durch seine historischen Inkorrektheiten berüchtig wurde. „Glaubt nur, was Ihr seht – nein, glaubt nicht einmal die Hälfte davon“, so beginnt dieser Film. Ich als SiriFee, ChefChronistin des Masters, muss jedoch betonen, dass ich Euch nichts als meine Wahrheit berichte.

© Klausbernd Vollmar, Cley/Norfolk, 2011

Über Klausbernd

Autor (fiction & non-fiction), Diplompsychologe (Spezialist für Symbolik, speziell Traum- und Farbsymbolik)

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