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On Blogging

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Koalitionsverhandlungen

Wir Buchfeen müssen Euch heute ein riesengroßes Geheimnis verraten – psssst, nur unter uns!
We Bookfayries have to tell you a huge secret today – psssst, just among us!

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Da Dinas Blog und unser Buchfeenblog zusammen von über 4000 Followers regelmäßig besucht werden, überlegen wir uns, wie betreibt man solch große Blogs mit stetigem Wachstum. Abends in unseren Kuschelbettchen nach der Gute-Nacht-Geschichte fragen wir uns flüsternd, wie können wir unseren lieben Lesern noch gerechter werden. Wir munkelten im Dunkeln z.B. darüber, wie wir mehr Zeit bekommen, auf Kommentare einzugehen und uns mit den Lesern auszutauschen und diese virtuell zu besuchen?

Since Dinas blog and our Bookfayrieblog are regularly visited by more than 4,000 followers, we consider how to operate such large blogs with a steady growth. We ask ourselves, whispering in our cozy little beds on our bookshelves nearly every evening after the bedtime story, how can we serve our dear readers better and better. We rumored in the dark  about how we could  get more time to respond to comments and exchange views with our readers and visit them virtually?

Zunächst dachten wir wie Stefano mit „Clicks and Corks“ und Francesca mit „Flora`s Table“ vereinzelte Beiträge auf beiden Blogs zu posten. Gestern fiel uns aber auf, dass dies eine Schnapsidee ist (wir hatten von Masterchens Whiskey getrunken, siehe oben ;-)), da beide Blogs zu viele gemeinsame Followers haben.

At first we thought, like Stefano with his blog“Clicks and Corks“ and Francesca with „Flora` s Table„, to post our articles on both blogs on and off. But yesterday we noticed that this is not such a good idea (we had been drinking whiskey from our beloved Master`s favourite bottle, see picture above) since our blogs share many followers.

Unsere liebe Dina, Masterchen und wir liebklugen Buchfeen überlegen auch seit Tagen hin und her, ob wir nur noch einen Blog betreiben sollten. Das kam so: Masterchen fragte bei Pit in Süd-Texas an, ob bei ihm alles in Ordnung sei, weil er lange nicht mehr gebloggt habe. Der liebe Pit antwortete flugs darauf, dass er nach einer Blogpause gar nicht mehr solche Lust verspüre, seinen Blog weiterhin zu betreiben. Das war Wasser auf die Mühle von Masterchen, dem nämlich das Bloggen auch oft zu viel ist. Er wollte eigentlich heute eine Entschuldigung schreiben, fast wie in der Schule die Entschuldigung von den Eltern, dass er heute nichts bloggen könne, da er noch nicht zu Ende gedacht habe. Unser armes Masterchen macht sich großen Stress damit, dass seine Artikel nicht so ausgefeilt sind, wie sie seien könnten, da schneller gebloggt als gedacht wird. „Naja, er ist eben etwas älter und da denkt man langsamer“, meine ich, die liebfreche Selma.

Our dear Dina, the Master and we the as dear as clever Bookfayries consider whether we should just run one blog together. It happened like this: Our Master was asking Pit in South Texas if everything is okay with him because he hadn`t blogged for a log time. Our dear Pit immediately replied that he has lost the fun of bloggging after a break and he isn`t sure to run his blog any longer. This was grist to the mill of our Master who finds blogging stressful too often. He wanted to write an apology today – almost like in school the apology from the parents – that he could not blog this Friday because he had not yet finished thinking. Our poor Master uses to put himself  under such a pressure in thinking that our blogs are not as perfect as they could be, since he feels the obligation to blog faster than he thinks. „Well, he’s just a bit older and thinking slows down“, I, the lovingly naughty Selma, suppose.

Nun werden Koalitionsverhandlungen vorm Kamin geführt, wie unsere Zusammenarbeit in Zukunft aussehen könnte. Da gibt`s viel Ratz Fatz, aber das ist ja gut so– und ehrlich gesagt, wir wollen den „tollsten und spannendsten Blog aller Zeiten“ betreiben, worauf ich, Siri Buchfee, bestehe, „unter dem mache ich nicht mit!“
Jetzt fragen wir euch, liebe Leserinnen und Leser, was meint ihr dazu, wenn wir „The World According to Dina“ und unseren Buchfeenblog hier „The World According to Siri und Selma“ zu einem Blog zusammenlegen?
Hihihi, ich, die muntere Selma, meine, das wäre ja fast wie Heirat 😉

Well, coalition negotiations are be conducted in front of our fireplace how our collaboration might look like in the future. There `s a lot of excitement, but that is good – and to be honest, we want to run the“ wildest and most exciting blog ever,“ which is essential for me, Siri Bookfayrie.
Now we ask you, dear readers, what do you think if we combine „The World According to Dina“ and our Bookfayrieblog  „The World According to Siri and Selma“ to one blog?
Hehehe, I, the sprightly Selma, thinks that would be almost like a  marriage 😉

Ein Vorteil wäre auch, dass Dina und Masterchen mehr Zeit für uns (zum Vorlesen und Quatschen) und den Garten hätten. Außerdem können wir Buchfeen mit Dina und Masterchen noch viel tollere Artikel schreiben und Bilder veröffentlichen, da wir mehr Zeit zum Vorbereiten hätten. Das Thema ist doch eh bei beiden Blogs gleich: Der Norden und die Literatur. Außerdem brauchen unsere Leser nur einen Blog besuchen. Ist doch auch bequemer für Euch – oder?
Grundsätzlich würde sich ja wenig ändern: Ich, die kluge Siri, würde mit Masterchen Texte wie zuvor schreiben und ich, Selma Buchfee, würde mit Dina für die Fotos und die Gestaltung zuständig sein. Ja, was würde sich denn überhaupt ändern? Ihr würdet auf dem gemeinsamen Blog solche Artikel lesen, wie gewohnt, nur eben etwa einmal die Woche auf einem Blog.

An advantage would be that Dina and our Master would have more time for us (for reading and chatting) and the garden. Moreover, we Bookfayries together with Dina and our Master could write even greater articles and publish more stunning pictures because we would have more time to prepare. We write about the same topics anyhow: The North and the literature. Furthermore, our readers need only to visit one blog. Isn`t this also more convenient for you – right?
Basically, little would change: I, the wise Siri, would write the texts together with our Master as before, and I, Selma Bookfayrie, would be responsible for the photos and design together with Dina. Yes, what would change at all? You would read on the common blog such articles, as usual, just about once a week on one blog.

Aber, wie gesagt, unsere Koalitionsverhandlungen sind keineswegs von Frieden-Freundschaft-Eierkuchen bestimmt. Ob wir uns treffen? Wer weiß? Ein ungelöstes Problem ist noch, wie wir den neuen Blog nennen, Ihr versteht doch sicher, dass wir Buchfeen im Blogtitel vorkommen möchten – das lieben wir! – und dass „The World According to Dina“ zum Markenzeichen geworden ist. Oh je, Wie können wir beides retten? Aber das werden wir mit unseren kleinen grauen Zellen noch lösen. Oder habt Ihr eine zündende Idee dazu? Und soll der Blog weiterhin zweisprachig in Deutsch und Englisch oder nur in Englisch geführt werden? Masterchen plädierte eben geradezu furios für zweisprachig.
Falls wir uns dazu entscheiden, unsere Blogs zu vereinigen, werden wir damit Anfang Januar nächsten Jahres beginnen.

But, as we wrote, our coalition negotiations are not determined by „Peace, Friendship and Pancakes“. Whether we meet? Who knows? An unsolved problem still is what we call the new blog. You surely understand that we want to keep „Bookfayries“ in the blog title – which we would love! But the  „The World According to Dina“ has become a trademark. Oh dear, how can we save both? But we will solve this problem with our little gray cells – we hope. Or do you have a brilliant idea? Should the blog be run bilingual in both German and English or in English only? Masterchen pleaded just downright furious for bilingual.
If we decide to combine our blogs, we will begin in early January next year.

Wie schon öfter betont: Es gibt auch ein Leben jenseits des Bloggens. Wir wollen mehr Leben und weniger Bloggen – obwohl wir das Bloggen lieben und diese Liebe wollen wir uns nicht durch Stress nehmen lassen. Auf jeden Fall bedanken wir uns bei unseren über 4000 treuen Followers und allen anderen Lesern und fragen Euch, was meint Ihr denn zu unserer Idee?
Wir sind gespannt auf Eure Antwort.

As has often stressed: There is also a life beyond blogging. We want more life and less blogging – although we love blogging and this love we do not want to be destroyed due to stress. In any case, we thank our loyal followers and all our readers and ask you what you think about our idea?
We are looking forward to your reply.

Mit liebe Grüße vom stürmischen Meer
With love from the wild sea
Siri und Selma, die liebklugen Buchfeen

The North in Literature

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Der Norden in der Literatur

Es sind schon Männer berühmt geworden, weil sie ein Fachgebiet gemeistert haben, dessen Bedeutung von ihren Zeitgenossen noch nicht erkannt worden war. Und ich habe die Literatur über die Arktis gemeistert.

Men became famous because they mastered a field which importance had not been acknowledge by their contemporaries. And I have mastered all literature about the Arctic.

Andrea Barrett, Jenseits des Nordmeers

Der Norden gleicht einer gestaltwandlerischen Frau, die den männlichen Geist mit ihren vielen Gesichtern verführt.
Lese ich über den Norden, verblüfft mich, wie unterschiedlich zu verschiedenen Zeiten der Norden gesehen wurde. Für die alten Griechen war er der unbesuchte Ort, der Paradiesvorstellungen anzog. Als kühne Seefahrer den Rand des Nordens berührten, schlug diese Sicht ins Gegenteil um. Der Norden wurde zur Hölle, zum gefährlichen Ort, der Menschen verschlingt. Der französische Seefahrer Jacques Cartier bezeichnete noch 1534 die arktischen Gefilde als das Land, das Gott Kain zugedacht hat. Als Ort der Extreme provoziert der Norden extreme Sichtweisen: entweder wird er zum gelobten Paradies oder zur menschenfeindliche Hölle.

The North is like an ever changing woman who seduces the male mind with many faces.
I am astonished reading about the North how different different times saw it. For the old Greec it was an unvisited place which attracted paradise-like projections. When brave sailors visited the edge of the North they saw the opposite: The North became hell, the dangerous place devouring people. The French sailor Jacques Cartier called the North „the Land God allotted to Kain“ in 1534. As a place of extremes the North provokes extreme views, either it is see as the promised paradise or as the hostile hell.

skull of a polar bear

The skull of a polar bear

 

Als die ersten Schiffe in den hohen Norden vorstießen, war es die Ausbeutung dieser jungfräulichen Gegend, die raue Burschen aus südlicheren Gefilden anzog. Ihr Blick war von ökonomischer Gier geprägt. Die Menschheit erlebte ihren ersten Ölboom, der mit gnadenlosem Abschlachten der Wale und stinkenden Tranküchen die weltferne Arktis vergewaltigte. Als die Säuger des Meeres abgeschlachtet waren, folgte mit den Trappern die systematische Dezimierung der Säuger des Landes.
Im 19. Jahrhundert und noch bis nach der Eroberung der Pole, war die Arktis das Land, in dem sich echte Kerle bewährten. Sie wurden als die ersten beschrieben, welche die Eiswüsten bezwangen und froh waren, nach ihren Eroberungen schnell wieder nach Hause zu kommen. Zugleich begann man zaghaft gegen Mitte des 19. Jahrhunderts sich für die Bewohner der Arktis zu interessieren und aus wissenschaftlichem Interesse den Norden zu bereisen.

When the first ships reached the far north it was the exploitations of these virgin lands which drew rough guys. Their view was dominated by avarice. The humankind experienced its first oil boom which raped the far away Artic with a merciless killing of whales and smelly cooking of blubber. The trappers arrived when nearly all the mamals of the sea were butchered to kill the mamals of the land.
In the 19th c. and even after the conquest of the poles the Artic was a place where real guys were proving themselves. They were described as the first ones who conquered the ice deserts and being happy to return home swiftly after their adventures. At the the same time the first scientist began tentavely to became interested in the inhabitants of the North (at the middle of the 19th c.) and started to sail North driven by scientific interest. 

An old trap for polar foxes. The bait was placed under those heavy stones which slaied the fox dead.

An old trap for polar foxes. The bait was placed under those heavy stones on the wooden frame which slayed the fox dead.

 

All diese Betrachtungsweisen leben in unserem heutigen Bild des Nordens fort. Sie finden ihren Niederschlag im Literarischen und den Sachbüchern über die Arktis, die seit Ende des zwanzigsten Jahrhunderts als idealisierter Ort der letzten Wildnis „in“ ist. Selbst die moderne Werbung nutzt die Faszination der Polargebiete, wenn sie textet: „Peary entdeckte den Nordpol, Amundsen den Südpol. Und ich bin die offizielle Entdeckerin des Ruhepols“ (Werbung für die Zeitschrift „mein schöner Garten“, Juni 2008).
In der Wahrnehmung der Inuit bezieht sich jede Landschaftsformation auf eine mythologische Geschichte. Landschaft und Mythos sind untrennbar mit einander verbunden. Die Landschaft bietet ein kollektives Gedächtnis und ist so nicht nur eine geografische, sondern auch eine psychologische Orientierungshilfe.

Als these approaches survived in our contemporary view of the North. You find them in fictional and non-fictional books about the Arctic which is in as the idealised place of the last wilderness since the the end of the 20th c. Even modern advertisment uses the fascination of the North by texting „Peary discovered the North Pole, Amundsen discovered the South Pole, and we discovered the Resting Pole“ (A German advertisment for a garden Magazine, June 2008).
In the perception of the Inuit every feature of their landscape is related to a mythological tale. Landscape and myth are inextricably connected. The landscape provides a collective memory and is not only a geographical but also a psychological guidance.

Johansen and Nansen leaving to the "Farthest North".

Johansen and Nansen leaving to the „Farthest North“.

 

Die kanadische Forscherin Sherrill Grace ist dem Konzept des Nordens in Kunst, Literatur und Geschichtsschreibung nachgegangen. Sie beschränkte sich zwar auf das arktische Kanada, aber was sie über den Wandel dieses Nordbildes aussagt, gilt weitgehend für die gesamte Arktis (Sherrill Grace: Canada and the Idea of the North, McGill University Press, Montreal 2001). Auch der britische Archäologe Robert McGhee stellt scharfsinnig dar, was unterschiedliche Zeiten auf „Ultima Thule“ projizierten und wie Landschaft und Wahrnehmung zusammenhängen (Robert McGhee: Human History of the Arctic World, Oxford University Press, Oxford 2005).
Grace ist weitaus spezifischer als McGhee, dessen Beobachtungen oft im Abstrakten bleiben. Er wollte eine Besiedlungsgeschichte der Arktis vorlegen, was ihm bis ins Detail gelungen ist.

The Canadian scientist Sherill Grace researched about the concept of the North in art, literature and history. All she is writing about the changes of our concepts of the North applies to the whole Arctic although she constricts her research to Arctic Canada (Sherrill Grace: Canada and the Idea of the North, McGill University Press, Montreal 2001). The British archeologist Robert McGhee also describes sharp-sighted what different times used toproject on „Ultima Thule“ and how landscape and perception are connected (Robert McGhee: Human History of the Arctic World, Oxford University Press, Oxford 2005).
Grace is more specific than Ghee whose reflection are often quite abstract. Ghee`s aim was to document the history of colonisation of the the Arctic and he succeeded even in minute details. 

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Walruses (Svalbard) – they were hunted for ivory

 

Warum interessiert sich ein „Südländer“ für das Bild des Nordens?
Beweisen nicht die Urlauberströme, dass der Süden der Ort des Glücks ist? Der Mitteleuropäer strebt zur Sonne und Wärme, als folge er dem kommunistischen Lied „Brüder zur Sonne, zur Freiheit …“. Dennoch gibt es eine wachsende Zahl von Nordland-Enthusiasten, die jenseits der Massen, elitär im Eis ihr Paradies suchen. Das erinnert an die Nordmänner bei ihrer Besiedlung Grönlands. Damals wie heute suchte man dicht besiedelten Gegenden zu entkommen und sich in menschenleerer Weite zu bewähren. Wie die Nordmänner ihr Paradies erlebten und wie es endete, wird anschaulich in Jane Smileys umfangreichen Grönland-Roman beschrieben, der das Leben dreier Generationen von etwa 1345-1415 beschreibt (Jane Smiley: Die Grönland Saga, Frankfurt/M. 1992).

Why is someone from the South interested in the North?
Do not prove the streams of tourists that the South is the happy place? People from central Europe are striving for the sun and warmth as they would follow the communist anthem „Brothers, to the sun, to the freedom, brothers get up to the light …“ Although there are a rising number of North-enthusiasts who far away from the masses look in a elitist way for their paradise.  They equal the Norsemen in their colonising Greenland. Back then as today one tried to escape densely populated areas and to prove onself in the unpopulated wilderness. How the Norsemen experienced their paradise and how it ended you can read in Jane Smiley`s colorful Greenland-novel which pictures the life of three generations between 1345 – 1415 (Jane Smiley: The Greenlanders, New York 1988).

Ittoqqortoormiit (NE Greenland) - an isolated "village" of hunters. Dog sledges in the foreground.

Ittoqqortoormiit (NE Greenland) – an isolated „village“ of hunters. Dog sledges in the foreground.

 

Die Arktis lässt uns Eiszeit assoziieren. Sie erzeugt Bilder vom „einfachen“ Menschen, die in einer hochkomplexen Gesellschaft idealisiert werden. Darauf beruht die Ethno-Mode, die den Iunuit als „letzten Wilden“ entdeckte. Wie sich die Vorstellung der Eiszeit gegen enorme Widerstände im 19. Jahrhundert verbreitete, stellt Edmund Blair Bolles unterhaltsam und faktenreich dar (Edmund Blair Bolles: Eiszeit, Frankfurt/M. 2003). Er beschreibt unter anderem, wie Louis Agassiz die Idee der Eiszeit verbreitete. Als diese Vorstellung akzeptiert war, wurde sie von der Volksmeinung mit unseren Ururahnen a la Familie Feuerstein bevölkert, mit primitiven Jägern einer Kulturstufe, der sich der viktorianische Mensch überlegen fühlte und von der er zugleich angezogen war. Eine Gesellschaft, die triebhafte Instinkte verdrängte, brachte Freuds Psychoanalyse wie die Faszination am Wilden hervor, die stets auch sexuelle Untertöne besaß. Wer hat nicht vom Frauentausch der Inuit gehört, der ähnlich erregte, wie die Schilderungen von Cooks Seeleuten über die willigen Südsee-Insulanerinnen?
Dass viele Forschungsreisenden in der Arktis Kinder zurückließen, wird in wenigen Werken erwähnt. Der Amerikaner Peary lieh sich z.B. über lange Zeit die schöne Eskimofrau Aleqasina aus, mit der er nicht nur zwei Kinder zeugte, sondern auch Nacktfotos im Pin-up Stil aufnahm (Vgl. dazu die Biografie von Otto Emersleben: Robert Edwin Peary, Berlin 1991). Selbst der rassistische Eskimologe Vilhjalmur Stefansson hinterließ seinen Sohn Alex in der Arktis, den er mit der Inuk-Näherin Pannigabluk gezeugt hatte und um den er sich nie kümmerte.
Neben dem Zauber der enthemmten Inuitfrauen faszinierte andere Reisende die Freuden einer reinen Männergesellschaft, obwohl über homoerotische Freundschaften nie bei den Forschungsreisenden zu lesen ist, obwohl man sich freudig in einem Schlafsack aneinander wärmte.
Ein arktisches Buch zu lesen, verspricht also nicht nur ein spannendes Abenteuer, sondern auch Aufregung und eine latente Erotik.

The Artic provokes the assoziation ice age. It produces pictures of  simple men who are idealized in a highly complex society. This is the basis of ethno-fashion which discovered the Inuit as the last savage. How the concept of an ice age became accepted after fierce oppositions during the 19th c. is brillantly and entertainingly documented by by Edmund Blair Bolles (The Ice Finders: How a Poet, a Professor, and a Politician Discovered the Ice Age, 2000). He describes the problemLouis Agazzis had to get his idea of an ice age accepted. When it was done it was peopled with a kind of family flint-stone characters by the common readers, with primtive hunters on a level the Victorians felt far above but at the same time felt drawn to. A sexual repressive society produced Freud`s psychoanalysis as well as the fascination of the „savages“ which always had sexual undertones. Who hasn`t heard of the Inuit exchanging women? This was equally exciting as the desciption of horney women of the South Sea by Cooks sailors.
That  quite some Arctic explorers left children behind is hardly ever mentioned in the literature. The American Peary borrowed the beautiful Inuit woman Aleqasina for quite some time. He did not only produced two children with her but also used her as a model for pin-up-style pictures. Even the racist anthropologist Vilhjalmur Stefansson left Alex behind, a sun he had with the Inuit women Pannigabluk. Needless to say, he never cared for Alex.
Besides the uninhibited Inuit women other explorers were fascinated by the joys of a group of men only. But one doesn`t read a word about homoerotic friendship although one liked to warm each other in one sleeping bag.
Reading a book about the Arctic does not only provides one with tales of adventure and tension but with exitement of latent erotic as well.       

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Publikationen von arktischen Reisen dienten zunächst durch die Verbreitung von Information der Erforschung dieser Gegenden, von denen man sich wirtschaftlichen Erfolg versprach. Ende des 18. Jahrhunderts kommt mit Samuael Hearnes Buch about Nordkanada (1795) und Mungo Parks Bericht von seiner Afrika-Reise (1799) die unterhaltsame Literatur über die Erforschung unbekannter Länder auf, in deren Tradition noch Nansens Bestseller „In Nacht und Eis“ steht. Dieses Buch kann man gemütlich im Bett seinem Partner vorlesen. Es ist ein Buch der Hingabe an die Naturkräfte, eines sich Auslieferns, wie Nansen es ausdrückte, ein Buch, das S. Freud seiner Kindern als Nachtgeschichte vorlas.
Im 19. Jahrhundert diente die Literatur über die Arktis zunehmend nationalem Interesse. Es ging darum, welche Nation wie weit in den Norden vordrang – eine Potenzprotzerei des „je tiefer, je besser“. Heute beherrscht die berechtigte Sorge um den Klimawandel das Interesse von Wissenschaftlern und Laien an den Polargebieten.

Publications of journeys to the Arctic served first of all the distrubution of information of an area which promised an economical success. Samuel Hearne`s explorations of N Canada (1795) and the records of Mungo Park (1799) about his African adventures started an entertaining literature about unknown areas. Still in this tradition F. Nansen wrote his bestseller „Farthest North„, a book about surrender to the powers of nature which S. Freud read to his children as bed time strories.
During the 19th c. the literature about the North served more and more national interest. It was important which nation reached how far North – one see this as a potency complex following the idea „the deeper the better“. The interest in the polar regions is nowdays dominated by the legitimate worry about global warming.

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Our Master far North

Man glaubt es kaum, endlich haben die Esoteriker den Norden und somit den grönländischen Schamanismus für sich entdeckt. Freilich beschäftigten sich bereits führende Esoteriker des deutschen Faschismus mit dem Norden (Thule Gesellschaft und ihre Hohlerd-Theorie), ohne jedoch den dort praktizierten Schamanismus zu beachten. Besonders erfolgreich vermarktet sich der grönländische Schamane Angaangaq, der gefühlskalten Europäern die Herzen mit „icewisdom“ erwärmt (Angaangaq: Schmelzt das Eis in euren Herzen! München 2010).
Wesentlich anmutiger und mit französischem Charme widmet sich der Erfolgsautor und Psychiater Francois Lelord dem Thema Inuit zugleich mit zwei Büchern (Hector und die Entdeckung der Zeit, München 2006 und Das Durcheinander der Liebe, München 2008). Spannend fand ich in „Hector und die Entdeckung der Zeit“ die unterschiedliche Zeitauffassung der Inuit, die schon den ersten Forschern auffiel. Amüsant sind die Erlebnisse des Inuit Ulik, der von einer Ölgesellschaft zu Werbezwecken nach Paris eingeladen und dort mit der europäischen Auffassung der Liebe konfrontiert wird. Einige seiner Erfahrungen im Norden hat übrigens auch unser Master in seinem Roman „Tantes Tod“ verarbeitet, in dem es in einigen Kapiteln um die Pläne der Ölmaffia in Grönland geht. Neugierig geworden? Die ersten 30 Seiten könnt ihr hier lesen. Viel Spaß!

At last the mytics discovered the North and the shamanism of Greenland. That`s not entirely new because leading mystics of the German fascists were already highly interested in the North, especialy the Thule-Society. But they followed the ideas of the hollow-earth-thery and weren`t interested in shamanism. It is Angaangaq, a shaman from Greenland, who successfully put on the esoteric market his „icewisdom“, which melts the hearts of cool Europeans.
The French bestseller author and psychiatrist Francois Lelord writes much more nifty and funny in two of his novels (Hector and the Discovery of Time and The Chaos of Love) about the Inuit way of life. In his novel about the time he points out how the concept of time in the Inuit society differs from our idea of time. Funny are the adventures of the Inuk Ulik in his second novel who was sent by an oil drilling company to Paris for advertisment reasons. There he is confronted with the European concepts of love and sex.
Our Master did write the novel „Tantes Tod“ (Death of an Aunt – unfortunately in German only) in which some of the action takes place in Svalbard and Greenland. If you read German just have a look into the beginning (the first 30 pages) here.   

Mit eiskalten Grüßen 😉
Greetings from
Siri und Selma, die munteren Buchfeen

Weitere Artikel auf diesem Blog zum Thema Arktis:
More posts about the Arctic on our blog:

und auf Dinas Blog – The World According to Dina:
and on Dina`s blog „The World According To Dina“:

All pictures by Klausbernd Vollmar except the Johansen-Nansen-photograph (Google archives) and that of our Master is taken by Monika Obser.

Artichoke

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Siri + Selma

Siri + Selma

Durch den Besuch der Gärten Kents angeregt, begannen wir unseren Garten feenfein zu machen. Da fielen uns gleich die riesigen Artischocken auf, die Goethes Leidenschaft waren. Er baute sie an und nannte sie geradezu zärtlich „Fürtreffliche Stachelköpfchen“, „Liebchen“ (!) und „musterhafte Distelköpfe“. Der Herr Geheimrat war doch wohl nicht auch in die Artischocken verliebt gewesen?
Eigentlich haben wir von Masterchen gelernt, jede Distel sogleich auszustechen, aber das sind wohl privilegierte Disteln. Sie zeigen sich wirklich als Königin der Gemüse durch ihren enormen Raumanspruch. Wenn ihr einen kleinen Garten habt, Hände weg von Artischocken! Wir haben die Sorte Global Ball, die ihrem Namen Ehre macht.

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Inspired by our holiday in the beautiful gardens of Kent we started „serious gardening“ at home. For one week we were very busy. So we came into touch with our huge artichokes which were the passion of the German poet Goethe. He used terms of endearment talking and writing about his darlings.
We learned from our Master that thistles have to be dug out immediately but those thistles are privileged. The artichoke is seen as the queen of vergetables. And a queen it really is if you see how much space she takes up. If you own a small garden, hands off artichokes. We have about 6 plants of Global Ball taking up a big corner of our garden.   

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Über die arabische Welt erreichte die Artischocke im Hochmittelalter Europa, ab dem 16. Jh. begann ihre Kultivierung in Europa und im 18. Jh. wird es in Deutschland richtig schick, Artischocken zu essen, so etwas Besonderes, dass Christiane Vulpius ihrem Lebensgefährten Goethe mitteilte, dass sie bereits zweimal Artischocken aus dem Garten gegessen habe.

Originated in Egypt the artichoke came via the Arabic world to Europe in the 13th century, but not before the 16th century it was grown in gardens and in the 18 th c. it became very posh in Central Europe to eat artichokes. So posh that Christiane vulpius, Goethes lover, mentioned in a letter to Goethe that she ate two artichokes from their garden.

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Aber wir verraten euch, unsere Nachbarn wie auch Masterchen ernten keine einzige Artischocke; sie lassen sie blühen. Mit ihren riesigen Blättern und der leuchtend blauen großen Blüte ist die Artischocke der Star im Garten. Wir alle haben natürlich schon von unseren Artischocken gegessen. Klar, sind die lecker, aber zu viel Aufwand, sie zu bereiten – außer vielleicht, wenn man die jungen dicken Knospen einfach ins Kochwasser wirft (das lasen wir gerade).
Zur Goethezeit hat man die Artischockenböden meist gebacken genossen. Gut vertragen sie sich mit Spargel, Krabben und Krebsen – sehr lecker! Wenn ihr sie kocht, dürft ihr auf keinen Fall Aluminiumtöpfe benutzen! Die verleihen den Artischocken einen metallischen Beigeschmack und bleichen die Pflanzen dazu noch aus.
Die großen unteren Blätter der Artischocke, die als erste vergammeln, sind bestes Kompostmaterial.

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But we have to tell you that our neighbours as our Master don`t harvest their artichokes, they let them blossom. With its huge bright blue flower is the artichoke the star in our garden. Of course, we all eat our artichokes too, they are tasty but it`s quite some work to prepare them – although we just read one can throw the young butts into boiling water and eat them cooked.
At Goethe`s time the bottoms of the artichokes were baked in the oven. Very yummy they are in combination with asparagus and shelled seafood. If you cook artichokes never ever use aluminum casseroles because they produce a metallic taste and take away the colour.
The lower big leaves of this plant are rotting in autumn. Your compost heap will love them.

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Außer dass die Artischocken einige Vitamine besitzen (Provitamin A, Vitamin B, C, E) hat Masterchen vor einiger Zeit geradezu alchimistisch mit Artischocke und Mariendistel herumprobiert und zwar welche Wirkung sie auf das Betrunkensein und den Kater am nächsten Morgen haben. Mehr aus Witz hat eine kleine Gruppe richtige Testreihen mit biologischen Artichoken-Heilmitteln (gegen Lebererkrankung wegen ihrer Bitterstoffe) durchgeführt. Ergebnis: starke Reduzierung des Katers und späteres Betrunkenwerden. Wir müssen euch sagen, es gab einen Freund von Masterchen in Cley, wenn er bei dem eingeladen war, überlebte er nur nur nach dem Einwurf solcher Artischockenprodukte. Jetzt versteht ihr, warum die Artischocke ein Symbol des Wohlergehens und des Wohllebens ist. In Südeuropa ist man der Ansicht, dass sie nicht nur schlechte Laune, sondern ebenfalls Dämonen vertreibt.

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You get from the artichoke vitamins like B, C, E and pro-vitamin A , but our Master was much more interested what the artichoke does to our liver. Like the alchimists he with a little group of friends started experiments finding out that biological medicine made of artichokes diminishes the hang over after heavy drinking and let one becoming drunk slower. Well, our Master has had a friend in Cley, he could only survive visiting him by eating this artichoke-medicine. Now we understand why the artichoke is a symbol of well being and a frugal lifestyle. In southern Europa people believe this plant expels bad mood and even demons. 

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So, jetzt müssen wir uns wieder unserem Garten zuwenden. Aber zum Schluss noch schnell eine Artischocken-Anekdote: Letztes Jahr waren einige Artischocken von Blattläusen eingehüllt. Dann kam ein riesiger Marienkäferschwarm, der nun die Artischocken umhüllte. Als er sich nach zwei Tagen satt gefressen hatte, flogen die Marienkäfer weiter und ließen prächtige ungezieferfreie Artischocken zurück. Marienkäfer sind sooo viel besser als „Bayer Garden Pest Control“- nur dass die meistens nicht kommen, wenn man sie dringend benötigt 😦

Garten 197

Now the garden is calling again. Last not least a tale about my artichokes: Some artichokes were covered with lice last year. One day a big swarm of ladybirds arrived covering now all the artichokes. After two days their feast was ended and they flew off leaving behind healty bug free artichokes. This is better than Bayer Garden Pest Control – unfortunately the ladybirds don`t come on call 😦

Garten 080

Ganz liebe Grüße aus dem Garten von
Greetings from our garden
Siri und Selma, gärtnernde Buchfeen/gardening Bookfayries

Many thanks to Dina for photographing the artichokes in our garden with the help of Selma.

On Luck

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Siri + Selma

Siri + Selma

Wir Buchfeen trauten unseren Augen kaum, da bekamen wir, gerade aus dem Urlaub zurück, eine Einladung zum Glückscoaching. Das weiß doch jeder, Buchfeen sind glückliche Wesen zurückgehend auf den ehrenwerten Stamm der Glücksfeen! Wir bezweifeln kichernd, dass ein Glückscoaching die Menschen glücklich machen kann, selbst den Coach nicht, der sich niedlich verbissen um ein glückliches Aussehen auf seinem Foto bemüht. Je mehr du dich ums Glück bemühst, je weiter entfleucht es, habt ihr das nicht auch schon bemerkt? Wenn du dich bemühst, glücklich zu sein, verschwindet das Glück wie der Rauch im Wind, das erkannte bereits im 19. Jh. der englische Volkswirtschaftler John Stuart Mill.

We Bookfayries hardly believed our eyes, we just returned from our holiday as we received an invitation to a coaching for becoming a lucky and happy person. We thought everyone would know that Bookfayries are happy beings who are related with these fairies of luck. We doubt it giggeling that such a coaching brings luck and happiness to the participants – not even to the coach who was trying so hard to look happy on his picture. The more you try to become a lucky person the farther any luck runs away from you – have you noticed this too? If you try to be a lucky person you chase the luck away, this recognized John Stuart Mill in the 19th c. already.

Glück_collage

Unser Master zeigte uns etwas ganz Verblüffendes, als wir mit ihm im Pub vorhin beim Pint über das Glück sprachen, nämlich eine Glücksformel
G = V + L + W (Glück ist Vererbung plus Lebensumstände plus Wille)
Selma hätte fast ihr warmes Bier ganz unfein über den Tresen geprustet.

As we talked to our Master in the pub to a pint of real ale he showed us something utterly amazing: a formular for luck
L = H + S +W (Luck is heredity plus your situation in life plus willpower)
Selma snorted and nearly blew her mouthful of the warm beer over the bar.

wolframZu Hause zurück beschwingt vom Bier, und Masterchen hatte auch einen doppelten Whisky dazu genossen, haben wir in „alten buochen“, seiner mittelalterlichen Literatur, nach einem Glücksrezept gesucht. Bei Wolfram von Eschenbachs „Willehalm“ sind wir fündig geworden:

Küsse keck das holde Weib und drück es fest an deinen Leib.
Denn das gibt Glück und hohen Mut, so fern sie züchtig ist und gut.

Das sagte uns schon eher zu, „mehr down to earth“ wie Selma meinte, wenn wir jedoch das mit der Züchtigkeit augenzwinkernd in Frage stellten.

Back home a little tipsy from the pints – and Masterchen even drank a double whisky as well – we were searching the medieval books of our Master for recipe for becoming a happy and lucky person. We found this verse in the epic „Willehalm“ by Wolfram von Eschenbach (German poet, 13th c.):

Kiss brave the graceful lady, hold her tight to your body.
So you are getting luck and happiness as long as she shows chastity and is good.

This idea we liked much more. „More down to earth“ as Selma said with a blink, „if we forget about the chastity.

Siri kam dann mit Dostojewski und gerade in „Die Dämonen“ fand sie mit Buchfeenlist ein Zitat, dem wir voll zustimmen konnten:

Alles ist gut. Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick.

Masterchen holte noch das dicke Buch von diesem amerikanischen Kreativitätsforscher mit dem unaussprechlichen Namen, diesem Herrn Schick oder so (Mihaly Csikszentmihalyi heißt er richtig, Siri hat`s nachgeschaut), also dieser Forscher, der den Begriff des Flow geprägt hat. Er meint, da können wir ihn nur recht geben, wenn du völlig versunken mit roten Bäckchen und Glitzeraugen etwas tust, dann stellt  sich das Glück ein.

Siri found in Dostoyevsky`s novel „Demons“ (1872) with her Bookfayrie wisdom a quote we could fully agree to:

Everything is fine. People are unhappy because they do not know that they are happy. That is the only reason, that is all, nothing more! Who sees this will become happy, immediately.

Our Master fetched that big volume from this American scientist with the unpronounable name Mr Czik or so (his real name is Mihaly Csikszentmihalyi actually, Siri looked it up), that is the one who coined the phrase „Flow“. He writes if you become like a child immersed in something with a reddish face and sparkling eyes then you experience luck and happiness. We agree to this as well.

Glück_coll2

Viele haben über das Glück geschrieben wie Bertrand Russel (Eroberung des Glücks), Arthur Schopenhauer (Die Kunst, glücklich zu sein) stellte 50 Regeln fürs Glücklichsein auf, natürlich dürfen Goethe und der Dalai Lama nicht fehlen. In den USA scheint man unglücklicher zu sein, weswegen es dort im Ggs. zu Europa von Glücksforschern nur so wimmelt (Ed Diener, David T. Lykken und David Myers, um nur einige zu nennen). – Kennt ihr unseren Freund Hector (aus dem Roman von F. Lelord)? Er begab sich auch auf der Suche nach dem Glück.

Many did write about luck like Bertrand Russel, Arthur Schopenhauer even gave his readers 50 rules for becoming a lucky and happy person, and of course Goethe and the Dalai Lama thought about luck as well. In the USA people seem to be quite unhappy because there you find masses of „scientist“ researching about luck (not so in good old Europe) like Ed Diener, David T. Lykken and David Myers to mention some of the most decent ones only. – Do you know our friend Hector (from the novel by F. Lelord)? He was searching for luck too.


Kurzum, wir Buchfeen glauben, je weniger man sich um das Glück bemüht, je weniger man selbstbezogen ist und immer nur ICH, ICH, ICH im Kopf hat, je mehr man sich auf das Wesentliche beschränkt, desto schneller stellt sich oft unbemerkt das Glück ein. Aber wie bemerkte bereits der kluge Marcel Proust:

Glück ist gut für den Körper, aber Kummer stärkt den Geist.

Stimmt das für die Menschen, fragten wir Buchfeen uns, oder ist das nur so ein neoromantischer Spruch vom Kult des leidenden Genies geprägt, wie Proust eins war?

To cut a long story short, we Bookfayries believe the less you try to be lucky and happy, the less you are egocentric only thinking I, I and I again, the more you constrict yourself to the essentials the more likely you become – quite often unaware of it – lucky and happy. The clever Marcel Proust found out:

Luck is good for the body but sorrow strengthens the mind.

Does that apply to humans, did we Bookfayries asked ourselves, or is that a neo-romantic idea coined by the cult of the suffering genius (like Marcel Proust)? 

Ihr kennt sicher das Märchen vom Hans im Glück, dieser Bursche, der nach Verlust all seines Besitzes sein Glück findet. Fast könnte man denken, der biedere Hans hätte Erich Fromm gelesen. Aber ein wenig regressiv ist dieses Märchen schon, das höchste Glück besteht für Hans darin, zu seiner Mutter zurückzukehren. Well …

Und zum Schluss noch ein Zitat des des ironischen Aufklärers Voltaire:

Es ist komisch, dass kein Mensch mit Esprit ein Glück möchte, das auf Dummheit gegründet ist, und doch ist es klar, dass man dabei einen guten Tausch machen würde.

You surely came across the fairytale of „Hans in Luck“ (Grimm brothers, collection of 1812). In Northumberland there exist a similar tale of  „The Hedley Kow“, like Hans the character persuades herself that every change is a proof of her luck until she owns nothing anymore. Hans looses everything and one could imagine he had read Erich Fromm because that makes him happy. But we find his fairytale a bit too regressive because his highest luck is returning back to his mother.

Last not least a quote of the proponent of Enlightenment Voltaire

It is funny that no person with esprit wants luck which is based on foolishness although that would be a good barter.

Und nun sind wir einfach glücklich mit unserer Dina und unserem Masterchen ohne Wenns und Aber und die Ratgeber zum Glücklichsein benutzen wir zum Feuermachen, denn ein schönes Feuer im Kamin ist ein großes Glück.
Wir sind sooo neugierig, von euch zu lesen, was ihr über das Glück denkt. Bitte, bitte verratet es uns.

And now we are just happy with Dina and our Master without any doubts and we use the guidebooks for luck for lighting the fire because a nice roaring open fire is luck.
We are very, very curious what do you think about luck. Please, be so kind to let us know.

DON´T WORRY, BE HAPPY
mit lieben Grüßen eure Buchfeen Siri und Selma
with love and fairydust from your Bookfayries Siri and Selma

We thank  Dina very much for her collages. This picture of the knight shows „herre Wolfram“ (Wolfram von Eschenbach) as he is shown in the Manesse Manuscript (Codex Manesse, a collection of the songs of the ministrels), an illuminated manuscript from the early 14th c. that our Master loves very much.

Master`s Own Books

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Siri + Selma

Siri + Selma

Damit ihr einen Einblick bekommt, wo wir leben: Wir haben es uns zwischen Masterchens Büchern häuslich eingerichtet. Aber da heute großer Putz- und Aufräumtag ist, haben wir die Bücher herausgeworfen, um besser saugen und wischen zu können. Dina hat mit meiner (Selmas) Hilfe schnell die Fotos gemacht. Ja, blitzesschnell, dass Masterchen bloß nichts merkt, da er es nämlich blöd findet, wenn wir für seine  Bücher Reklame machen. Ein Relikt seiner bürgerlichen Erziehung 😉 Sagt mal, wie macht ihr das denn? Einige von euch haben ebenfalls Bücher geschrieben oder tolle Fotos veröffentlicht, auf die sie sicher stolz sind. Kennt ihr diese Ambivalenz, man ist stolz -und wir sind stolz, sehr stolz sogar auf Masterchens Werk – und zugleich traut man sich nicht, das zu zeigen nach der Devise „Eigenlob stinkt“?
Wir finden das gar nicht doof, Masterchens Werk hier vorzustellen, denn wenn er gut verkauft, können wir auf mehr Fayrietaler Taschengeld hoffen. Wir hoffen, ihr „liked“ unser Werk.

Just to get an idea how we are living. Master´s books are our surroundings on our two shelves. But today is the big cleaning day. We got all the books out to be able to hoover and mop our shelves. Dina immediately seized the opportunity to take some pictures with the help of me, Selma. We had to be quick that our Master did not see it. He doesn`t like it at all when we show or talk about his books. Well, that`s his upbringing. How do you go about with this? Some of you have written books or published great photographs they are proud of. But there is this ambivalence: You are proud of your work – and we are very proud of our Master`s work – and at the same time one doesn`t dare to show it. We have this proverb in German meaning self-praise stinks.
Anyway we don`t think that`s stupid proudly presenting Master`s books because if he sells his books well we hope to get more pocketmoney 🙂 and, of course, we hope as well that you like our article.

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Ganz rechts seht ihr die fürchterlich klugen Bücher von Lacan, Foucault, Derrida und Konsorten aus dem Merve Verlag, die Masterchen früher regelmäßig vorstellte, eigentlich erklärte, da dieses neo-strukturalistische Geschreibsele sonst nur einige wenige verstehen. Ganz links steht „Magisch Reisen: England“ – das war eins der gefragtesten Bücher vom Masterchen. Dafür durften wir fast ein Jahr mit ihm durch England reisen und dass es teilweise verfilmt wurde, fanden wir ganz prima und aufregend. Besonders in Avebury wo wir verwandte Fairies am Silbury Hill trafen. Dort flogen wir auch zum ersten Mal mit einem Hubschrauber über den Steinkreis und Silbury Hill. Der Avebury Steinkreis ist der größte Steinkreis der Welt und gehört mit Stonehenge zum Weltkulturerbe der UNESCO. Im Gegensatz zu Stonehenge, das einfach jede Magie und Charme durch seine touristenfreundliche Anlage und Umzäunung verlor, konnten wir in Avebury frei zwischen den Menhiren herumflattern. Und ganz spannend: Zwischen Avebury und Silbury Hill wurden die meisten Kornkreise gesichtet. Masterchen führt es darauf zurück, dass es im nahen Salisbury die meisten UFO-Clubs und UFO-Anhänger gibt. Übrigens Kornkreise werden im Englischen auch Fairy Rings genannt – sie wurden von unseren grünen Schwestern gemacht 😉 und wie Masterchen über die Außerirdischen denkt, das hat er vor vielen Jahren zusammen mit Martin Haeusler in seinem Buch „Der letzte Schrei aus dem Jenseits“ dargestellt.
Dahinten, etwas unscharf, dieser Stapel das sind Dinas Bücher. Masterchen würde seine Bücher nie so stapeln, aber Dina und uns macht das nichts.

On the very right you see the horribly intellectual books by Lacan, Foucault, Derrida and all the other brainies. Our Master edited some of those books and did review them, well, actually he clarified them as these neo-structuralist scribbles are ununderstandable to beings like us. On the very left you see his book about England. It was one of his most wanted books. We really enjoyed writing it because it meant one year happy travelling and not going to the Fairy School. Parts of this book were filmed. That was really exciting. We flew for the first time in a helicopter above the Avebury stone circle and the nearby Silbury Hill. Avebury is the biggest stone circle there is and together with Stonehenge Cultural Heritage of the World (UNESCO). In contrast to Stonehenge having lost all its magic and charme because of this „touristfriendly“ modern layout and fences, you can walk around the menhirs of Avebury and even touch them.
By the way, this is the area where most of the crop circles were spotted. Masterchen explains this with all those UFO-Clubs and UFO-fanatics in the nearby area of Salisbury. By way those crop circles are called fairy rings too – you see they were made by our green sisters 😉
In the back of this picture, a little blurred, you see some of Dina`s books. Our Master would never ever pile up books like this – but for Dina and us it`s kind of normal.

Die Wahrheit liegt nicht in einem Traum, sie liegt in vielen
aus „Tausendundeine Nacht“

Truth is not to be found in one dream but in many
from „Thousandandone Nights“

Hier seht ihr Masterchens gesammelte Traumbücher – schlummre sanft.
Über den Traum und Symbolik, dazu haben wir Masterchen emsigst überreden müssen, schrieb er hier und hier auf seinem Blog und einmal dazu noch auf Dinas Blog. Ja, wir haben gute Überzeugungsarbeit geleistet 😉 Wir Buchfeen haben mit Masterchen viele Jahre lang in der Traumwelt gelebt, ja, er ist derjenige, der die meisten Bücher über den Traum in deutscher Sprache veröffentlichte und in seinen Fersehsendungen und Interviews wurde er als „Traumvater der Nation“ bezeichnet. Wir haben uns ja schief gelacht, ha, ha, unser Traumväterchen … Sehr haben wir ihn dabei geholfen, die Traumdeutung zu systematisieren und praktisch zu vermitteln, eben zu zeigen, wie man mit seinen Träumen Probleme lösen und sie als Inspirationsquelle für seinen schnöden Alltag und seine Arbeit nutzen kann.

Here you see some of our Master`s books about dreaming – sleep well …
It wasn`t easy to persuade our Master to write about the dream and his symbols on our blog – and he did it here and here and even on Dina`s blog too. Well, we worked hard 😉 We have lived with our Master in the world of dreams for many years, well, he is the one who published most books about dreaming in German and so he was called in his TV-series and interviews „dream father of the Germans“. We couldn`t stop laughing when we heard this first. It was us helping him to find a system in which he showed how one could easily use one`s dreams to solve personal problems and how to use them as a source of inspiration for one`s work.

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Bunt ist meine Lieblingsfarbe.
Walter Gropius

Gay is my favourite colour
Walter Gropius

Neben den vielen Büchern über den Traum und dessen Symbolik nehmen seine Bücher über Farbe den meisten Raum ein. Als Feen leben wir ja in einer bunten Welt und so konnten wir Masterchen bestens inspirieren über die Symbolik von Farben und die Farbe in der Kunstgeschichte zu schreiben. Wir wundern uns immer wieder, wie Masterchen wie viele, die sich mit Farbe beschäftigen, die unbunten Farben von Schwarz über Grau bis Weiß liebt. Er hat gerade seine seine Küche in edlen Grautönen gestrichen, während wir das hier im Geheimen schreiben. Masterchen schrieb vor einiger Zeit über „Grausiges Grau“ auf unserem Blog. Heutezutage wird er meistens zu Schwarz und Weiß interviewt, obwohl wir Buchfeen gerade die bunten Farben lustig finden.

Now we switch from dream to colour. You must know we Bookfayries live in a colourful world. So we could inspire him to write many books about the symbolism, psychology, and perception of colour, and the colour in the history of art. We Bookfayries are always astonished that our Master loves the colour spectrum from black via gray to white like most of the folks dealing with colours. He has just painted his kitchen in classy shades of gray – but not 50 😉 Nowadays in most of his interviews he is asked about black and white but we as Bookfayries prefer the gay colours red, blue and yellow.

Das sind einige fremdsprachlichen Ausgaben von Masterchens Bücher. Wir haben gerade gezählt, er ist in 22 Sprachen übersetzt – naja, die meisten versteht er gar nicht und wir auch nicht. Wer weiß, was da übersetzt wurde 😉

Here you see some foreign editions of Master`s books. We were just counting, he is translated in 22 languages – well, most of those he and we don`t understand at all. Who knows what`s translated there 😉

Eine Auswahl der ausländischen Bücher; Autor: Klausbernd Vollmar, Photo: Hanne Siebers

Seht ihr hier die chinesische und hebräische Ausgabe seines Buchs? Wir können euch sagen, Masterchen war stolz wie ein Spanier, als es Ausgaben seiner Bücher in einer anderen Schrift gab. Probleme gab es jedoch, als er die Bücher bei der Verwertungsgesellschaft Wort melden musste: Sowohl in der chinesischen als auch in der hebräischen Ausgabe wurde der Titel nicht in unserer Schrift angegeben. Was tun? Naja, bislang wurden die Titel nicht gemeldet – oder kann vielleicht eine oder einer von euch diese obskuren Zeichen lesen?

Do you see the Chinese and Hebrew edition? We can tell you our Master was very, very proud of these editions with a different writing to ours. But it caused quite some problems when he wanted to report those book to the PLO (Public Lending Right Organisation) because he couldn`t find the titles written in our writing. What to do? Well, he hasn`t reported those books yet. Maybe one of you can read Hebrew or Chinese?

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Worauf Masterchen ganz stolz ist, wenn er es auch versteckt, ist sein neuer Roman „Tantes Tod“, den ihr euch als eBook bei neobooks herunterladen oder zumindest die ersten 27 Seiten als freie Kostprobe lesen könnt. Eine spannende Geschichte können wir euch sagen, aber mehr verraten wir jetzt nicht 😉 Eine Vorstellung des Romans findet ihr hier auf dem Blog unserer lieben Dina. Da viele fragten:Es ist sein zweiter veröffentlichter Roman. Der erste erschien im Trikont-Verlag mit dem Titel „Wasserberg“-Masterchen meint dazu „eine Jugendsünde“, das finden wir gar nicht.

Our dear Master is very, very proud of his new novel which was published as an ebook a fortnight ago. Unfortunately it is in German only. But maybe it will be translated into English one day. We keep our fairy wings crossed. It`s our Master`s second published novel. His first novel „Wasserberg“ he sees nowadays a youthful folly – but we disagree!

Mit liebklugen Buchfeengrüßen aus unserer Bibliothek
Love from our library
Siri und Selma, die liebklugen Buchfeen

P.S.: Es hat sich herumgesprochen, dass unsere lieben Blogbesucher, die Masters Bücher bei uns bestellen, diese mit der Signatur nicht nur vom Master, sondern auch uns beiden bekommen. Wir haben das einmal aus Spaß gemacht, jetzt wollen alle unsere Unterschrift, ja Feenschrift ist sehr beliebt. DANKE!

Thanks a lot to all of you who have ordered one or even more of Master`s books. Well, they are not only signed by our Masters but by us, the Booksfayries, as well. Actually we started this as a joke but now nearly everyone wants our signature as well, the writing of fairies is very much liked. Thank you!

Samuil Marschak

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Maus zu Mäuschen einmal piepste:
„Bücher sind ja herrlich, Liebste!
Ich kann sie nicht lesen zwar,
doch sie schmecken wunderbar!“

Samuil Marschak

We will try to translate that funny poem for all our Englisch speaking readers – just a try, we are not such a genial literary translator as Marshak was.  Part of the joke is the rhyme of that poem and that in German a person who likes to read is called „Leseratte“ meaning a reading rat but that has no negative connotations. If you want to express it more affectionately you say „Lesenmäuschen“, well, then the reading rat becomes a little reading mouse.

Mouse to mouse was once cheeping:
„Books are great, my sweetling!
I cannot read them what a pity
but they taste miracously“

The reading mouse in the Long Room of Trinity College/Dublin

Als uns Dina und Masterchen auf dieses lustige Zitat aufmerksam machten, flatterten wir gleich in unsere Bibliothek. Wir hatten noch nie von diesem Herrn Marschak gehört, in der Buchfeenschule kam er nicht vor und auch als wir die Standardwerke wie das schwere Harrenbergs Literaturlexikon und Pongs „Lexikon der Weltliteratur“ wälzten, war Marschak nicht zu finden. Selbst unser letzter Rettungsanker, Masterchens altersschwache Encyclopedia Britannica von 1969 kannte keinen Herrn Marschak, aber unser Buchhändler im Dorf, der Übersetzer von russischer Literatur, half uns weiter. Als er uns über Marschak berichtete, waren wir erstaunt, dass der wesentlichste Kinderbuchautor Russlands von westlichen Standardwerken wie zur Zeiten des kalten Kriegs ignoriert wurde – allerdings das sei zur Ehrenrettung des Netzes gesagt: In Wikipedia gibt es einen englischen und deutschen Eintrag zu Marschak.

When Dina and our master gave us this funny quote we immeditely flittered to our library. We had never heard of Mr Marshak. He wasn`t even mentioned in our bookfayrie school and in the standard works of international literature we couldn`t find him neither. Marshak was not existing, oh dear. Even our last hope master`s old Ecyclopedea  Britannica from 1969 didn`t know a Mr Marshak. But the old bookseller in our village, a translator of Russian literature into English, could help. He told us that Marshak has been the most prominent children`s book author of Russia. We were even more puzzled now that, like during the cold war, this famous author was ignored. But we have to mention for the rehabilitation of the net: one finds an entry in Wikipedia about Marshak (spelled mostly Marshak in Englisch, Marschak in other languages).

Samuil Mashak

Samuil Marschak

Samuil Marschak (1887-1964) war ein russischer Autor, der besonders für seine Kinderbücher bekannt wurde. Er lernte mit 15 Jahren Maxim Gorki und andere Berühmtheiten des russischen Kulturlebens kennen. Seine ersten Gedichte verfasste er in Jiddish. Er studierte später in London Anglistik und übersetzte die Shakespeare-Sonette, W.B. Yeats, Robert Burns und Heinrich Heine ins Russische. Ab 1926 war er Leiter des Staatsverlags für Kinderliteratur. Als Mitarbeiter der Prawda entwarf er während des zweiten Weltkriegs antifaschistische Plakate, für die er ausgezeichnet wurde. Nach dem Krieg wurde ihm jedoch wie anderen jüdischen Autoren Ästhetizismus vorgeworfen – was man ja als Lob auffassen könnte, meinten wir Buchfeen, aber Masterchen belehrte uns eines Besseren: „Der Ästhetizismus sieht dem höchsten Wert im Schönen, was dem sozialistischen Realismus grundlegend widersprach. Immanuel Kant sprach vom „Wohlgefallen ohne Interesse“ , dieses l´art pour l´art, das z.B. in Frankreich Flaubert und Beaudelaire vertraten. Oscar Wilde drückte es so aus: Kunst ist Schönheit und Schönheit ist zweckfrei. Aubrey Beardsley und Stefan George stimmten dem zu, wie auch all diese Dandys, die den Ästhetizismus zum Lebensstil erhoben. Thomas Mann allerdings ironisierte diese Haltung in seiner Novelle „Tristan“. Auf jeden Fall war im kommunistischen Russland der Vorwurf Ästhetizismus gleichbedeutend mit bürgerlicher Dekadenz und vernichtend. So wurde Marschak, obwohl er geradezu kriecherisch den Stalinismus verherrlichte, bis zu Stalins Tod angegriffen und verfolgt.“
Sollte man daraus schließen, dass der Kommunismus unschön ist? fragten wir uns, und dass das Vorurteil, Schönheit paare sich oft mit Dummheit, auch aus diesen Realismus besessenen Gefilden stammt? Unser Masterchen ist doch wohl nicht auch dem Ästhetizismus verfallen?

Just as we are writing this post one of the mice is starting to nibble at master`s "History of the Saracens" from 1757 - those mice like old books.

Just as we are writing this post one of the mice is starting to nibble at master`s „History of the Saracens“ from 1757 – those mice like old books.

Samuil Marshak (1887-1964) was a Russian author becoming famous for his children`s books. Already at the age of 15 he came into contact with Maxim Gorki and other ruling persons of the cultural life in Russia. He wrote his first poems in Yiddish. In London he studied English literatur and became a translator of Shakespeare (sonnets) as well as of W.B. Yeats, Robert Burns and Heinrich Heine into Russian. From 1926 onwards he was the director of the printing house of the Russian government for children`s books. When he was working for the Prawda during WW II he designed posters against facism which were awarded. After the war he was accused of aestheticism like some Jewish authors. We misunderstood that as an honour before our master told us: „The highest value of aestheticism is Beauty, an idea contradicting the dogma of socialist realism. For the German philosopher of enlightenment Immanuel Kant beauty is  „pleasure without any interest“, quite similar to this l´art pour l´art how it was represented by Flaubert and Beaudelaire in France. Oscar Wilde expressed it in this way: art is beauty and beauty is interestfree.  Aubrey Beardsley and the influencial German author Stefan George agreed as did all those dandies who transformed aetheticism into a way of life. It was the German author Thomas Mann who ironized these ideas in his novella „Tristan“. Anyway the accusation of aetheticism in communist Russia meant bourgoise decadence and was deadly. Although Marshak bootlicklinly praised Stalin he was attacked and hunted until Stalin`s death.“
Could we conclude from this standpoint that communism isn`t beautiful? we Bookfayries asked ourselves. And does the prejudice that beauty is often connected with stupidity goes back to the rejection of aetheticism? And now we are not sure any longer if our master is not addicted to aetheticism as well.

Oh dear, help! There even more mice around.

Oh dear, help! There even more mice around.

Liebe Grüße vom kleinen Dorf am großen Meer
Love from the little village next the big sea

Siri and Selma, the happy Bookfayries 🙂 🙂

Herzlichen Dank an Dina für die beiden Collage, das Marschak Bild stammt aus dem Wikipedia Archiv und das der Buchmaus von unserem Masterchen.
Thanks to Dina for the two collages, the picture of Marschak is taken from the Wikipedia archives and this of the bookmouse was taken by our dear master.

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Axel, Marianne, Leonard

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Das Wort normal verursacht mir Erstickungsqualen. Ich muss an andere unheimliche Worte denken wie gemeinsamer Nenner oder Lochkarte.
Axel Jensen „Ikaros“

The word normal makes me suffocate. It reminds me on other eery words like common denominator or punchcard.

Könnt ihr euch an Leonard Cohens Song „So long, Marianne“ erinnern?
Do you remember „So Long, Marianne“ by Leonard Cohen?

Drei Jahre zuvor (1964) hatte Cohen seinen viel beachteten Gedichtband „Flowers for Hitler“ nicht nur dieser Marianne gewidmet, sondern in ihm auch zwei Gedichte „For Marianne“ und „Waiting for Marianne“ aufgenommen. Wer war diese Marianne?

Cohen had dedicated his much discussed book of lyrics „Flowers for Hitler“ three year before that song, but not only that, you find in this book two  poems „For Marianne“ and „Waiting for Marianne“. Who was this Marianne?

Marianne war die Freundin und spätere Frau des norwegischen Autors Axel Jensen, die heute in Oslo lebt. Sie war mit Jensen nach Hydra in Griechenland gegangen, wo die beiden sich mit Leonard Cohen befreundeten, eine Freundschaft, die bis über Jensens qualvollen Tod (2003) anhalten sollte. Cohen wurde in Hydra Mariannes Liebhaber und Jensen der Liebhaber von Cohens Freundin Lena.
Es wird vermutet, dass die Figur Lorenzo in Jensens Roman „Joacim“ Cohen nachgebildet wurde.

Marianne was the girl friend and later wife of the Norwegian author Axel Jensen. She lives today in Oslo but in the sixties she went with Jensen to Hydra, the Greec Island, where the couple became soon friends with Leonard Cohen, a friendship that should last beyond Jensens agonizing death in 2003. Cohen became Marianne`s lover and Jensen the lover of Cohens Girl friend Lena.
It`s assumed that the literary figure of Lorenzo in Jensens novel „Joacim“ was modelled after Cohen.

Mit hat es verwundert, dass mich erst Dina auf diesen norwegischen Autor aufmerksam machte, denn er und ich haben einiges gemeinsam. Wir beide trafen Cohen und Marianne. Jensen beschreibt in seinem lesenswerten Road-Roman „Ikaros“, der dieser Marianne gewidmet ist, eine Reise nach Tamanrasset/Sahara, die ich etwa zehn Jahre später unternahm, außerdem hat er sich wie ich eingehend mit Gurdjieff beschäftigt, über den er kurz vor seinem Tod die Biografie „Guru – Glimpses from the World of Gurdjieff“ schrieb. Doch leider sind Jensens Bücher in Deutsch nur noch antiquarisch zu erhalten, obwohl die englischsprachige Literaturkritik ihn mit Allen Ginsberg und William Burroughs vergleicht.

I was quite astonished that I hadn`t heard of Jensen before Dina mentioned him to me commenting we have much in common. We both met Cohen and Marianne. Jensen describes in his novel „Ikaros“ – worth reading! – his journey to Tamanrasset/Sahara, a book that`s dedicated to Marianne. This journey I made about ten years later. Furthermore he studied like me  Gurdjieff and wrote the book „Guru – Glimpses from the World of Gurdjieff“ shortly before his death. Jensen`s books are compared with the writings of Allen Ginsberg and William Burroughs by critics.   

Ich. Ja, wer ist das eigentlich, ich?
Axel Jensen „Ikaros“

I, well who is that, this I?

Axel Jensens „Ikaros“ ist ein erotischer Road-Roman, der mir auf Anhieb gefiel, mehr noch als Kerouacs Klassiker „On the Road“. Jensen nimmt sich Zeit bei der Beschreibung von Stimmungen, die nie langweilig wirken. Der Roman erzählt streng linear in der Ich-Form ein spannend zu lesendes Abenteuer, wobei er sich jedes romantischen Klischees enthält. Wie bei allen frühen Romanen von Jensen – später schrieb er SciFi-Literatur – endet das Abenteuer statt in der Befreiung im Desaster.
Mir hat an diesem Roman speziell die unaufdringliche spirituelle Dimension gefallen, die an Ouspensky (der im Roman kurz erwähnt wird) und Gurdjieff erinnert. Ich verleihe ihm das Prädikat „sehr lesenswert“.

Axel Jensen`s „Ikaros“ is an erotic road-novel I immediately liked. Actually I prefer it to Kerouacs classic „On the road“ which is too speedy for my taste. Jensen takes his time describing the atmosphere very vivid without becoming boring. The novel is written in a linear way from the perspective of the literary I. It`s a fascinating adventure to read as he avoids romantic clichees. This adventure does not end in freedom but in desaster like in all the early novels by Jenesen – later he wrote SciFi-literature.

Die Hoffnung ist in dem wunderbaren Boden zu finden, welche der Blume des Bewußtseins Wachstum verleiht.
Axel Jensen „Ikaros“

Hope is to be found in the miracolous earth which makes the flower of consciousness grow.

Mit herzlichen Grüßen aus meiner Bibliothek
Love to you all from my cozy library
Klausbernd

Pictures courtesy to Leonard Cohen from his Marianne-Files and to Hanne Siebers for the collage opening into a picture gallery.